Verfasst am: 14.02.2010, 14:17 Titel: Sprachverständnis - (wie) kann man das fördern?
Hallo liebes Forum.
Meine Tochter - 3 Jahre alt - ist in der sprachlichen Entwicklung verzögert ... wie weit, wird noch getestet.
Nun ist uns schon oft aufgefallen, dass sie den Sinn des Gesagten gar nicht versteht.
Das zeigt sich besonders bei Spielen.
Es ist auch im Alltag immer wieder so:
Wir haben ihr gesagt, dass sie ihre Haare geschnitten bekommt, wir mit ihr zum Frisör gehen.
Den Tag vorher hat sie ständig gefragt: "Haar schneidet. ... Wir Puppenather gehen?".
Immer und immer wieder haben wir gesagt: "Nein, nicht ins Puppentheater, zum Frisör." ... sie hat das Wort Frisör nachsprechen können, doch sagte weiterhin "Puppenather".
Selbst als sie ihrem Papa vom Frisör erzählen sollte, hat sie "Puppenather Haare schneidet." gesagt.
Beim Spiel: Sie würfelt und sagt "sieben" ... egal was für eine Zahl und wie oft wir ihr sagen, dass es keine sieben beim Würfel gibt.
Meist kommen dazu noch Antworten "Schnee weiß. Schneidet tut."
Wir lesen ihr mehrmals täglich vor ... die Geschichten dauern max. 3 Minuten. Wir lesen deutlich, betonen schön, achten auf Satzzeichen ... geben uns wirklich Mühe, dass sie es so gut wie möglich versteht.
Am Ende darf sie das Bild anschauen und wir sprechen darüber.
Auch da kann sie nie unsere Fragen beantworten.
Sie sagt zwar, was sie sieht, doch das war nicht unsere Frage.
Auch, wenn wir Fragen in Verbindung mit dem Bild und der Geschichte stellen, sagt sie immer wieder das gleiche, was sie eben auf dem Bild sieht.
Beim Farben benennen ist das auch so: Sie kann die Farben sprechen, doch nicht zuordnen.
Inzwischen ist es bei manchen Dingen so, dass sie die Farbe best. Gegenstände auswendig kann. Bei einem neuen allerdings nicht die Farbe benennt, auch wenn es ebenfalls rot ist.
Allgemein ist es auch so, dass sie meist nur Sätze ihres Bruders übernimmt ... selten selbst Sätze bildet.
Gibt es da Möglichkeiten, dieses Verständnis zu trainieren? Hat jemand Erfahrung?
Sie wird erst noch im SPZ vorgestellt, ebenfalls steht noch ein Termin bei der Pädaudiologie an ... doch das dauert noch, da die Wartezeiten sehr lang sind.
Ich möchte auch nichts falsch machen und ihr wie auswendig gelernt etwas antrainieren ... sie soll es ja auch selbst schaffen, die Sprache eigenständig im Alltag einzusetzen.
Ich freue mich über jeden Tipp oder Fördervorschlag.
das hört sich ähnlich an, wie bei meinem Sohn , der eine sehr ausgeprägte rezeptive Sprachstörung hat.
Zu dem Thema gibt es ein tolles Arbeitsheft, welches die Störung sehr genau beschreibt und viele Tipps und Hilfen gibt.
Es ist im Hogrefe Verlag erschienen und heißt : Rezeptive Sprachstörung von H.Amorosa und M. Noterdame, es kostet neu 24,95 und gibts gebraucht ab 19.95 bei Amazon.
Beide Autoren haben in München in der Heckscher Klinik gearbeitet und kennen daher auch viele praktische Beispiele.
Also bei meinem Sohn, war das Erlernen der Sprache schon ein sehr langsamer und anstrengender Lernprozeß. Vieles war tatsächlich antrainiert. Übrigens kannte meiner auch mit 3 1/2 die Farben , verstand allerdings die Fragestellung nicht.
Also konnte er auf "Welche Farbe" nicht antworten, habe ich hingegen einen roten Stift hochgehalten und absichtlich falsch gesagt der Stift ist blau, hat er mich korrigiert und gesagt : "Nein, rot". Aber er war nicht in der Lage die Frage zu beantworten und das Wort welche kann man halt auch schlecht erklären .
Wichtig ist , mit einfachen Worten zu beginnen keine Wörter die vers. Sachverhalte darstellen. Mir fällt jetzt leider kein besseres Beispiel ein aber z.B. :
Der Weg wurde überdacht, die Planung will gut überdacht sein, und was bedeutet dann jemand handelt mit Bedacht, mir kommt der Verdacht , das könnte kompliziert werden.
