Verfasst am: 11.11.2008, 14:43 Titel: Wie komme ich zum "bildlichen Malen"?
Hallo,
meine Tochter (sechs Jahre) malt noch kaum Bilder mit Sonne, Wiese, Baum, Haus, Mensch usw. Das was Kinder halt so malen. Sie kann inzwischen einige Buchstaben schreiben, malt eine Sonne oder ein Herz.
Wer hat Ideen, wie man an das Malthema noch einmal rangehen kann, damit es vorran geht?
wir haben mit Silas bekonnen auf großen Papierbögen (auf dem Boden liegend) mit Fingerfarben Dinge zu malen. Silas ist zwar ein Jahr jünger als deine Tochter, doch auch er malt nicht gegenständlich sondern überweigend Kriztel Kratzel. Seit her allerdings malt er immerhin einen Stirch und vier Kreise darunter, das ist jetzt sein Auto oder Bus..... Falls ich noch irgendwelche Tips morgen von der Ergo (3. Termin) bekomme stelle ich ihn mit rein.
LG Iris _________________ Iris (75) Daniel (75) Silas 19.09.2003 Microcephalie-Epilepsie-Spastische Hemiparese re, Kai 20.07.06, Meera (Golden Retriever) 4.09.2007
Ich habe das bildliche Malen mit selbstgemachten Punktebildern angeregt.
Die Punkte musste man verbinden.
Ich habe daraus ein schönes Ratespiel gemacht. _________________ VG Karin
Da ich gerade eben auf die Frage, wie man die Grafomotorik anregen kann, geschrieben habe, man solle die Kinder auf einer Tastatur schreiben lassen, um sie nicht unnötig zu quälen, wird es kaum überraschen, dass ich auch zum "gegenständlich Malen lernen" eine ähnlich pragmatische Einstellung habe:
Ein Kind, das keine Figuren malt, nimmt diese noch nicht wahr. Insofern ist es zwar wichtig, die Tatsache als solche zur Kenntnis zu nehmen, aber man sollte nicht daran "herumarbeiten", weil es nur ein Störungsbewusstsein bei den Kindern bewirkt. Wenn die Zeit für Figuren gekommen ist, wird sie sie malen!
Aus dem Bereich der Sensorischen Integration kommt die Überzeugung, dass eine ausgeprägte Wahrnehmung des Körpers erst praktisch alle Fähigkeiten des Körpers ermöglicht. Da unser Sohn nach diesen Prinzipien mehrere Jahre therapiert wurde und ich die Erfolge deutlich sehen konnte, würde ich IMMER beim Körper ansetzen und die restlichen Fähigkeiten folgen lassen. Das klingt jetzt vermutlich für in SI Uneingeweihte reichlich esoterisch, ist aber das Gegenteil: Eine Körperwahrnehmung, die so diffus ist, dass sie die Grenzen zwischen Ich und Dir und dem Rest der Welt nicht setzen kann, führt dazu, dass diese Kinder die Eigenwahrnehmung auch nicht bildlich ausdrücken können. Sie KÖNNEN es noch nicht. Könnten sie es, würden sie es tun. Deshalb halte ich das Verbinden von Punkten - auch spielerisch - für ziemlichen Quatsch. Es ändert nichts am Grundproblem.
Wir haben immer sehr viel Sport gemacht, schon deshalb, weil es das ADS in Schach hält, und da so ziemlich alles angeboten. Die Körperwahrnehmung kam langsamer als bei anderen Kindern, aber inzwischen ist klar, dass außer einer Vorliebe für kratzige Handtücher nichts von seinen früheren Problemen zurückbleiben wird. Mein Sohn malt völlig talentfrei, ohne Frage, aber er malt begeistert, schön farbig, und manchmal kann man auch erkennen, was auf den Bildern ist Da er schreiben lernt, schreibt er es derzeit gern dazu, wie bei einem Comic. Wir haben allerdings auch mehrere Maler, Architekten und Fotografen in der Familie, die zeigen ihm natürlich immer wieder nebenbei ihre Arbeit oder setzen sich hin und zeigen ihm irgend eine tolle Technik. Er hat also keineswegs das Gefühl, er ist da irgendwie defizitär, im Gegenteil, er bastelt und malt wie verrückt und verschenkt seine Werke an alle, manchmal sagt er, er möchte Comiczeichner und Luftgitarrespieler werden, das sei sein Berufswunsch. Naja, das ist so abgefahren, weil er wirklich keine Ahnung von Kunst hat, dass es klappen könnte...
Ich glaube an Vorbilder, und da ich selber viel male und bastle und baue, war mir klar, dass mein Sohn dies auch tun wird. Wir waren auch schon in der Kunsthalle, insbesondere die Impressionisten haben es ihm da angetan. Ihn gesondert im Verbinden von Punkten zu unterrichten oder so wäre mir nicht in den Sinn gekommen. Honi soi qui mal y pense, ich sagte ja, ich gehe an solche Dinge pragmatisch ran.
