Verfasst am: 14.08.2005, 00:10 Titel: Kein Kontakt, weil Enkelkind behindert?
Hallo erst mal,
Ich hab da ein riesen Problem, ich glaub die Oma hat den Kontakt zu uns abgebrochen, weil meine Kleine eine Behinderung hat.
Gut es gab immer wieder schwierigkeiten im Kontakt zu ihr, aber seiddem wir die Diagnose haben und auch offen sagen; Ja, unser Kind ist behindert!" Nichts mehr. Sogar die Tante verläßt den Raum, wenn nur die Sprache darauf kommt, was die Kleine Für Fortschritte macht in der Therapie!
Oh Mann es K.... mich an! Selber nicht ganz gesund sein ( Herzfehler, bzw. Rheuma) aber mir unterstellen, ich würde meine Tochter ohne Grund als behinderte hinstellen.
NIEMAND sagt es einem so ins Gesicht, aber die Untertöne und das Nichtsagen, Nichttun, spricht soviel ohne Worte!
Es tut so weh, nicht weil mit mir kein Kontakt gewünscht wird (war eh schon immer etwas schwierig, bin nicht gut genug), sondern meine Maus hat sowas nicht verdient! Wir haben soviel Glück gehabt, daß wir nur eine milde Verlaufsform haben. Tja und wenn es nicht so wäre mit der Behinderung meiner Tochter, warum haben wir denn anstandslos 80 % im Schwerbehindertenausweis eingetragen bekommen?
Menschen sind so gemein. Als wenn sie denken würden: Was ich nicht will, das kann nicht sein! Wenn ich es lang genug verdränge ist es nicht mehr wahr.
Sorry, aber ich versteh sowas nicht. Bin ich zu blöde dafür oder was?
Wenn es nicht Oma und Tante wären, könnt ich vielleicht noch drüber wegschauen aber so.
Hat das jemand von euch auch so erleben müssen, wie reagiert man auf sowas?
ärgere Dich nicht so sehr, es ist nicht leicht ich weiß, aber investiere Deine Kraft lieber für Deine Tochter. Bei uns ist es ähnlich, nicht das wir ignoriert werden, dass wäre mir persönlich sogar fast lieber, denn bei uns ist es so, dass gesagt wird, unser Sohn wäre unerzogen, da er einige Verhaltensweisen an den Tag legt, die eben so aussehen als wäre er es. Überhaupt ist unser Sohn nicht krank (GdB 80, NA G, B, H), nein das wächst sich alles raus. Das ich nicht lache, autistische Züge und wahrscheinlich auch eine leichte Form von ADS, wachsen sich kaum raus. Beim letzten Besuch haben meine Schwiegermutter und meine Schwägerin Stunden versucht auf mich einzureden, dass ich nicht immer sagen soll unser Sohn ist krank, dass ich nicht alles was er tut entschuldigen soll (was ich auch nicht tue, die sehen es aber anders, einmal verurteilt, immer verurteilt). Im letzten Jahr bei unserem jährlichen Besuch habe ich unseren Sohn früh ins Bett gebracht, weil er müde war. Da habe ich zu hören bekommen, wieso läßt Du den Jungen nicht noch spielen (er war wirklich total kaputt und überfordert von der langen Fahrt und den neuen Einflüssen). Dieses Jahr habe ich mir gedacht, jetzt sollen sie mal sehen was passiert, wenn ich genau das tue was ich im letzten Jahr angeblich falsch gemacht habe. Ich habe ihn nicht ins Bett gebracht. Das Ergebnis - für mich vorprogrammiert - ein total unausstehliches Kind. Jetzt konnten sie mal sehen, wie es ist, ihn nicht ins Bett zu bringen. Ihre anderen Enkel werden in solchen Situationen nämlich zwar müde aber verkrümeln sich zu ihren Eltern und schlafen dort ein. Meiner wird eben durch die ganze Reizüberflutung total unausstehlich. Was mußte ich mir da anhören? Ganz klar, "wenn Du genau weißt wie Dein Kind reagiert, warum hast Du ihn nicht früher ins Bett gebracht"?
