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Verfasst am: 03.09.2007, 12:06 Titel: Niemand fragt, wie es mir geht
Kennt ihr das auch, dass euch eigentlich nie jemand fragt, wie es euch geht? Wenn ich neue Leute kennenlerne (entweder gar kein oder kein behindertes Kind), dann bekomme ich Sprüche zu hören, "man wächst mit seinen Aufgaben", "du bist eine unglaublich starke Frau", am Wochenende sogar "du bist der stärkste Mensch, den ich kenne".
Diese Äußerungen irritieren mich dann immer. Ich habe mich weiterentwickelt, aber dass ich nun innerlich zu Herkules geworden bin, könnte ich nicht behaupten. Vielleicht noch weicher als früher.
Ich glaube, die Leute haben Angst, wenn sie einen fragen, wie es geht und wie man zurechtkommt, dass man dann noch sagt, man bräuchte Hilfe oder so. Und deshalb fragen sie lieber gar nicht (?).
also ich denke teilweise fragen die Leute auch nicht, weil du vielleicht sehr selbstbewußt und stark wirkst.
Das erging mir auch mal so bei einem Kollegen, als ich da mal anfing zu weinen, meinte er ganz verdutzt, achje das tut mir jetzt leid, da nachgehakt zu haben, ich dachte immer du bist so selbstbewußt, dich schmeißt so schnell nix um?????
Mir war gar nicht bewußt gewesen, daß ich so rübergekommen bin, dachte immer ich wirke eher unsicher.
Teilweise kommt aber sicher auch die Angst dazu nachzufragen, weil viele, die fragen wie es geht eigentlich vorneweg nur positive Antworten erwarten.
Wenn sie dann ahnen, daß die Antwort negativ ausfallen könnte, wissen manche nicht, wie sie dann reagieren sollen.
Liebe Karin,
lächel, diese Sätze kenne ich auch. Und oft denke ich dann bei mir.. hach, wenn ihr wüsstet... Denn oftmals ist man ja "nur" nach aussen stark, wie es innen aussieht.. Das sieht keiner.
Wobei ich aber eher nicht denke, dass es die Leute sagen, weil sie nicht wirklich wollen, dass man anfängt zu erzählen oder Angst haben, dass man Hilfe braucht.
Ich denke, es sind (meisst) doch schon ernst gemeinte Komplimente.
Denn, naja als ich Tom noch nicht hatte, dachte ich über Mütter mit behinderten Kindern auch so. Prima, wie die das meistern!
Tja und jetzt sind wir selber Mütter besonderer Kinder
Und, wenn wir mal ehrlich sind, ich weiss, man lobt sich nicht gerne selber. Und meisst sieht man nur die Ecken, an denen es klemmt, moder wo wir nihct genpgend dies tun oder nihct genügend das schaffen.
Aber, wie gesagt, wenn wir ehrlich sind, ist es doch schon toll, was wir schaffen, oder?
Wobei auch ich Komplimente eher anderen Müttern zubillige, als mir selber Vielleicht kennt das auch jemand hier von euch.
Klar, ALLE Mütter, leisten eine prima "Arbeit" (Ich weiss, das Wort im Zusammenhang mit Kindern klingt komisch, mjir fällt aber grad kein besseres ein...). Alle Mütter kümmern sich um ihre Kinder, machen und tun und sorgen für sie... Nur bei uns Müttern mit besonderen Kindern istder "Aufwand" doch mehr. Und die Sorgen und Ängste...
Und daher denke ich, dass man solche Worte durchaus in den meissten Fällen als Kompliment annehmen darf.
Ich denke da liegt an unserer Ausstrahlung,wir strahlen eben Stärke aus.
Ich z.B.würde fremden gegenüber nie zu geben das ich fertig oder müde bin.
Denn die blöden sprüche die dann kämen erspare ich mir auch.
LG
Andrea _________________ Anna-Maria,93 SpinaBifida und HC VP-Shuntversorgt,Rollifahrerin.Cheyenne,10,inzwischen nachgewiesener Gendefekt,Amelogeneses Imperfecta
mit dem was andrea schreibt stimme ich im großen und ganzen überein, nur nicht das ich nicht mal sage, das ich k.o. oder mal müde bin (nicht mehr ! ).
wenn ich mal wirklich ausgebrannt bin, dann frag ich ganz direkt nach hilfe (paar std. babysitten oder auch mal für eine woche, zwecks urlaub - natürlich nur freunde, die es auch auf die reihe bekommen mit dem kampfzwerg).
