Hab grade zum ersten mal deinen Threat gelesen. Schade, dass es euch so schlecht geht.
Die Kurzzeitpflege hatte ja nicht geklappt - hast du mal versucht, woanders einen Platz zu finden?
Ich selbst arbeite ja jedes Jahr in den Ferien bei einer "Gastweisen Unterbringung" - eigentlich *Urlaub vom Kind für die Eltern* - aber zumindest bei uns kann man guten Gewissens dem Kind sagen, es selber macht Urlaub - denn das machen wir! Ferienhaus, Ausflüge, zum Teil am Meer, Kino, reiten, backen, Nachtwanderungen, malen, matschen, planschen, Ausstellungen, Party, Disko, im Garten liegen und chillen - WIRKLICH Urlaub (nur nicht für die Mitarbeiter )
Und wir erleben immer wieder, wie völlig erschöpfte Eltern uns die Kinder zur Abfahrt bringen (zum Teil sehr Rabiat auf das Kind reagieren - die Nerven liegen blank) - und nach 2 oder 3 Wochen sichtbar erholt zurück kommen, neue Kraft und Motivation haben und sich auch wieder auf die Kinder freuen. Und ich hab es noch NIE erlebt, dass ein Kind danach nicht wieder zu seinen Eltern wollte!
Einmal habe ich erlebt, dass uns Eltern ein Kind mitgaben, in dem sicheren "Wissen", wir würden eh spätestens nach 24 Stunden anrufen, sie müssen es wieder abholen. Die ersten 48 Stunden waren für uns echt hart (und bei den nächsten 5 Fahrten wo das Mädchen mit war jeweils eine Nacht), bis sich das Mädchen *akklimatisiert* hat und es ne super Freizeit war. DAS aber hat die Eltern so sehr "geschockt", dass nach der 5. Fahrt ohne Probleme bei uns dort zu Hause die Notbremse gezogen wurde, und das Kind ins Heim gegeben wurde - zum Seelenfrieden von ALLEN.
Aber sonst habe ich immer nur positive Rückmeldungen bekommen. Von Eltern, Geschwistern und, wenn die Teilnehmer es ausdrücken konnten, auch von den Teilnehmern. Ich kann es dir also wirklich nur ans Herz legen.
Man kann Kurzzeitpflege auch kürzer machen, nicht gleich zwei Wochen, allerdings sagen uns Eltern oft, weniger als zwei Wochen ist zum erholen nicht ausreichend. Die erste Woche werden sie krank, die zweite erholen sie sich
Besuchen während der Kurzzeitpflege würde ich nicht machen. Erfahrungsgemäß bringt das Kinder und Eltern ziemlich durcheinander. Eine klar begrenzte Zeit ist meistens (Ausnahmen bestätigen die Regel) für alle besser zu verstehen (grad für geistig behinderte Kinder... Wieso ist Mama HIER? Und wieso GEHT sie wieder? OHNE mich?).
Überlegs dir nochmal! Es ist echt ne Chance.
Gruß
Martina _________________ Martina (*81), Lehramtsanwärterin Sonderschule (Lernen/Gehörlosenpäd.) mit 1. Staatsexamen, Reizdarm, V.a. Asperger - keine eigenen Kinder aber Betreuung behinderter Kinder/Jugendlicher
Was ist denn der Unterschied zwischen euch und einer Einrichtung: doch wohl nur, daß die anderen die chance haben, "nach Feierabend" Kraft zu tanken und ihr nicht.
Vielleicht ist Kurzzeitpflege genau ds richtige für euch und für sie.
Wenn ihr wieder erholter seid, dann könnt ihr doch auch wieder ruhiger mit der besonderen situation fertigewerden.
Ist nur so eine Idee.
Sicher haben wir zuhause viel weniger Probleme, aber eine auszeit von der Familie und den Kindern nehme ich mir und mein Mann sich oder wir beide zusammen immer mal wieder.
Gruß Gaby _________________ Erfreuen wir uns doch an unseren Unterschieden!
2 tolle Jungs, ADHS'ler, einer Asperger
Beide machen Judo, kann ich nur empfehlen,
also ich habe auch schon schlaflose Nächte hinter mir ,weil meine Kinder wo anders viel
"bräver" und ruhiger sind wie Zuhause ,aber ich glaube wir sind keine Einzelfälle .
Alles Gute.
Verfasst am: 13.06.2010, 12:24 Titel: Familie leidet
Hallo.
Unsere Tochter, 5 Jahre, Mikrodeletion 8 p23.1, schwerer Herzfehler, ist leider ähnlich belastend wie die Kinder, die hier beschrieben werden. Auch wir leiden massiv! Es ist fast nicht in Worten zu beschreiben, wie unerträglich das Verhalten unserer Tochter ist, wie aggressiv, wie unberechenbar, wie hyperaktiv sie ist. Auch die Situationen im Auto, das ständige Abschnallen, aufstehen, Schwester kratzen, beißen und mir dann von hinten urplötzlich an den Haaren zu reißen, das macht mich wahnsinnig, diese Situation im Auto, Autobahn.
