Verfasst am: 06.08.2007, 22:01 Titel: Heute im Schwimmbad!!
Hallo ihr Lieben!
Heute war ich mit meinen beiden Töchtern im Schwimmbad. Eigentlich war es recht schön, Nina war auch kaum unruhig! Doch mir ging es nicht so gut, denn ich fühlte mich so beobachtet. Ich hörte förmlich alle denken: bin ich froh, daß mein Kind gesund ist!
Wie geht ihr mit solchen Situationen um? _________________ Claudia und Toni mit Tochter Laura, geb. 2000 und Nina, geb. 2005 seit dem Sauerstoffmangel während der Geburt schwere Tetraparese, Schluckstörung, Strabismus, Refluxproblematik...
ich habe vor 2 Wochen genau das Gegenteil erlebt.. waren mit dem Kleinen, Sina und Sinas Betreuer zum Schwimmen und Sina hat sich an dem Betreuer festgehalten und so sind die Beiden durchs Schwimmbad "geschwommen". Ich habe mich so gefreut und wohl richtig dabei über beide "Backen" gelacht, dass mich dann ein Mann angesprochen hat und meinte: darüber sollten wir ja wohl nicht lachen.... ist doch traurig genug...
Ich habe gesagt, es ist schrecklich nett von Ihnen, aber es ist meine Tochter und ich finde es überhaupt nicht traurig, dass sie sich so amüsiert und ich freue mich einfach mit ihr.
Trotzdem habe ich mich bei ihm bedankt, dass er den Mut hatte, jemanden anzusprechen, von dem er glaubte, er würde einen behinderten Menschen auslachen!
Ansonsten machen wir eigentlich nur gute Erfahrungen in der Schwimmhalle. Dadurch, dass Sina sich fast alleine im Nichtschwimmerbecken aufhalten kann, fällt sie fast gar nicht auf. Naja, vielleicht durch das schallende Lachen, aber wenn es voll genug ist, hört man auch das nicht.
LG
Susann _________________ Susann 46;T. 24; Sina 22: tuberöse Sklerose, autoaggressiv, autistische Züge, schwermehrfachbehindert; L. 12: Frühchen 31 W 1T, Herzklappenfehler(erledigt)
hallo Susann,
das war bestimmt bei euch ein schönes Erlebnis! Ich habe immer mal wíeder von dir Beiträge gelesen und bin schon sehr beeindruckt von deiner positiven Einstellung! Daran muß ich noch arbeiten. Was hat deine Tochter für einen Betreuer im Schwimmbad dabeigehabt?
Danke und nette Grüße _________________ Claudia und Toni mit Tochter Laura, geb. 2000 und Nina, geb. 2005 seit dem Sauerstoffmangel während der Geburt schwere Tetraparese, Schluckstörung, Strabismus, Refluxproblematik...
ich gehe so oft wie möglich mit meiner Sina schwimmen und wir werden auch immer wieder angeschaut, da Sina ja von mir ins Wasser getragen werden muss und auch im Wasser von mir gehalten wird. Auch werden wir von Kindern angesprochen, warum sie nicht laufen kann usw. Macht mir nach fast 12 Jahren nichts mehr aus. Ich weiß, dass Sina viel Spaß am Wasser hat und gerne schwimmen geht. Neulich hat mich auch ein Mann angesprochen und mir eine Schule empfohlen! Dass Sina schon seit 4 Jahren "Schulkind" ist, das sieht man ihr halt nicht an. Schlechte Erfahrungen haben wir noch keine gemacht. Aber mir ging es am Anfang ähnlich wie dir...habe mich anfangs gerne versteckt... hört sich jetzt zwar blöd an, aber man gewöhnt sich an alles.
Liebe Grüße
Christine _________________ Christine mit Laura 04/90 und Sina "Sonnenscheinchen" 10/95, Frühgeburt 28. Woche, schwerstmehrfachbehindert, ICP, Mikrocephalie, Epilepsie, hochgradig sehbehindert
Sina hat pädagogische Betreuung (Eingliederungshilfe) und ab und zu machen wir dann auch etwas zusammen. Dieser Betreuer ist noch recht jung (25?) und Sina mochte ihn von Anfang an sehr gerne. Er ist der Einzige, mit dem sie kuschelt und den sie auch "streichelt".
LG
Susann _________________ Susann 46;T. 24; Sina 22: tuberöse Sklerose, autoaggressiv, autistische Züge, schwermehrfachbehindert; L. 12: Frühchen 31 W 1T, Herzklappenfehler(erledigt)
Das Gefühl kann ich zum Glück auch nicht mehr so ganz nachvollziehen. Marvin ist auch eine ziemliche Wasserratte und hat eine Menge Spaß wenn wir schwimmen gehen. Ehrlich gesagt bin ich viel zu sehr damit beschäftigt, zum einen, auf ihn Acht zu geben und zum anderen mich über sein Gekicher und Geplansche zu freuen, als daß ich in dem Moment überhaupt die Blicke mitbekommen würde. In unserem Lieblingsschwimmbad hier bekommen wir auch immer einen Schrank in der separaten Behindertenumkleide mit Dusche und WC, so daß einem die Blicke dann auch weiter erspart bleiben, denn mit zunehmendem Alter fand ich es schon nicht mehr so prickelnd ihn mit mir in die Damendusche zu nehmen. Leider gibt es das nicht überall so schön geregelt.
