Verfasst am: 05.12.2009, 17:07 Titel: Mein Sohn macht den Mund nicht auf beim Brei essen
Hallo,
mein Sohn (8 Monate) soll von Milch auf Brei umgestellt werden. Bis vor einem Monat bekam er ausschließlich abgepumpte Muttermilch. Die Milch muss ich immer abpumpen, weil er seit Geburt an der Brust nicht saugen konnte.
Der Osteopath meinte damals, dass dies eine Folge seines nach hinten eingedrückten Kinns wäre. Er hatte ja auch eine starke Schädelasymmetrie, die jetzt dank Kopforthese behoben ist, einen nach rechts versetzten Unterkiefer (hat sich schon deutlich gebessert) und eine totale Asymmetrie in der Haltung und den Bewegungen. Durch Vojta- und Bobath-Übungen haben wir jetzt die Haltungs- und Bewegungsasymmetrie hinbekommen, und ich glaubte, ich wäre jetzt fertig.
Leider scheint es noch nicht so. Ich versuche jetzt seit einem Monat, ihm Mittags Brei zu geben (4. Monat). Leider macht er den Mund so gut wie nie auf, trotz Zureden, Stimulationsversuchen, und wenn er es mal kurz macht, dann ist da seine Zunge, die am Gaumen klebt und dem Löffel den Weg versperrt. Ich muss immer irgendwie den Löffel zwischen Zunge und Gaumen quetschen, um den Brei in den Mund zu stopfen. Von alleine klappt es so gut wie nie, jedes Mal Gewalt ist jedoch auch nicht gut. Wenn ich abwarte, bis er lacht oder redet (sehr selten), wird leider meist geprustet.
Sobald der Brei im Mund ist, wird er problemlos geschluckt. Aber mein Sohn scheint noch nicht begriffen zu haben, dass er zum Essen den Mund aufmachen und die Zunge unten lassen muss.
Gibt es irgendwelche Tricks, die ich versuchen könnte, um ihm dies klar zu machen.
Der Abstand zur vorherigen Mahlzeit beträgt ungefähr 4 Stunden, er hat also auch Hunger. Milch würde er problemlos so ca. 150-180 ml trinken.
Ich muss noch erwähnen, dass er das Saugen aus der Flasche auch nicht richtig kann. Normalerweise sieht man bei Verwendung von Anti-Kolik-Saugern die Luft gleichmäßig in die Flasche zurückkommen. Bei ihm wird der Sauger regelrecht in den Mund gezogen und sitzt dort ganz fest und immer fester, so dass ich nach ein paar Saugzügen ihm den Sauger im Mund durch Drehen lockern muss, damit die Luft nachströmt. Ansonsten ist irgendwann der ganze Sauger komplett eingedrückt. Von alleine lässt er nie locker, es scheint ihn nicht zu stören, wenn im Mund alles ganz fest sitzt. Das ist auch der Grund, warum ich, als er das Saugen an der Flasche so halbwegs brachte, nie mehr probiert habe, ihn anzulegen.
Spatz ist mein zweites Kind, Ich hatte mit meinem ersten nie Probleme, auch bei anderen Kindern im Freundeskreis nicht. Andere Personen sind auch nicht erfolgreicher im Füttern.
Mittlerweile habe ich auch den Eindruck, dass mein Sohn keine Lust mehr auf die Fütterungsversuche hat. Der Mund wird immer weniger aufgemacht. Hungern lassen bis zur nächsten Mahlzeit, um es dann noch einmal mit Brei versuchen, bringt auch nichts, er schreit höchstens, macht jedoch den Mund nicht besser auf. Wenn er am Tag wenig isst, holt er sich die fehlende Menge dann eben bei mehreren Mahlzeiten in der Nacht.
Kennt jemand ähnliches und hat ein paar Tipps, die ich ausprobieren kann?
mein großer Sohn hat sich auch lange Zeit strikt geweigert zu essen. Da hat alles nix geholfen. Erst als ich ihn dann mal 2 Wochen lang in Ruhe gelassen habe und wieder nur Milch gegeben habe hat ein Neustart funktioniert. Eine Mahlzeit ersetzt hatten wir vielleicht mit 10 Monaten. Geschadet hat ihm das nicht, ihm hat die Milch damals noch gut ausgereicht.
