Verfasst am: 30.10.2009, 11:52 Titel: Kombination von Sprachtherapien
Hallo Simone und Aila,
schön über diese Erfolge zu lesen!
Wir üben nur während der Logopädie 2-3mal die Woche vormittags.
Zu Hause habe ich den Eindruck, dass Felix das Geübte im Spiel verinner-
licht und sprachlich ausprobiert. Dann singt er auch schon mal neue Lautverbindungen. Zusätzlich scheint es ihm nicht zu stören, das wir MCGinnes mit Taktkin und GuK kombinieren, weil er dankbar ist für äußere
neue Anreize. Er ist aber auch visuell sehr pfiffig.
Felix spricht jetzt zwar schon viele Wörter, aber noch sehr undeutlich.
Da hilft mir immer mein Bauchgefühl und die GuK-Gesten,ihn zu verstehen.
Wie sind die anderen Eltern mit Ihren Kindern mit verbaler Dyspraxie
so weitergekommen oder was für neue Wege haben Sie eingeschlagen?
LG Daniela _________________ Vorstellung: Mama, Papa, 2 Kinder (7u.9 Jahre alt)
F.: Sprech-u. Motorik-Dyspraxie, ZKS, Muskelhypoton, V.a.Temporallappenepilepsie
ich war schon ein Weilchen nicht mehr im Forum und bin daher wirklich baff, was Annabelle für enorme Fortschritte gemacht hat!
Das ist eine ganze Menge in der relativ kurzen Zeit
Verweigert Annabelle die Übungen nur zu Hause? Wie oft und wie lange übt ihr denn? Bitte vergiss nicht, dass Annabelle auch Zeit braucht, um das Erlernte zu verarbeiten! Da kann es schon mal sein, dass ein Kind sich gegen neue Übungen / andere Lautkombinationen sperrt. Das ist aber nicht schlimm. Um eine Überforderung zu vermeiden, sollte man ganz oft (über viele Wochen) mit den gleichen Lauten üben! So hat sie die Chance, die Laute wirklich korrekt zu automatisieren, durch das Abwechseln von 2 oder 3 Lauten trainiert man die motorische Sprechplanung / Koartikulation und dies wiederum erleichtert dann später das Silben und Wörter sprechen.
Und noch viel wichtiger: Durch Wiederholungen von bekannten Übungen schafft man nicht nur Sicherheit, sondern auch immer wieder Erfolgserlebnisse!
Viele Grüße
Aila
Liebe Aila,
danke für Deine Antwort! In der Zwischenzeit ist schon wieder Einiges passiert: bei Annabelle ist das U und der erste Zungenlaut, so eine Art von S dazugekommen! Sie bildet es, in dem sie beim F die Zunge etwas herausstreckt und spuckt dabei wie ein Lama, ist aber unglaublich stolz.
MIt dem Üben geht es jetzt besser - wir haben eine 3-wöchige "Mappenpause" eingelegt, und offensichtlich wächst bei ihr die Freude am Üben mit zunehmendem Können.
Wir üben nicht besonders viel - oft jetzt auch 1,2 Tage nicht, wobei sie ihre Wörter ja selbst anwendet und in diesem Sinne auch zwischendurch übt.
Seit kurzer Zeit machen wir auch orale Stereognose mit einem speziellen Logopädieset um die taktile Wahrnehmung im Mund zu verbessern.
Es ist für Annabelle noch immer eine unglaubliche Herausforderung, ihre Zunge gezielt herauszustrecken. Im Grunde benötigt sie nach wie vor ein Feedback - am liebsten den Wasserstrahl vom Wasserhahn in der Badewanne, wo sie mit Begeisterung ihre Zunge darunterstreckt!
Auch mit Eis arbeiten wir nach wie vor und versuchen, ihr im Mund die Stelle zu zeigen, an die die Zunge wandern soll.
Wie auch immer - es geht ganz gut, und Du hast wohl recht, dass die Fortschritte überwältigend sind für ein Kind, das bis vor 4 Monaten eigentlich noch komplett nonverbal war.