Die Kinder verstehen oft nur ganz einfache Bedeutungen und interpretieren Aussagen dann komplett falsch.
Genauso haben sie Probleme Satzteile sinngemäß in der richtigen Reihenfolge zu verstehen.
Sagt man z.B.: Wir gehen in den Garten spielen, wenn das Geschirr gewaschen ist und die Gummistiefel angezogen sind.
Da das Wörtchen WENN nicht verstanden wird , wird kein Bezug hergestellt.
Kinder mit solch einer Sprachstörung tun sich wesentlich leichter, wenn der Satz in der tatsächlichen Reihenfolge gesprochen wird.
Also: Wir waschen dass Geschirr , ziehen die Gummistiefel an und gehen zum
spielen in den Garten.
Ich kann dir trotzdem Hoffnung machen , mein Sohn ist inzwischen sprachlich relativ unauffällig, obwohl er mit 5 Jahren noch sehr sehr wenig verstanden hat.
Es bestand dann auch immer die Frage liegt es an der Sprache oder ist er einfach zu "dumm", das ist nämlich dann manchmal sehr schwierig zu trennen.
Vielleicht war ein brauchbarer Tipp dabei , falls ja freu ich mich , du kannst mich aber auch über PN anschreiben , wenn du genaueres wissen willst.
Hallo , eventuell ist die Padovan-Therapie etwas für Euch.
Die Methode der neurofunktionellen Reorganisation nach Padovan versteht sich als ein ganzheitlicher Behandlungsansatz für Menschen jeden Alters, mit allgemeinen Entwicklungsstörungen, Sprach-und Sprechstörungen. Dabei wird als wesentliche Vorbedingung für die Ausbildung von Spracherwerbsprozessen von der optimalen Funktionsfähigkeit der Sinnesorgane und des sprechmotorischen Apparates sowie der fortschreitenden Entwicklung des Zentralnervensystems und der Lateralisation ausgegangen.
Die Padovan Methode arbeitet mit einer festgelegten Abfolge von Körperübungen. Die Reihenfolge der Übungen entspricht dem Ablauf der menschlichen Entwicklungsprozesse, die zeitlich und in ihrer Reihenfolge biologisch festgelegt sind. Dabei ist keine Entwicklungsstufe ohne die vorhergehende erreichbar.
Die Padovan Methode hat das Anliegen, diejenigen Mängel oder Versäumnisse, welche im Verlauf der Entwicklung eines Kindes auftraten, auszugleichen. D.h. die noch unvollständig oder fehlerhaft gebliebenen Fähigkeiten eines Menschen funktionell wiederzugewinnen, zu entwickeln oder gegebenenfalls zu verbessern. Das Gehirn bekommt sozusagen eine zweite Chance, Entwicklungsstufen zu durchlaufen, die zuvor nicht optimal erfüllt wurden. Dabei werden nicht einzelne Symptome therapiert, sondern der Mensch wird in seiner Gesamtpersönlichkeit angesprochen, als Einheit von Leib, Seele und Geist, damit der gesamte Organismus seine Aufgaben besser erfüllen kann. In Brasilien wird diese Therapie schon seit vielen Jahren sehr erfolgreich angewendet und es gibt mittlerweile mehrere Padovan Kliniken.
Liebe Grüße Marita
ich habe dazu hier in der Rubrik ja schon mehr geschrieben.
Gerade habe ich meinen alten Thread : "Rezeptive Sprachstörung oder Autismus " wieder ausgegraben und etwas aktualisiert.
Ich habe dort relativ detailliert Fabians Sprachentwicklung geschildert. Im Bereich Kindergarten und Schule ist mir heute auch ein Beitrag ins Auge gestochen, den ich sehr passend zu diesem Thema fand : Das Ohr - Die Pforte zum Schulerfolg.
Leider ist es manchmal schwierig einen guten Logopäden für dieses Problem zu finden, denn es geht ja nicht um Probleme mit der Aussprache.
Da ich im Kiga arbeite fallen mir immer wieder Kinder mit diesem Störungsbild auf, leider wiegeln auch viele Kinderärzte ab und beruhigen die Eltern mit der Aussage, ihr Kind spricht doch ganz deutlich , dann braucht man auch keinen Logopäden
Bei uns ist es fast GENAUSO wie du es bei deiner Tochter beschreibst... ich merke sehr oft das sie den Sinn des gesagten nicht verstanden hat... _________________ Wenn dich jemand auslacht, dann lächle zurück. Oft hat der der dich auslacht, ein Lächeln bitter nötig...
