Verfasst am: 21.08.2007, 23:10 Titel: Schulbegleiter genehmigt, aber jetzt will die Schule nicht
Hallo,
bei unserem ersten Sohn wurde vor drei Monaten Asperger diagnostiziert, da ging er noch in die Grundschule (was vier Jahre sehr problematisch war).
Auf einem Gymnasium hatten wir ihn schon angemeldet und von seine Problemen berichtet (wir hatten nur eine ADS-Diagnose). Die Schulleitung war sehr offen und es schien, dass es jetzt leichter werden würde als an der Grundschule, denn dort waren einige Lehrerinnen noch immer der Meinung "Das Verhalten Ihres Sohnes ist nur ein Erziehungsproblem".
Dann erhielten wir nach 61/2 Wochen Klinikaufenthalt die Diagnose AspergerAutismus mit ADHS. Wir waren nicht geschockt sondern eher erleichtert, da wir jetzt wussten wo wir dran sind.
Nach vielen Gesprächen und Terminen erfuhren wir, dass uns, bzw. unserem Sohn ein Schulbegleiter zusteht und die Klinik emfahl auch eine 1:1-Betreuung durch einen Integrationshelfer.
Wir teilten dies dann der neuen Schule mit, die das sehr positiv aufnahm, obwohl weder der Schule noch uns klar war, wie so etwas funktioniert.
Wir klärten die weitere Vorgehensweise und eine Woche vor Schulbeginn wurde uns eine Schulbegleiterin vom Jugendamt bewilligt, unser Sohn lernte sie auch kennen und alles schien bestens.
Bis zum ersten Schultag, denn auf einmal wollte die Schule nichts davon wissen, dass eine Schulbegleiterin im Unterricht anwesend sein sollte.
"Das würde nicht gehen, auf gar keinen Fall und die Lehrer können das alleine regeln".
Wir vestanden die Welt nicht mehr, die Schule, die uns so offen war und auch den Ruf hatte sich um jedes Kind sehr zu bemühen, wollte partout keine Integrationshelferin im Unterricht dabei haben.
Jetzt sind etwas mehr als zwei Wochen um, es gabe bereits Telefonate und persönliche Gespräche mit anderen Eltern, die das Verhalten von unserem Sohn im Unterricht nicht akzeptieren (er wirft Stifte oder Mappen der anderen Kinder runter, zieht Frazen oder zappelt einfach rum) wollen, aber die Lehrer meine es wäre alles o.k. und unter "Kontrolle".
Das Jugendamt hat uns bereits mitgeteilt, dass unter solchen Umständen, die Integrationshelferin wieder abgezogen wird, da sie nur in den Pausen unseren Sohn unterstützen kann.
Unser Sohn kommt total gestresst von der Schule nach Hause, da es ihn unheimlich anstrengt, sich "halbwegs" normal zu Verhalten, aber die Lehrer/Innen sehen das einfach nicht.
Nach den ersten Gesprächen mit den selben, merkten wir aber auch, dass fast keiner der Lehrkräfte sich mit Asperger autisten auskennt, teilweise noch nie etwas davon gehört hat. Wir haben etliche Unterlagen zusammengestellt, die aber nur teilweise beachtet wurden. (Unser Eindruck)
Nach der langen Einleitung die Frage:
Hat jemand eine Idee, was wir noch machen können ?
Es gibt noch in den nächsten Tagen ein Gespräch mit der Schulleitung, aber durch die Vorgespräche scheint deutlich zu werden, dass die keine Schulbegleiterin im Unterricht zulassen wollen.
Andere Schulen sind deutlich weiter als diese Schule (mehr Stress und Probleme auf dem Schulweg) und auf dieser Schule sind zumindest einige Kinder, die im Einzugsgebiet sind und die ihn von der Grundschule kennen. Dazu kommt , dass ihm dien Schule sehr gut gefällt und für ihn seit Monaten klar war: Das ist meine Schule !
Wenn wir wechseln müssten, würde für ihn eine Welt zusammenbrechen.
Wie sieht es rechtlich aus ? Kann die Schule das einfach verweigern ?
Wir würden uns freuen, wenn jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat oder sonst irgendwelche Tipps hat.
Die schule hat wohl angst das die Helferin anfängt zu kritisieren oder das euer kind als "besser betreut" Neid erwecken könnte oder was?
klingt aber auch fast danach das sie ihn gar nicht haben wollen.. das ist ja echt so schade dass die sich querstellen obwohl ihr das glück habt eine i-helferin gestellt zu bekommen. Da fällt mir nix zu ein...unfassbar
ich wäre froh wenn wir eine i- hilfe für die schule bekommen würden. nur bekommt man die hier nicht so leicht weil die stadt so sehr sparen muss (groll).
unsere schule meint auch ohne hilfe klarzukommen. zumindest der klassenlehrer. das ist zwar eine sonderschule aber nicht für autisten ausgebildet.
die werden sich noch hilfe wünschen wenn meiner ähnlich abrastet oder sonstwas macht.
Also ich meine die schule mit hilfe (eventuell mit unterstützung von arztbescheinigungen und Berichten die notwendigkeit belegen) oder echt eine andere schule und auch alles bei jugendamt, und aderen stellen vortragen und rat holen.
