Verfasst am: 28.08.2007, 15:21 Titel: Ab welchem Alter Pflegebett und sonstige Hilfen?
Hallo,
unser Jonas ist morgen 14 Monate alt. Ich habe Zwillinge (Niklas ist gesund) und muss zumindest im Augenblick noch beide tragen. Niklas lernt gerade laufen und wird dann hoffentlich frei alleine gehen können.
Jonas wird vermutlich niemals laufen, sitzen oder stehen können. Ich würde gerne wissen, ab welchem Alter es Sinn macht, bei der Krankenkasse ein Pflegebett zu beantragen. Jonas hat Pflegestufe 3 und ist zu 100 % schwerbehindert, so daß die "Voraussetzungen" in dieser Hinsicht gegeben sein dürften.
Natürlich ist er noch nicht zu groß für das Baby-Bettchen, jedoch macht mein Rücken mir mittlerweile starke Probleme, so daß ich es schon als komfortabler erachte, wenn ich ihn zum Wickeln z. B. im Bett liegen lassen kann und mich vor allem nicht immer runterbeugen muss.
Gerne würde ich auch wissen, welche Pflegehilfen man sonst noch bekommen kann.
Wir haben derzeit einen speziellen Autositz, eine Badeliege und eine Sitzschale für den Innenbereich (nicht zusammenklappbar oder ähnliches). Das ist vermutlich für die 14 Monate schon sehr viel, aber meine Kraft schwindet rapide und ich versuche, mir so viel Hilfen wie möglich zu organisieren, weil ich meinen Kleinen bei mir halten möchte. Bloß ist Niklas nun einmal auch fordernd, wie Kinder in dem Entdeckeralter so sind, und ich glaube nicht, daß es weniger werden wird.
du brauchst kein bestimmtes Alter um das Pflegebett zu beantragen.
Am besten so schnell wie möglich ansonsten ist Dein Rücken eher kapputt, als das Bett da ist!!
Ich empfehle dir Kaiser-Betten die sind echt gut und schön und werden von den Kassen übernommen ausser Du hast extra Wünsche, dann musst Du auch extra Zahlen.
Aber ansonsten dürfte das alles kein Problem sein.
Falls Du noch fragen hast.
FRAG!!
Gruss Corinna _________________ Alleinerziehend Bj.1980/ Sohn Nico Bj.2000 ADHS v.s Autistische Züge und Wahrnehmungsstörungen wird aber alles gerade Getestet, dazu Spitzfuß /
Tochter Sarah Bj. 2004 mehrfach Körperlich Schwerstbehindert geboren mit einer Omphalozele (offener Bauch), und bis Oktober 08 eine Peg und Tracheostomaträgerin mit Beatmung Nachts und Sauerstoffgabe,
ich habe eben erst mal kurz auf eure Homepage geschaut, um etwas mehr über Jonas und Niklas zu erfahren.
Es gibt keine eindeutige Antwort, ab wann ein Pflegebett sinnvoll ist.
Aus eigener Erfahrung weis ich wie körperlich anstrengend die Pflege eines behinderten Mehrlingskindes ist. Wir haben Drillinge (fast 5 Jahre alt). Eine Tochter ist schwer mehrfachbehindert durch Hirnschädigung und hatte auch eine BNS-Epilepsie. Als meine Kinder 14 Monate alt waren, mussten wir unser Sorgenkind mehr schlecht als recht über Sonde ernähren, an das Sitzen, Laufen oder Stehen war nicht zu denken. Zusätzlich waren da noch zwei weitere Kleinkinder zu versorgen, ein größeres Haus zu bauen und der Umzug vorzubereiten. Oft habe ich Abends geweint, weil ich geistig und körperlich völlig fertig war.
Ich hätte niemals geglaubt, dass mein Schatz einmal völlig problemlos essen und das Laufen lernen würde. Beides ist heute der Fall: Katharina lernt gerade an der Hand zu laufen, sie sitzt frei und übt das freie Stehen. Im Laufe der Jahre haben sich viele Hilfsmittel angesammelt und sind auch schon wieder verschwunden, d.h. wir haben sie nicht mehr gebraucht.
Zu den Pflegebetten: Bei pflegerischer und medizinischer Notwendigkeit übernimmt die (Pflege-) Kasse bei gesetzlich Versicherten die Kosten für ein Pflegebett. Viele Kassen lehnen es ab, Pflegebetten in Kinderbettgröße zu finanzieren. Ein Pflegebett sollte (soweit der Platz reicht) schon über viele Jahre genutzt werden können. D. h. man muss das Wachstum, aber auch die motorische Entwicklung berücksichtigen. Insbesondere die motorische Entwicklung ist mit 14 Monaten schwer abzusehen.
Katharina hat ihr Pflegebett (1,90 m x 0,90 m) mit 3,5 Jahren bekommen, als sie langsam zu groß für das Kinderbett wurde. Sie war motorisch zu diesem Zeitpunkt schon lange so fit, dass sie nicht mehr in der oberen Einstellung liegen konnte. Ihr Bett (Kayserbetten - Olaf 85) ist ein riesen Teil. Wichtig sind heute vor allem die hohen Gitter, da Katharina sich gerne aus dem Bett stürzt. Mit 14 Monaten hätte ich nicht gewußt, welches der vielen Pflegebetttypen für sie richtig ist. Wickeln muss ich meine Tochter ohnehin auf dem Fußboden bzw. im Stehen, da sie keine 2 sec. ruhig liegen bleibt.
