Verfasst am: 23.08.2007, 18:58 Titel: Rezeptive Sprachstörung - oder Autismus?
Hallo,
ich möchte hier mal was über rezeptive Sprachstörung schreiben , da viele Ärzte diese Störung scheinbar gerne übersehen oder nicht besonders gut kennen.
Bei uns hatte das zur Folge das mein Sohn Fabian seit Diagnosestellung im Alter von 2 Jahren bis heuer im Mai die Diagnose atypischer Autismus hatte (es gab Symptome des frühkindl. Autismus als auch von Asperger )
Mir fiel bereits sehr früh auf , dass mein Sohn auf Anweisungen oder Fragen so gut wie überhaupt nicht reagierte , allenfalls auf einzelne Wörter !
Dann fing er auch an meine Hand zuergreifen , um Dinge für ihn zu nehmen.
Er entwickelte zudem Stereotypien und ein besonderes Interesse für optische Lichtreize , Feuer ,Wasser und reagierte auf bestimmte Geräusche mit Panikattacken.
Auffällig war auch eine seltsame Sprache , er spielte telefonieren und sprach klar und deutlich ewig lange Silbenketten in einer Sprachmelodie ,dass man das Gefühl hatte er würde tatsächlich sprechen , es hörte sich allerdings eher chinesisch als deutsch an .
Irgendwann mit 2-3 Jahren fing er an Sätze oder Wörter zu wiederholen (Echolalie) . Dann wieder ein Schritt weiter begann er endlich mit Sätzen ,
aber immer mit dem selben Aufbau : Kannst du mir ... geben/bringen/aufmachen...
Vieles erinnerte tatsächlich an autistische Kinder und trotzdem gab es immer Unterschiede , die mir der damalige Fachmann nicht recht glaubte.
Fabian war immer ein Schmuser und genoß Körperkontakt sehr , leider schrie er wie am Spieß bei der Erstuntersuchung dieses Fachmanns.
Fabian beobachtete immer ganz genau , was sein Umfeld machte und versuchte dies im Rahmen seiner Möglichkeiten nachzumachen.
Seine speziellen Tics / Vorlieben waren zwar nervig , aber sie konnten auch benutzt werden um ihm neues beizubringen. So wurden Kerzen und Streichhölzer ein ständiger Begleiter . Ein richtiges Wort , die richtigen Farben benennen und schwups wurde eine Kerze angezündet .
Langsam ,ganz langsam besserte sich das Sprachverständnis und mit zunehmender Sprache ging es auch in allen anderen Bereichen vorwärts.
Hinzukam von Anfang an seine seltsame Motorik , Fabian lernte zwar alle motorischen Meilensteine wie sitzen,krabbeln,stehen , laufen immer gerade noch im "ÜBLICHEN" Zeitrahmen ,aber wie !!!
Er konnte mit 16 Monate seine ersten Schritte laufen - und ein halbes Jahr später sah es immer noch aus ,als hätte er es gerade gelernt !!!
Ich hatte so immer das Gefühl ,das Fabian garnichts anderes lernen konnte , da er so mit seiner Motorik beschäftigt war.
Und je besser die Motorik wurde umso besser wurde die Sprache und dadurch kamen große Fortschritte auch in allen kognitiven Bereichen.
Dieses Jahr im Mai wurde seine Eingangsdiagnose von neuen Ärzten revidiert .
Fabians Hauptproblem sei die Motorik (fehlende Handlungsplanung und Bewegungsabläufe können nicht automatisiert werden ) dadurch habe sich dann die rezeptive Sprachentwicklungsstörung ergeben.
Und eben diese Sprachstörung weist einige Symptome auf ( keine Reaktion auf Sprache ,Entwicklung von Stereotypien ,eigene Sprache ,
mangelnder Blickkontakt , Echolalie , schablonenhaftes Sprechen etc ...)
die bei starker Ausprägung mit Autismus verwechselt werden .