Sandra es ist zwecklos, egal was man macht, es ist verkehrt. Deshalb fahre ich nur noch ein kurzes Wochenende hin und unterhalte mich grunsätzlich nicht mehr über Jans "Krankheit".
Mein Mann hat übrigens seit Geburt ADHS. Auch das wurde ein Leben lang ignoriert. Was sagte mein Schwiegervater letztens am Telefon: "ich habe etwas über Deine angebliche Krankheit ABC (man höre und staune) gelesen". und "Sowas gibt es in unserer Familie nicht, das bildest Du Dir ein". Klar bildet er sich das ein, er leidet ja auch schon 43 Jahre unter einer eingebildeten Krankheit.
Deshalb wäre mir ein Kontaktabbruch viel lieber. Aber mein Mann schafft den Absprung nicht und ich kann ihm diese Entscheidung nicht abnehmen. Solange versuche ich auf Durchzug zu schalten, eines Ohr rein, das andere wieder raus. _________________ Liebe Grüße
Ulrike
mit Jan Philip (02/99), psychomotorische Entwicklungsstörung, auditive Wahrnehmungsstörung (GdB 80, G, B und H)
Hallo Ulrike,
was Du beschreibst kenne ich auch aus dem ersten Lebensjahr von Dennis (vor allem das mit der Reizüberflutung und dem Unverständnis der anderen - ich werde nie das erste Weihnachten vergessen... ).
Mittlerweile (seit fast 6 Jahren) haben wir keinen Kontakt mehr zu Dennis väterlicher Verwandschat, weil ALLE diesen Kontakt abgebrochen haben (sogar meine Schwägerin die angeblich immer für uns da sein wollte!!!! )
Auf der einen Seite finde ich es immer sehr shcade für Dennis (denn dadurch kennt er wirklich NIEMAND ausser mir und meiner Mutter als Verwandschaft, und vor allem auch seinen Vater leider (gottlob ?) nicht.
Aber auf der anderen Seite weiss ich genau dass diese Menschen IMMER ein Problem mit Dennis und seiner Besonderheit haben werden, es würde in diesem Stadium niemandem etwas bringen, dazu müssten sie sich schon sehr ändern......
Es gibt eben Menschen die lernen es nimmermehr...
LG Inci _________________ (Mama von Dennis, geboren 28.01.1999;
komplexer Herzfehler (Shone-Komplex) mit Lungenhochdruck, Autismus mit Zwangsstörung, Thorakal-lumbal-Skoliose, Epilepsie mit fokalen Anfällen; unser "kleiner" Sonnenschein )
es klingt jetzt mal ein wenig gemein, aber ich denke, am Ende wird es zumindest für Jan ein gutes Ende haben. Denn meine Schwiegereltern sind sehr reich und ich weiß, dass alle Enkelkinder - auch die mit eingebildeter Krankheit - mal sehr gut erben werden. Und das sehe ich als einziges positives, denn so kann ich dafür sorgen, dass Jan irgendwann zumindest finanziell nicht eingeschränkt sein wird.
Hört sich jetzt vielleicht sehr hart an, aber wenn ich überlege, was ich mir schon alles anhören musste von besagter Familie, dann ist das der gerechte Ausgleich dafür. Ist vielleicht auch ein Grund, weshalb mein Mann immer wieder dort anruft und mich bittet, ihn bei Besuchen zu begleiten. Er hängt vor allem sehr an seiner Mutter.
