Renate _________________ Mutter von drei nichtbehinderten Kindern und von Tikvah: schwere Entwicklungsstörung des Gehirns, Epilepsie, frühzeitige Pupertät
The whole meaning of prayer is that we may know God. Oswald Chambers
Morgen, wenn ich weniger müde bin. Kom grad von einem langen und anstrengenden Spaziergang zurück.
Renate _________________ Mutter von drei nichtbehinderten Kindern und von Tikvah: schwere Entwicklungsstörung des Gehirns, Epilepsie, frühzeitige Pupertät
The whole meaning of prayer is that we may know God. Oswald Chambers
Also, ich will mal versuchen auf deinen Beitrag einzugehen.
Wenn ich dich richtig verstehe, glaubst du, dass es Gott gibt, Jesus gibt, den Himmel gibt. Mit Jesus hast du keine Probleme, aber mit Gott schon. So jedenfalls verstehe ich dich.
Für mich geht das irgendwie nicht zusammen. Jesus hat mal gesagt: "wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt..." Die Informationen, die ich über Gott, Jesus, den Himmel habe, kommen aus der Bibel und da lese ich, dass Jesus sagt: " ich und der Vater sind eins." Oder dass er immer wieder betont, dass er gekommen ist, um den Willen des Vaters zu tun. Also bei Jesus stand die ganz enge, ganz tiefe Beziehung zu Gott an erster Stelle, deshalb kann ich Gott und Jesus eigentlich auch nicht losgelöst voneinander sehen.
Ich habe heute morgen Kapitel 7 vom Mattheusevangelium gelesen. Das finde ich in diesem Zusammenhang auch sehr interessant.
Mir wird auch immer ein wenig schwer ums Herz, wenn ich lese, dass Menschen einmal an die Himmelstür klopfen werden und vorhaben, dann Rechenschaft von Gott zu fordern. Das finde ich in der Bibel nirgends. Fragen dürfen wir heute schon, und auf ehrlich Fragen gibt Gott heute schon antwort. Aber fordern....Und an der Himmelstür anklopfen dürfen, das sehe ich als ein Vorrecht, als Gnade. Um das zu dürfen, müssen erst einige Voraussetzungen erfüllt werden, sagt Jesus. Dazu gehört auch die persönliche Annahme des "Menschenopfers", das ja kein Menschenopfer war, sondern Gott selber, der bereit war, stellvertretend für uns zu sterben. Das ist pure Liebe.
Hoffentlich habe ich dich nun nirgends angegriffen. Ich wollte nur schreiben, wie ich das aus der Bibel heraus lese.
Aber jetzt muss ich erst mal für's Essen sorgen.
Renate _________________ Mutter von drei nichtbehinderten Kindern und von Tikvah: schwere Entwicklungsstörung des Gehirns, Epilepsie, frühzeitige Pupertät
The whole meaning of prayer is that we may know God. Oswald Chambers
Ich sehe Gott und Jesus auch als Eins, aber sie stehen für unterschiedliche Aspekte. Den Gott des Alten Testamentes sehe ich als einen liebenden und einen rächenden Gott, an den ich aus lauter Angst vor Strafe glauben würde.
Mit Jesus nun kommt ein neues Element hinein, das des Verzeihenden und des Sich-Opfernden. Vor ihm brauche ich nicht solch eine Angst zu haben für menschliche Schwächen im Wünschen und Handeln, die ich mir nun ja "weiß Gott" nicht selber ausgesucht habe, sondern ich bin mit meiner menschlichen Natur geboren.
Da Gott ja nunmal ein Schöpfergott ist, finde ich, darf ich auch feststellen, dass er uns Menschen hier auf Erden eine ganz schöne Qual erschaffen hat. Und wenn er dann, der uns so geschaffen hat, auch noch seinen Sohn morden lässt, damit wir, seine Geschöpfe, erlöst werden, dann frage ich mich wirklich, was das alles soll. Die Geschichte mit dem Rauswurf aus dem Paradies ist doch ein eher dürftiger menschlicher Erklärungsversuch,um zu verstehen, wieso Gottvater uns erschafft und dann so verurteilt für unser Menschsein und so wenig schützt.
Ohne Gott/Jesus habe ich in diesem Leben in schweren Krisen zuwenig Kraft und Halt und auch die Alltagsstrukturierung für mich und die Familie entlang des kirchlichen Jahreszyklus tut sehr gut.
Aber ich empfinde dieses Erdenleben schon auch als Zumutung und Qual, wenn ich all das unverschuldete Elend sehe und frage mich und Gott, wofür das gut sein soll.
Vielleicht ist Gott gar kein Schöpfergott oder nicht allmächtig oder, wie mir selbst ein Priester mal sagte, einfach nicht nur ein guter Gott.
Das soll keine Lästerung sein, sondern einfach die Kritik einer Christin, die nachdenkt.
