Verfasst am: 21.09.2007, 09:10 Titel: Warum soll Annabell in die Körperbehindertenschule?
Hallo alle zusammen.
Annabell ist 2 Jahre im Sprachheilkindergarten gewesen. Da war noch alles i. O. Sie hatte starke Sprechschwierigkeiten und war auch Grund ihrer lange nicht erkannten "Behinderung" motorisch nicht eben geschickt. Zum Abschluss bekam sie die Empfehlung für die Sprachheilschule. Die Lehrer von der Schule, ist hier für die 1. und 2. Klasse bei uns im Ort an der normalen Grundschule, wollten sie aber eigentlich gar nicht haben. Sie rieten uns Annabell doch in der Körperbehinderten Schule anzumelden. Darauf ließen wir uns aber nicht ein.
Als die Frage aufkam wohin nach den 2 Jahren Beschult wird, ging es wieder los. Wir sollten doch mal überlegen, ob die KB-Schule nicht besser für Annabell wäre. Annabell hat immer noch Sprachprobs und ist langsam bei der Arbeit. Rechnen kann sie leider auch nicht wirklich, da haben wir aber schon Hilfe angeleiert. Motorisch: naja. Krakelige Schrift... Aber Lesen kann sie gut.
Ich sagte da wenn nicht die normale GS dann die Förderschule für Lernen. Jetzt ist sie in die 3. Sprachheilklasse im Landkreis gekommen. Und der Klassenlehrer hat mich auf die KB-Schule angesprochen.
Ich sehe aber gar keine Körperbehinderung bei meiner Tochter. Ihre Schrift wird wohl nie Schönheitswettbewerbe gewinnen und die Schnellste wird sie wohl auch nie werden. Na und? Was gibt es denn da für Kriterien, die ein Kind für die KB-Schule auswählen.
Auf einer Förderschule für Lernen kriegt man doch auch "Förderung". Und diese Schule könnte sie dann mit dem ganz normalen Schulbus besuchen und nicht stundenlang mit dem Fahrdienst rumkutschieren. Mal abgesehen von den möglichen Spielkameraden bei uns in der Nähe.
Ist leider ein ziemlich langer Bericht geworden. Aber das brennt mir schon länger auf der Seele.
LG
Sandra _________________ Sandra (32), Martin (34) mit Laura (12 J.) und Annabell (8 J.) submuköse Weichgaumenspalte, Muskelhypotonie, allgem. Entwicklungsverzögerung, Emma (2 J.)
Verstehe ich irgendwie nicht?! Sprachheilschule ist sicher okay, bei dem, was du beschreibst, aber wegen krakeliger Schrift auf die KB Schule? Dann hätte ich da als Kind auch hingehört, meine Schrift war gruselig (mittlerweile sehr beliebt bei Kollegen, weil sehr ordentlich und gut lesbar *g*) Und mein Sohn (der Große, Regelgrundschule) hat auch eine eher schreckliche Schrift (wie ich früher), aber das heißt doch gar nichts!
Und mein Kleiner (Sprachheilschule) ist auch motorisch nicht so fit, wie er sein sollte in seinem Alter (ebenfalls Muskelhyptonie), aber deswegen muss er doch nicht auf eine KB Schule. Ich kann diese Einschätzung überhaupt nicht nachvollziehen.
Du schreibst, sie wird wohl nie die Schnellste werden.
Meinst Du damit nur beim Schreiben oder in ihren gesamten Bewegungen?
Vielleicht meinte das der Lehrer?
Daß sie aufgrund der Hypotonie zu sehr eingeschränkt ist?
Anne _________________ DUM SPIRO SPERO
(solange ich atme, habe ich Hoffnung) CICERO
Benedict 06/99, Osteopathia striata, Z. n. Analatresie,neurogene Blasenentleerungsstörung, tracheotomiert, re. blind., Syndakt. beider Hände, Fibulaapplasie beidseits,Makrocephalie, Gaumenspalt u. e. mehr
Tochter A. 01/96, in der Grundschulzeit Absencen
Annabell geht je einmal die Woche zum Voltigieren und zu einer Kindergruppe der Kirche, wo viele Bewegungsspiele gemacht werden. Ihre Bewegungen und die Körperspannung sind schon viel besser geworden. Ergo und Logo machen wir gerade Therapiepause.