Die Muster schleifen sich nach ganz vielem Üben dann auch verständlich ein, aber sie hat z.B. rund 3 Monate gebraucht um von MA-MA mit getrennten Silben und verschiedener Tonalität (das brauchte sie scheinbar um sich auf die richtige Anzahl Silben einzuschleifen ) auf ein verständliches "Mama" zu kommen. Das kann sie jetzt aber auch rufen.
Generell ist es eine Freude anzusehen, wie dieses Kind mit dem Wenigen, das sie kann, spielt und verschiedene Lautkombinationen ausprobiert.
Noch eine Frage, abseits meiner Begeisterung für Annabelle (die mich immer ausschweifen lässt): wie behandelst Du Kinder, deren Zungenbeweglichkeit derart eingeschränkt ist? Oder muss man manchmal eben einfach abwarten? Greifst Du dann auch schon einmal in den Mund des Kindes hinein und stimulierst dort?
@DaniundFeli: auch schön, von Euch zu hören. Inwieferne verwendet Ihr Taktkin? Das ging ja bei uns nicht wirklich gut, aber vielleicht könnten wir's jetzt wieder einmal versuchen.
2-3mal Logopädie ist auch nicht wirklich wenig, aber ich verstehe Euch. Und wenn er da exzessiv übt, ist Extraüben zuhause wahrscheinlich gar nicht mehr notwendig. Habt Ihr auch so eine tolle Mappe mit Buchstaben und diversen Wörtern oder ist Felix schon darüber hinaus?
Ich wäre auch sehr interessiert am Vorwärtskommen von anderen Kindern - eventuell sollten wir einen neuen Thread eröffnen.
Geht's Dir auch so, dass Du bei manchen Kindern denkst, sie gehen wohl in Richtung VED und Du bei den Eltern nur schwer Gehör findest? In Österreich ist die Diagnose noch relativ unbekannt, insbesondere auch die Therapieansätze.
Zu den Gebärden: Annabelle geht jetzt in eine biliguale Gruppe mit Integration gehörgeschädigter Kinder - sprich: die Gebärdensprache wird gleichwertig zur Lautsprache verwendet, und es gibt dort neben 2 Sonderpädagoginnen auch eine gehörlose Helferin.
Ich bin sehr begeistert. Annabelle ist nicht so geschickt mit den Händen (noch nicht, denke ich), und die Gebärden kommen nicht immer so klar heraus, aber sie experimentiert auch auf diesem Gebiet. Ich besuche jetzt auch einen Gebärdensprachkurs, weil ich Sorge habe, dass ich sie in Kürze nicht mehr verstehe!
Was meinst Du mit "Felix ist visuell sehr pfiffig" - verwendet Ihr auch Bildkarten? Welche Methoden verwendet er noch um sich mitzuteilen?
Würde mich freuen, wieder von Euch zu hören - lg, Simone _________________ Simone 07/1970, Roberto 04/1969, Sophie 12/1998, Annabelle 07/05 partielle Monosomie 3p.25 - global entwicklungsverzögert, macht aber ständig Fortschritte
ich finde ihr könnt sehr stolz auf euch sein! Und eure Annabelle wird ganz sicher auch weiter so gute Fortschritte machen
Du hast geschrieben, dass Annabelle 3 Monate gebraucht hat, um die Silben Ma-ma zum Wort zusammenzuschleifen - glaube mir, dass ist für dyspraktische Kinder relativ schnell! Gerade das Verbinden von Lauten bzw. Silben ist "Schwerstarbeit" und dafür braucht man sehr gute artikulatorische Fähigkeiten. Und für manche Lautkombinationen braucht man manchmal viele Monate, bis sie sauber klingen.
Kinder die auch eine orale Dyspraxie / orale Sensibilitätsstörung haben, brauchen auch im Bereich der Mundmotorik Zeit und Geduld. Zu deiner Frage: In der Mundtherapie gehe ich auch mal in den Mund (wenn das Kind dies gut akzeptiert). Es gibt viele unterschiedliche Methoden und auch hier muss man wieder herausfinden, was am Besten zum jeweiligen Patienten passt.