V. (10/04) FraX-Sonnenschein
F. (01/10) bislang gesund
bei uns ist es genauso wie bei deiner kleinen, was du zB beschreibst mit den farben oder mit dem antrainierten...
erst seit ca zwei wochen sehen wir eine entwicklung, dass mika langsam auf einfache, auch spontane fragen antworten kann, zB beim ankleiden: ach mika was müssen wir dir noch anziehen, damit du besser siehst (antwort: brille), was brauchen wir um die haare zu schneiden? (Schere), letzte woche sogar nach dem kiga nach dem nachmittagsabholen: hast du schon etwas gegessen? Ja, brötchen - ich war ganz verblüfft, das war das erste mal, dass er sowas inhaltlich wahrheitsgemäß beantworten konnte (ich hab die erzieherin direkt gefragt, ob das stimmt
seit mika nun langsam auf leichte fragen antwortet, habe ich nun ein spiel aus zusammenhangskarten selbst gemacht (laminiert), zB Schiff - Wasser, Baby - Schnuller, Postbote - Brief, Hund - Knochen, Vogel - Nest, Kuh - Milch. dann frage ich ihn zB wo fährt das schiff, wer frisst den knochen, woher kommt die milch, was bringt der postbote? und er muss dann die entsprechende antwort geben und die karte suchen. dass er das nun kann ist ein riesen schritt ... jedenfalls für ihn
vielleicht wäre das auch was für euch? oder ist das schon zu einfach?
LG, isa _________________ Mika 10/06 - globale Entwicklungsverzögerung, Sprechdyspraxie und motorische Dyspraxie
Eine so gravierende Sprachverständnisstörung sollte auf jeden Fall kompetent logopädisch behandelt werden. Ihr bekommt bestimmt eine entsprechende Empfehlung nach eurem Besuch im SPZ bzw. in der Pädaudiologie.
Für zu Hause gilt erst mal: weniger ist mehr! Das heißt: macht eher kurze Sätze ohne komplizierte grammatikalische Strukturen (Nicht:"Wenn du deine Schuhe angezogen hast, können wir losgehen". "Zieh deine Schuhe an" reicht). Achtet darauf, dass ihr die Aufmerksamkeit eurer Tochter habt, wenn ihr mit ihr sprecht. Also Blickkontakt, evtl. Körperkontakt herstellen und dann erst sprechen. Sinnvoll ist es, so oft wie möglich Sprache direkt mit der entsprechenden Handlung zu verknüpfen ( "Ich ziehe die Jacke an" genau in dem Augenblick, in dem du die Jacke anziehst). Das geht sehr schön im Spiel und bei ganz alltäglichen Handlungen wie Anziehen, Essen, Kochen.....Statt Geschichten vorzulesen, die ihr außer der Sprache kaum Anhaltspunkte zum Verstehen geben, würde ich eher Bilderbücher wählen. Sehr schön sind zum Beispiel die Wimmelbücher von Rotraut Susanne Berner. Hier sind immer wieder die gleichen Personen zu sehen, die verschiedene Dinge tun und es gibt viele lustige und spannende Details, über die man sprechen kann. So lassen sich auch kleine Suchspiele machen,( z.B. "Wo ist die Frau mit dem Hund?"), bei denen ihr unmittelbar merken könnt, was sie versteht.
Ich hoffe, dass ihr mit diesen Tipps schon mal etwas anfangen könnt!
Liebe Grüße
Birgit _________________ Logopädin,Schwerpunkte: Sprachentwicklungsstörungen, Lese-Rechtschreibstörungen
das kommt mir doch seeeehr bekannt vor!! Meine kleine redet ja auch jetzt noch häufig so. Sie antwortet dann irgend einen "quatsch", der gar nicht zum gefragten paßt.
Sie macht jetzt schon fast 2 Jahre Logo und langsam merken wir eine Besserung. Ob durch Logo oder so, weiß ich nicht. Sie antwortet jetzt schon gezielter auf Fragen. Glauben darf man das aber nicht unbedingt. Ich fragte sie jetzt 4 Tage nach dem Kiga "warum hast Du denn nichts gegessen". Antwort "ich nicht esse darf. Kreppel und Eis gesse".... Ich hab im Kiga nachgefragt. An einem Tag haben sie Kreppel selbstgemacht, einen Tag gabs Eis zum Nachtisch.... Beides hätte sie nicht am frühstücken gehindert. War nur so ein Beispiel.
