zunächst denke ich, dass die Wahlfreiheit das Wichtigste ist, um so im Interesse des Kindes entscheiden zu können.
Für uns kam, u. a. aufgrund von Lisas Entwicklung, eigentlich nur eine integrative Beschulung in Frage. Hierfür haben wir auch lange vorher versucht den Weg zu ebnen, in dem wir jede Menge Kontakte knüpften und uns viele Schulen ansahen. Einige Schulen haben Lisa dann zum Probeunterricht eingeladen, um zu sehen, ob sie sich einen gemeinsamen Weg vorstellen könnten. Aber auch für Lisa und uns war diese Zeit wichtig, da Lisa viele Vergleichsmöglichkeiten nachher hatte (wir natürlich auch). U. a. war sie für 3 Tage zur förderdiagnostischen Testung an der kb-Schule. Obwohl es ihr dort gut gefiel, wollte sie lieber mit ihren Geschwistern in eine Schule, die örtlich auch näher an unserem Wohnort liegt. Lisa ist ein Drilling.
Wir haben uns auch Gedanken gemacht, ob Lisa als erstes "offensichtliches" I-Kind mit einer Körperbehinderung an der Schule auch sozial zurecht kommen wird. Lisas Kommentar: "Ich bin doch auch im Kinderhaus die einzige, die nicht richtig laufen kann" -> Lisa läuft mit einem Walker und legt "längere" Strecken mit dem Rolli zurück (aktiv/passiv).
Aus unserer Sicht wurde die integrative Beschulung aus mehreren Gründen schlußendlich auch von der Schulbehörde befürwortet: Die Gutachterin äußerte sich positiv, insbesondere nachdem sie die aufnehmende Schule kennengelernt hatte (individualisierter Unterricht, große Offenheit gegenüber 3. Personen im Unterricht -Schulassistenz- und trotz Ängsten auch eine große Offenheit der Behinderung und den möglichen Auswirkungen auf das Lernen bzw. Erfassen von Lehrstoff gegenüber, 2 Lernbegleiter pro Klasse,...) und die gesetzliche Lage hatte sich zu unseren Gunsten -Wahlfreiheit- geändert. Welch ein unglaubliches Glück, so haben und empfinden wir es immer noch.
Auch auf Seiten der Lehrer gab es zunächst Ängste, wie mit Lisa umgehen, wird sie ihre Bedürfnisse äußern, um Hilfe bitten, wenn sie welche benötigt, wie werden die anderen Kinder damit umgehen, z. B. auf Lisa warten zu müssen etc. Doch bisher war es so, dass alles immer offen angesprochen wurde und wir an einer Lösung (falls sie denn erforderlich war) gemeinsam gearbeitet haben.
Die aufnehmende Schule ist eine freie Schule, in der Elternmitarbeit gewünscht und erforderlich ist. Z. B. mußte die Schule wenigstens annähernd behindertengerecht für Lisa gestaltet werden. So haben viele Eltern in Arbeitseinsätzen mit angepackt, um Regale und Waschbecken etc. abzusichern, falls Lisa sich mal an ihnen in den Stand ziehen sollte, Geländer mußten auf der Wandseite im Treppenhaus und auf den Treppenabsätzen angebracht werden und an den Aussentreppen und jeweils eine Toilette mußte für Lisa umgebaut werden im Schulhaus, in der Aula und in der Turnhalle.
Wir haben in den Lerngruppen vorab an den Elternabenden teilgenommen und dort Fragen zu Lisas Behinderung beantwortet, sofern welche gestellt wurden. Die Resonanz war sehr positiv.
Lisa besucht jetzt mit ihren Geschwistern seit August 2009 die Laborschule. Jedes Kind hat seine Lerngruppe. Alle drei Kinder gehen gern in die Schule und haben feste, eigene Freunde gefunden. Sie werden eingeladen, auch über Nacht und laden ein.