Wenn Annabelle Wasser und Eis gerne mag, dann würde ich auf jeden Fall damit weiterüben!
die verbale Dyspraxie ist bei ihr, meinem Gefühl nach, eigentlich weniger schlimm als die orale, sprich: sie tut sich bei der Lautbildung wirklich schwer, kann dann aber oft die Wörter recht gut zusammensetzen, teilweise auch spontan, wenn ich ihr ein maximal 2-silbiges Wort vorspreche.
Sie sagt jetzt ein Wort ähnlich "BALL", wobei sie für das L nur ein bisschen die Zunge hebt, aber immerhin! Ist halt dann wieder schwierig, das L zu isolieren...
Wir - Logopädin und ich - dürfen jetzt übrigens auch im Mund "arbeiten" - ich massiere die Zunge, den Gaumen und das Zahnfleisch. Es geht recht gut. Auch die Sterognose (wir haben da ein Set mit Formen bestellt), funktioniert recht gut.
Alles in allem bin ich recht hoffnungsfroh, aber die Möglichkeiten zum Üben sind unbegrenzt und zeitaufwändig. Glücklicherweise ist Annabelle meistens bereit zum Mitmachen!
Die Gebärdensprache ist jetzt eher in den Hintergrund getreten, weil sie doch die meisten Wörter schon anlautieren kann. Ich warte schon ganz gespannt auf das N - da haben wir dann wirklich viele Möglichkeiten zur Wortbildung.
Das SCH und das Z ersetzt sie durch ihren S-artigen Laut, klingt dann auch schon recht verständlich.
Manchmal (noch eher selten) kommen simple 2-Wort-Sätze - meistens sind es aber noch einzelne Wörter (Silbenkombinationen).
Wie auch immer - es bleibt spannend!
Ganz liebe Grüße aus Wien,
Simone _________________ Simone 07/1970, Roberto 04/1969, Sophie 12/1998, Annabelle 07/05 partielle Monosomie 3p.25 - global entwicklungsverzögert, macht aber ständig Fortschritte
ich freue mich wirklich immer zu hören, dass Annabelle so tolle Fortschritte macht!
Du hast Recht: die Übungsmöglichkeiten sind sehr vielfältig und man muss tatsächlich viel Zeit investieren, aber ihr merkt ja, dass es sich wirklich lohnt
Die orale Dyspraxie macht die Arbeit an der Artikulation natürlich schwerer, aber (wie schon einmal geschrieben) man kann prima mit Hilfe von z.B. Physiotherapie oder auch Reittherapie unterstützen. Denn die gesamte Körpermotorik und der Körpertonus hängen eng mit der Sprechmotorik zusammen. Was auch immer gut ist: viel mit dem Kind z.B. auf Spielplätze gehen und klettern, wippen, schaukeln usw. oder schwimmen gehen, im Wald spazieren usw.
stimmt natürlich alles, was Du sagst. Therapeutisch sind wir allerdings gerade bei einer großen Veränderung: habe die Ergotherapie erst einmal auf Eis gelegt (war eine sehr SI-zentrierte Ergo mit viel Turnen, die wir vielleicht in ein paar Monaten wieder aufnehmen!) und Logo auf 1 x/Woche gekürzt.
Stattdessen arbeiten wir jetzt nach Doman (die "gemäßigte" Variante, wo man das Wochenende frei hat) und machen täglich rund 2 1/2 Stunden lang (aufgeteilt auf den ganzen Nachmittag) eine gezielte intensive und "hochfrequente" sensorische Stimulation (taktil, auditiv, olfaktorisch) in Verbindung mit viel Krabbeln und Kriechen bzw. auch spezielle Übungen zur Verbesserung der Atemtechnik (und damit der Sauerstoffversorgung des Gehirns).
Es ist ein ganzheitliches Konzept - wir stellen gerade auch die Ernährung um (schrittweise - im ersten Schritt habe ich glutenhältige Produkte weggeschafft), das unter anderem auch ein Leseprogramm beinhaltet.
