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Wie gehen eure Kinder mit ihrer Behinderung um?

 
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Anneke*
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BeitragVerfasst am: 10.01.2008, 11:23    Titel: Wie gehen eure Kinder mit ihrer Behinderung um? Antworten mit Zitat

Hallo,

meine Tochter ist 4,5 Jahre, sie hat starke Wahrnehmungstörungen, V.a. Asperger oder atypischer Autismus. Kognitiv scheint sie aber sehr fit zu sein und beobachtet auch gut.

In letzter Zeit nimmt sie die Unterschiede zwischen sich und den Regelkindern im Kiga stärker wahr. Aber sie redet nicht darüber. Sie verweigert nur immer mehr.

Bsp.: Im Zuge der Autismusdiagnostik ist ihr Sozialverhalten häufiger Thema. Auf die Frage, mit wem sie im Kiga spielt und ob sie dort Freunde hätte, hat sie geantwortet: "Nein, ich spiele immer allein." (Es ist ihr also aufgefallen, wir haben das ihr gegenüber nicht erwähnt). Seit dem sagt sie morgens oft, sie will lieber bei mir oder meinem Mann bleiben. Sie mag auch keine anderen Kinder mehr besuchen.

Ich habe gestern mit dem Kiga gesprochen und sie gebeten, i.M. nicht zu versuchen, sie dazu zu bringen mit anderen Kindern zu spielen. Ich denke, sie spürt Druck und ich möchte nach abgeschlossener Diagnose mit den Experten und dem Kiga ein Vorgehen erarbeiten. Der Leiter des I-Kiga hat schon komisch geschaut, als ich ihn bat, bitte nicht zu integrieren Wink Aber ich will ihre (an sich große) Bereitschaft zu Mitarbeit nicht riskieren.

Auch warum sie immer noch Windeln trägt, hat sie nie gefragt.

Also, entweder ignoriert sie nach außen hin ihre Handicaps oder sie weigert sich etwas zu üben, wenn sie merkt, dass es allen anderen anscheinend leicht fällt nur ihr nicht. Ich glaube sie schämt sich auch manchmal (wenn irgendetwas passiert ist, darf das niemand erfahren).

Kennt ihr das von euren Kindern? Wie geht ihr damit um?

Ist leider etwas lang geworden Confused

Viele Grüße

Anneke

_________________
Anneke (Aspergerautistin) mit Enna (* 2003) frühkindliche Autistin und seit Aug.09 mit Schulbegleitung in einer Regelschule sowie Daniel (* 2006)
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Christiane H.
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BeitragVerfasst am: 10.01.2008, 14:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Anneke,

als wir merkten, daß Jenny sich scheinbar Gedanken darüber macht, dass sie etwas anders ist bzw. warum sie noch nicht das kann, was andere schon können, haben wir sie darauf angesprochen. Erst einmal haben wir ihr klar gemacht, dass niemand perfekt ist und jeder ein Handicap hat. Haben ihr dann Sachen von uns gesagt, die wir nicht können.

Groß reden wollte sie dann aber immer noch nicht, sie hat es dann aber schon etwas lockerer gesehen. Größer wurden die Probleme, als sie in die Schule kam.
Da sind wir zu einer Kinderpsychologin gegangen, die dann mit Jenny gesprochen hat. Jetzt sind wir soweit, daß wenn Jenny wieder anfängt zu grübeln, wir ihr ein Gespräch mit uns oder der Kinderpsychologin anbieten.

Ignorieren würde ich es nicht, aber auch, wie Du schon schreibst, auf keinen Fall Druck ausüben.

LG Christiane

_________________
Tochter Jenny, geb.1999, ADHS, Asthma und fast hochbegabt
ich (41) Asthma und Lactoseintoleranz und Papa Torsten (44)ADHS?
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Marylu
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BeitragVerfasst am: 10.01.2008, 15:50    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo ihr beiden,

bin zwar keine Mutter von einem besonderen Kind, aber dafür bin ich selber behindert Hemiparese rechts nach Rasmussen Encephalitis.