im übrigen steckt hinter diesen aussagen, aber oft noch was anderes ! - nämlich manchmal: " ich gaube, ich bekäme das nicht gepeilt !? "
vielleicht solltest du bestimmten bekannten einfach ab und zu mal sagen, das die "stärke" auch mal weniger sein kann und du dann ganz gut etwas hilfe gebrauchen kannst das hat den vorteil, wenn die akkus wirklich mal auf null sind ist deine aussenwelt nicht ganz so überrascht und sieht es evtl. auch schon im vorfeld und kann damit rechnen u. U. einspringen zu dürfen _________________ alex + michelle (15j.,therapieresistente epilepsie- kortikale dysplasien,vns-implantiert, retardiert bis auf ca. 4-5 j., autistische züge)
am Ende kommt es gar nicht so sehr darauf an, wie weit wir es gebracht haben, sondern darauf, ob wir unseren eigenen Weg gegangen sind !
dieses Gefühl kenne ich auch,
aber ich habe mich inzwischen daran irgendwie auch gewöhnt.
Ich habe meine Leute um mich herum, bei denen ich weiß, dass ich mit ihnen reden kann, wenn ich auf sie zukommen und auch äußere, dass ich reden möchte.
Viele Menschen interessieren sich nicht dafür,
dafür wirkt meine äußere Haltung auch recht stabil, stark und abgeklärt.
D.h. viele die mich sehen und mich erleben, fragen mich erst gar nicht mehr und gehen davon aus - die schafft das alles schon.
"Du bist doch stark!" - wie oft habe ich den Satz gehört, "..das packst Du schon!", wenn ich mal den Ansatz gemacht habe, etwas zu erzählen.
Inzwischen habe ich es eigentlich aufgegeben,
meist wird über das Kind geredet und ich erzähle von mir nur noch am Rande.
Wie gesagt - ich weiß, wo ich hingehen kann, wenn es mir wirklich schlecht geht.
Und das zählt,
habe ich in den letzten Jahren gelernt.
Man baut dann zwar eine Schutzmauer um sich herum auf - aber auch das hat am Ende seine Vorteile.
Manche wissen ja gar nichts damit anzufangen, wenn man wirklich erzählen wollte wie es einem geht. Dazu muss man in der Lage sein, einem Menschen zuzuhören, ihn ausreden zu lassen und versuchen auf ihn einzugehen.
Und das ist leider insgesamt heute nicht mehr so üblich - eher Vieles ist oberflächlicher geworden.
Lieben Gruß - Isolde _________________ „Nicht der Beginn wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten“ - Katharina von Siena "Einen Anfang zu machen ist das Geheimnis von weiterkommen" - chin. Weisheit
Neulich ist es mir sogar bei meinem Mann so gegangen. Mir gings psychisch mal so richtig Schei...., so nen Tag hat man ja mal, wo alles einfach schief geht und alles quer sitzt. Und selbst Göttergatte hat es nicht kapiert.
Ich will nicht immer stark sein, ich will auch mal heulen dürfen.
hallo Karin
dieses Gefühl kenne ich auch sehr gut. Bekomm auch immer zu hören "ach wie gut ich das alles weg stec"k und "wie gut ich das mach" und "das ich so gut mit der krankheit ungehen kann" aber wie es innen aussieht ist wieder was ganz anderes.
Mich nervt es auch oft von nahen verwndten das immer nur nach dem Kind gefragt wird wie es ihm geht aber nie nach mir. komm mir des öfteren vor als wäre ich nur luft. Reden kann ich nur mit meinem Mann aber edr merkt es auch nicht immer wenn es mir schlecht geht. fühle mich des öfteren wie ein Computer der Funktionieren muss aber das es ab und an nicht mehr funktioniert versteht keiner so richtig. oft nicht mal die eigene Familie. _________________ Michaela (25), Papa Markus (31) und Kevin(*23.10.2006-Di Georg-Syndrom)
es ist schon traurig, man fragt sich doch selber schon gar nicht mehr wie es geht, man funktioniert einfach nur und ist bemüht das es dem Kind gut geht.
Ich hatte letztens so ein Schlüssel-Erlebnis da fragte mich am Telefon eine alte Schulfreundin die ich schon viele Monate nicht mehr gesprochen habe, (sie weiß von der Behinderung) wie es mir geht. Ich wußte gar nicht was ich antworten sollte . Das hatte schon lange keiner mehr gefragt . Ich habe nur so was wie: geht eigentlich ganz gut rumgestottert. Ich frage mich auch wo ich anfangen und wo aufhören soll zu erzählen? Das sind doch dann oft auch so persönliche Gefühle, Gedanken und Ängste, die ich sehr selten mit anderen besprechen kann.
LG Kerstin _________________ Luca 03 Frühchen 24 SSW, blind, entwicklungsverzögert und Zwillingsschwester Emilia ein Sternenkind; emotionaler Mittelpunkt der Familie von Lissi 14, Maschi 23, Karo 23 und Mama *67 & Papa *62
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