Die Schule hat Weisungsberechtigung und Hoheitsgebiet. Wenn sie es verweigert, dann kann auch das JA nichts unternehmen.
Aber es gibt schon einige Möglichkeiten Druck auf die Schule auszuüben.
1.) Sich an das zuständige oberste Bezirksschulamt wenden und dort sein Anliegen vortragen und dies gleich mit dem Hinweis, dass - wenn etwas in der Entwicklung des Kindes in der Schule weiter schief geht- Ihr alle PERSÖNLICH dafür in Rechenschaft und zur Verantwortung zieht.
2.) Jeder Landkreis hat einen Behindertenbeauftragten. Da ihr einen SBA haben müsst/ oder beantragt habt, kümmern sich gute Behindertenbeauftragte auch intensiv um solche Sachen. Dies ist zumindest bei uns so.
3.) So viele Eltern wie möglich mit ins Boot ziehen. Dies macht ihr ja schon. Je mehr Öffentlichkeit, um so besser.
4.) Letzter Schritt: Anwalt einschalten. Das wirkt gerade beim Schulamt Wunder!
5.) zusätzlicher Schritt: Autismusspezifische Therapie und Beratung beim JA über den §35a beantragen und Euch einen echten Experten in Sachen Autismus holen, der Euch beim Hilfeplangespräch und Gesprächen in der Schule unterstützt. Er fungiert als Experte als eine Art Pufferzone und es ist hilfreicher, wenn solche Vorschläge von Experten kommen und nicht von "überbesorgten" Elternteilen. Der Experte könnte dann- so würde ich es anstreben- auch den Schulbegleiter UND Schule einarbeiten.
ich wollte mich erstmal für die Antworten bedanken und dann eine kurze Zwischenbilanz abgeben.
Nach drei Wochen Schule mit Integrationshelferin geht unser Sohn jetzt, bis auf weiteres, ohne zur Schule.
Die Schule und die Lehrer sagen, dass es keine Probleme gibt und sie alles im Griff haben, aber dann werden wir gefragt, ob unser Sohn nicht einen Timer bekommen könnte, damit er von alleine daran denkt ins Sekretäriat zu gehen um sein Medikament (er hat auch ADHS) zu nehmen.
Auch müsse er schon an sich arbeiten um sich selbst besser zu organisieren, da er es z.B. nicht direkt mitbekommt seine Hausaufgaben von der Tafel abzuschreiben.
Das größte Problem ist aber, dass es außerhalb der Schule fast nicht mehr möglich ist ein normales Leben zu führen.
Die Schule nimmt ihn so sehr mit, dass er immer wieder aufspringt, rausläuft und einfach auf die Straße rennt oder sich mit der Faust selbst auf den Kopf schlägt oder diesen gegen eine Wand haut.
Es hat sich jetzt eine Beraterin für Authismus an Schulen eingeschaltet und es ist ein Lichtblick am Ende des Tunnels, weil wir zumindestens auf einen Menschen gestossen sind, dem die Problematik bekannt ist.
Sie hofft die Schule überzeugen zu können, aber wir hoffen nur, dass es schnell geschieht, da wir sonst langsam verzweifeln.
Wenn ich neue Informationen habe werde ich hier darüber berichten.
die Schule MUSS eine Weisung der Schulbehörde akzeptieren - ohne wenn und aber.
Was du berichtest, klingt eher danach, als wenn auch die Schulbehörde nicht dahinter steht?
Jedenfalls kannst du Klage erheben, wenn die Schule die medizinische Notwendigkeit eines I-Helfers nicht akzeptiert.
Ich spreche da ein wenig aus eigener Erfahrung, da unser Sohn mit dem Status "sonderpäd. Förderbedarf sozial-emotionale Entwicklung" ein Gymnasium besucht.
Erst der Förderbedarf machte es möglich, dass die Schulbehörde ihn an ein Gymnasium weisen konnte (außerhalb unseres Landkreises), was noch zu den ansprechendsten gehört.
Selbstverständlich bekommt er einen Fahrdienst!!! (Keine Busverbindung).
Also im Zwéifel: Sucht evtl. eine "offene Schule" - auch außerhalb eures einzugsgebietes - und lasst ihn fahren, wenn es keine Busverbindung gibt oder er sie nicht schafft.
unser Antrag auf Autismustherapie wird noch bearbeitet..... Bei uns ist das von mir befürtete Kopfschlagen bisher ausgeblieben. War aber schlimm beim Zahnen und in den Büchern wird geschrieben das das die ersten Wochen in der Schule auch oft auftritt.
Wenn ihr Glück habt lässt das nach. Bei uns habe ich das Kopfschlagen unterbunden was oft anstrengend war.
Ohne I-Helfer ist die Entwicklungsqualität auch nicht so gut. Zumindest stundenweise sollte der Schulbesuch durch eine Fachkraft gefördert werden. Die Schulen sehen da auch irgendwie nicht so den Zeitdruck den man als Eltern verspürt da sie das Kind ja erst kennenlernen wollen.
Den Antrag sollte ich auch bald abgeben weil der Widerspruch gegen die zu erwartende Ablehnung ja auch noch eingereicht werden will..
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