Verfasst am: 13.08.2008, 10:59 Titel: Silvia, Gruppenleitung in einer WfbM
Hallo an alle,
nach doch um die 90 Beiträge möchte ich mich vorstellen:
Erstens bin ich die Mama von Valentin, meinem Sohn mit komplexen Herzfehler, der mittels dreier Operationen am offenen Herzens ein funktionales Einkammerherz hat. Ihm geht es soweit sehr gut, wobei man nicht weiß, was noch so auf uns lauert mit enlateralem Eiweißverlustsyndrom, Rhythmusstörungen oder Stenosen. Aber letztendlich weiß ich auch nicht, was mich bei meinem gesunden Kind Jonas erwartet und ich bin guter Dinge, dass es Valentin weiterhin so gut gehen wird.
So, und nun zu meiner Funktion bei den Pro's: Ich bin Gruppenleitung in einer Werkstätte für geistig und psychisch behinderten Menschen, wobei man merkt, dass der Anteil derer mit massiven psychischen Beeinträchtigungen, die nicht mehr auf dem ersten Arbeitsmarkt vermittelbar sind, rasant zunimmt.
Wir haben auch Mitarbeiter im Berufsbildungsbereich (also die erste Station auf dem Arbeitsmarkt nach der Schule), die nach jeweils sechs Monaten die Abteilungen wechseln, damit sie sich für eine entscheiden können. In unserer Werkstätte können sie dies unter den vier Montagegruppen, die die verschiedensten Produkte verarbeiten, der Küche und der Metallverarbeitungen - einzelne Mitarbeiter können auch im Lager oder im Büro mithelfen.
Alles in allem eine sehr interessante Tätigkeit, die uns immer wieder vor neue Herausforderungen stellt, wie in erster Linie unsere Mitarbeiter/innen weder unter- noch überzufordern. Und im Hintergrund der wirtschaftliche Aspekt des Auftraggebers, dessen Forderungen wir natürlich gerecht werden müssen.
Für Fragen stehe ich natürlich gerne zur Verfügung
Liebe Grüße,
Silvia _________________ Silvia, Mama von Valentin *25.09.2001 kompletter AVSD, Malposition der großen Arterien, komplette Lungenvenenfehlmündung, Pulmonalatresie; Shunt und Anastomose der Sammelvenen am 2.10.2001; PCPC, Erweiterung der LPA mit Patch, AV-Klappenplastik am 26.08.2002, TCPC und AV-Klappenplastik am 9.10.2003 und Jonas *3.12.1998, gesund
Ich finde den Beruf auch total interessant!
Mein Mann arbeitet bei der Lebenshilfe als Gruppenleiter in einer WfbM, er ist gerade noch bei seiner Zusatzquali zur Fachkraft für Arbeits-und Berufsförderung, die ja vorgeschrieben ist.
Ich wünschte ich könnte dort auch arbeiten, bin mich immer fleißig am bewerben, aber Interne haben ja nunmal vorrang, und aus den Wohnheimen sind die Pflegekräfte natürlich oft begeistert in die Werkstatt wechseln zu können Zu meinem Leid!
@Brigitte: Bei meinem Mann in der Werkstatt werden auch Altenpfleger eingestellt, ich bin auch eine. Es gibt ja auch pflegebedürftige Beschäftigte für die Zusatzkräfte mit pflegerischer Qualifikation benötigt werden. Zudem haben wir ja meist auch Erfahrung mit Snoozeln, Beschäftigung und Dokumentationen.
Ich finde es eine gute Ergänzung zu den Gruppenleitern die ja aus handwerklichen Berufen kommen.
Echt? Als Altenpflegerin? Hier würdest Du mit Sicherheit mit Kußhand genommen werden. Es gibt einfach zu viele Heime/Pflegedienste und zu wenig Gutes Personal. Okay, 100% Stellen sind Rarität wegen flexibleren Einsätzen von Teilzeit Kräften etc, aber so 30 Std. Stellen muß man nicht drauf warten...
Aber: Wir leben hier in einer Hochburg des Alters... Kurstadt!
Hallo Anna & Brigitte,
bei uns ist auch ein großes Spektrum an "ursprünglichen" Berufen vorhanden: vom Spengler über Heilerziehungspfleger und Erzieherin (wie ich eine bin) bis hin zum Werkzeugmacher - jeweils mit der sonderpädagogischen Zusatzausbildung - ist alles vorhanden.
Ganz gern werden bei uns ehemalige Zivis und FSJler genommen - da weiß man, was einen erwartet (von beiden Seiten).
Ich wollte dort schon immer gerne arbeiten und hatte mich gleich nach Ende meiner Ausbildung dort beworben und wurde - aus meiner Sicht aufgrund der fehlenden Erfahrung absolut verständlich - nicht genommen.
Dann startete ich eine Odyssee durch Kinderheime, - gärten und meinte letztendlich, als Kigaleitung wäre ich auf dem richtigen Weg. Aber zufrieden war ich damit nicht. Und dann war auf einmal genau zur richtigen Zeit die Anzeige in der Zeitung und aus über 60 Bewerberinnen (aus teamparitätischen Gründen wurde eine Frau gesucht) wurde ich zu meiner großen Überraschung ausgewählt.
Und es könnte nicht besser sein - mit meinem direkten Kollegen ist die Zusammenarbeit toll, meine technische Gehirnhälfte ist gefordert und die Arbeit mit unseren Mitarbeitern ist so schön!
