Verfasst am: 15.08.2007, 18:21 Titel: Wer hat Ratschläge für Pflegekinderaufnahme?
Hallo,
wir beginnen am 24. August unser Seminar im September endet es glaube ich , dann ein Abschlussgespräch und dann sind wir im Pool. Es wird im Kleinkind/ Kindergartenalter sein . Die Pflegekinder sollen ja jünger als die eigenen sein.
Wir freuen uns , daß auf diesem Wege unser Sohn ein Geschwisterchen bekommt und auf das Kind, was kommt, hoffentlich. Es gibt ja keine Belegungspflicht.
Wer hat schon ein Pflegekind aufgenommen und was habt Ihr für Tips ??
LG Sigrid _________________ Nicht behindert zu sein ist kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das uns jederzeit wieder genommen werden kann
ehemaliges Frühchen der 34 SSW ,Sectio,schwierige Entwicklung mit Zange
Lennox-Gastaut-Syndrom, Dopaminmangel,PEG
Dauerpflege"mädchen seit Geburt 08 mit FAS
Anmeldedatum: 18.11.2006 Beiträge: 4353
Wohnort: Österreich
Verfasst am: 16.08.2007, 20:26 Titel:
Hallo Sigrid,
ich kann dir leider keine Tipps geben, da ich kein Pflegekind hab. Könnte es mir zwar durchaus vorstellen, aber mein Mann nicht. Und da müssen ja beide wollen.
Könnt ihr euch auch vorstellen, dass ihr ein besonderes Kind aufnehmt?
Dann bist du ja jetzt sozusagen schon in der Schwangerschaft .
Liebe Grüße
Elke _________________ Liebe Grüße
Elke
Sohnemann (5.03), Hypospadie, chron. Obstipation, Autismus-Spektrum-Störung
mit großem Bruder und großer Schwester
Hallo Sigrid...
ja...wir haben auch Pflegekinder. Unsere eigenen Kinder sind schon erwachsen und wir sind auch schon Großeltern. Da wir so ohne Kinder einfach nicht leben wollten und wir was Gutes tun wollen, hatten wir uns entschlossen, Kinder die nicht in ihrer Herkunftsfamilie aufwachsen könne, aus welchen Gründen auch immer, ein gutes, liebevolles Zuhause zu geben. Zu unserer Familie gehören: Ben 100% geistig behindert 7 Jahre alt und Lena fast 4 Jahre alt. Da wir auch auf dem letzten Treffen waren, müssten wir uns eigentlich kennen
Falls Du bestimmte Fragen hast - nur her damit !!
Lieben Gruß SigridB.
Hallo,
wir haben uns für ein älteres Pflegekind entschieden,da unser Sohn pflegebedürftig ist und dann noch ein Kleineres zu haben wäre wohl zu viel geworden.Auf jeden Fall war unser Sohn damals 3 Jahre alt und unsere Pflegetochter 10 Jahre alt. Es kamen viele Probleme auf uns zu,mit denen wir nicht gerechnet hatten. Auch mit ihren damals 10 Jahren, hat sie fast mehr Zeit in Anspruch genommen wie unser Sohn.Man muß die seelischen Leiden von Pflegekinder behutsam aufarbeiten. Zum Glück bin ich Erzieherin und kenne mich ja auch mit problematischen Kindern aus. Es hat lange Zeit gedauert, bis wir uns alle mit der neuen Lebensituation gewöhnt hatten. heute nach 4 Jahren,läuft alles viel besser.Trotz allem sind Pflegekinder eine Aufgabe fürs Leben und nicht zu unterschätzen. Allerdings gibt es auch schöne Momente und Zeiten mit ihr. Das allerschönste ist,daß sich die 2 Kinder lieben und zueinanderhalten! Schon alleine für diese Tatsache hat sich der Aufwand gelohnt.Alle Bekannte von uns meinen,daß sich unsere Pflegetochter super positiv entwickelt hätte.Das ist natürlci auch eine Stärkung für unser Ego Also nur Mut aber es wird nicht immer leicht!
