nachdem ich hier im Forum schon einige Zeit "still" mitgelesen habe, möchte ich mich jetzt vortstellen:
Mein Name ist Aila, ich bin Diplom (NL) Logopädin und arbeite in eigener Praxis in der Nähe von Wesel am Niederrhein. Ich habe mich auf die Arbeit mit Kindern spezialisiert. Zu meinen Schwerpunkten gehört die Therapie bei Kindern mit Mehrfachbehinderung, Hörgeschädigte Kinder (HG/CI), Kinder mit verbaler Entwicklungsdyspraxie und Kinder mit LRS.
Neben meiner Praxis bin ich auch noch als Dozentin unterwegs und gebe Seminare für den Bereich Sprachförderung/Zweitspracherwerb und Verbale Entwicklungsdyspraxie bei Kindern.
Dieses Forum habe ich durch Zufall entdeckt und finde es sehr informativ und lehrreich. Ich freue mich auf einen regen Austausch!
herzlich willkommen hier im Forum, wünsche dir einen guten Austausch.
Habe auch gleich mal eine Frage, und zwar sind meine Kinder beide stark entwicklungsverzögert und besonders in der Sprache.
Mein Mann ist Bosnier und da ich auch gerade die Sprache lerne, möchten wir natürlich auch daß unsere Kinder eine zweite Sprache lernen.
Aber wir haben uns bis jetzt noch nicht getraut damit anzufangen, weil wir Angst haben, daß sie dann zusätzlich zum Sprachproblem noch die Sprachen durcheinander werfen. Hättest du einen Vorschlag wie man das machen könnte oder sollten wir lieber warten bis beide gut deutsch sprechen können?
@Vanessa
Normalerweise ist es für Kinder gar kein Problem zwei Sprachen gleichzeitig zu lernen, vorausgesetzt sie haben keine Sprach- oder Sprechstörung in ihrer Muttersprache.
Ihr habt also schon das richtige Gefühl gehabt: es wäre für ein Kind, das sowieso schon sprachentwicklungsverzögert ist, nicht gut, eine zweite Sprache zu lernen.
Es gibt zwei Formen des Zweitspracherwerbs:
Simultaner Zweitspracherwerb/Bilingualität (bis zum 3. Lebensjahr)
Das Kind wächst von Geburt an mit zwei Sprachen auf – der Erstsprache und der Zweitsprache (z.B. bei binationalen Eltern – Mutter ist Deutsche, Vater ist Franzose).
Diese Spracherwerbsform verlangt von den Eltern Konsequenz – beide Sprachen sollten getrennt voneinander vermittelt werden, denn das Kind koppelt die jeweilige Sprache an eine Person. Wenn die Mutter konsequent deutsch spricht und der Vater immer französisch, verläuft der Erwerb beider Sprachen in den Entwicklungsphasen gleichzeitig.
„Eine Person – eine Sprache“
Sukzessiver Zweitspracherwerb (ab dem 3. Lebensjahr)
Das Kind hat bereits Muttersprache erworben und erlernt nun eine zweite Sprache, die sich auf den Fundamenten der Erstsprache aufbaut.
Je günstiger und differenzierter der Erwerb der Erstsprache (Muttersprache) verlaufen ist, umso erfolgreicher kann der Erwerb weiterer Sprachen verlaufen. Das heißt also, dass die Muttersprache quasi das "Betriebssystem" ist, auf dem sich weitere Sprachen aufbauen. Liegt hier aber schon eine Entwicklungsverzögerung/Sprachstörung, kann die zweite Sprache auch nicht richtig erlernt werden - sie hat meist sogar einen negativen Effekt, denn das Kind wird dadurch überfordert, oder verliert sogar ganz die Freude am Sprechen.
Mein Rat: lasst euren Kindern einfach noch Zeit, sie brauchen ja schon viel Kraft um ihren Entwicklungsrückstand aufzuholen. Und da wäre eine weitere Sprache einfach eine noch größere Belastung. Sprechen soll ja Spaß machen und nicht in Arbeit ausarten
Hallo Aila
herzlich willkommen bei REHAkids.
Wir kommen aus Rees.Mein Sohn bekommt KG, ERGO u.LOGO.
Bin auch erzt seit kurzem dabei.Habe auch schon gute Tipps bekommen.Bis bald.Liebe Grüße Rita
schön, dass du dir die Zeit nimmst um einigen Eltern als Fachmänin die Fragen zu beantworten.
Ich würde dich auch gerne was fragen. Was du von der Tomatis Therapie bei AVWS hälst? Meine Tochter hat schon ein Block hinter sich und wir sind positiv überrascht. Die Logopädin die damals meine Tochter untersuchte sagte mir, wir braüchten keine logopäsiche Behandlung (das war schon vor der Tomatis Therapie).
Ich kenne Castillo Morales Therapeuten und arbeite auch gerne mit ihnen zusammen Die Ausbildung habe ich nicht gemacht, kenne allerdings die Methode und auch Übungen. Ich selber arbeite unter anderem nach Bobath - ist natürlich nicht die komplette Ausbildung die ihr Physios machen müsst/könnt, sondern nur "mein" Bereich.
Da ich ja viele behinderte Kinder behandel, arbeite ich eben auch eng mit den anderen Therapeuten zusammen - macht Spaß, ist effektiv und man lernt eine ganze Menge!
LG, Aila
@Rita
Liebe Grüße nach Rees! Habe selber ein paar Bekannte in Rees und kenne sogar einige Logos. Ist ja wirklich nur ein Katzensprung
Tomatis kenne ich, auch die Verfahren von Warncke und Audiva - habe vor Jahren meine Diplomarbeit zum Thema zentral auditive Wahrnehmungsstörungen bei Kindern geschrieben
Ich habe auch einige Kinder gehabt, die z.B. in Belgien die Tomatis-Therapie gemacht haben. Es hat sich einiges verändert (zum Positiven), kostet meiner Ansicht nach immer noch viel zu viel, manchen Kindern hilft es, anderen nicht.
Was mich immer ein wenig stört: häufig wird in Flyern oder auf Internetseiten der Eindruck vermittelt, dass man mit Hörtraining oder Klangtherapie sämtliche Störungen "heilen" kann. Und das weckt bei vielen Eltern sehr große Hoffnungen. Natürlich sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass die Zentren/Firmen ja mit ihrer Methode auch Geld machen wollen. Und: allein durch "Hören" kann man keine "Krankheiten" oder Entwicklungsverzögerungen oder Sprachstörungen "wegtherapieren".
Als Ergänzung zu anderen Therapien kann es aber durchaus für einige Patienten sinnvoll sein. Besonders um Grundvoraussetzungen wie z.B. auditive Aufmerksamkeit, Konzentration zu schaffen.
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