Emilia schreit den ganzen Tag!
Sie muss SOFORT ihre Gedanken, umgesetzt bekommen. "Ich will was trinken", kaum gesprochen, müsste alles schon dort stehen, was nicht möglich ist und mit einem Wutanfall, geschmissenen GEgenständen, Schreien, Hauen, Beißen belohnt wird.
Emilias Schwester leidet! Wir haben nie Kinder zu Hause.
Wir sind isoliert, gehen nicht mehr weg, kein Spaziergang, Einkaufen etc.
Emilia beschimpft Leute, schreit, flippt völlig aus, rennt ununterbrochen planlos in der GEgend rum, etc.
Und in der Einrichtung: Alles viel besser.
Auch wir sind ständig hin und her gerissen zwischen Emilia ins Heim geben und behalten.
Auch wir haben KEINE KRAFT mehr.
Auch wir wissen keine LÖSUNG, sehen kein Licht. _________________ 2 Kindern, eines davon mit Ebstein-Anomalie, AV-Block 3. Grades, Mikrodeletion 8p23.1 , HErzschrittmacher´, atone Epilepsie
Tatjana,
ich bin hier zum ersten mal in der Rubrik Familienleben und sehe, dass du noch keine Antwort auf deinen Beitrag bekommen hast. Ist ja schon ein paar Tage her und ich frage mich, ob du in der Zwischenzeit wieder zuversichtlicher bist? Jedenfalls kann ich euren Zwiespalt sehr sehr gut verstehen und ich wünsche so sehr, dass ihr bald wieder Licht seht. Ich fand die oben stehenden Beiträge zum Thema Auszeit nehmen sehr ermutigend: mal an sich selber denken, das Kind in andere Hände geben, um selber neue Kraft zu tanken.
Auf die Qualität der gemeinsamen Zeit kommt es an und nicht auf die Quantität!
Eine Unterbringung außerhalb der Familie kann aus meiner Sicht manchmal die bessere Alternative sein. Ich lernte mal eine Mutter kennen, deren mehrfach behinderter Sohn in einem Heim lebte. Sie nahm sich dennoch viel Zeit für ihn und behandelte ihn mit viel Liebe und Geduld. Wir alle, die wir Eltern besonderer Kinder sind, leben in einer ungewöhnlichen, ja oft belastenden Situation. Das erfordert manchmal andere Lösungen als ein ständiges Leben im Familienverband. Lieben heißt manchmal auch loslassen können. Viel Kraft und gute Entscheidungen wünscht euch Ni.Sa..
Du musst aber auch an den Rest der Familie denken. Deine gesunden Kinder müssen sicher schon eine ganze Menge zurückstecken und ihre Aussage, dass die Schwester endlich mal weg ist, spricht doch für sich. Wenn Du es nicht versuchst, kannst Du auch nicht wissen, wie es ist. Bedenke, dass in einer Einrichtung das Personal nach 8 Stunden Feierabend hat und abschalten kann, was Du nicht kannst. Somit solltest Du auch mal an Dich denken. Wenn die Maus mit 4 Jahren schon ein solches Aggressionspotential hat, was willst Du dann in der Zukunft machen ?
Bekommt sie denn nicht irgendwelche beruhigenden Medikamente ? Euer Neurologe wird doch sicher auch einen Rat wissen ????
So kann es für die gesamte Familie auf jeden Fall nicht weitergehen. Und in 2 Jahren ist sie schulpflichtig, dann wirst Du sie ja auch zumindest halbtags weggeben.
Es nutzt niemandem etwas, wenn Du demnächst zusammenbrichst. Was sagt denn der Vater dazu ???
l.G:
Bea _________________ Nando 93, Dario 97 nach Unfall 2001 hypoxische Hirnschädigung mit Tetraspastik, Button seit 2001 und verschiedene kleine Baustellen, Nevio 97 und Leya 2005.... und natürlich Bea , Bj. 63
auch ich kann deine Situation bestens verstehen.
Wir haben uns letztlich entschieden unseren Sohn die Woche über in das angrenzende Internat seiner Schule zu geben. Es ging einfach nicht mehr. Es zerreist uns zwar jedesmal das Herz, aber spätestens Sonntag abend, wenn er dann am nächsten Tag wieder in die Schule muss, wissen wir es war die richtige Entscheidung. Er kommt jedes Wochenende nach Hause, er hat also einen Bezug zu seiner Familie und findet das auch i.O. Es gab nicht einmal die Situation das er Montag früh nicht fahren wollte. Er ist dort auch vollkommen anders, hat meist gute Laune, kennt die Regeln, was zu Hause überhaupt nicht funktioniert. Er ist Autist und von den Ärzten wurde uns da auch zugeraten, da es bei erwachsenen Autisten dann fast unmöglich ist, sie noch irgendwo zu integrieren, wenn sie es nicht gewöhnt sind.
Also laßt euch kein schlechtes Gewissen einreden. Bei jedem gehen unter der Belastung die kräfte mal zu Ende.
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