dass man im Krampfanfall kein Sauerstoff geben sollte ist eine Lehrmeinung die mittlerweile als überholt gilt.
Früher als nicht so viele Bedarfs- und Notfallmedikamente zur Verfügung standen hat man die Erfahrung gemacht, dass Sauerstoffmangel den Anfall verkürzen kann.
Tatsache ist, dass jeder Rettungsdienst und jede Akutklinik im Anfall mittlerweile Sauerstoff anwendet, wenn dieses notwendig erscheint.
Ob ich für einen Patienten in der Heimversorgung so ein Equipment empfehlen würde, hängt natürlich von der Häufigkeit und der Heftigkeit der Anfälle ab.
Bei den allermeisten Kinder ist es sicherlich besser, dass sich die Eltern zunächst einmal um das Kind an sich kümmern, korrekte Lagerung, Hilfestellung, Beobachtung, der Einsatz von Notfallmedikamenten und ggf. einem Notruf kümmern und weniger darum, die Geräte betriebsbereit zu machen. In der Regel ist der Mangelzustand ja auch kurzfristig.
Wenn das Kind regelmäßig heftige Anfälle mit Blaufärbung (falls überwacht, deutlichem Sättigungsabfall über längere Zeit) bekommt, die auch nicht jedes mal stationär eingewiesen werden, ist eine Heimsauerstoffversorgung schon sinnvoll.
Ich kann dir da nur eingeschränkt zustimmen. Dass diese Lehrmeinung inzwischen Zweifler hat, ist mir bekannt.
Wenn man die Sauerstoffsättigung peripher misst (mit der üblichen Monitorversorgung), sagt das zunächst mal überhaupt gar nichts darüber aus, wie die Sauerstoffsättigung im Gehirn- also zentral- genau ist.
Fakt ist ja zunächst einmal, dass Kinder, wenn sie atonisch oder tonisch krampfen, sowieso nicht richtig atmen und da nützt der vorgelegte Sauerstoff auch nichts. Dann muss man schon bebeuteln.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Ärzte und Schwestern gern mal den Sauerstoff extrem hochdrehen. "Sicherheitshalber"- das kann aber auch in die Hose gehen, wenn dadurch der natürliche Atemantrieb gehemmt wird.
Wenn die Kinder von den Notfallmedis atemdepressiv werden, ist Sauerstoff sicher sinnvoll.
Ist Sauerstoff zuhause vorhanden, dann muss auch eine Schulung der Eltern erfolgen. Mit allem drum und dran. Mit dem Verschreiben entsprechender Gerätschaften ist es sicher nicht getan und ich finde, dass instabile Kinder nach oder im Krampfanfall sowieso in die Klinik gehören. Aber nicht jedes Krampfkind benötigt Sauerstoff zuhause!
LG Mandy _________________ Friedrich (04/04): unklare neurodegenerative Grunderkrankung mit komb. Atmungskettendefekt/ Mitochondriopathie
bei manchen Kindern ist in einem Krampfanfall das ganze Atemsystem so verkrampft, dass weder Sauerstoff noch bebeuteln "ankommt".
Eine reine Sauerstoffvorlage ist kontraindiziert, wenn das Kind eine Hyperkapnie hat (erhöhte Kohlendioxidspannung im Blut). Das ist vor allem dann der Fall wenn das Kind ein komplexes Krankheits- oder Behinderungsbild hat, mit einer chronischen Atemstörung.
Hierbei kann Sauerstoff tatsächlich den Atemanreiz dämpfen (=> und eine Beutelbeatmung wäre sinnvoller, um auch das CO2 loszuwerden).
Das ist bei einem Krampfanfall im Rahmen einer Epilepsie ohne weitere Gesundheitsstörung eher nicht der Fall. Sauerstoff ist hier nicht schädlich, meist für die Notfallversorgung aber auch nicht zwingend notwendig und von Familien, die nicht regelmäßig in diese Situation geraten würde die Möglichkeit zur Heimsauerstoffversorgung unnötigen Stress bedeuten und von den wichtigeren Maßnahmen im Krampfanfall ablenken.
Genausogut, gibt es Kinder die in einem intensivpflichtigen Zustand zu Hause betreut werden, mit schwersten häufigen Anfällen, die sich nicht beeinflussen lassen. Die Familien haben ohnehin alle Gerätschaften zuhause und kennen sich auch damit aus, so dass die Anwendung für sie zum "Normalfall" wird.
Das ist bei einem Krampfanfall im Rahmen einer Epilepsie ohne weitere Gesundheitsstörung eher nicht der Fall. Sauerstoff ist hier nicht schädlich, meist für die Notfallversorgung aber auch nicht zwingend notwendig und von Familien, die nicht regelmäßig in diese Situation geraten würde die Möglichkeit zur Heimsauerstoffversorgung unnötigen Stress bedeuten und von den wichtigeren Maßnahmen im Krampfanfall ablenken.
Du schreibst es ja nun selbst: genau das meinte ich!
Hier sind immer wieder Anfragen von besorgten Eltern, die denken, sie müssten Sauerstoff zuhause haben, weil der Notarzt "immer" was gibt- auch wenn das nur Vorsichtsmaßnahme ist und weder wirklich schadet noch nützt. Nach deinem Beitrag werden nun auch genau diese Eltern denken, sie bräuchten es doch zuhause. Auf jeden Fall hat es auf mich so gewirkt.
Darum- und bitte nimm es mir nicht krumm- finde ich deinen Beitrag nicht so klug. Die Kinder, die diese Versorgung unbedingt und zum Überleben brauchen, haben sie auch zu Hause. So wie wir. Ich finde es nicht gut, wenn Eltern zusätzlich verunsichert werden oder sich durchsetzen und den Kram zu Hause haben, aber nicht wissen, was wann und wie zu tun ist.
Im Grunde stimmen wir also völlig überein, aber dein erster Beitrag hat die Gedanken ein bisschen fehlgelenkt...
LG Mandy _________________ Friedrich (04/04): unklare neurodegenerative Grunderkrankung mit komb. Atmungskettendefekt/ Mitochondriopathie
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