Langsam ist sie hauptsächlich, weil sie Schwierigkeiten beim Schreiben, malen und basteln hat und auch gerne "träumt". Man muss sie öfter mal an ihre Arbeiten erinnern. Ihre Auffassungsgabe ist aber nicht wesentlich langsamer als bei anderen. Sie lässt sich halt nicht gerne hetzen.
Ich hab mir vorhin mal die Seite der KB-Schule angesehen. Da stand, das die Schule für Kinder mit körperlichen Behinderungen ist. Hauptsächlich gehen z. Zt. Schüler mit Spastiken/Lähmungen auf Grund von Hirnverletzungen dort hin.
Mein Neffe (Dysmelie) ging das erste Schuljahr dort hin. Leider unterrichteten sie dort so langsam, dass er sich viel gelangweilt hat und nach dem Schulwechsel auf eine Regel GS viel aufzuholen hatte.
Ich befürchte, dass Annabell ein derartiges langsames Lernen noch fauler werden ließe. Sie braucht schon ein wenig Druck zum Lernen. Das letzte halbe Jahr war Annabells Sprachheillehrerin krank und der Unterricht wurde von einer GS-Lehrerin geführt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten haben die Kinder davon sehr profitiert. Als Eltern hatten wir das Gefühl, dass mit der alten Lehrerin nie so viel gelernt worden wäre.
Ich werde das nächste Mal, wenn mich ein Lehrer auf die KB-Schule anspricht fragen, wo denn Annabells Körperbehinderung ist und warum wir dann keinen Behindertenausweis haben.
LG
Sandra _________________ Sandra (32), Martin (34) mit Laura (12 J.) und Annabell (8 J.) submuköse Weichgaumenspalte, Muskelhypotonie, allgem. Entwicklungsverzögerung, Emma (2 J.)
habt Ihr überhaupt einen Behindertenausweis beantragt ?
Unter Sprachheilschule kann ich mir leider nichts vorstellen.
Wird da nach dem normalen Schulplan unterrichtet, zusätzlich im sprachlichen Bereich gefördert?
Oder wie muß ich mir das vorstellen?
Mein Sohn geht in eine KB_Schule in eine integrative Klasse, also alles Schüler mit KB, teilweise zusätzlich LB oder GB.
Vielen Schülern sieht man äußerlich wirklich absolut nichts an, und doch hat es seinen Grund, daß sie dort und nicht an einer Regelschule sind.
Du schreibst, Annabells Bewegungen wären "besser", vielleicht sind sie aber nicht "gut".
Wo würde sich denn Annabell wohler fühlen, wäre nicht überfordert?
Anne _________________ DUM SPIRO SPERO
(solange ich atme, habe ich Hoffnung) CICERO
Benedict 06/99, Osteopathia striata, Z. n. Analatresie,neurogene Blasenentleerungsstörung, tracheotomiert, re. blind., Syndakt. beider Hände, Fibulaapplasie beidseits,Makrocephalie, Gaumenspalt u. e. mehr
Tochter A. 01/96, in der Grundschulzeit Absencen
so wie du das schilderst, hört sich das für mich auch eher nach Sprachheil- oder Förderschule (LB) an. Wenn ihr das so wollt, dann kämpft darum!
Ich wollte nur sagen, dass es auch sehr gute KB-Schulen gibt mit Möglichkeiten auf einen Schulabschluss. Nur muss man sich die genau anschauen
(vor allem mehrere!).
Ich war auch zuerst auf einer KB-Schule, auf der ich viel zu wenig gelernt habe und auch viel zu langsam. Meine zweite KB-Schule war dann aber super!
Einen Behindertenausweis würde ich aber beantragen, egal auf welche Schule sie dann geht. Soweit ich das weiß, gilt eine Entwicklungsverzögerung dann als Behinderung wenn sie 6 Monate oder mehr vom eigentlichen Alter abweicht und die Hypotonie wird evtl. auch berücksichtigt und die Sprachstörung natürlich. Versuchen kann man es zumindest mal. _________________ LG Jaqueline
ICP - spast. Tetraparese, Kyphose
Freund: GM-Epilepsie (VNS-Träger)
Annabell wäre am liebsten hier im Ort geblieben, wo sich auch langsam Freundschaften anbahnten. Als sie erfuhr, das sie in eine Schule muss, die viel weiter weg ist, war sie sehr unglücklich und hat geweint. Das tut dem Mutterherz schon ziemlich weh.