Übrigens, Dein Sohn ist nur unwesentlich älter als meiner, geb. 14.02.1999 . Auf was für eine Schule wird er gehen? _________________ Liebe Grüße
Ulrike
mit Jan Philip (02/99), psychomotorische Entwicklungsstörung, auditive Wahrnehmungsstörung (GdB 80, G, B und H)
hallo Sandra ,,
Ja das ist immer ganz schön ärgerlich ,wenn irgendwelche Leute nicht damit zurecht kommen ,das man ein Behindertes Kind hat und gerade aus der Familie ,aber oft ist es so das Freunde sich als der bessere Teil des ganzen zeigen und man dann auch auf so einen Teil der Familie verzichten kann..
Ich kann da nicht so mitreden ,denn meine Familie hat von Anfang an hinter mir gestanden ,klar sie mussten auch da rein wachsen in das ganze wie ich ,es kommt dazu das Chris ja auch der erstgeborene Enkel, Neffe war, und von daher hatte man auch Zeit sich auf ihn einzustellen..Seine Behinderung ist im ersten Moment nicht zu erkennen und von daher ist es gegenüber Fremden und anfangs auch Freunden schwer Erklärungen zu ihm abzugeben ,wenn so Sprüche kommen wieso kann er das nicht ,und Behindert wo denn ,warum ?Bis man länger mit ihm zusammen ist und dann seine Probleme erkennt . Ich wünsche Dir das Du mit der Art Deiner Familie zurecht kommst ,und die Stärke auch mit dem Teil der Familie abzuschliessen, wenn sie es nicht anders wollen, dann müsst Ihr als eigene Familie für Euch da sein und zusammen halten .Viel Glück weiterhin
Lieben Gruss Beatriz &Kids _________________ Beatriz alleinerziehend mit SohnChris Andre 16 Jahre Sturge Weber Syndrom.Und Sohn Niklas 13 jahre alt.Auditive Wahrnehmungsstörung mit Verarbeitungsstörung./ADHS/Enthesitis-assoziierte juvenile idiopatische arthritis
Hallo Sandra,
es ist wirklich traurig und verletzend wenn die eigene Verwandtschaft unklusive Großeltern so herzlos auf ein behindertes (Enkel)kind reagiert. Doppelt schwierig, wenn Eure Beziehung vorher schon nicht ok war. Vielleicht hängt diese Ablehnung aber auch ein Stück mit der Unsicherheit und Unfähigkeit zusammen damit umgehen zu können. Genau wie Eltern wollen Großeltern auch stolz ihre Enkelkinder präsentieren - stolz mit den neuesten Fotos beim Kaffeeklatsch im Freundeskreis ausgerüstet und mit den Bemerkungen "ja mein Enkel kann schon ..." Gib allen etwas Zeit, vielleicht findet sich zumindest ein normaler Umgang und ansonsten investiere die Zeit in Dein Kind. Außerden: ein guter Freundeskreis - den man sich ja Gott sei Dank selber suchen kann - gibt oft mehr Kraft, Freude, Geborgenheit und Sicherheit als eine Familie.
Alles Gute und Kopf hoch
Kerstin
Ähnlich wie bei Ulrike hat auch meine Tochter ihren Gehdefekt vom Papa geerbt, und der vermutlich von seiner Mutter. Und genau diese reagiert jetzt so. Vor allem wenn mein Mann fragte, warum sie damals nicht genauer nachgefragt habe, man hätte es feststellen können, kommt so ein toller Spruch so wie, sie habe sich nichts vorzuwerfen, sie habe immer alles genau abgeklärt und sie wäre 100 %tig gesund (??? mit Rheuma und warum läßt sie sich nicht genetisch Untersuchen, ob unsere Ärzte wirklich "scharlatane" sind) und überhaupt würde ich blablabla...
Ach langsam denke ich das es wirklich besser ist, das sie nicht mit uns Kontakt haben will. Es gibt genug dumme und intollerante Menschen, da brauche ich nicht auch noch eine soche Verwantschaft im ständigen Umfeld meiner Kleinen!
Ich weiß, langsam werde ich auch ickig, aber schließlich bin auch ich nur ein Mensch!
vielleicht sind das aber bei Deiner Schwiegermutter doch unterdrückte/verdrängte Schuldgefühle?