Darum rate ich allen die Entwicklung ihrer Kinder gut im Auge zu behalten ,und den Diagnosen von Ärzten nicht immer bedingungslos zu vertrauen.
hallo
genauso ist es auchbei meinem sohn mit der sprachentwicklung gewesen!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
ich kenne das telefonieren, das "so tun als ob man spricht" in der straasenbahn (louis fährt gerne bahn, bis zu 4 stunden) fragten mich leute schon ob das kind aus skandinavien wäre! auch das mit dem immer gleichen satzaufbau kenne ich.
oder immer die gleiche betonung. auch bei uns sind immer wieder dinge die wie beim Autismus sind, aber manche dinge passen absolut nicht. (obwohl er die diagnose frühkindlicher Autismus hat)
auch mit dem laufen war das so eine sache. erst mit 18 monaten lief er dann aber so wackelig das wir nach monaten noch den eindruck hatten er könne es noch nicht richtig. fiel ständig hin verletzte sich dabei auch. die motorik ist mamchal eine katastrophe.
ich würde mich freuen wenn wir uns autauschen könnten, endlich nach ewig langer suche habe ich endlich mal ein vergleichbares bild gefunden das meinem sohn ähnelt
liebe grüße
mit viel hoffnung auf antwort
karen
ich gesell mich dazu, mein Niki hat eine ähnliche bisherige Entwicklung hinter sich, von Kanner über autistische Züge, nun verdacht auf Asperger, wir wissen immer noch nichts genaues.Aber die Sprachstörungen sind geblieben.Die Echolalie tritt bei ihm besonders auf,wenn wir unter Menschen sind z.B. im Bus.
Sprechen eure teilweise auch nicht in der Ich-Form? Statt: "ich habe Hunger", kommt hier oft ein: "Hunger haben" oder "Niki hat Hunger".
Das ist auch der Unterschied zu seinem jüngeren Bruder, der ist zwar auch sprachentwicklungsverzögert u.a. aber der spricht mittlerweile in der Ich-Form (auch wenn man nicht viel davon versteht) und hat keine Echolalien dabei.
Edit: Laufen konnte er erst mit 17 Monaten- aber er stakste mehr durch die Gegend, lief unsicher, hatte Gleichgewichtsprobleme.
habe gerade nochmal den letzten Bericht der Logopädin im SPZ nachgelesen, bei meinem Sohn steht hier auch (plötzlich?) "rezeptive und expressive Sprachentwicklungsverzögerung".
Und ehrlich gesagt, hatte ich auch des öfteren an Autismus gedacht, aber auch nach mehrfachem Nachfragen im SPZ gab es immer nur ein "Nein, es ist kein Autismus" zur Antwort.
Aber, Aryan konnte sehr früh sitzen, krabbeln und laufen. Er lief mit 11 Monaten frei und ab 1 Jahr dann sehr sicher. Die Sprachentwicklung hinkte allerdings gewaltig hinterher. Er hat auch sehr gerne vor dem Spiegel gestanden und Monologe gehalten und lange Zeit "ausländisch" gesprochen, so daß ihn eigentlich niemand verstanden hat.
Mittlerweile hat er aber sehr gut in der Sprache aufgeholt (dank einem Hörwahrnehmungstraining namena Audiva) und hat - im Vergleich zu vorher - nur noch kleinere Defizite, so daß ich der Schule im Augenblick ziemlich gelassen entgegen sehe.
Viele Grüße
Birgit _________________ Birgit 08/67 ND, Gleitwirbel und Ajay 08/70 mit
Aryan *01/02
Nikhil *05/06 HF Autismus, Wahrnehmungsstörungen
Armaan *10/08 Hydronephrose links (operiert im April 2009), Vesikorenaler Reflux rechts
Hallo ich darf mich auch dazu gesellen: wir waren in der Pädaudiologie um die Sprache zu überprüfen, im Protokoll stand dann:
Rezeptive Sprachleistung: die rezeptiven Sprachleistungen sind nicht altersgemäß.