Deine Tochter mag Symbole und Zeichen. Mit Abbildungen der Realität kann sie derzeit nichts anfangen. Wenn man es so sieht, könnte man sagen, sie befindet sich auf einem höheren Niveau, der Semantik Sie hat ganz klar ein gewisses Abstraktionsniveau erreicht, das ich persönlich fördern würde statt es zu unterdrücken. Was mir zu Deiner Tochter einfällt: Da sie Herzen mag, würde ich mit ihr welche backen, die sie dann an ihre Freunde verschenken kann. Sie kann ein Namensschild fürs Zimmer in Herzform bekommen, auch selbst gemacht aus Salzteig. Vielleicht kannst Du ihr das Sticken beibringen? Und Kuschelkissen mit Herzen besticken? Oder wenn sie die Sonne mag, würde ich mit ihr auf eine Entdeckungsreise gehen, wie die Sonne im Laufe der Jahrmillionen dargestellt wurde, in welchen Farben, wie das sprachlich ausgedrückt wurde, ist die Sonne männlich oder weiblich? gibt es Musik zum Thema, welches Verhältnis hat man in verschiedenen Regionen zur Sonne? warum?, ein Gedicht dazu... Und die Buchstaben? Lasse sie doch ihr eigenes kleines Buch entwerfen. Mir liegt immer daran, die verschiedenen Kunstformen zu "integrieren", heißt das wohl neudeutsch, also Kenntnisse zu verbinden, klar zu machen, dass ich einen Baum fotografieren kann, seine Blätter pressen, ihn malen, ihn zersägen und verarbeiten und so weiter kann. Davon lernt man etwas, finde ich. Und vielleicht hat sie einfach kein Talent beim Malen und lernt statt dessen, die Menschen über Worte oder Noten auszudrücken.
Wenn Dir wirklich so viel an dem Thema "Figuren" liegt, würde ich diese in jeder Form durchkonjugieren, beim Essen, im Museum, beim Spielen... Mir wäre dieses Thema aber nicht wichtig genug, weil es konstruiert ist. Es ist nur deshalb interessant, weil "man" meint, dass ein sechsjähriges Mädchen das Thema Figuren beherrschen müsste. Deiner Tochter würde das vermutlich auch nicht gefallen. Mir wäre die Sonne lieber, das ist doch ein tolles Thema für ein kleines Mädchen!
ich freue mich sehr über deinen ausführlichen Beitrag und die vielen Anregungen, zumal wir uns schon von früher kennen und auch schon mal telefoniert haben.
Ich glaube auch, daß du in gewisser Weise recht hast. Vor allem glaube ich auch, daß die Bewegung nach wie vor sehr wichtig ist (das bleibt sie ja auch eigentlich ein Leben lang).
Ich finde schön, wie du an die Themen ran gehst und sehe schon auch, da es nicht das wichtigste ist schön malen zu können. Diesen Anspruch habe ich auch nicht. Dennoch möchte ich ihr Möglichkeiten bieten, Erfahrungen zu machen und nicht einfach abwarten und mich nur auf Bewegung verlassen. Ich glaube, dafür ist sie jetzt schon zu alt.
Ich frage mich nämlich, wenn man mit dem Thema "Malen" keine Erfahrungen macht, woher soll es dann kommen? Daher finde ich die Idee mit den Punkten gar nicht so schlecht, da sie doch auch ein Gefühl für Formen geben können und wenn man dies oft genug macht (denn Wiederholungen sind ja das A und O) dann bleibt es auch irgendwann haften. Momentan sehe ich bei meiner Tochter eben auch, daß es einfach wichtig ist sich mit Ihr täglich mit Themen (wie Zahlen, Buchstaben usw. zu beschäftigen (vieles habe ich aus Baiersbronn vom Therapiezentrum IVEN); d.h. die Wiederholungen bringen dann den Erfolg und da es meiner Tochter riesigen Spaß macht fruchtet es auch. Anders wäre es natürlich, wenn Sie dazu keine Lust hätte; das würde bestimmt Störungen hervorrufen.
So suche ich einfach nach Möglichkeiten, wie man vielleicht spielerisch doch auch mit dem Thema "Malen" umgeht, damit ich ihr darin noch mehr Selbstvertrauen geben kann. Neulich hat sie eine "Barbie" Prinzessin von einem Tischset abgemalt sogar mit einer Blume in der Hand (das hat sie noch nie getan) und das Bild ihrer Oma geschenkt. Ich war ganz baff, wie toll sie das Bild gemalt hat und habe mich riesig gefreut.
Da fällt mir sogar selbst noch was ein. Ich denke, daß man auch mit Wolle tolle Bilder kleben könnte. z.B. ein vorgezeichnetes Haus. Dann kann man hinterher das Haus auch "erfühlen".
Du gehst das Thema "Malen" von einer anderen Seite an - die Idee mit den Salzteigherzen und dem eigenen "Bilderbuch der Sonne" und deren Thematisierung haben mir sehr gefallen! Ich glaube auch, daß du sehr recht hast mit deiner Feststellung:
"Deine Tochter mag Symbole und Zeichen. Mit Abbildungen der Realität kann sie derzeit nichts anfangen."