Mit der Trinkproblematik kenne ich mich nicht aus und es könnte ja auch sein, dass das Essproblem damit was zu tun hat. Vielleicht weis da ja hier noch wer anders Rat.
lg Julia _________________ lg Julia
Mama von T.(04) und L. (07) L. ist ein ehemaliges KISS-Kind mit einer winzigkleinen kardiologischen Auffälligkeit und ist Überträger der Stoffwechselkrankheit VLCAD-Mangel.
auch Kinder ohne jegliche Vorerkrankungen verweigern die Beikost. Ich kenne einige Kinder, die bis zu einem Jahr keine Beikost wollen! Steckt er Spielzeug o.ä. in den Mund? Dann probier es doch mal mit Fingerfood. Gib ihm etwas in die Hand, das er selbst sich in den Mund stecken kann. Ein Stück Banane, Gurkenschnitze, eine gekochte Kartoffel, usw.
LG
Nellie _________________ Linn *2004, Intensivkind mit schwerster Mehrfachbehinderung durch eine Gehirnfehlbildung namens pontocerebelläre Hypoplasie Typ 2a (PCH 2a), Sondenkind mit Button, Epilepsie, Tracheostoma, nachts beatmet, schwere Wahrnehmungsstörung und ein zauberhafter roter Lockenkopf mit festem Willen und Ann *06/09, fröhliche Minimaus --> unsere Vorstellung und --> Bilder von uns
wenn euer Sohnemann motorische Probleme hatte und ihm auch das Trinken zu Beginn schwer fiel, dann würde ich ihm mit dem Beifüttern noch etwas Zeit geben. Auch wenn er immer unwilliger beim Zufüttern ist, ist eine Pause von 1-2 Wochen manchmal sehr sinnvoll. Das wurde uns auch vom Esstherapeuten geraten. Manche Kinder können oder wollen in dem Alter auch noch nicht essen.
Außerdem gibt es Kinder, die einfach nicht gefüttert werden wollen. Da ist Fingerfood wirklich die bessere Alternative. Bei unserer Tochter haben Logopädin und Esstherapeut dazu geraten mit dem Füttern zu warten, damit sie dann selber die Sachen in den Mund schieben kann. Das spart den täglichen Kampf und schlechte Assoziationen.
Hast du mal daran gedacht zu einer Logopädin zu gehen. Sie können oft besser sagen, woran es gerade scheitert. Außerdem können sie gute Tipps geben. Wichtig ist es, einen guten Logopäden zu wählen, der sich auf Schluckbeschwerden spezialisiert hat.
Viele Grüße
Christine
PS: bei den Anti-Kolik-Saugern von NUK ist das Loch oft verklebt. Dann kann die Luft auch nicht ausweichen. Wir mussten die Löcher vor dem Trinken immer erst mit den Fingern einmal aufmachen, damit es funktioniert hat.
Eine Pause von einer Woche habe ich schon probiert, da es mit dem Essen immer schlechter ging. Danach klappte es für zwei Tage ganz gut, danach ging es wieder bergab, und er will gar nicht mehr essen. Stückchen oder Fingerfood zu geben, traue ich mich nicht. Was, wenn er sich verschluckt?
Sohnemann nimmt alles in den Mund und lutscht daran, hält jedoch alles mit dem Mund extrem fest, so dass man richtig Kraft braucht, wenn man es aus dem Mund ziehen will. Er presst also richtig die Zunge gegen den Gaumen.
Ich merke das besonders immer, wenn ich die Flasche in seinem Mund lockere. Manchmal muss ich richtig mit Gewalt daran ziehen. Mittlerweile kennt er aber die Prozedur und lässt sie sich gefallen. Er weiß, dass er nach einer Sekunde weiter saugen kann. Das Saugerloch ist nicht verstopft, obwohl wir die NUK-Sauger haben. Sobald ich die Flasche kurz um 60 Grad im Mund drehe, steigen die Luftbläschen ganz schnell nach oben.
Wir haben ihm aus Spaß auch schon einmal ein Stück Möhre in die Hand gegeben, er hat schön daran gelutscht. Er greift sich auch Löffel vom Kaffeetisch und steckt sie in den Mund. Da bekommt er den Mund auch auf. Warum nicht beim Füttern? Liegt das daran, dass er alles immer nur seitlich in den Mund nimmt, ich aber beim Füttern die Mitte nehme?
Ansonsten lautiert er für sein Alter ganz normal und abwechslungsreich. Hier würde ich keine Störung sehen.
Bekommt man problemlos einen Termin beim Logopäden? Wäre das ein Grund, Sohnemann mal beim Logopäden vorzustellen? Oder sollte ich einfach warten? Nur habe ich irgendwie nicht viel Hoffnung, dass sich durchs Warten etwas ändert.
Ich hatte zumindest auch gehofft, dass Sohnemann irgendwann mit viel Übung ordentlich saugt. Also dass er lernt, ab und zu den Mundschluss nicht mehr so fest zu machen. Hat er nach 8 Monaten aber noch nicht geschafft. Ach so, einen Schnuller hat er auch nie genommen.