Sein Sprachverständnis liegt bei 2,6-2,11 Jahren und seine Sprache liegt bei 1,6-1,11 Jahren. Er spricht gerademal 20-25 Wörter und wenig Zweiwortsätze. Fabian wird aber nächsten Monat 4. Im September kriegen wir mal wieder Ergebnisse vom SPZ, mal gucken, wie die ausehen.
Hallo ich darf mich auch dazu gesellen: wir waren in der Pädaudiologie um die Sprache zu überprüfen, im Protokoll stand dann:
Rezeptive Sprachleistung: die rezeptiven Sprachleistungen sind nicht altersgemäß.
Sein Sprachverständnis liegt bei 2,6-2,11 Jahren und seine Sprache liegt bei 1,6-1,11 Jahren. Er spricht gerademal 20-25 Wörter und wenig Zweiwortsätze. Laufen gelernt hat er mit 20 Monaten. Fabian wird aber nächsten Monat 4. Im September kriegen wir mal wieder Ergebnisse vom SPZ, mal gucken, wie die ausehen.
Toll, jetzt habe ich mich selber zitiert. Kann man das irgenwie löschen? Wollt doch nur hinzufügen, dass Fabi mit 20 Monaten laufen gelernt hat, hab dann nicht richtig aufgepasst. sch.... _________________ Susi(28) (im Reha-Chat fabismama81)und Sven(30) mit Fabian(29/09/2003) verbale Entwicklungsdyspraxie (VED), Entwicklungsverzögert und Verdacht auf LRS
Unsere Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic18393.html
Krankheitsbild: http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic18394.html
Hallo ,
jetzt muss ich mich selbst wieder mal melden , eigentlich war ja der Autismusverdacht vom SPZ nach der letzten Untersuchung vom Tisch.
AAAAber jetzt war ich wieder dort , und neue Ärzte neues Glück , nun haben sie den Autimusverdacht wieder aus der Schublade hervorgeholt .
Nur ganz nett kaschiert ungefähr so formuliert, wir wüßten ja ,dass der Verdacht immer im Raum stand und er eben so aufällig wirkt, bei der Sprache und sein Verhalten ( starkes Flattern/Flügeln bei Erregung und Grimassieren ) und man dann eben unwillkürlich an ein autistisches Kind denkt , auch wenn andere Merkmale definitiv fehlen , darum würden sie uns bitten ihn an der Heckscher Klinik nochmals untersuchen zu lassen . Diese seien die Spezialisten und sie wollten nicht , dass etwas übersehen würde .
Ich habe echt das Gefühl ich dreh mich im Kreis und dabei wird überhaupt nicht gesehen was Fabian bis jetzt erreicht und geleistet hat .
In der Förderschule ist seine Lehrerin echt begeistert und alle, die ihn dort seit der SVE kennen staunen , was er so alles kann. Und er gehört nicht einmal mehr zu den schlechtesten , sondern ist bei den besseren dabei , obwohl es Anfangs in der SVE so aussah als müsse er in die GB-Schule.
Muss sowas nicht auch in die Diagnosestellung miteinfliessen ?
Aber jetzt war ich wieder dort , und neue Ärzte neues Glück , nun haben sie den Autimusverdacht wieder aus der Schublade hervorgeholt
Nur ganz nett kaschiert ungefähr so formuliert, wir wüßten ja ,dass der Verdacht immer im Raum stand und er eben so aufällig wirkt, bei der Sprache und sein Verhalten ( starkes Flattern/Flügeln bei Erregung und Grimassieren ) und man dann eben unwillkürlich an ein autistisches Kind denkt , auch wenn andere Merkmale definitiv fehlen , darum würden sie uns bitten ihn an der Heckscher Klinik nochmals untersuchen zu lassen . Diese seien die Spezialisten und sie wollten nicht , dass etwas übersehen würde .
