Verfasst am: 21.02.2009, 09:09 Titel: Einstiegsprobleme bei TAKTKIN
Hallo,
unser kleine Annabelle hat ein sehr gutes Sprachverständnis und verwendet seit ein paar Wochen mit Begeisterung Gebärden (derzeit noch GUK, wobei wir sie umgewöhnen müssen auf die österreichische Gebärdensprache, die sich von der deutschen unterscheidet - aber soviel nur am Rande).
Wir bzw. vor allem unsere Therapeuten gehen von einer Dyspraxie, wahrscheinlich einer verbalen Entwicklungsdyspraxie aus.
Seit kurzem haben wir mit TAKTKIN angefangen - war sehr schwierig, in Wien eine Therapeutin zu finden, schließlich aber doch erfolgreich !
Das erste Ziel unserer Therapeutin ist, ihr "Mama", das sie als Silbenkette ständig vor sich hinplappert, bewusst zu machen.
Ich kenne nun auch die beiden Grippe für "M" und "A", wobei Annabelle das "A" selbst erzeugen kann, indem sie den Mund öffnet und Laut dabei gibt.
Wenn die Therapeutin oder ich sie angreifen und das "M" versuchen, geht aber noch überhaupt nichts - entweder weint sie oder lässt mich zwar gewähren, gibt aber keinen Laut.
Sie ist auch im Bereich der Oberlippe überempfindlich, allerdings sagt sie auf meine Frage, ob ich ihr weh tue, "nein" - ich denke also nicht, dass es für sie unaushaltbar ist.
Hat jemand Tipps für mich? Erfahrungswerte bezüglich überwundener Anfangsschwierigkeiten? Im Moment kommt es mir halt so vor, als würde ich relativ sinnlos auf ihren Lippen herumdrücken.
Mir ist schon klar, dass nicht sofort ein Erfolg da sein kann, aber ich bin halt so gespannt und unsicher!
Danke für jede Antwort - lg, Simone _________________ Simone 07/1970, Roberto 04/1969, Sophie 12/1998, Annabelle 07/05 partielle Monosomie 3p.25 - global entwicklungsverzögert, macht aber ständig Fortschritte
HM::::::::::::: Lippen herumdrüken würde ich nie machen ............. lassen einfach Gebärden mit Lippen ................ was sie will ............. in Osterreich gibt gut Gebärdenkurs udn Logopädie dort war e wir 2 Woche viel besser als hier Deutschland (sorry) leider können wir nciht immer nach Osterreich nur Ski Urlaub ja mehr nicht ,.
Mimik und gebärden und lassen Lippen nciht herum drücken macht erst besser LOGOPÄDIE richtig erklären ........... dort war in Wien ,,,,,,,,,,,, war mit DR.Ko..........?vergessen ?NAME _________________ Mama Taubheit/ Papa Taubheit/Naty gesund /Fabian Taubheit spastik Hirnhälfte, schattenblind.schluckplm.PEG , Epilepsie,lähmung links ; und viel mehr / Ci inplan nein Danke.......
Timmy gesund.....
ich finde es super, das Annabelle so gut mit den GUK-Gebärden zurecht kommt! So hat sie zumindest die Möglichkeit, sich mitzuteilen. Das ist ja auch schon mal ein Riesenfortschritt.
Was Taktkin angeht...ich weiß von vielen Kollegen, dass besonders Kinder sich nicht gerne "anfassen" lassen wollen. Das ist natürlich immer etwas schwierig und man braucht auch Geduld.
Wenn Annabelle auch eine orale Dyspraxie hat und dazu noch eine Sensibilitätsstörung im Mundbereich hinzukommt, sollte zuerst daran gearbeitet werden. Das würde die Arbeit an den Lauten einfacher machen.
Du kannst zu Hause z.B. Streichelspiele einbauen: mit den Fingerspitzen zart über Stirn, Nase, Wangen, Lippen usw. streichen und dabei ein Lied singen oder mit einem Wattebausch oder einem weichen Pinsel alle Stellen im Gesicht "wachkitzeln". Annabelle sollte das bei dir dann auch machen dürfen - so wechselt ihr die Rollen und Annabelle fühlt sich vielleicht auch nicht unter Druck gesetzt, da es ja "ein Spiel" ist.
