Verfasst am: 11.12.2009, 09:05 Titel: Kommunikation mit Gehörlosen
In den letzten Tagen habe ich viele Mails bekommen, für die ich mich herzlich bedanken möchte.
Eine der am häufigsten gestellten Fragen war: wie kann man mit gehörlosen behinderten Kindern oder Jugendlichen kommunizieren oder wie können die mit einem gehörlosen Familienmitglied sprechen.
Ein Beispiel: Kathrin ist 6 Jahre alt, geistig und körperlich behindert, kann aber verständlich sprechen. Die Mutter und der Vater sind gehörlos, ein weiteres Kind ist hörend.
Was würden Sie, was würdest Du tun, in dieser Situation?
Es gibt die Möglichkeit der Videokommunikation.
Das bedeutet: alle Lebensbereiche werden so via Cam und Ton vernetzt (natürlich sicher!) daß die Gehörlosen via Bild und Gebärdensprache bzw. Untertitel mitbekommen, was das hörende Familienmitglied will.
Am Beispiel von Kathrin: Kathrin sitzt im Rolli und will etwas von ihrer Mutti, z. Bsp. Essen.
Die macht gerade ihre Arbeit und sieht das Kind auf dem Monitor in ihrem Arbeitszimmer! Via zugeschaltetem Gebärdendolmetscher, der auf Anruf eingreifen kann, oder Untertitel erfährt die Mutti, was das Kind will und kann sofort reagieren
Oder aber: Kathrin ist mit ihrer Mutti beim Arzt. Der untersucht das Kind, sie reagiert auf diese Untersuchung und der Arzt will der Mutti den Befund erklären. "Normalerweise" braucht es dazu einer / eines Gebärdendolmetscherin / - dolmetschers.
Die sind aber nicht immer erreichbar.
Via Videokonferenz kann man nicht nur "eine" oder "einen" Dolmetscher dazuholen sondern auch eine oder einen, die Fachfrau oder der Fachmann ist, und das der Mutti qua Ausbildung besser erklären kann.
Das ist der Arbeits- und Lebensbereich, in dem und für den ich arbeite, mit Engagement und Leidenschaft. Mein Hauptklientel sind SchülerInnen und StudentInnen, etwa 40 % meiner Arbeit ist die Arbeit mit Behinderten und ihren Familien.
Diese Kommunikationsmöglichkeiten werden von einer deutschen als gemeinnützig anerkannten Stiftung allen Betroffenen kostenlos zur Verfügung gestellt.
Wer diese Hilfe in Anspruch nehmen will, kann mir gerne schreiben!
Zum Schluß zum Thema "Gebärdenchor"!
In einem Gebärdenchor singen und gebärden Gehörlose, Hörgeschädigte und Hörende miteinander Lieder, Songs und anderes.
Es gibt in Deutschland einige sehr gute Gebärdenchöre, ich nenne als Beispiel "nur" den Chor des Berufsbildungswerkes Leipzig.
Ich leite zwei solcher Chöre.
Der eine ist in Berlin und hat 32 Mitglieder zwischen 12 und 47 Jahren.
Wir haben ein Programm von etwa zwei Stunden und singen und gebärden mit Band "Magicians" Schlager und Songs von den Sixties bis heute.
Aktuell üben wir Titel von "Silbermond" ein.
Alle Übungsstunden laufen videounterstützt, nach dem oben vorgestellten Prinzip!
Der zweite Chor ist in Heidelberg und hat 21 Mitglieder zwischen 6 und 19 Jahre. Hier üben wir Titel aus bekannten Musicals ein, aktuell Titel aus "Dirty Dancing"!
Wir können mit dieser Gruppe fast jedes aktuelle Musical gebärden und damit auch für Gehörlose und Hörgeschädigte verständlich machen.
Vor Ort, also in den Musicalaufführungen, erhalten die gehörlosen und hörgeschädigten BesucherInnen der Musicals "Hörhilfen" und Impulsgeber, und für die Texte ein Netbook, sodaß auch sie das Musical miterleben können.
Unsere Stiftung bietet regelmäßig Fahrten zu den großen Musicaltheatern in Deutschland, Österreich und der Schweiz an.
Ich freue mich auf einen regen Austausch!
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