Lisa ist das erste und bisher einzige kb Kind an der Schule. UNd nachdem Lisa zunächst etwas Besonderes war, ist mittlerweile der Alltag eingekehrt, vieles hat sich eingespielt. Was für mich/uns den Geist der Schule ausmacht, ist u. a. nicht die Frage, ob Lisa etwas mitmachen kann, sondern wie (z. B. kann sie am Sport teilnehmen, nächstes Jahr am Schwimmunterricht, ...). Allerdings wird dies bei allen Kindern so gehandhabt, bei Lisa wird es nur deutlich.
Vom Lernstoff her ist es so, dass es eine Phase gab, wo wir dachten, vielleicht haben wir sie doch überfordert. Doch Lisa braucht für alles etwas länger und momentan hat sie die ersten Hürden genommen und schafft jetzt auf dem Wochenplan auch Zusatzaufgaben. Lisa jedenfalls ist glücklich und wir mit ihr.
Die Rückmeldung der Lehrer ist positiv sowohl was die Gruppendynamik angeht, als auch was Lisa persönlich betrifft.
Wir hoffen und wünschen uns für Lisa, dass es weiter so gut läuft. Jetzt genießen wir es jedenfalls erstmal. Wir wissen auch, das es der momentane Status ist und jederzeit alles im Fluss ist.
Ich dachte, ich schreibe das mal als positives Beispiel.
Übrigens haben wir mit Lisas Bruder mehr "Sorgen", da er nicht versteht, dass Lernen auch sich anstrengen bedeutet und Mißerfolge zum Lernprozess dazu gehören.
was euch angeht - für Lisa ist es die beste Entscheidung gewesen, sie mit den zwei anderen an diese Schule zu geben.
Ich weiß ja, wie ihr euch bemüht habt, Schulen angeschaut habt und alles.
Umso mehr freu ich mich, daß es so gut läuft!
Und gerade für Kinder wie Lisa ist es wichtig in einer normalen Schule lernen zu dürfen.
Da Du jetzt sicher nicht weißt wer ich bin, ich sag nur Claudia. Die kennen wir beide.
LG - Angela _________________ unsere Vorstellung: hier
Angela mit Eric (*93) und Franz (*98);
beide Dravet-Syndrom
Verfasst am: 09.02.2010, 18:16 Titel: Liebe Renate, ich kann dir nur zustimmen!
RenateKN hat folgendes geschrieben:
Also ich verstehe jetzt garnichts mehr...
da freut man sich dass es nun eine gesetzliche Grundlage gibt die die Eltern stärkt welche einen Regelschul-Besuch für ihre behinderten Kinder wollen und dann gibt es hier im Forum nun Eltern die dies nun wieder nicht gut finden, dabei ist doch der Konsens dass Eltern nun nicht mehr übergangen werden können vom Schulamt, allein darum geht es!! Ich habe hier dutzende von Beiträgen gelesen wo Eltern verzweifelt versuchen zu verhindern dass ihre Kinder in GB oder KB Schulen kommen und einfach vom Schulamt übergangen werden, die Kinder also gegen den Willen der Eltern in andere Schulen gesteckt werden.
Ist es wirklich so, dass wir Deutsche zu dumm sind um uns über neugewonnene Demokratie und mehr Elternrechte zu freuen? Es geht doch hier nicht um schwerbehinderte Kinder und Kinder welche einen Regelbesuch nicht verkraften würden, welche natürlich immer noch viel besser in einer Förderschule aufgehoben sind sondern um die [b]FREIHEIT selbst zu entscheiden was für das eigene Kind besser ist OHNE Angst dass man übergangen wird.[/b]
Ich kann nur meinen Kopf schütteln.
Dann soll doch bitte niemand mehr jammern wenn das eigene Kind einfach über Euren Kopf in eine Schule gesteckt wird welche Ihr nicht für Euer Kind haben wolltet.
Ts ts ts ts manchen Menschen kann man garnichts recht machen.
Dieses Gesetz bedeutet doch nicht dass nun ALLE behinderte Kinder in Regelschulen sollen.
Hallo Angela,
doch, ich weiß wer Du bist. Wir haben uns vor langer Zeit ja auch mal mit Claudi getroffen, bei einem unserer offenen Tage in den Schulen. Hatte lange keine Zeit mehr im Forum zu schauen, doch jetzt bin ich gerade mit 2 kranken Kindern zu Hause und da fallen doch hin und wieder ein paar Minuten ab.
es ist gut das die Eltern jetzt die gesetzlichen Möglichkeiten haben selbst zu wählen welche Schule ihr besonderes Kind besucht.