Annabell wird nach GS Klasse 2 unterrichtet, in Mathe Klasse 1.
Sprachförderung bekommen sie extra neben dem normalen Unterricht.
Jetzt hat sie schon ziemlich lange Fahrzeiten und ist nachmittags k.o. Spielverabredungen in der Woche kann sie nicht haben. Die KB-Schule wäre noch später aus dazu noch die Fahrzeit. Bei uns aus dem Ort gehen mehrere Kinder in die LB-Schule.
Lt. der alten Lehrerin ist Annabell ca. 1 Jahr entwicklungsverzögert. Naja, die neue Schule hat ja erst angefangen, mal sehen wie es sich so entwickelt. Gut wenigstens, dass man als Eltern zustimmen muss zur Beschulung und nicht einfach etwas übergestülpt bekommt.
Behindertenausweis hab ich nicht beantragt, weil sie ihre Gaumenspalte ja nicht mehr hat (OP war vor 2 1/2 Jahren) und davor wusste ich nichts von einer Behinderung. Das "nur" eine Entwicklungsverzögerung und Sprachschwierigkeiten für einen Behindertenausweis ausreichen wusste ich nicht.
LG
Sandra _________________ Sandra (32), Martin (34) mit Laura (12 J.) und Annabell (8 J.) submuköse Weichgaumenspalte, Muskelhypotonie, allgem. Entwicklungsverzögerung, Emma (2 J.)
So, wie Du Dein Kind beschreibst, ist es für mich nicht LB. Denn wenn sie so schlecht spricht, dann geht sie auf LB unter. Gelinde gesagt haben da manche Kinder so was von ner "großen Schnauze" im wahrsten Sinne des Wortes, da muß man sich total wehren können.
Denk doch mal praktisch: KB-Schulen können nach einem ganz normalen Lehrplan für Regelschulen unterrichten, halt nur mit mehr Zeit, kleineren Klassen und geeigneten Hilfsmitteln. Da hätte Deine Tochter doch später mal viel größere Chancen als nur mit einem LB-Abschluß. Und dann bräuchtest Du keine Rennerei mehr zu Therapien am Nachmittag machen, weil die Schule alles anbietet. Ist doch praktisch. Die Akzeptanz wird auch größer sein, und Du brauchst Dich auf Elternabenden nicht mit ahnungslosen Nerv-Eltern rumschlagen (ich weiß wovon ich spreche, ich erleb täglich das Chaos pur!).
Ich wünschte, man hätte meinen Sohn auf KB genommen. Ganz ehrlich!
Ich bin Lehrerin an einer kleinen KB-Schule (75 Schüler) in Marburg und bei uns sind neben lernbehinderten Schülern vielleicht zur Hälfte(?) Schüler, die nach dem Lehrplan der Regelschule unterrichtet werden. In den Klassen arbeiten wir bei 6-8 Schülern meist zu zweit (Lehrerin , Erzieherin), so dass prima differenziert werden kann.
Die fitten Schüler kommen genauso auf ihre Kosten wie die langsameren. Neben dem Förderschulabschluss kann der normale oder auch der qualifizierende Hauptschulabschluss gemacht werden, mit dem man (nicht bei uns) noch den Realschulabschluss oder mehr machen kann.
Ich denke (wie ritap auch), dass das viel bessere Bedingungen sind als an der LB-Schule. Dort sind bis zu 16 Schüler in einer Klasse mit einem Lehrer. Der Umgang an KB-Schulen untereinander (und ich habe bislang durch Praktika und Referendariat 4 kennengelernt) ist immer verständnisvoll und tolerant gegenüber den unterschiedlichen Behinderungen und Eigenarten Einzelner.
Wir bieten immer an, dass mögliche neue Schüler sich einen Tag oder einige Stunden den Unterricht in der Klasse ansehen können, die in Frage käme. Nur so kann man rausfinden, ob das was wäre. Auch Eltern dürfen hospitieren.
Nachteilig ist natürlich immer der große Einzugsbereich. Dadurch sind Klassenkameraden selten Nachbarn aus dem gleichen Dorf.
Wäg halt alles sorgfältig ab und frag, ob du die KB-Schule kennenlernen darfst.
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