Also Brigitte - nicht aufgeben - ein sehr guter Kollege wurde nur genommen, weil er unsere Betriebsleitung dermaßen mit Anrufen und Praktikas genervt hat ...
Liebe Grüße,
Silvia _________________ Silvia, Mama von Valentin *25.09.2001 kompletter AVSD, Malposition der großen Arterien, komplette Lungenvenenfehlmündung, Pulmonalatresie; Shunt und Anastomose der Sammelvenen am 2.10.2001; PCPC, Erweiterung der LPA mit Patch, AV-Klappenplastik am 26.08.2002, TCPC und AV-Klappenplastik am 9.10.2003 und Jonas *3.12.1998, gesund
hallo silvia
ich freu mich dich fortan löchern zu dürfen
wenn ich darf,jedenfalls,und würde gerne fragen,was ihr macht, wenn sich mitarbeiter nicht vertragen.
ich bin dagmar ,mit frea,die auch in einer wekstatt arbeitet.
l.g.
dagmar _________________ Dagmar *1962,Robert *1965,Frea Jakobine *1985, T21,operierter AV- Kanal,Neo Leander*2004, HFA
Ich kenn die Hälfte von euch nicht halb so gut wie ich es gerne möchte und ich mag weniger als die Hälfte von euch auch nur halb so gern wie ihr es verdient!
Bilbo Beutlin
Hallo Dagmar,
das ist eine wirklich berechtigte Frage - in unserer Gruppe ist die Schwierigkeit, dass von 18 Mitarbeitern vier aufgrund psychischer Behinderung hier sind. Und das sorgt für Sprengstoff! Denn diese vier sind letztendlich vom Intellekt nahezu "normal" und sich auch dessen bewusst hinzu kommt noch die Schwierigkeit, dass es für sie ein Leben davor gab - ein normales Leben, bevor (in den meisten Fällen) die Schizophrenie dieses beherrschte.
So, und dann sitzen die ehemaligen Lehrer, Techniker und Zahnarzthelferinnen in einer Werkstatt, in der vorrangig geistig behinderte Menschen arbeiten. Und das ist schwierig, weil die Toleranz doch extrem abweicht. Was für die einen noch o.k. ist, ist gerade für unsere psychisch eingeschränkten Mitarbeiter schon viel zu viel. Zu laut, zu nah, zu schnell,...
Und hier kracht's. Erste Maßnahme ist hier immer das Gespräch. Meistens kommt ja wer zu uns, weil ihm irgendetwas nicht passt. Dann zieht man den anderen Beteiligten hinzu. Und schaut, welche Möglichkeiten bestehen. Kann ein Mitarbeiter vielleicht den Arbeitsplatz wechseln? Wenn das Ganze nicht fruchtet, so ist es auch möglich, die Abteilung zu wechseln. Wir haben da schon ein paar Frauen, die sich "bezicken", aber wenn ich da nur mitbekomme, dass die eine mit der anderen über die dritte flüsternd herzieht, dann haben sie schon ein Gespräch an der Backe. Bei Bedarf auch inklusive der Aussicht auf einen Gruppenwechsel. Und der ist nicht wirklich begehrt, denn wir sind eine Aussenarbeitsgruppe mit weniger rigiden Regeln wie in der großen Werkstatt.
Ich hoffe, ich konnte Dein Frage beantworten!
Liebe Grüße, _________________ Silvia, Mama von Valentin *25.09.2001 kompletter AVSD, Malposition der großen Arterien, komplette Lungenvenenfehlmündung, Pulmonalatresie; Shunt und Anastomose der Sammelvenen am 2.10.2001; PCPC, Erweiterung der LPA mit Patch, AV-Klappenplastik am 26.08.2002, TCPC und AV-Klappenplastik am 9.10.2003 und Jonas *3.12.1998, gesund
ich find gut ,das ihr das`gehacke `gleich unterbindet
was ist denn eine aussenarbeitsgruppe?
l.g.
dagmar _________________ Dagmar *1962,Robert *1965,Frea Jakobine *1985, T21,operierter AV- Kanal,Neo Leander*2004, HFA
Ich kenn die Hälfte von euch nicht halb so gut wie ich es gerne möchte und ich mag weniger als die Hälfte von euch auch nur halb so gern wie ihr es verdient!
Bilbo Beutlin
Bei uns gibt es zwei Aussenarbeitsgruppen: einmal uns - wir sind aufgrund der steigenden Zahl von Mitarbeitern mit Behinderung "ausgesiedelt" worden, indem das komplette Erdgeschoss eines Bürogebäudes für unsere Montagegruppe umgebaut wurde (also komplett mit Lager, Toiletten, Ausgabeküche und Arbeitsraum) und dann gibt es noch eine bei einer Firma, deren Artikel wir weiterverarbeiten. Da wurde ein Raum in dem Gebäude der Firma unserer Werkstätte zur Verfügung gestellt, so dass z.B. ein Auftrag direkt aus der Produktion reingefahren wird, bearbeitet und dann dem Lager zugestellt wird.
Unsere Einrichtung hatte auch mal einen Supermarkt, der aber leider aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage schließen musste.
LG
Silvia _________________ Silvia, Mama von Valentin *25.09.2001 kompletter AVSD, Malposition der großen Arterien, komplette Lungenvenenfehlmündung, Pulmonalatresie; Shunt und Anastomose der Sammelvenen am 2.10.2001; PCPC, Erweiterung der LPA mit Patch, AV-Klappenplastik am 26.08.2002, TCPC und AV-Klappenplastik am 9.10.2003 und Jonas *3.12.1998, gesund
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