Liebe Grüsse Julide _________________ ehemaliges Frühchen, 23.SSW,Cerebralparese,höchstgradig sehbehindert, spricht und läuft nicht. Lächelt aber mit dem schönsten Lächeln,daß ich kenne!
Wir haben ja keine eigenen Kinder bekommen (trotz allerlei medizinscher Versuche ) und da ein Leben ohne Kids eben nicht in Frage kam, wir aber auf jeden Fall den Kontakt zu Eltern und Geschwisterkindern (sofern vorhanden) halten woll(t)en, entschieden wir uns für Pflegekinder.
Als erstes kam Jessy (aber das war eher Zufall). Wir bekamen sie über das JuA, nach einem Steckbrief in der Mitgliederzeitung des Bundesverbandes behinderter Pflegekinder und unserer "Reaktion" darauf.
Unser Leben veränderte sich nicht dramatisch, obwohl Jessy auch anstrengende Seiten hatte, Vojta turnen und andere Therapien, keinen Tag-Nacht-Rhythmus, schlechtes Essen - dafür immer, immer wieder versuchen , häufiges Erbrechen -> viel Wäsche, aber eigentlich war sie so kompatibel mit unserem bisherigen Leben, wie ein Baby - sie schlief (wenn sei wollte) überall, fremdelte nicht und war überhaupt ein Sonnenscheinchen und damit überall gerne gesehen
Nach gut einem Jahr waren wir sicher, wir wollten ein weiteres, jüngeres Pflegekind (Säugling), das in die Situation von Jessy einfach hineinwachsen sollte. Erst geschah nix und dann kam es anders
Kurz vor unserem Umzug vermittelte uns das zukünftig zuständige JuA zwei Buben gesund mit Entwicklungsverzögerungen in allen Bereichen auf Grund psychosozialer Vernachlässigung - also nix dramatisches.
Die beiden krempelten unser Leben völlig um
Sie brauchten extrem klare, verbindliche Strukturen... Spontanität war für Monate unmöglich
Nach heute genau 2 Jahren kann ich sagen - es war anstrengend, aber goldrichtig
Beide Buben haben sich prächtig entwickelt (was im Voraus natürlich nicht absehbar war) und lieben Jessy heiß und innig.
Sie sind inzwischen "normale" Lausbuben mit einer leichten Sprachentwicklungsverzögerung, einigen emotionalen und psychischen Verzögerungen und einer leichten Bindungsstörung.
Bislang nichts dramatisches, aber keiner kann in die Zukunft sehen, sie sind schon echte Wundertüten und vieles kann sich rasch verändern
Anstrengend finde ich bei allen Kids den Umgang mit dem derzeitig zuständigen JuA und bei den Buben manchmal den Kontakt zur Mutter, die diesen immer mal wieder nicht mehr möchte/ braucht und eben emotional krank ist
Leicht und bereichernd finde ich den Kontakt zu Jessys Mutter.
Daß wir also 3 Mamas in der Familie haben, hat auch den Jungs bei ihrer Identitätsfindung in unserer Familie vieles erleichtert
Meine Eltern sind innig liebende, über glückliche "Großeltern".
Wir haben es richtig gut getroffen
Nur Mut, aber glaub nicht, daß das JuA bei Problemen immer tatkräftig für Lösungen sorgt, das müßt Ihr sicher häufig auch allein hinbekommen Aber es lohnt sich, denn auch das stärkt das eigene Ego
Und ein gesundes Ego der Pflegeeltern hilft auch den Kids
Grüßle
Ursula _________________ Ursula(71 - Kinderkrankenschw.), Gerhard(73), 3 Pflegekinder Tim(2001) und Kevin(2003) leibliche Brüder und mit hohem Bedarf an Aufmerksamkeit, Jessy(11/2002)- ICP, Tetraspastik, muskuläre Dystonie, kaum Kopf-/Rumpf-Kontrolle, sehbeh., PEG-versorgt, bds. luxierte Hüften, starke Skoliose -> Liegekind und unser Goldschatz!!!
auch wir haben zwei Pflegekinder, beides Geschwister. Der erste kam nach 6,5 Jahren Wartezeit, seine Schwester kam ganz überraschend ein Jahr später.