Auf den Spielplatz gehen wir weiter , und zum Wippen und Klettern hat Annabelle auch zuhause Gelegenheit.
Beim Osteopathen waren wir auch letzte Woche, wobei ich schon in der Vergangenheit mit cranio-sacraler Behandlung gute Erfahrungen mit Annabelle gemacht habe - sie konnte im Zuge ihrer motorischen Entwicklung immer wieder über (kleinere) Blockaden hinwegkommen.
Reiten mag Annabelle nach wie vor nicht so gerne - im letzten Jahr hat sie überhaupt nur geweint, wenn man sie auf ein Pferd gesetzt hat, und jetzt steigt sie zwar willig mit mir hinauf, hat aber nach 5 Minuten genug. Wir werden es wohl erst im Frühjahr wieder versuchen.
Mit der Logo machen wir, wie gesagt, auch wöchentlich weiter. Bin schon neugierig, wie das alles ineinander greift!
lg, Simone _________________ Simone 07/1970, Roberto 04/1969, Sophie 12/1998, Annabelle 07/05 partielle Monosomie 3p.25 - global entwicklungsverzögert, macht aber ständig Fortschritte
Respekt! Ihr habt aber ein richtig volles Therapieprogramm....wie schaffst du das denn so? Und wie reagiert Annabelle darauf? Mich interessiert sowas immer, weil mich ja oft Eltern z.B. nach solchen Methoden fragen und oft vor der "vielen Arbeit" zurückschrecken.
es ist sehr anstrengend. Ich habe jetzt meine Arbeitszeit auf 3 Stunden täglich reduziert, aber es kommt noch die Fahrt hin und zurück dazu. Außerdem bringe ich Annabelle in den Kindergarten bzw. hole ich sie ab, aber das zählt im Grunde nicht, weil die Distanz von zu Hause zum Kiga nur rund 5 Minuten beträgt.
Wir haben also nur den Nachmittag und arbeiten da etwa 4 Stunden. Bald werden es mehr sein, weil ich noch weitere Teile des Programmes, die nicht schwierig aber zeitaufwändig sind, einführen werde.
Annabelle nimmt es bisher gut auf. Sie verlangt auch regelmäßig das "A-MEN" (soll Atmen heißen - sie ersetzt das T derzeit eher noch durch S) - sogar am Wochenende, wenn wir pausieren.
Es ist sehr interessant. Vor zwei Tagen habe ich sie erstmals an 3 Düften schnuppern lassen, und sie hat stark regiert: Citronella mochte sie gar nicht, allerdings musste sie bei Lavendel total lachen.
Ich denke, sie mag das Programm, weil sie in diesem Zusammenhang von mir so viel Aufmerksamkeit erhält. Außerdem habe ich ihr erklärt, dass ihr z.B. das Atmen mit dem Reflex Bag gut tut - das Gehirn bekäme viel Luft, und dann könne sie gut denken. Ich weiß nicht, ob sie die Erklärung wirklich im Detail versteht, aber sie weiß schon, dass ich mit ihr etwas Besonderes mache, das ihr gut tun soll.
Ich gehe von rund 1 1/2 Jahren Dauer aus. Ab Sommer möchte ich dann nicht mehr arbeiten, allerdings geht Annabelle um der sozialen Kontakte willen wohl weiter in den Kindergarten und wir haben weiterhin nur den Nachmittag.
Die Erfolge, von denen rundherum berichtet wird, sind erstaunlich. Ich habe keine konkreten Erwartungen, aber ich hoffe, dass ich Annabelle helfen kann, ihr Potential wirklich zu nutzen.
Und dass ich nachher vielleicht wieder einmal egoistisch sein und mich auf mich selbst konzentrieren darf?!
Aber so weit sind wir noch lange nicht.
Schöne Weihnachten wünsche ich jedenfalls! Und einen guten Rutsch, falls wir uns nicht mehr hören.
lg, Simone _________________ Simone 07/1970, Roberto 04/1969, Sophie 12/1998, Annabelle 07/05 partielle Monosomie 3p.25 - global entwicklungsverzögert, macht aber ständig Fortschritte
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