Uns fällt auf, dass es oft bei Sachen ist, die sie nicht kennt bzw. zuordnen kann. Jetzt z.B. sage ich ihr "wir gehen heute Mittag zum Fasching". Antwort "ich mei Oma schlafe will".... paßt nicht zu meinem Satz... Ich denke das "Fasching" für sie nicht umsetzbar war in dem Moment. Es ist nicht Alltäglich. Genauso wie bei Euch "Frisör".. Sooo oft war sie noch nicht beim Frisör. Das fällt uns immer wieder auf.
Leider habe ich keinen richtigen Fördertip. Frag doch mal in Tills Schule nach. Die müssten Dir doch einen kleinen Tip geben können, oder? Er ist doch auf der Sprachheilschule.
Zu den Farben fällt mir grade was ein. Wir spielen gaaaanz oft "Quips". Sie kann die Farben zuordnen aber nicht benennen. Würfeln (rot) und Stein (rot) nehmen klappt prima.
Gestern hatte ich so eine Faschingsblumengirlade hier liegen. Ich sagte zu ihr "oh schön, schau mal was ist das denn für eine Farbe??" - sie "rot" (stimmt), und das "gelb" (stimmt), und das "blau" (stimmt). Sie hat ALLE richtig benennen können!!! Sie fand diese Kette total schön. Ich glaube sie hat in dem Moment vergessen, dass sie grade "getestet" wurde. Es war wirklich komisch...
Habt ihr Quips? Wenn nicht, kann ich Dir das am 7. gern mal ausleihen. Wir haben das wirklich schon sooooo oft gespielt. Es wird langsam langweilig ;o)
Liebe Grüße
Steffi _________________ Tochter (07/2004), AVWS
Tochter (08/2005), Autismus-Spektrum-Störung (F84.1), ADHS (F90.0), Neurofibromatose Typ 1 -NF1- (Q85.0)
Auch aus Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas Schönes bauen.
genau das, was du beschreibst, kenne ich von meinem Betreuungskind (frühkindlicher Autist).
Zum Beispiel wenn wir an einer Pferdekoppel vorbeigehen, wo drei Pferde stehen, und ich ihn frage, wie viele Pferde da stehen. Er schaut nicht, er verbindet meine Frage nicht mit den Pferden. Entweder sagt er dann nichts, oder er sagt einfach "fünf", ohne geschaut zu haben. Dabei rechnet er in der Schule mit weit größeren Zahlen.
Oder wenn man ihn fragt, welche Farbe ist das, gibt er immer nur die Standartantort "rot" und zwar bei allem. Lange Zeit hat er auch immer auf die Frage, wie alt er sei, mit "vier" geantwortet, auch als er schon älter war.
Manchmal fällt mir auch auf, dass er Satzteile überhaupt nicht "hört": Zum Beispiel wenn ich sage: "Das ist nicht schlimm", rennt er durchs ganze Haus und fängt an zu schreien: "Schlimm, schlimm." Da hat er offenbar nur das "schlimm" gehört.
Er übernimmt auch öfter Sätze von anderen, zum Beispiel fragt ihn jemand "Willst du einen Keks?" und wenn er später irgendwann einen will, sagt er zu der Person: "Willst du einen Keks?" anstelle von: "Ich will gern einen Keks haben."
Und er wiederholt Sätze 1000mal, auch wenn er darauf schon längst eine Antwort bekommen hat.
Er gibt auch "falsche" Antworten. Zum Beispiel wenn man ihn fragt, wo bist du heute morgen gewesen, und er sagt "Oma" obwohl er gar nicht bei seiner Oma war. Bekommt er dann aber die Möglichkeit, es auf einer Buchstabentafel zu tippen, kann er die "richtige" Antwort geben.
Wie hier schon geschrieben worden ist, würde ich in kurzen Sätzen mit ihr reden. Vielleicht ist es bei ihr auch so, dass sie bei "nicht schlimm" nur das "schlimm" hört und so das komplette Gegenteil versteht.
Besteht bei deiner Tochter auch Autismus-Verdacht, oder denkst du, dass es etwas anderes ist?
Wie du siehst, richtige Tipps habe ich leider auch nicht.
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