Vielleicht könnt ihr noch euren Umzug abwarten. Vielleicht seht ihr dann mit Jonas schon weiter. Ein Trost ist auch, dass der gesunde Bruder ja immer selbständiger wird. Ich habe meine beiden gesunden Kinder im Krabbelalter oft die Treppen hoch und runter krabbeln lassen, da es wirklich gereicht hat ein Kind ständig herumzutragen. Bei einem Einzelkind hätte ich das sicher nicht gemacht. Auch haben wir einfach auf dem Fußboden gelebt. Dort wurde gespielt, gewickelt, sondiert, Brei gefüttert und manchmal auch geschlafen.
Ich hoffe ihr habt liebe Leute, die euch unterstützen und helfen.
naja, nach dem Umzug haben wir gar keine Hilfe mehr.
Im Augenblick habe ich wegen "Überlastung" eine Kinderfrau, die 25 Stunden die Woche kommt. Hört sich viel an, ist aber eher ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Ab Oktober bin ich komplett alleine... Manchmal habe ich sogar Angst vor meinen Kindern, weil ich einfach nicht mehr geben kann. Und speziell der gesunde Niklas fordert mich ungemein...
Aber irgendwann wird es sicher besser.
_________________ Michaela mit Niklas (gesund) und Jonas (shuntversorgter Hydrocephalus, West-Syndrom, Spastik, Anämie, cerebrale Zysten etc.) *29.06.2006
Mir fällt gerade auf, daß Deine Tochter eine BNS-Epilepsie HATTE??? Sie hat sie heute nicht mehr?
Und wie hast Du es mit Drillingen überlebt?
Ich musste meine Familie gewissermaßen "rausschmeißen", weil sie sich zum Teil auch zu sehr in meine Erziehung eingemischt hat bzw. mich und meine Regeln völlig ignoriert haben. Und da ich nicht bereit bin, meine Kinder einem ständigen Hin- und Her von Verboten etc. auszusetzen, musste ich die "Fronten klären", was dazu geführt hat, daß wir alleine sind.
Von daher... _________________ Michaela mit Niklas (gesund) und Jonas (shuntversorgter Hydrocephalus, West-Syndrom, Spastik, Anämie, cerebrale Zysten etc.) *29.06.2006
wir haben unser Pflegebett bekommen, als Amelie 18 Monate war. Wir haben uns für das Timmy 2 von Kaiserbetten entschieden (Länge 1,70m) und es ist toll, ich möchte es nicht missen. Beantrage es so schnell es geht, es dauert eh ewig, bis man es schließlich bekommt...
Zum Thema Überlastung: Familienentlastende Dienste anheuern oder - wie wir - das Pflegegeld für eine FSJlerin ausgeben. Wir haben seit einem Jahr ein Mädchen, das ein freiwilliges soziales Jahr bei uns in der Familie macht, was eine große Hilfe ist. Nächste Woche beginnt die zweite, ich bin gespannt.
Liebe Grüße
Britta _________________ Amelie (*05), hypoxischer Hirnschaden durch near-missed SIDS, Z. n. BNS-Epilepsie, Button, Tetraspastik, cerebral blind, Hüftluxation
Ich kann dich gut verstehen. Wir sind auch umgezogen, als unsere Kinder 15 Monate alt waren. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich tagsüber keine Hilfe mehr.
Grundsätzlich war das gar nicht so schlecht. Ich hatte auch erst Angst, mit den Kindern länger alleine zu seien, aber wir haben die Ruhe auch genossen. Bis heute ist es so, dass meine Töchter, wenn man mit ihnen alleine ist, auch sehr lieb ud hilfsbereit sein können. Sonst sind sie zum Teil schon ganz schöne Zicken.
Trotzdem muss ich sagen, dass insbesondere auch meine körperlichen Kräfte nach 18 Monaten einfach aufgebraucht waren. Wir haben dann sehr kurzfristig die Elternzeit tauschen können und mein Mann blieb die nächsten 18 Monate zu Hause. Ich hätte auch nicht so intensiv mit Katharina turnen können.
Katharina hatte auch als Frühchen eine Sepsis. Aus der wurde eine Meningitis mit schweren Hirnblutungen. Das Gehirn erinnerte an einen Schweizer-Käse. Später kamen dann die BNS-Anfälle dazu. Sie wurde mit Sabril und Topamax BNS - anfallsfrei. Heute hat sie immer noch eine symptomatische Epilepsie, ist aber gut auf Topamax eingestellt und nahezu anfallsfrei. Sie wurde bis zu ihrem 18. Lebensmonat über Nasensonde ernährt, konnte mit etwas über 3 Jahren frei sitzen und hat sich mit etwas über 4 Jahren begonnen an Möbel etc. in den Stand hoch zu ziehen. Das hätte ich nie zu hoffen gewagt. Katharina ist übrigens vollständig blind.
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