Aber man darf nicht vergessen, das die meisten regelschulen leider noch nicht so weit sind. Die Lehrer haben keine erfahrung im Umgang mit behinderten Kindern und der Integrationshelfer macht nur Sinn wenn er den ganzen tag auch wirklich da ist.
Ich bin absolut für Integration von behinderten Kindern, allerdings müssen dann auch die Rahmenbedingungen passen und nicht jedes behinderte Kind profitiert von der regelschule, das darf man auch nicht vergessen. Da wäre es nur eine frage der Zeit bis das Kind dann doch auf eine Förderschule wechseln müßte.
Ich bin eher für Integrationsschulen, wie es sie in vielen anderen Ländern schon gibt. Eben ähnlich wie eine I-Kita, dort ist ausreichen Personal für die besonderen Kinder da, man kann die Kinder in bestimmten Fächern einzeln fördern, bzw. getrennt von den anderen Kondern unterrichten, dort wo es notwendig ist und in anderen Fächern können sie wieder zusammen unterrichtet werden.
Aber dieses Recht besteht ja schon seit einiger Zeit. Solange halt die UN konvention schon ist. Nur hat Deutschland sich immer dagegen gewehrt und nun einen Rüffel von der UN bekommen. Mehr nicht, ich denke es wird sich nicht viel ändern. Weil in Deutschland die Inklusion weit entfernt ist...zuerst sollte man anfagnen die Integration erfolgreich anzuwenden...selbst in diesem Bereich ist Deutschland Schlusslicht.
Und Klagen vor dem EuGH hätte man schon viel früher können. das wird nur wirklich sehr selten gemacht, da es einfach zu langwierig ist. Aber jetzt kann sich der BGH auf das EU Völkerrecht stützen...und somit ist es noch ein wenig leichter zu klagen.
Deutschland ist halt in vielen Dinge Spitze in Europa nur nicht in Sachen der Integration...das geht wirklich gar nicht
Und da Bildung immer noch Ländersache ist, muss durch so viele Instanzen gegangen werden und dies ist äußerst langwierig und jeder überlegt sich diesen Schritt zigmal...das hat sich die Bundesregierung sehr schön ausgedacht...gar nicht so dumm, unsere lieben Politiker...
So das wars erstmal von mir...
lieben gruß (von dem, der der Meinung ist, das eine 100%ige Inklusion niemals möglich sein wird)
Adrian _________________ Adrian...arbeite in einer Schule für Kinder mit geistiger Behinderung, als Schulbegleiter für ein 13jähriges schwerstmehrfach behindertes Mädchen(u.a. Translokationstrisomie 18), seit 2006. Bin ausgebildeter HEP
Ja, erst mal ist es jetzt ein Recht, aber wann ist das die Pflicht?
Ja, Integration ist super, aber Förderschulen sind es auch, halt nur für verschiedene Kinder!
Einige hier können nicht verstehen, daß andere sich Sorgen machen, daß aus dem Recht eine Pflicht werden könnte, aber in vielem ist es doch schon so!
Hessen schafft nicht nur die Sonderkindergärten ab, sondern reduziert auch die I-Kindergärten, alle beh. Kinder sollen als Einzelintegration in den Kiga vor Ort gehen. RLP geht auch schon in die gleiche Richtung und versucht die Kinder zuerst als Einzelintegration unterzubringen.
In NRW gibt es keine Tagesförderstätten, weil jeder Mensch, egal wie behindert, ein Recht auf Arbeit hat!
Unser Steven lebt zurzeit in NRW im Heim, nach der Schulpflicht, wird er in ein anderes Heim wechseln müssen. Nicht weil das Heim das so vorschreibt, nein da könnte er deutlich länger bleiben, sondern, weil Steven in einer Werkstatt nur leiden würde. Steven läßt sich NICHT integrieren! Weder in eine Familie noch in eine Schule, er geht halbtags mit einer 1-zu-1-Betreuung in eine GB-Schule (Ganztagsschule).
