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Der 97. Deutsche Katholikentag in Osnabrück

 
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Der Josef
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Anmeldedatum: 19.06.2007
Beiträge: 115
Wohnort: Schwichteler

BeitragVerfasst am: 25.05.2008, 07:46    Titel: Der 97. Deutsche Katholikentag in Osnabrück Antworten mit Zitat

Hallo Leserinnen und Leser,

nun habe ich also den gesamten wunderschön sonnigen gestrigen Samstag auf dem Katholikentag in Osnabrück verbracht. Es gab einen festen Programmpunkt und zwei weitere Wünsche, die ich mir vorgenommen hatte. Ansonsten war ich offen und bereit Mitmenschen zu begegnen.

Pflichtveranstaltung war für mich das Podium: "Erfüllt oder Wertlos - Leben mit Behinderung", zu dem ich als Aktiver geladen war.
Die Gruppe Windspiel aus Papenburg, eine Band geistig behinderter Menschen eröffnete die Veranstaltung mit flotter Schlagermusik. Die Moderation wurde von Ludger Abeln aus Leer übernommen, der spritzig und wortgewaltig durchs Programm führte.
Die Schauspielgruppe Volxtheater aus Bethel, behinderte und nicht behinderte Akteure, gab ihre Interpretation bzw. ihre Assoziationen zum bekannten Märchen "Von einem der auszog das Fürchten zu lernen" zum Besten. Sie spielten ohne Bühne inmitten und mit dem Publikum und waren dadurch sehr präsent.
Das Impulsreferat wurde von Bischof Kamphaus gehalten, der sich Zeit seines Lebens mit Menschen mit Behinderung befasst hat und nun im Alter bewusst in eine große Wohneinrichtung für behinderte Menschen gezogen ist (St. Vincenzstift Aulhausen). Neben anderen erhielt er für folgende Sätze besonders aufbrausenden Applaus: "Sozialleistungen sind verbrieftes Recht der Menschen mit Behinderung und nicht das was übrig bleibt, wenn sich der Staat ausreichend bedient hat" und "Der Mensch hat nicht Wert, der Mensch hat Würde."
Danach wurde auf´s Podium gebeten an dem Frau Silvia Schmidt (Behindertenbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion), Frau Agnes Elsen (Mutter einer 32jährigen schwerst-mehrfach behinderten Tochter), Herr Dr. Peter Radtke (OI-Betroffener, Schauspieler und Autor), Herr Ludger Abeln als Moderator und eben ich, als Vater zweier Kinder mit geistiger Behinderung teilnahmen.
Leider entwickelte sich das Gespräch recht schnell in politische Bahnen und finanzielle Fragestellungen, obwohl vorher vereinbart war, keine Allgemeinplätze zu besetzten oder medienwirksame Schlagwörter zu bedienen. So blieb wenig Raum das Leben, so wie wir es daheim führen, auszuleuchten und mit den christlichen Wertvorstellungen in Einklang zu bringen. Sad Auch für Fragen aus dem Publikum blieb keine Zeit, was uns allerdings vorher bereits gesagt wurde. Schade!
An Prominenz im Publikum habe ich lediglich den Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages, Herrn Wolfgang Thierse, entdecken können. Liegt wohl daran, dass ich zuwenige Promis kenne. Wink
Nach Abschluss dieses Podiums hatte ich also den Tag zu meiner freien Verfügung. Noch auf dem Flur wurde ich allerdings von einer Mutter aus dem Saarland angesprochen, die mich auf dem Podium erlebt hatte und ihrer Enttäuschung über den Verlauf des Podiums Luft verschaffen wollte. Sie fand es eben auch sehr schade, dass dem Konzept des Podiums die Einflussnahme durch das Publikum vollkommen gefehlt habe. Ich bot ihr an, ihre Fragen direkt an mich zu stellen und daraus entwickelte sich ein gemeinsamer Nachmittag mit schönen Gesprächen aus dem alltäglichen Leben. Sie hat einen 7jährigen Sohn mit Down-Syndrom in Pflegestufe 1, der nun eingeschult werden soll. Von Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege oder gar Pflegeergänzungsgesetz hatte sie noch nie etwas gehört. Ich denke an dieser Stelle konnte ich dann schon weiterhelfen und mein Besuch des Katholikentages hat sich vielleicht für einen kleinen Jungen im Saarland bezahlt gemacht.

Die nächste Veranstaltung war "Eltern zwischen Hoffen und Bangen - Was tun, wenn mein Kind mit einer Behinderung zur Welt kommt?".
Diese Veranstaltung war enttäuschend schlecht besucht. Gerade mal sechs Teilnehmer waren wir. Alle durch Behinderung eines Kindes bereits betroffen oder aus dem fachlichen Bereich der Erzieherinnen. Ich war natürlich der einzige Mann. Rolling Eyes Gibt´s Probleme fühlen sich beim Wort Eltern wohl immer noch am ehesten die Mütter angesprochen. Confused
Aber - in diesem kleinen Kreis merkten wir bald, dass wir mit dem vorbereiteten Material der Fachleute des St.-Vitus-Werkes Meppen und des Sozialdienstes katholischer Frauen e.V. Meppen nicht recht weiterkamen und stiegen in eine rege Diskussion ein. Als Ergebnis verabredeten wir die Schaffung eines Netzwerkes von Eltern in Niedersachsen, die bereit wären anderen Eltern bzw. werdenden Eltern Einblicke in ihren Familienalltag zu gewähren, damit erkennbar wird, dass man mit behinderten Kindern ein zufriedenstellendes Familienleben praktizieren kann. Frei nach dem Motto: Eltern stärken, damit es dem Kinde wohl ergeht und natürlich Eltern sind Experten in eigener Sache. Dieses Konzept steht ja auch hinter REHAkids.

Das dritte Projekt, welches ich angehen wollte war "Tim lebt - Mit Behinderung leben".
Leider war diese Veranstaltung wegen Überfüllung bereits geschlossen, als ich den Raum endlich gefunden hatte, denn sie wurde bereits im Vorfeld wegen des regen Interesses in einen größeren Raum verlegt. Offenbar war auch dieser Raum dem sehr medienwirksamen Fall des kleinen Tim nicht gewachsen. Confused Wer sich über Tim, der seine eigene Spätabtreibung überlebt hat, informieren möchte kann dies hier tun. Wirklich schade, ich hätte die Pflegeeltern von Tim gerne einmal live erlebt. Auch die beiden anderen Referenten habe ich in ihren Wirkungskreisen zu schätzen gelernt. Hmmm... Crying or Very sad

So, jetzt habe ich genug getextet, ihr habt doch sicher heute noch was anderes vor...oder? Very Happy

Also ich gehe gleich zur Kirche, die ich als Lektor aktiv mit gestalte - voll der Eindrücke, die ich auf dem gestrigen Katholikentag in Osnabrück sammeln durfte.


Möge die Straße uns zusammenführen..., Euer Josef.

_________________
Josef (´68), Monika, Silas (´89) & Insa (´93), beide geistig behindert und einfach nur klasse Kids.

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