Ja, so scheint es zu sein. _________________ Janosch (06/00), leichte geistige Behinderung mit dezenten autistischen Zügen, Aufmerksamkeitsstörung, Adoptivkind
Beginne den Tag mit einem Lächeln - dann hast du es hinter dir! (Dr. Eckart von Hirschhausen)
das sind auch die Gedanken, die mir immer durch den Kopf gehen, mir aber auch letztlich den Glauben genommen haben.
Der Rauswurf aus dem Paradies... Ja, Gott in seiner Allmacht und Güte setzt Mann und Frau ins Paradies, geschaffen nach seinem Ebenbild (!), und hat offenbar nicht schon vorher gewusst, was pasieren würde... soviel zur Allmacht.
Gott lässt uns seinen Sohn töten, um uns von Schuld und Sünde zu befreien, was für ein Aberwitz, ohne erkennbare Logik und für mich letztlich reines Wunchdenken.
Ein Gott, der entweder nicht vorhersieht, daß der Mensch Mist bauen wird oder es ihm egal ist oder doch nicht so allmächtig ist, zu dem soll ich beten? Warum?
Ich möchte niemandem in seinen Glauben hineinreden, aber für mich ist er nur noch Zeitverschwendung.
Trotzdem gehe ich manchmal in eine Kirche oder im Krankenhaus in eine Kapelle, zünde eine Kerze an und nehme mir eine viertel Stunde Ruhe, um Gedanken zu ordnen und durchzuatmen. Eine Zwisprache mit Gott ist mir dabei allerding nicht möglich, und auch gar nicht mehr erwüncht.
Euch allen liebe Grüße
Dirk _________________ Papa von den 09/01 geb. Zwillingen Rebecca, gesund, und Nadja, ehem. eutrop. Frühgeb., blind, periventrikuläre noduläre Heterotopie, Hydrocephalus mit Shunt versorgt, Balkenagenesie, Kleinhirndisplasie, unterschiedlich schwere Epilepsie, geistig und motorisch retardiert, nach Unfall 2005 posttraumatischer ADH-Mangel und Diabetes Insipidus
Marianne, ich habe in den vergangenen Tagen viel über deinen vorletzten Beitrag nachgedacht. Dabei ist mir immer wieder ein Vers aus (entschuldige) der Bibel eingefallen, nämlich Epheser 2, Vers 19.
Man kann vor dem Haus stehen und ein wenig vom Leben, das sich im Haus abspielt, erahnen, vielleicht sogar Hilfe bekommen von den Bewohnern des Hauses, und doch draussen stehen. Oder man kann dazugehören und das ist dann was ganz anderes. Die Frage stellt sich, zu welcher Sorte Mensch gehöre ich: Fremde und Gäste, oder Familienmitglied.
Theas, wenn Gott einfach nur dem menschlichen Denken entspringen würde, wäre er ja ein Produkt der menschlichen Phantasie. Auf ein Produkt meiner eigenen menschlichen Phantasie könnte ich mich nicht verlassen. Die wäre mir doch zu trügerisch.
Dirk, Gott kann man nicht bis ins Kleinste verstehen. Dieser grosse Gott passt nicht in unseren kleinen Schädel. Ich denke, das mit dem Tod von Jesus, das kann man erst "verstehen", wenn man seine eigene Schuld erkannt hat, wenn ich so sagen darf. Und dann wird dieser Tod ¨so wertvoll und sehen wir, dass es stimmt, dass Gott damit seine Liebe zu uns bewiesen hat. Joh 3,16
Schönen Tag euch allen
Renate _________________ Mutter von drei nichtbehinderten Kindern und von Tikvah: schwere Entwicklungsstörung des Gehirns, Epilepsie, frühzeitige Pupertät
The whole meaning of prayer is that we may know God. Oswald Chambers
Hallo Dirk, ja, deine Gedanken sind auch meine. Das kann zum Unglauben führen oder, wie bei mir, dazu, wie Theas zu denken, dass dies alles Ausgeburten menschlicher Hirne sind, diese Bibelgeschichten, die ihren damaligen Entwicklungsstand und aber auch menschliche Ängste, Nöte und Verlorenheit beschwichtigen sollen, vor allem aber auch den Mensch schön unten unter der Knute der Kirche halten soll.
Ich meine, wir dürfen ja nicht vergessen, dass die Bibel zensiert und zensiert worden ist und dass es eine christliche Kirche gab, die reich wurde durch Ablassbriefe für die Sünden, die sie verkaufte und natürlich durch Raubzüge. Wenn Menschen Briefe kaufen, um von ihren Sünden befreit zu werden, müssen sie natürlich auch an das Ganze glauben.
Ich bin evangelisch und die Lutherische Variante in ihrer Strenge und Sinnenfeindlichkeit fand ich immer schon dürftig und deprimierend, das ist es für mich auch nicht als Alternative.
