Verfasst am: 30.08.2007, 20:04 Titel: War ich jetzt undankbar oder was?
Hallo,
seitdem ich ein behindertes Kind habe, werde ich - so kommt's mir vor - im Schnelldurchlauf durch ziemlich ätzende Gefühlsbäder gejagt, die man sich als Ottonormal vorher nicht vorstellen konnte.
Es geht ums Thema "Dankbarkeit." Aber in dem Sinne, dass ich als Mutter den Frauen, die meinen Sohn im Kindergarten hatten, undankbar behandelt habe. Vielleicht kann mir einer sagen, ob ich spinne oder die anderen? Darum geht's:
Also: Ich habe (endlich) vom I-Kindergarten in den Heilpädagogischen gewechselt, das ging ziemlich hopplahopp, nach dem Termin bei der Amtsärztin habe ich den Wunsch geäussert, da ich mich schon lange komisch fühlte als einzige Mutter mit einem behinderten Kind in diesem I-Kindergarten (doch ein Kind gibt's noch, aber in einer anderen Gruppe).
Grund: Ich bekam in den vergangenen zwei Wochen nur noch Negativ-Rückmeldungen: "Er nässt jetzt dreimal pro Stunde in die Hose ein, er hat das Puppenhaus kaputt gehauen". Das hat der Kleine vorher nicht gemacht, auch zuhause ist er sauber und dort spricht er auch, viele Faktoren, die mich dann endlich entscheiden liessen: So, jetzt wechseln, die Notbremse ziehen.
Die Amtsärztin empfahl sogar auch den Wechsel, ich informierte den Kindergarten. Die I-Kindergärtnerin reagierte beleidigt, das sei eine völlig falsche Entscheidung, alle hätten sich so um meinen Sohn bemüht. Keinem anderes Kind hätte man soviel Aufmerksamkeit geschenkt. Es täte ihr leid um meinen Sohn. Auch die Leiterin konnte es nicht verstehen, alle anderen Kindergärtnerinnen starrten mich die letzten Tage richtig feindselig an - es war ganz furchtbar. Die Leiterin sagte, das sei eben der Schmerz über den Weggang meines Sohnes sei sehr gross und keiner könne meine Entscheidung verstehen.
Ich finde das alles ganz belastend, Jetzt bin ich bei diesen Erzieherinnen die kalte, fiese undankbare Mutter, die ihren armen behinderten Sohn zu den viel auffälligeren Kindern schickt (hier kommt es übrigens fast einer Bankrotterklärung gleich, sein Kind in den Kindergarten der Lebenshilfe zu geben.)
Ich wollte das nur einmal sagen, dass ich das Gefühl habe, dass diese Helfer-Menschen (Erzieherinnen, Therapeutinnen) so lange nett sind, so lange man die arme Mutter spielt, die Hilfe braucht, die den Helferinstinkt bedient.
Kaum trifft man aber eine unpopuläre Entscheidung, ist man fies. Was ist da passiert?
Ja,
das kenne ich auch so, seltsamerweise nur von den Lebenshilfe-Einrichtungen, sie wollen alles alleine in der Hand haben, die Eltern nicht einbeziehen, du sollst, quasi hinter Deinem Rücken, "geholfen" bekommen, aber wehe , Du hast eine eigene Meinung oder triffst eigenmächtig Entscheidungen, dann ists aus.
Du hast ja eine Lösung gefunden.
Lg
Cornelia _________________ Paula, 16, Asperger
hast du den grund für den wechsel mal angesprochen?
vllt auch die negativen rückmeldungen von seitens des kiga, die dir ja auch zu denken gegeben haben?
es trifft, denke ich, einen erzieher immer irgendwo und er sieht seine kompetenz in frage gestellt, wenn ein kind seiner fürsorge entzogen wird (ist natürlcih nicht immer richtig, aber menschlich) ...
letztlich, was braucht es dich kümmern? ... dein kind steht im vordergrund und für ihn muß der richtige weg gefunden werden _________________ lieben gruß Ella
mein grosser war auch in einem Heilpädagogischen Kindergarten und es war wirklich eine tolle Zeit für ihn.
Unser kleiner geht in einen integrativen Kindergarten und deswegen habe ich einen Vergleich.
Ich denke besser gefördert wird ein Kind mit Autismus in einem heilpädagogischen ( kleinere Gruppen bessere Förderung ) Kindergarten.
Die Argumentation ein behindertes Kind besser in einem integrativen Kindergarten zu fördern finde ich manchmal oft falsch. Tatsache ist in Köln gibt es nur noch einen heilpädagogischen Kindergarten. Warum ? Weil heilpädagogische Kindergärten zu teuer sind.Punkt !
LG,anni
leider kenn ich mich mit diesen Kigas nicht aus.
Aber könnte es nicht sein, daß eine Stelle der Erzieherinnen wegfällt, da das I-Kind geht?
Daß die dann sauer sind
Und trotzdem würde ich mir kein schlechtes Gewissen machen lassen!!!
Es geht um Deinen Sohn und nicht um die Erzieherinnen - die ja wohl nicht wirklich "gut" waren.
Anne _________________ DUM SPIRO SPERO
(solange ich atme, habe ich Hoffnung) CICERO
Benedict 06/99, Osteopathia striata, Z. n. Analatresie,neurogene Blasenentleerungsstörung, tracheotomiert, re. blind., Syndakt. beider Hände, Fibulaapplasie beidseits,Makrocephalie, Gaumenspalt u. e. mehr
Tochter A. 01/96, in der Grundschulzeit Absencen
Hallo Anette,
mach Dich bloß nicht verrückt - in Deutschland sind Kinder grundsätzlich nicht willkommen und unbequeme Mütter schon überhaupt nicht.
Die Kindergarten - Leutchen sind immer schlechter ausgebildet und an den Schulen - na ja, Pisa hat's uns ja gezeigt......
Ich denke, Deine Entscheidung war völlig richtig - ich hätte auch so gehandelt.
Wenn dein Sohnemann im Kiga so oft einpi...dann ist das ein Zeichen für Unwohlsein und die Leute sollten ihre Arbeit hinterfragen, anstatt Dich damit zu attakieren.
Wenn die sich jetzt wundern, weil Du für Dein Kind die Notbremse gezogen hast
-gut so - vielleicht denken sie drüber nach und werden die nächste Mutter nicht mehr so angreifen !
unser Männchen geht auch in einen heilpädagogischen Kiga und ich könnte mir nichts anderes vorstellen.
Ich bin mir sicher die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Ich finde es unfair von denen, dass sie dir so ein schlechtes Gefühl vermitteln. Ich frage mich was an deiner Entscheidung so schlecht sein soll? Es kann doch immer wieder Gründe geben, dass man einen anderen Weg einschlagen muss. Was heute noch richtig für unser Kind war kann morgen schon ganz anders sein, dass bestimmt doch ganz allein das Kind und wir als Eltern müssen darauf reagieren. Nichts anderes hast du gemacht.
LG Kerstin _________________ Luca 03 Frühchen 24 SSW, blind, entwicklungsverzögert und Zwillingsschwester Emilia ein Sternenkind; emotionaler Mittelpunkt der Familie von Lissi 14, Maschi 23, Karo 23 und Mama *67 & Papa *62
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