Ich kann euch beiden sagen, dass ich erst angefangen habe die Unterschiede zwischen "nicht" behinderten Kindern und mir selber zu finden, als ich in die Schule kam und da war ich erst 7 Jahre alt. Leider konnte ich es zu dieser Zeit nicht sagen, obwohl ich sprechen konnte, wie ich mich fühle, aber am schlimmsten wurde dies in der Pubertät.

Ich habe mich mit anderen Kinder in meinem Alter verglichen, was die können und was ich aufgrund meiner Behinderung nicht kann und das tat mir so ziemlich weh. Wo ich dann vor fast 5 Jahre in einer Rehaklinik war, habe ich mich geschützt gefühlt. Ich sah die Rehaklinik als eine Schutzhülle, wo mir nichts passieren konnte. Da war ich nur mit "besonderen Kiddys" zusammen, was mir persönlich gut geholfen hat und wenn ich mal außerhalb vom Klinikgelände war, war eigentlich immer einer bei mir, den ich vertrauen konnte, der mir auch half draußen.

Meine Eltern hatten früher Not, weil sie nicht wussten, wie die mich aufheitern konnten, wenn ich andere Kids in meinem Alter gewesen sind und nicht behindert waren/sind.

Wie geht ihr denn mit solchen Sachen um?

Liebe Grüße
Maria

_________________
Hemiparese rechts nach Rasmussen Encephalitis
viele Allergien, Depressionen
Lernbehinderung
Asthma
Lachen und Lächeln sind Tor und Pforte, durch die viel Gutes im Menschen hineinhuschen kann!!!
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DoreenH
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BeitragVerfasst am: 10.01.2008, 15:57    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich merke langsam, aber nur langsam, das Elias merkt, das er anders ist. Alleine schon, wenn er andere Kinder sieht, zeigt er auf sein Trachestoma und dann auf den Hals der anderen Kinder. Er merkt langsam, das er am Hals was anderes hat.

Auch lässt er andere Kinder überhaupt nicht an sich ran und macht auch nicht mal den Versuch. Ob das nun an seinen Syndrom liegt oder ob er merkt das er anders ist, weiss ich nicht.

Aber wenn er mal nicht beachtet wird, macht er sich schon bemerkbar, dann entpuppt er sich wieder als Kaspar und alle lachen über ihn, das findet er spitze.

LG
Doreen

_________________
DiGeorg Syndrom;Ductus-Ligament-Durchtrennung,ASVD,VSD,PDA,TKK,Rechtsaortenbogen, Luftröhrenverengung,akutes Leberversagen,Anämie,Herzinfuzienz,Speiseröhrenverengung,Trachealkanülenträger, Skoliose, Reflux usw.

http://www.REHAkids.de/phpBB2/album.....ersonal.php?user_id=12950
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Anneke*
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BeitragVerfasst am: 11.01.2008, 22:51    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

danke für eure Antworten. Ich bin da i.M. etwas hilflos, da ich eigentlich auf die Warum-Fragen gefasst war. Sie fragt ja sonst ständig, nach den Gründen für alles mögliche.

Neulich hatten wir eine Szene, die fast schon bildlichen Charakter hat. Ich stand mit beiden Kindern am Fenster und wir haben die Straße beobachtet ( mein Sohn ist 1,5 Jahre Wink ). Draußen spielten 2 Nachbarskinder (die eine ist 6 und besucht uns oft, die andere ist auch 4, aber die kennen wir eigentlich nicht). Enna schaut sich das an und sagt lange nichts (ungewöhnlich bei ihr). Dann fragt sie mich: "Kommt meine Freundin (gemeint ist das ältere Mädchen) mich heute besuchen?". Ich habe geantwortet: "Ich glaube heute nicht." Beim Abendessen fragte sie mich: "Mama, bist wenigstens du meine Freundin?" Dieses Bild: sie steht hinter der Scheibe und kann nicht mitspielen, beschreibt eigentlich ihre momentane Situation. Ihr könnt euch denken, wie mir dabei ums Herz war Crying or Very sad

Maria, schön dass du dich hier zu Wort meldest. Du schriebst, deine Eltern wollten dich dann aufmuntern. Wie war das für dich? Das würde ich von mir aus nicht versuchen, weil ich das als Kind gehasst habe. Zum einen fand ich es unangenehm, weil sie gemerkt haben, wieviel es mir ausmacht und zum anderen hatte ich das Gefühl, sie wollen die Situation überspielen, weil ich Ihnen peinlich bin. Auf jeden Fall fühlte ich mich unverstanden. (Zur Erklärung: Ich habe selber autistische Züge, aber nie so ausgeprägte Probleme in der Entwicklung oder im Sozialverhalten).

