Verfasst am: 27.01.2009, 11:18 Titel: W. Todtenhausen, TränenReich
Hallo,
hier kommt ein Buchtipp von Sabinee:
"Oft wird ja auch in Foren die Frage gestellt, wie man mit Eltern eines verstorbenen Kindes / Jugendlichen „umgehen“ soll....
Vielleicht kann dieses Buch einigen eine Hilfe sein. Es ist von einem Vater geschrieben, dessen Tochter im Alter von 9 Jahren gestorben ist. Auch für trauernde Eltern kann es eine Hilfe sein zu wissen, dass sie mit manchen Gedanken, Gefühlen und Erfahrungen mit der Umwelt nicht allein sind." (Sabinee)
Wolfgang Todtenhausen:
„TränenReich“
Julia, das einzige Kind von Dagmar und Wolfgang Todtenhausen, bricht im Alter von 9 Jahren eines morgens im Badezimmer ohne jegliche Vorwarnung ohnmächtig zusammen und stirbt wenig später. Ihr Herz war durch eine bis dato symptomlose Herzmuskelentzündung - wahrscheinlich ausgelöst durch eine Infektion - stehen geblieben und konnte nicht mehr zum Schlagen gebracht werde... Julias Vater schildert die ersten Monate nach dem Tod seiner Tochter.
Am eigenen Beispiel macht er deutlich, was der Tod eines Kindes hierzulande menschlich und gesellschaftlich bedeutet, schildert die Unsicherheit, mit der viele Menschen ihm und seiner Frau fortan begegnen. Er beschreibt das Gefühl, am Tod der Tochter zu zerbrechen, schildert die Rolle des Glaubens für ihn und die Phasen tiefster Resignation, die in dem Wunsch beider Elternteile münden, ihrer Tochter zu folgen. Aber er berichtet auch vom Suchen und Finden professioneller Hilfe und davon, wie der Blick beider Elternteile sich dadurch ersten neuen Lebenszielen und -aufgaben öffnen kann.
Wolfgang Todtenhausen legt in seinem Buch seine Gefühle und Gedanken offen, beschreibt auch, wie er es empfindet, als Vater und Mann zu trauern, sich der Trauer zu öffnen und wie darauf oftmals reagiert wird.
Sowohl für Eltern (gerade auch für Väter!), deren Kind gestorben ist, als insbesondere auch für Menschen, die Eltern eines verstorbenen Kindes besser verstehen und ihnen hilfreich beistehen möchten, halte ich "TränenReich" für ein sehr empfehlenswertes Buch.
Es bietet die Chance, zu begreifen, warum Trauer um ein Kind kein Verfallsdatum haben kann, warum es nach dem Tod eines Kindes insbesondere seiner Mutter, seinem Vater und seinen Geschwistern nicht nach "einiger Zeit" schon "wieder besser" oder gar "gut gehen" kann. Und es kann eher Außenstehenden dabei helfen, die Trauer von Eltern um ihr Kind aktiv und hilfreich mit gebotener Rücksicht und ehrlicher Anteilnahme zu begleiten. Dazu umreißt der Autor Taten, Gesten, Worte usw., die von trauernden Eltern als verletzend empfunden werden und solche, die Eltern den beschwerlichen Weg durch das Leben ohne ihr Kind ein wenig erträglicher machen können.
"TränenReich" ist ein klar geschriebenes, sehr lesenwertes und eindrucksvolles Buch, das unschätzbar wichtige Eindrücke vermittelt!
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