Ich bin in Volmarstein konfirmiert worden, in der Gemeinde der ev. Stiftung Volmarstein (Wers nicht kennt: ein Stadtteil mit vielen Wohnheime, Werkstätten, Kliniken, Schulen). Wir waren eine gemischte Gruppe mit zwei Rollifahrern, beide allerdings geistig fit, die waren ganz normal integriert, auch Konfifahrt und so lief ganz normal ab.
Im Jahr drauf (bei uns wars nur ein Jahr Unterricht) wars eine reine Gruppe Behinderter Jugendlicher, dort waren einige nichtsprechende und auch geistig behinderte bei. Ich und ein weiterer junger Mann, der viel in der Gemeinde half, waren Helfer beim Unterricht (die Rollis aus den Heimen abholen, Spiele und so im Unterricht machen, Kommunikation sicherstellen) und auch auf der Freizeit (da gabs fast ne 1 zu 1 Betreuung). Daher hab ich mitbekommen, dass der Unterricht sich ziemlich unterschied. Bei uns hatten alle die gleichen Aufgaben (der eine Rollifahrer hatte bis zur Konfirmation das Glaubensbekenntnis noch nicht gelernt, und bekam erstmal nur ne Kopie der Urkunde, und erst als er es später nachreichte, das Original (find ich gut!). Bei der anderen Truppe waren die thematischen Inhalte alle gleich (also wie bei uns), aber eben sehr viel differenzierter. Es gab teils Gruppenunterricht für alle, teils wurden aber auch die geistig schwächeren und stärkeren getrennt unterrichtet. Die Bedingungen fürs "Können" waren auch angepasst (nem nichtsprechenden Spastiker aufzugeben, ein Lied auswendig singen zu können, is ja nu auch Schwachsinn).
Es geht also!
Martina _________________ Martina (*81), Lehramtsanwärterin Sonderschule (Lernen/Gehörlosenpäd.) mit 1. Staatsexamen, Reizdarm, V.a. Asperger - keine eigenen Kinder aber Betreuung behinderter Kinder/Jugendlicher
heute hat es mich eiskalt erwischt, eine Einladung für meine Tochter zum Konfirmandenunterricht. Tolles Konzept, nur sicherlich keines, in das ein schwerstkörperbehindertes, nichtsprechendes, blindes Mädchen passt.
Ich bin so sehr für Integration, ich denke aber, wenn ich am Infoabend mit meiner Tochter dort aufkreuze, fallen alle von den Bänken.
Mein Sohn warnt mich davor, Annika pubertierenden Jugendlichen auszusetzen.
An der KB-.Schule, die sie besucht findet kein Konfirmandenunterricht statt.
Soll ich es vielleicht ganz lassen, auf der anderen Seite, finde ich es gerade für sie, die wahrscheinlich eine lebensverkürzende Krankheit hat sooo wichtig.
Hallo,
ich würde im Vorfeld (also VOR dem Infoabend) Kontakt mit der Kirchengemeinde bzw. dem/der Verantwortlichen für den Konfirmandenunterricht aufnehmen und die Sachlage schildern, und natürlich auch eure Wünsche und Bedenken. Ich hoffe, ihr könnt so zu einer guten Lösung kommen.
Dein Sohn hat nicht unrecht; pubertierende Jugendliche können ganz schön "daneben" sein; andererseits kann, richtig aufgefangen, eine Integration für alle Beteiligten eine Bereicherung sein (NB: bei uns machen Firmgruppen -wir sind katholisch- auch Sozialprojekte, z.B. mit Alten, Behinderten, in der Jugendpsychiatrie... von daher ist der Integrationsgedanke auch nicht von so weit hergeholt).
Und: wenn über die Gemeinde nichts Sinnvolles geht und von der Schule her nichts vorgesehen ist - das Problem "eine Etage" höher verlagern, sprich erkunden, wie es denn im gesamten Kirchenbezirk ist - vielleicht finden sich noch mehr Betroffene, und es kann eine Sondergruppe geben.
Viel Erfolg!
Bea
kannst du nicht erstmal Kontakt mit dem Pfarrer/der Pfarrerin aufnehmen? Kennt ihr den oder die? Ihr oder ihm könntest du schildern, dass du für Annika gerne eine Konfirmation hättest, aber nicht weißt, wie das so aussehen könnte.
Vielleicht gibt es ja Möglichkeiten, vielleicht sogar Erfahrungen. Vielleicht kann Annika ab und an am Unterricht teilnehmen oder die Gruppe besucht Annika mal zuhause? Man kann ja Behinderung im Konfirmandenunterricht durchaus auch thematisieren (fände ich zumindest angebracht). Könnte zum Beispiel Annikas FED-Kraft sie begleiten (da kenne ich mich nicht aus: aber könnte die Teilhabe am religiösen Gemeindeleben nicht auch einen Grund für zusätzliche Eingliederungshilfe darstellen?)? Natürlich wird im Konfirmandenunterricht auch viel am Material gearbeitet, mit Arbeitsblättern und so - aber es werden ja auch Dinge besprochen, Geschichten erzählt, etc. Wenn Annika eine Begleitung hätte, könnten für sie ja möglicherweise auch Extraaufgaben erstellt werden ...
Wenn du mit dem Pfarrer/Pfarrerin sprichst, kannst du auch Bedenken ansprechen, die du hast, wenn es um die pubertierenden Jugendlichen und so geht. Ansonsten: Noch einmal mit der Schule sprechen und fragen, wie andere Eltern das dort handhaben ...
Nun denn,
konkrete Erfahrungen sind das nicht. Weiß nicht, ob du was damit anfangen kannst.