Ich versuche einen anderen Weg: Ich versuche ihr Sicherheit zu geben. Wenn das ältere Mädchen vorbei kommt, spiele ich immer mit, so dass meine Tochter sich an mir festhalten kann (wörtlich und im übertragenen Sinne). Außerdem haben wir 2 Abendrituale:

1. "Tag-erzählen": Sie oder ich (meist soll ich) erzählen, was wir heute so gemacht haben. Da könnte sie gut nachfragen oder "ihr Herz ausschütten". Aber ich darf die "heiklen Situationen" nicht erwähnen.

2. "20 Minuten": Exklusivzeit mit mir vor dem Einschlafen. Sie darf aussuchen, was wir machen (außer toben): lesen, kuscheln, massieren, singen, aus meiner Kindheit erzählen. Auch hier wäre Zeit zum reden.

Reicht es eurer Meinung nach aus, diese Angebote zu machen? Vielleicht braucht sie mehr und kann es nicht ausdrücken, wie du früher, Maria. Was hätte dir geholfen oder was hättest du dir gewünscht?

Ich hätte mir gewünscht, so akzeptiert zu werden, wie ich bin und das meine Eltern sich nicht für mein Verhalten schämen (kam mir jedenfalls so vor). Hier muss ich mir allerdings auch an die eigene Nase fassen, denn ich bin manchmal zu ungeduldig mit ihr, dann fühlt sich sich sicher nicht so angenommen, wie sie ist Sad .

Viele liebe Grüße
Anneke

_________________
Anneke (Aspergerautistin) mit Enna (* 2003) frühkindliche Autistin und seit Aug.09 mit Schulbegleitung in einer Regelschule sowie Daniel (* 2006)
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UlrikeJ.
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BeitragVerfasst am: 13.01.2008, 22:39    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Anneke,

Bastian weiß, das er anders ist als andere. Er findet das gut.

Mit ihm wurde das Buch "Mein Freund mit Autismus" bearbeitet, er weiß, das er Autist ist und ist stolz darauf.

Vor allem versuchten wir (ATZ und ich) ihm seine guten Seiten aufzuzeigen, sein Gerechtigkeitssinn, seine Ausdauer, seine Genauigkeit.


Das er nicht mit anderen spielt, stört ihn nicht, er sagt zwar von einem Jungen, er sei sein Freund, nimmt aber gar keinen Kontakt zu ihm auf.

Die Abensrituale finde ich gut, haben wir auch.
Ich finde auch, das es nicht darauf ankommt, wie lange und wie oft man sich mit dem Kind beschäftigt, sondern welche Intensität es hat. Und Abends ist ein guter Zeitpunkt für euere "Exklusivezeit".

Mach dir keine Sorgen, ich denke auch manchmal, ich nehme Bastian nicht so an, wie er ist, aber ich tue es doch. Wo die Liebe ist, ist auch das Angenommensein. Ich finde es legitim, wenn man sich alles einfacher wünscht. Es ist ja auch der wunsch für das Kind, das es sich wohl und geborgen fühlt und nicht ausgrgrenzt.
Ich glaube, oftmals übertragen wir auch unsere Ängste auf die Kinder, ich glaube sogar, das das auch Eltern mit gesunden Kindern passiert - vielleicht nicht so bewusst.

Liebe Grüße
Ulrike

_________________
Ulrike mit Bastian, geb. 2000, mein Sonnenschein: High Function Autist / Asperger-Syndrom, Hochbegabt, Allergien, Asthma, Herzkrank
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