Wenn Dein Mann sie schon direkt darauf angesprochen hat, warum sie sich nicht hat testen lassen, nimmt sie möglicherweise an, dass Ihr ihr die Schuld an der Behinderung Eurer Tochter gebt?
Oder das Verleugneg der Behinderung Eurer Tochter ist auch ein unbewusstes Verleugnen Ihrer eigenen Erkrankung?
Ich denke jedenfalls, wenn Eure Tochter Ihre Behinderung vermutlich von Deiner Schwiegermutter vererbt bekommen hat, kann das für Deine Schwiegermutter schon eine besonders schwierige Situation sein, die Behinderung zu akzeptieren, schwieriger noch als für andere Omas behinderter Kinder. Möglicherweise hilft hier ein klärendes Gespräch ohne Vorwürfe.
Was ich Dir übrigens schon auf Deine Vorstellung hin schreiben wollte: Schön, noch jemanden aus der Gegend um Hannover hier zu haben
LG _________________ Heike (12/68) und Vincent (09/04), operierte intermediäre Analatresie
ja, der Ausspruch könnte von meiner Schwiegermutter kommen: "wir haben uns nichts vorzuwerfen" und auch wir nehmen an, dass mein Mann zumindest sein ADHS von ihr geerbt hat. Sie ist aber kerngesund (sagt sie), aber wenn sie spricht hört man schon heraus, wie nervös sie ist. Das war sie schon ihr Leben lang, ein reines Nervenbündel. Aber wahrscheinlich wurde sie zu Leistungen geprügelt und redet darüber nicht. Denn ein Medikament gegen ADHS hat es zu der Zeit sicher noch nicht gegeben. Meine Schwiegermutter ist 78. Aber genau aus diesem Grund lassen wir es und reden nicht mehr darüber, denn dieses Problem löst sich irgendwann auf ganz natürliche Weise. Hört sich jetzt wirklich hart an und ich bin eigentlich der letzte Mensch der irgendjemandem etwas böses wünscht. Aber ich habe mir gerade von dieser Seite schon so viel anhören müssen, dass mir ab und zu solche Sprüche einfach rausrutschen und ich sie nicht einmal bereue. Und noch mehr hoffe ich, sollte ich je Enkelkinder haben, was ich mir nicht vorstellen kann, dass ich dann nicht zu so einer ätzenden Schwiegermutter mutiere. _________________ Liebe Grüße
Ulrike
mit Jan Philip (02/99), psychomotorische Entwicklungsstörung, auditive Wahrnehmungsstörung (GdB 80, G, B und H)
jetzt muss ich aber auch noch mal was dazu sagen (obwohl ich die ja schon gemailt habe
Du weisst ja sicher, der beste Spruch meines Vaters war :"Du übertreibst das mit der Ärzterennerei, du machst das Kind krank, der hat doch nichts"
Ich bin damals aufs Klo und hab geheult wie ein Schlosshund. Ich kann dich verstehen, sowas tut verdammt weh.
Die haben alle keine Ahnung, was man als Mutter da mitmacht, die psychische Belastung ist sowieso schon extrem und dann kommt noch sowas.
Man kann aber auch nicht einfach darein und daraus, schließlich ist das Familie und man hängt ja aneinander.
Mein Tipp:
Sprech das Thema einfach nicht mehr an. Red mit denen darüber, die wirklich auf eurer Seite stehen, alle anderen muss du disqualifizieren. Raus aus dem Spiel, die haben da nichts mehr zu suchen.Die haben keine Ahnung worum es wirklich geht, deiner Laura nämlich ein Supi-Leben zu ermöglichen.
Heb dir die Kraft für was anderes auf.
So bleibt vielleicht ein oberflächlicher Kontakt, aber deine Kinder sollten nunmal auch noch ein bisschen was von ihrer Oma haben.
So das was.
Zwecks reden, ruf ich dich nochmal an.
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