Und nun mein subjektiver Glaube, der einfach in mir ist und von daher nicht allgemein gültig oder beweisbar: Jesus als historische Figur und als großen Lehrer und Sohn Gottes hat es gegeben, tief in mir ist er von Kleinauf immer gewesen.
Das kann ich nicht erklären und erst recht nicht beweisen. Dabei geht es aber eben um das "Prinzip Jesus", der sagt, dass wir uns nicht abrackern und freikaufen sollen für Sünden, dass Gott uns liebt, so, wie wir sind. Punkt! Dass wir Jesus Vorbild nacheifern sollen, einem humanen menschenfreundlichen Vorbild.
Gottes Vorbild würde ich nicht nacheifern wollen und durch Jesus wird für mich der Gott des Alten Testaments korrigiert.
Wenn er umgebracht worden ist für seinen Lehren, dann denke ich nie im Leben, dass es in sein gewaltloses Konzept passte, danach als "Lamm Gottes" angebetet zu werden. Vielmehr bin ich ziemlich sicher, dass er das genauso pervers fände wie ich.
Ich bin bald 50 Jahre alt und habe mit kurzen Unterbrechungen ein kirchennahes Leben gelebt, ich ziehe mir aus unseren wunderbaren Gemeinden hier am Orte an Wärme und Menschenliebe und Kirchenmusik und Gemeinsamkeit soooviel heraus und gebe es zurück.
Aber ich bin außerdem Reikimeisterin, praktiziere Yoga und bin Bibelungläubige.
Der Gott des Alten Testaments ist ein Gott des Machtmissbrauchs für mich und wenn heute einer zu mir käme, der sagen würde, er ist der Sohn Gottes und stirbt für meine Sünden, dann würde ich sagen: "Schönen Gruß an den Vater, aber ich bin Christin und verabscheue Menschenopfer!"
Erstens finde ich das Opfer schrecklich und zweitens bin ich nicht so schlecht, dass sowas nötig ist und drittens, wenn doch, dann habe ich mich jedenfalls nicht so erschaffen.
Danke, @Renate für dein Nachdenken und die Bibelzitate, aber ich lehne es ab, zu denken, dass ich aus reiner Gnade durch Jesus Tod erlöst bin. So unten im Dreck sehe ich mich nicht und wenn doch, wie bin ich denn dahin geraten?
Unsere Welt ist die von intelligenten Raubtieren, das bin ich auch. Und ich habe fast 50 Jahre lang immer im Kopf gehabt, die Welt im Sinne Christus zu verbessern, also nach seinen menschenfreundlichen Regeln. Teilweise ging das wohl auch an meinen kleinen Orte. Aber am Ende bin ich doch auch geschockt, wie wenig mir möglich war, obwohl ich so privilegiert lebe. Für diese meine inneren Grenzen möchte ich mich aber nicht schämen und am Boden kriechen, sondern frohgemut damit und daran arbeiten.
Es soll auch niemand dafür gestorben sein, dass ich in einer dualen Welt gut und schlecht bin. Die Welt ist so und ich will mein Bestes tun, tue aber oft auch mein Schlechtestes und so ist meine menschliche Natur.
Verstehst du, was ich meine?
Ich will nicht diese Schöpferschwäche ausbaden und aufgedrückt kriegen!
Ich habe auch das sichere innere Empfinden, dass sich später Vieles klären wird nach dem Tode, aber es gibt keine Erklärung, die diese Bibelregeln gut macht.
Nur an das Gute zu glauben ist glaube ich für mich naiv. Womöglich ist Gott es selber nicht nur. Und sicher und geborgen fühle ich mich auch nicht bei einem Gott, der Menschenopfer will und bringt.
Auch nicht bei einem Gott, der Naturkatastrophen wie gestern die in Haiti und noch viel mehr unverschuldetes Leid in seiner Welt vorgesehen hat.
Aber bei Jesus, der die Menschen liebt mit Stärken und Schwächen und sagt: Es ist gut so.
Wir sind schrecklich in unserer Gewalt, wir Menschen. Aber wir haben uns nicht selber so erschaffen und wir können nur bedingt dagegen an. Das Recht des Stärkeren fällt uns sooo viel leichter als Solidarität. Aber so ist es einfach. Gut ist es nicht. Aber wir sind so.
Auch ins Neue Testament sind dann hinterrücks natürlich auch viele kirchennützliche Regeln eingebaut worden, klar, aber an die glaube ich auch nicht.
Unterm Strich habe ich also meinen christlichen Privatglauben und meine, das ist auch genau die persönliche Beziehung zu Jesus, die er will. Wir sind intelligente Raubtiere mit der Fähigkeit zu moralischem Empfinden. Meines ist durch christliches Denken geprägt, aber es gibt noch viele andere Moral.
Und diese Offenheit und auch meine Kritik finde ich heute in der Kirchenbasis auch und denke, dass ist auch unsere einzige Chance, als christliche Kirchen zu überleben. Das "Prinzip Jesus" und nicht eine machttriefende Gottheit, die uns aber machtlos will.
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