Ich weiß, dass die Sorgen immer groß sind, wenn es ums sprechen geht, aber lasse dir und Annabelle auch Zeit! Aller Erwartungsdruck und jede Anspannung überträgt sich auch auf deine Kleine - die reagiert dann mit Abwehr und anschließend seid ihr beide verunsichert und frustriert. Mache dir bitte nicht selber zu viel Druck! Es ist wirklich toll, dass du zu Hause auch mit Annabelle übst und wenn es jetzt erst mal noch nicht sofort reibungslos klappt, liegt das nicht an dir. Auch wenn es unendlich schwer sein kann, Geduld ist hier das Wichtigste.
Mit dem Pinsel haben wir gestern schon ein bisschen gespielt.
Ich habe jetzt auch verstanden, dass ich sie nicht überfallen darf - wir sind jetzt schon so weit, dass ich manchmal ihre Lippen zwischen die Finger nehmen darf (wir wollen ja gerne "mamama" anbahnen, was sie spontan ja schon gut macht) - nur macht sie halt noch keinen Laut dazu. Allerdings muss sie wirklich bereit dazu sein, dann sind auch ihre Lippen weniger angespannt.
Ich habe schon das Gefühl, dass jede Form von Arbeit mit ihrem Mund nützlich ist und ihr hilft, ihn bewusster einzusetzen.
Es ist so spannend - wenn wir es schaffen könnten, sie aus ihrem "h-me"-Muster herauszubringen, sodass sie bewusst eine andere Lautkombination ansteuert, wäre das schon einmal ein Riesenschritt!
Meistens bin ich eh´ geduldig und freue mich auch total über die Gesten. Wir stellen übrigens gerade auf die ÖGS um, die ich persönlich fast schwieriger finde als GUK.
Aber im Grunde weiß ich über diese Dinge noch herzlich wenig.
lg und einen schönen Sonntag! Simone _________________ Simone 07/1970, Roberto 04/1969, Sophie 12/1998, Annabelle 07/05 partielle Monosomie 3p.25 - global entwicklungsverzögert, macht aber ständig Fortschritte
dein Gefühl ist schon richtig: alles was ihr mit dem Mund / rund um den Mund macht, das hilft. Egal ob ihr Streichelspiele macht, oder spielerische Übungen wie z.B. "Luftküsschen", Zunge rein und raus strecken, Lippen breit ziehen (grinsen) und spitz machen usw.
Darf ich mal fragen, warum ihr von GUK auf ÖGS umsteigt?
ich darf jetzt schon manchmal den Mund ein bisschen angreifen. Und Spielchen machen wir ständig.
Ich habe ja auch das Gefühl, dass sie durch den Gebrauch der Gebärden gaaaaaaanz langsam auch deutlicher wird. Sie versucht jedenfalls jetzt auch in der "gesprochenen Sprache" (soweit man bei ihr davon sprechen darf ) Wörter zusammenzuhängen. Wobei ich immer Sorge habe, dass ich mir die Fortschritt nur einbilde!
Zu den Gesten: naja, die ÖGS ist relativ unterschiedlich von der deutschen Gebärdensprache. Und nachdem Annabelle so gut auf die Gebärden angesprochen hat, ziehe ich auf längere Sicht schon in Betracht, eine Schulausbildung in einer Einrichtung anzustreben, wo eben auch Gebärdensprache verwendet wird (am besten bilingual!)
Und das ist in Wien eben die ÖGS. Wobei die Umstellung noch nicht im Gange ist - neue Gesten lernen wir zwar jetzt aus dem österreichischen Repertoire, behalten aber die schon erlernten GUK-Gebärden bei.
Ich habe noch eine Frage: immer wieder höre ich, dass die Sprachentwicklung eines Kindes mit rund 4 Jahren abgeschlossen ist - was hältst Du von dieser Aussage? Gibt es wirklich ein Begrenzungsalter, ab dem ein Kind keine Lautsprache mehr vollständig (naja - wer kann schon eine Sprache zu 100%. Sagen wir "ausreichend") erlernen kann?
lg, Simone _________________ Simone 07/1970, Roberto 04/1969, Sophie 12/1998, Annabelle 07/05 partielle Monosomie 3p.25 - global entwicklungsverzögert, macht aber ständig Fortschritte
ich glaube nicht, dass du dir die Fortschritte einbildest - wenn ich mir meine kleinen Patienten manchmal so anschaue, bin ich selber oft baff, wie gut es voran geht
Das mit der Sprachentwicklung ist so, dass im Normalfall die Entwicklung mit 5-5,6 Jahren "im Großen und Ganzen" abgeschlossen ist. Das Kind lernt zwar immer neue Wörter hinzu und entwickelt sich natürlich auch weiter, aber im Prinzip hat es bis zu diesem Zeitpunkt alle Laute und Lautverbindungen, sowie die Grammatik seiner Muttersprache erlernt.