Am wichtigsten fand ich am Anfang, unsere eigene Verwandschaft und Freunde erst einmal fern zu halten, um als Familie richtig zusammen zu finden. Klar, jeder will den Neuankömmling ansehen, aber das tut den Kindern nicht gut. Sie müssen erst einmal zu Ruhe kommen und sich zurecht finden.
Die meisten haben es auch verstanden und sich die ersten Wochen von uns fern gehalten, nur telefonisch mal nachgefragt, wie's denn so geht.
Ansonsten war's die beste Entscheidung, die wir jemals getroffen haben, als wir nach jahrelangem erfolglosem Warten auf Adoption zu Pflegekindern gewechselt haben.
Alles Gute für Euch,
Heidi. _________________ Heidi mit
Adoptivsohn D. (11/03), FAS, Bindungsstörung, Wahrnehmungsstörungen, und
Pflegetochter J. (03/05) FAS, entwicklungsverzögert, Absencen, visuelle Wahrnehmungsstörung
Will Dir nicht widersprechen, kann aber von uns berichten, da lief es anders...
Da wir ja mitten im Hausbau und Umzug steckten, ging es gar nicht ohne Familie und auch Freunde. Da "Oma" körperlich nicht in der Lage war, auf der Baustelle zu helfen, übernahm sie fast vollständig (immer mit einer 2. Kraft) die Kinderbetreuung. Außer bei den Mahlzeiten und beim ins Bett bringen, das war alleine unsere Kernfamilien-Zeit.
Den Jungs hat das seeeehr gut getan.
Sie konnten zum ersten Mal eine innige Beziehung zu einer "Oma" aufbauen (zu den anderen besteht kein Kontakt, bzw. sie ist tot). Und da das was ganz neues war und sie so auch niemandem gegenüber inloyal (sagt man das so) waren, fiel ihnen das besonders leicht
Klar, zusammen gewachsen sind wir erst, als der meiste Streß vorbei und der Alltag ohne die anderen eingekehrt war
Grüßle
Ursula _________________ Ursula(71 - Kinderkrankenschw.), Gerhard(73), 3 Pflegekinder Tim(2001) und Kevin(2003) leibliche Brüder und mit hohem Bedarf an Aufmerksamkeit, Jessy(11/2002)- ICP, Tetraspastik, muskuläre Dystonie, kaum Kopf-/Rumpf-Kontrolle, sehbeh., PEG-versorgt, bds. luxierte Hüften, starke Skoliose -> Liegekind und unser Goldschatz!!!
wir haben eine Adoptiv- und eine Pflegetochter.
Unsere Pflegetochter kam im Alter von 14 Monaten zu uns und bringt so "ihr Päckchen" mit sich (Traumatisierung, geistige Behinderung und regelmässiger Umgang mit ihrer psychisch schwerstkranken Mutter, viele Geschwister etc.)
Tips für den Umgang mit Pflegekinder und deren Herkunftsfamilien habe gibt es sicher etliche - der Tip, den ich jedem ans Herz lege ist: "Geduld, Geduld und nochmals Geduld".
Bei unserer Pflegetochter war es anfangs so, dass wir ihre dritte Familie innerhalb eines Jahres waren - sie kam traumatisiert und völlig verstört zu uns und hat uns für lange Zeit als Familie abgelehnt.
Wir haben einfach immer nur "den Tag gelebt", nichts er-, sonder abgewartet.....
das hat schon geholfen.
Nicht gleich "Gegenliebe" erwarten...usw.
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