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Wohnort: Österreich
Verfasst am: 05.12.2009, 20:44 Titel:
Hallo Jamie,
ich denke es macht schon Sinn, ihn einem Logopäden vorzustellen, allerdings unbedingt jemand, der sich mit Essstörungen bzw. Fütterungsproblemen auskennt. Da gibt es spezielle Ansätze, aber die fallen mir grad nicht ein, aber ich überlege und melde mich wieder! _________________ Liebe Grüße
Elke
Sohnemann (5.03), Hypospadie, chron. Obstipation, Autismus-Spektrum-Störung
mit großem Bruder und großer Schwester
Hi,
also erst dachte ich ja beim Lesen - vielleicht ist er einfach noch nicht so weit?
Mein Sohn hat am Anfang scheinbar auch nicht verstanden, dass wirklich Essen auf dem Löffel ist.
Aber wenn er schon an Möhre lutscht....
Sag mal, welche Mahlzeit probierst du? Probier es doch mal mit Früchtebrei oder Milchbrei? Und wenn er den Mund nicht aufmachen will... mach ein bisschen Brei an die Lippe, vielleicht leckt er es ab und es schmeckt ihm...
Was den Logopädentipp angeht... da kommt bestimmt, nimm einen roten Löffel, oder???
Ich wünsche dir wirklich viel Erfolg!
Ich kann gut nachempfinden... Paul hat bis zu seiner OP auch nicht vom Löffel essen wollen, was mich zur Verzweiflung brachte (überträgt sich dann sicher auch auf das Kind) und nach der OP ging es plötzlich. Heute brauche ich nicht mal mehr nen Latz.
Jetzt versuche ich Brot zum Abendessen.... keine Chance
Liebe Grüße
Nur Mut und nicht verzagen... _________________ Sandra *78 mit Paul Maurice *11/08 Hemimegalenzephalie rechts, therapieresistente Epilepsie, Hemisphärotomie in Bethel am 23.6.09 ** seitdem anfallsfrei
allgemeine Entwicklungsverzögerung, Hemiparese, seit 01/10 Shunt nach Zystenbildung, Shunt-Revisionen 01/10 und 07/10
da sind ja schon tolle Tipps gekommen. Was mir noch einfällt, ist vormachen.
Also du bekommst deine eigene! Schüssel und Löffel mit Brei (nimm also was leckeres ), und dann zeigst du ihm ganz deutlich wie du den Mund aufmachst.
Ich hatte mal bei Stillproblemen den Tipp bekommen, es einfach zu akzeptieren das es so ist. Und was war, nachdem ich keinen Wert mehr drauf gelegt hatte klappte es plötzlich von alleine
LG
Gisi _________________ Sabine mit Fenja 6/98
und Nina 10/01 frühkindlicher Autismus, seit Juni 2009 in einer Wohngruppe
Das Gegenteil von "gut" ist "gut gemeint"!
spontan würde ich Dir raten, einfach mal verschiedene Arten und Größen von Löffeln und unterschiedliche Konsistenzen des Breis auszuprobieren... wenn dies auch nichts hilft versuch es doch erst einmal mit Trinkbrei (den Brei also im Fläschchen füttern)? Kann es vielleicht sein, daß die Löffel die er freiwillig in den Mund nimmt, aus Metall sind und Du zum Füttern Plastik verwendest?
Was den Logopädentipp angeht... da kommt bestimmt, nimm einen roten Löffel, oder???
Also bei unserer Logopädin sahen die Tipps schon etwas anders aus. Da ist es wirklich wichtig jemanden zu finden, der sich mit Fütterstörungen auskennt. Bei Sehbehinderten wäre dieser Tipp übrigens gar nicht so verkehrt. Es kommt also wirklich aufs Kind an.
Bei unserer Tochter sind wir zu dem Schluss gekommen, dass sie Fingerfood isst, aber keinen Brei. Noch schafft sie das nicht ausreichend, daher bekommt sie einfach weiter die Flasche. Die Breiphase werden wir wohl überspringen. Bei ihrem Sturkopf würden wir bei Breifütterversuchen nur immer Stress bekommen. Fingerfood steckt sie sich voller Begeisterung in den Mund und isst eigentlich alles.
Meine gesunde Nichte lässt sich übrigens auch kaum mit Brei füttern. Sie isst aber gerne Kartoffeln, Knödel, Nudeln, Brot ..... Also den bereits angesprochenen Fingerfood.
Aber bei der Vorgeschichte würde ich auf alle Fälle eine Schluckdiagnostik bei der Logopädin machen lassen.
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