Oft erlebt man doch eher das Gegenteil - ein möglicherweise autistisches Kind wird aus vielerlei Gründen nicht diagnostiziert und erhält so weder die adäquten Nachteilsausgleiche noch spezifische Therapien. In der Literatur gibt es unzählige Fälle, in denen autistische Kinder mit einer ADHS-Diagnose durch das Leben kommen mussten und entsprechend (falsch) behandelt wurden.
Wenn also an dem Verdacht irgendetwas Handfestes dran ist, ist es vielleicht wirklich sinnvoll, die empfohlene Untersuchung durchzuführen. Dann habt ihr entweder eine konkrete Diagnose, mit der ihr gezielt Maßnahmen in Angriff nehmen könnt - oder das Thema ist dann endgültig und unwiderruflich vom Tisch.
Wenn du aber den Eindruck hast, durch die neue Diagnostik soll bestenfalls kaschiert werden, dass im SPZ niemand wirklich Ahnung hat, was mit Fabian los ist, und es spricht nichts für Autismus (dann aber bitte nicht nur an "Rainman" denken), dann könnt ihr auf diese weitere Belastung durch nicht zielführende Diagnostik verzichten.
Petra Patriarca hat folgendes geschrieben:
Ich habe echt das Gefühl ich dreh mich im Kreis und dabei wird überhaupt nicht gesehen was Fabian bis jetzt erreicht und geleistet hat .
In der Förderschule ist seine Lehrerin echt begeistert und alle, die ihn dort seit der SVE kennen staunen , was er so alles kann. Und er gehört nicht einmal mehr zu den schlechtesten , sondern ist bei den besseren dabei , obwohl es Anfangs in der SVE so aussah als müsse er in die GB-Schule.
Muss sowas nicht auch in die Diagnosestellung miteinfliessen ?
Natürlich - das wird es auch. Auch autistische Kinder entwickeln sich weiter. Ihr könnt doch Fabian so gut gefördert haben, dass die wirklich gute Entwicklung möglich wurde. Es muss doch nicht immer Autismus-Therapie dranstehen, wenn die Förderung eines (möglicherweise autistischen) Kindes erfolgreich ist.
Viele Grüße _________________ Kaja mit Sohn (2003) - Mikrodeletion 8p23.1 (u. a. Herzrhythmusstörung, Epilepsie, Apnoen (Monitor), Entwicklungstörung im motorischen und sprachlichen Bereich), hochgradige Schwerhörigkeit, HFA, div. Nahrungsmittelallergien, ehemaliges Frühgeborenes (30. SSW)
Darum rate ich allen die Entwicklung ihrer Kinder gut im Auge zu behalten ,und den Diagnosen von Ärzten nicht immer bedingungslos zu vertrauen.
Mir sind in Deinem ersten Beitrag sehr sehr viele Auffälligkeiten von meiner Tochter bekannt und ich verhalte mich längst nach obigen Motto.
Da ich selber Ärztin bin, weiß ich auch mit welchen Wassern ich und meine Kollegen "gekocht" wurden Ich bin auch keine Autismusspezialistin und kann aber mit Sicherheit behaupten, dass gute Fachleute auf diesem Gebiet rar gesät sind! Der beste Arzt nützt Dir und Deinem Kind nichts, solange er seine eigenen Grenzen nicht kennt, sich nicht traut mehrere Meinungen anderer Kollegen/Therapeuten einzuholen! Sei nicht enttäuscht, sonder fühle dich und Dein Anliegen gerade jetzt ernst genommen!
Beobachte Deinen Sohn weiter, freu Dich weiter, wenn er Fortschritte macht, mach auf keinen Fall Panik, wenn der Autismusverdacht nicht ausgemerzt ist - aber genauso wichtig: höre nicht auf, Dich zu informieren, solange noch vieles in seiner Entwicklung und Verhalten ungeklärt ist. Für manches wirst Du vielleicht nie 100%ige Antworten erhalten, aber schlimmer ist, wenn Du Auffälligkeiten als harmlos oder gar unwichtig abtust.
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