Bei Kindern mit Sprach- oder Sprechstörungen bedeutet das aber nicht, dass für sie der "Zug abgefahren" ist. Es dauert nur wesentlich länger, bis sie z.B. aufgeholt haben bzw. sie haben durchaus die Möglichkeit noch sprechen zu lernen.
Eure Entscheidung für die ÖSG kann ich verstehen. Wobei ich eher raten würde, dass bilinguale erst mal hinten an zustellen. Denn für Kinder, die sowieso schon eine Spachstörung haben, ist jede weitere Spache eine zusätzliche Belastung und kann die weitere Entwicklung sogar verschlechtern. Aber ihr habt ja noch ein bisschen Zeit und wer weiß, wie Annabelle sich in den nächsten Jahren noch so entwickelt ?
danke für die Information - ich hätte sowieso für "Weitermachen" plädiert. Und davon, dass es lange dauern wird, gehe ich aus.
Ich habe jetzt noch eine Frage: Annabelle kennt ja die Buchstaben - unsere Logopädin meinte, sie wolle jetzt doch auch McGinnis einsetzen. Was ich nicht ganz verstehe: bei Taktkin bahnt man ja mehr oder minder die Laute, die ein Kind nicht kann (oder nicht kontrolliert kann), physisch an und hilft dann dem Kind, sich den motorischen Plan des Wortes zu verinnerlichen (so habe ich es halt verstanden).
Aber bei McGinnis ist das unterschiedlich: da gibt man keine physischen Hilfen, sondern eigentlich nur den Plan - d.h. das Kind muss eigentlich die Laute schon können, oder?!
Bei uns regnet´s übrigens auch - aber der Frühling und die schöne Zeit stehen direkt vor der Tür, da bin ich ganz sicher!
lg, Simone _________________ Simone 07/1970, Roberto 04/1969, Sophie 12/1998, Annabelle 07/05 partielle Monosomie 3p.25 - global entwicklungsverzögert, macht aber ständig Fortschritte
jetzt habe ich endlich mal die Zeit, zu antworten:
ich kenne ja nur PROMPT und habe gelernt, dass es eigentlich für Erwachsene entwickelt worden ist. In "einfach" erklärt:
Das Stimulieren und "festhalten"/Festigen der Laute durch eben diese Grifftechnik funktioniert deshalb so gut, weil ein Erwachsener ja schon mal gesprochen hat und sich mit dieser Unterstützung wieder die Laute erarbeiten kann. Es ist quasi eine "Erinnerungshilfe". Die Kinder hingegen haben ja vorher diese Laute noch nicht gesprochen.
Frau Birner-Janusch hat die Methode PROMPT hier in Deutschland bekannt machen wollen und später umbenannt in TAKTIN. Ausserdem hat sie angefangen, diese Methode eben auch für Kinder auszulegen. Und bei einigen funktioniert es gut, bei anderen eben nicht so gut.
Bei Methoden wie dem Dyspraxie-Programm oder auch "Ko-Art" (von Ulrike Becker-Redding) soll im Gegensatz zu TAKTKIN "so wenig wie möglich angefasst" werden.
Natürlich "darf" man (um einen Laut zu erlernen) auch mal anfassen und wir Therapeuten haben ja auch unsere "tricks", wie man Sprachlaute anbahnen kann
Aber grundsätzlich geht es darum, dass das Kind den Laut, wenn es ihn erst mal imitiert hat, an ein Bild oder Buchstaben koppelt und so quasi "lesen" lernt. Das funktioniert sehr gut - auch bei allen Lauten, die das Kind noch nicht kennt!
Man greift also nicht manuell ein um den Laut immer wieder in Verbindung mit anderen Lauten zu üben, sondern das Kind "erinnert" sich über die Bilder/Buchstaben.
Daher ist es für Annabelle sicher kein Problem, mit McGinnis zu arbeiten. Es könnte für sie sogar die bessere Lösung sein, da sie sich ja auch nicht gerne auch die TAKTKIN-Griffe einlässt.
So, hoffe das war jetzt verständlich?! Wenn du noch Fragen hast, immer her damit
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