Was ich nicht so richtig verstanden habe, was du meinst mit:
"Wenn Dir wirlich so viel an dem Thema "Figuren" liegt, würde ich diese in jeder Form durchkonjugieren, beim Essen, im Museum, beim Spielen..."
Würde mich freuen, wenn du mir das noch einmal erläuterst.
Liebe Barbara, vielen Dank und liebe Grüße, hoffe, Euch geht es gut. Du kannst mir auch gerne mal ne PN schicken.
Ihr habt ja hier ein spannendes Thema interessant diskutiert !
Ich gehs nochmal von einer anderen Seite an als Tochter eines Bildhauers und selbst aus einem künstlerischen Beruf kommend (habe 2 Berufe).
Ich habe niemals den Ehrgeiz gehabt, dass meine Kinder "schön" oder "alterstypisch" sollten malen können.
Mir ging es immer darum, dass sie sich möglichst vielseitig ausdrücken können, viele Arten des Gestaltens kennenlernen.(schmunzel-es gab bei uns Tage, an denen statt Mittagsessen mit Ton gearbeitet wurde, unser Treppenhaus bemalt wurde usw.)
Wieso soll mein Kind eine Sonne malen, wenn in ihm vielleicht gerade ganz andere Sachen toben ? Dann malt es vielleicht einen schwarzen Fleck- und dann erzählen wir uns, was wir darin sehen- dadurch erfaahre ich was von dem Kind und manchmal machen wir dann auch 6 striche an den Fleck als Spinne- oder 4 kreise- dann ist es Onkel Ottos neues Auto-oder oder oder
Das regt die Phantasie an.
Und wenn man z.B. mit Wasserfarben auf nasses Papier malt, dann geht die Farbe eh ihren eigenen Weg .
Es ist sehr spannend.
LG Angie _________________ sorry, wenn ich alles klein schreibe, ich habe sowohl eine behinderung an den augen als auch an der hand und das schreiben ist sehr anstrengend-manchmal ist es besser, dann schreib ich auch groß und klein
Mir ist es auch wichtig, daß sich meine Tochter vielseitig ausdrücken kann und ich habe keinen Anspruch, daß sie besonders schön malt. Daher suche ich einfach nach Möglichkeiten, Ihre Phantasie anzuregen und ihr verschiedenes anzubieten. Denn einfach abwarten bringt glaube ich nichts.
Natürlich würde ich mich freuen, wenn Sie ein Haus, einen Baum oder eine Blume annähend malen könnte (ich glaube es wäre auch ganz hilfreich, wenn man dies kann, wenn man in die Schule geht). Ich sehe ja auch, daß kleine Fortschritte kommen und so frage ich mich, wie kann ich Sie unterstützen.
Deine Schilderung mit dem schwarzen Punkt finde ich recht lustig. Vielleicht mache ich das mal, daß ich einen schwarzen Punkt male und sie frage, was das sein könnte. Ich habe mal ein ganz tolles Bilderbuch gesehen. Da wollte ein Mädchen auch nicht malen. Sie malte nur einen einzigen Punkt und die Lehrerin sagte, schreib deinen Namen drunter. Das Mädchen bekam so viel Spaß am Malen, daß Sie Punkte in den verschiedensten Variationen malte und eine kleine "Künstlerin" wurde.
Im Kindergarten wurde meiner Tochter das Malen und Basteln leider noch ordentlich vermiest, da die Kinder sagten, du malst nur krickelkrackel oder sie geschimpft wurde, da sie die Bastelvorlagen zerschitten hat. Gott sei Dank haben wir das überwunden und sie hat Spaß am Malen und Basteln. Dennoch ist es doch so, daß in der Gesellschaft und der Schule verglichen wird und wenn ein Kind noch nicht richtig malen kann, dann ist das schon ein wenig schwierig.
Ich suche daher nach Möglichkeiten, ihr Dinge etwas näher zu bringen und zwar spielerisch. Arbeiten mit Ton oder vielmehr mit selbstgemachter Knete machen wir auch. Filzen wäre auch ganz gut. Und auch Dein Tipp mit den Wasserfarben auf dem nassen Papier ist gut.
So ein Austausch ist doch immer ganz interessant, man wird an Dinge erinnert oder bekommt neue Anregungen.
Bin also für weitere Anregungen oder Ideen weiterhin dankbar.
Ich kenn die Hälfte von euch nicht halb so gut wie ich es gerne möchte und ich mag weniger als die Hälfte von euch auch nur halb so gern wie ihr es verdient!
Bilbo Beutlin
als Einstieg ins bildliche Malen kann ich dir empfehlen, dass das Kind seine Hand mit gespreizten Fingern auf ein Blatt Papier legt und die Umrisse mit einem Stift nachmalt. Dann kann das Kind Hand und Bild vergleichen und verstehen, dass das Bild die Hand zeigt. Dann kann man auch noch einen Ring an einen Finger malen. Es ist auch ein schönes Geschenk für Oma und Opa zu Weihnachten.
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