Michelle und Danielo sind auch auf Sonderschulen, und da gehören sie auch hin, dort geht es ihnen gut, sie fühlen sich wohl, werden gefördert, gefordert, ernst genommen, angenommen,...
Josi hat auch deutliche Defizite, ist aber kognitiv normal entwickelt, da ist es gar keine Frage, sie wird nächstes Jahr auf der Regelschule integriert werden!!!
Ja, es ist super, daß es das Recht auf Regelschulbesuch gibt! Hoffen wir, daß dies auch ein Recht bleibt, und keine Pflicht wird!!!!!!!!!!!!!!!!
Ich möchte hier auch meine Gedanken mitteilen. Nachdem ich mich gerade daran gewöhnt hatte dass unser Sohn "nur " einen Lernhilfeabschluss an der KB Schule machen wird, wurde uns nun vom neuen engagierten Lehrer mitgeteilt unser Kind könne doch in Sinne der Inkusion evtl. auch an die Hauptschule wechseln(etwas verkürzt dargestellt, es wurde natürlich in alle Richtungen von uns disskutiert)
Grundsätzlich begrüße ich die neue Freiheit der Eltern, bin aber zugegebenerweise auch misstrauisch, ob es angesichts der leeren Kassen und der geringen Lobby die Bildung in der Politik hat, tatsächlich das Wohl der Kinder im Vordergrund steht. Es muss weiterhin Förderschulen geben! Aber zumindest auf unserer KB Schule sind mindestens 50 % Kinder die dort nicht hingehören ! Bauliche Veränderungen an den Regelschulen wären für diese Kinder an Regelschulen sicher nicht notwendig. Wohl aber eine generelle Reduktion der Schülerzahlen, mehr Lehrer für differenzierten Unterricht und individuelle therapeut. Zuzatzangebote. Viele Eltern würden schon allein wegen der angenehmen Atmosphäre, dem Fahrdienst , der Ganztagsbetreuung usw. lieber an eine Förderschule schicken, wenn-ja wenn es nicht eben eine Förderschule wäre!!!!!! Also müssen wir Eltern die Strukturen langsam aufbrechen, dafür sorgen dass hochbezahlte Sonderschullehrer in die Regelschulen gehen müssen. Nicht Knall auf Fall sondern ganz allmählich. Unsere Regelschulen haben doch jetzt aufgrund der sinkenden Schülerzahlen und der zunehmenden Möglichkeit selbstbestimmter zu entscheiden und könnten umsteuern, oder ? Sie müssen "kundenorientierter" werden, damit sie nicht zum Auslaufmodell werden. Und wir Eltern müssen aktiv werden , nicht nur für unsere Kinder sondern auch für die Eltern nach uns !!
Und so sehe ich es so wie unser Sohn sagte: Mama , ich will auf eine Schule, wo alle hingehen und nicht nur Behinderte ! Ich will nix besonderes mehr sein. Die richtige Schule ist dort wo die Persönlichkeit sich am besten entwickeln kann. Die Verantwortung sollte bei den Eltern liegen, sie wahrzunehmen ist aber auch schwierig finde ich !!!!!
Liebe Grüße
BineBe
Wie sollen wir als Eltern für das Wohl unserer Kinder entscheiden, wenn wir nur zurück aber nie vorwärts schauen können? Wer weiß schon, welche Veränderung, die wir anstreben, letztendlich die Beste sein wird? Integration? Ohne geeignetes Personal? Verbleib an den Fördereinrichtungen - Verzicht auf unser "Recht" ?
Wir hadern auch sehr. Wie ich ja schon geschrieben habe, wird unser Sohn evtl. in die Regelschule zurückgeführt - in eine Klasse mit 29 Kindern.....
Was man ja schon für ein Kind ohne Probleme bzw. Handicap nicht wünschen kann.
Das Problem liegt im System.... Klar, so macht man es sich leichter, alles auf die Gegebenheiten abzuwälzen, aber das ist wirklich so.
Wunder dauern etwas länger - oft leider viel zu lang....
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