Gruß,
Anan. _________________ Anan, seit vielen Jahren als FED-Kraft in immer derselben Familie tätig...
unser lutz, Pflegestufe III, körperlich und geistig behindert hat mit viel Spaß seinen Konfirmandenunterricht (mit Freizeit) absolviert. Die Gruppe hat ihn toll aufgenommen. Als bei einem Konfitreffen gefragt wurde, ob einer Lust hätte am Krippenspiel mitzumachen, ging Lutz seine Hand als erstes nach oben. Auch dies hat er toll gemacht, war bei Proben, hat eine Trommel zum üben mit nach Hause bekommen (nerv) und hat dann Weihnachten mit allen anderen Kindern das Krippenspiel aufgeführt. Wir, Eltern und Lebensgefährte, haben heulend in der Kirche gestanden. Wir waren so stolz. Mit viel gutem Willen ist auch diese Zeit glücklich an uns vorüber gezogen. Wir denken immer noch gerne an diese Zeit zurück. Außerdem hat Lutz auch mal mit gleichaltrigen aus der Umgebung zu tun gehabt. Alles in allem eine super geile Zeit.
lg caro _________________ Carola mit Lutz (Joubert-Syndrom 93)
ich war damals im Konfi-Unterricht und wir hatten einen körperlich und leicht geistig behinderten Jungen in unserer Gruppe. Wir hatten damals keine Probleme damit, im Gegenteil, ich und auch die anderen mochten ihn gern und haben ihn ganz normal behandelt, ihm aber auch geholfen.
Allerdings weiß ich nicht wie das heutzutage ist.
Ich würde mich einfach mit der Gemeinde und dem unterrichtenden Pfarrer in Verbindung setzen und in vielleicht einladen und dann besprechen wie es gehen kann.
Liebe Grüße
Laura _________________ Laura mit Elias (*5/04)- Hüftdysplasie als Baby, motorische Wahrnehmunsstörung, Kiss/Kidd-Syndrom diagn. mit 5 3/4, Entwicklungsstörungen, starke Hornhautverkrümmung, Neurodermitis, V.a. ADHS
Ihr habt Recht, ich werde im Vorfeld mal mit dem Pfarrer Kontakt aufnehmen, er kennt Annika und hat ihre Geschwister konfirmiert, dort arbeitet auch eine liebe Sozialpädagogin, die Annika ebenfalls kennt.
In der Schule werde ich mich auch mal umhören, es kommt wohl ab und zu eine Pfarrerin, die dort auch Schulgottesdienste macht, die werde ich mal ansprechen.
Das Beispiel mit Lutz macht mir Mut, ich habe einfach Angst, dass Annika ausgelacht oder gehänselt wird, sie soll das einfach in schöner Erinnerung behalten.
@Anan: die FED-Kraft mitgehen zu lassen, ist eine gute Idee, Annika braucht ja einfach sehr viel Hilfe (und ich bin auch beruhigter).
Hallo Maren,
unser David wurde vor 2 Jahren auch konfimiert. Da der Pfarrer ihn kannte( durch die kleineren Brüder aus dem Kiga), wurde er mitkonfimiert, ohne am Unterricht teilgenommen zu haben. David ist ein Kind, das nicht ruhig sitzen kann und auch geistig etwa einem dreijährigen Kind entspricht. Die anderen Konfirmanden wurden auf diese Situation vorbereitet, unser David war bei der Konfi einfach nur super, ruhiger wie die anderen, er wusste irgendwie, dass das ein besonderer Tag für ihn war.
LG
Sigrid
Hallo,
meine Tochter besucht in diesem Jahr der Konfirmandenunterricht. Das sie das Ehlers-Danlos-Syndrom hat, ist dafür unerheblich. Sie ist allerdings auch nur körperlich eingeschränkt. Außerdem besucht sie schon seit Jahren den Kindergottesdienst. Und war hier auch auf Freizeiten und Ausflügen mit.
Aber in ihrer Gruppe ist auch ein Kind mit Down-Syndrom und das besucht den Unterricht in Begleitung und nimmt eingeschränkt auch an den Freizeiten teil. Die Eltern haben hier im Vorfeld mit der Pfarrerin gesprochen und gemeinsam diese Lösung entwickelt. Und es klappt glaube ich gut.
dieses Thema gab´s vor einiger Zeit hier schon mal. Aber ich erzähle gern nochmal, wie es damals bei mir war.
Ich wurde 2004 konfirmiert. Der Unterricht ging 2 Jahre lang. Ich konnte alles mitmachen- so gut es ging, und ich konnte sogar auf Freizeit mitfahren. Für mich ist extra eine ehrenamtliche Bürgerin mitgekommen, die bei mir war, wenn es Probleme gab. Auch blieb sie bei mir, als die Gruppe eine Nachtwanderung machte, an der ich aufgrund der Gehbehinderung nicht teil nehmen konnte. Für mich war das ok.
Bei der Konfirmation selber habe ich vorher mit unserem Pastor gesprochen. Ich vereinbarte mit ihm, dass ich ganz vorne mit meiner besten Freundin(die zum Glück auch mit mir im Unterricht war), gehen konnte. Beim Segen konnte ich mich bei ihr abstützen, und auch beim Hinausgehen hielt sie mich an der Hand.
LG
Laura _________________ Laura (10/88) Analatresie mit vestibulärer Fistel, inkompl. VACTERL-Syndrom(bei mir nur VATER), Mitrofanoff-Stoma, seit 4/10 dialysepflichtig
Ihr lacht über mich, weil ich anders bin? Ich lache über Euch, weil ihr alle gleich seid.(K.Cobain)
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