@ susann...die Reaktion von dem Mann war ja mal was ganz anderes....schön, daß es das auch so gibt
LG Ela _________________ Ela (Bj.74) mit Marvin (09/97, CP, geistige Behinderung, fehlende Sprache, Epilepsie, Neurodermitis) und Felix (10/01 ADS?, Neurodermitis) und Gordian Andrin 10/09 und Aurelian 8/11
liebe claudia,
am besten ist es, wenn du mit offenheit reagierst, häufig sind viele menschen nur verunsichert und wissen nicht, ob sie euch anschauen dürfen oder auch mal etwas fragen dürfen oder nicht.
ich selbst war am letzten wochenende im schwimmbad mit kind und kegel,
und wir sind auch auf eine familie getroffen, die mit ihrem behinderten kind dort waren. nun bin ich kinderphysiotherapeutin und gehe ziemlich offen mit dem thema um. mein freund, der auch in einem medizinischen beruf arbeitet, wusste aber erst garnicht, wie er reagieren sollte. denn ich habe im wasser spielend, dieses behinderte kind angelacht, mein freund war richtig verunsichert. als ich ihm erklärt habe, dass die eltern dieses kindes schon spüren würden, dass ich nicht aus mitleid lache, sondern interesse daran habe mit ihrem kind (normal, wie man das mit jedem anderen menschen im bad auch macht, wenn der ball wegfliegt oder so) zu kommunizieren, konnte er verstehen und hat zum ersten mal darüber nachgedacht, dass sein kind gesund ist und eltern nicht gesunder kinder sich eventuell unwohl, ausgegrenzt oder begafft fühlen könnten, je nachdem wie man sich verhält. in meiner täglichen arbeit erlebe ich viele kinder, eltern und viele arten mit einer behinderung umzugehen, offenheit und selbstvertrauen scheinen mir immer wieder die beste methode zu sein, der unsicherheit anderer menschen ohne behinderung zu begegnen.
einen schönen sommer noch, andrea
Auch ich möchte Dir noch meine Sicht solcher Situationen schildern, vielleicht kannst Du was mit anfangen.
Wir merken als Pflegeeltern, die sich ein behindertes Kind ausgesucht haben, daß wir etwas "privilegiert" sind, denn uns war das "angeschaut" werden, der andere Tagesablauf, die andere Lebensplanung... ja vorher bewußt. So trifft es einen eigentlich nicht. Schwierig ist es dann eher, daß man gar nie "stöhnen" darf, denn man hat es sich ja ausgesucht - allerdings ahnte auch ich nicht, was für Schwierigkeiten uns erwarten würden (Kämpfe mit Ämter, Kassen und Einrichtungen )
Auch wir waren vergangenes Wochenende im Schwimmbad und wurden natürlich mit unserem großen "Tragekind" ohne Kopfkontrolle, mit vielen, komischen und lauten Lauten, deutlich sichtbarer Spastik...
Natürlich wird man angeschaut und es wird auch deutlich hörbar getuschelt. Ich bin dann immer ganz frech und beantworte die Fragen, die sich die Leute gegenseitig stellen Schwupps ist man im Gespräch und das Mitleid ist ja verständlich, geht uns bei anderen Familien mit "solchen" Geschichten ja genau so
Mir geht das mit dem "Gaffen", aber auch umgekehrt manchmal so .
Vor 5 Wochen traf ich eine radwandernde Familie mit offensichtlich behindertem Kind, ich war soooo neugierig auf den Hänger und wollte auch wissen, was das Kind für eine Beeinträchtigung hat...
Hab auch erst gezögert und nur verstohlen gekuckt , dann habe ich meinen Mut zusammen genommen und die Familie direkt angesprochen. Natürlich hatte ich einen Vorteil, daß ich gleich sagen konnte, daß unsere Jessy auch behindert ist. Aber eigentlich fand ich hinterher, warum muß ich mich eigentlich für mein Interesse entschuldigen - ist es denn wirklich verwerflich
Wenn es nett gemeint ist, kann es doch auch positiv aufgenommen werden.
Also unterstelle ich in solchen Situationen einfach erst einmal echtes, ehrliches Interesse und bin sehr offen, manchmal kommt´s dann nur zu ein paar platten Floskeln, die mich aber nicht verletzen, und manchmal, wie mit der radwandernden Familie zu einem echten, intensiven Austausch mit gegenseitigem Respekt und Bewunderung (geht auch mit Leuten ohne "Vorerfahrung")
Trau Dich, Du wirst sehen, die meisten Menschen sind vielleicht etwas naiv, aber durchaus nett
Trau Dich und nimm die Gespräche in die Hand - dann kannst Du sie etwas lenken, je nach Sympathie und Tagesform
Ich wünsche Dir ganz viele positive, Kraft spendende Begegnungen
Grüßle
Ursula _________________ Ursula(71 - Kinderkrankenschw.), Gerhard(73), 3 Pflegekinder Tim(2001) und Kevin(2003) leibliche Brüder und mit hohem Bedarf an Aufmerksamkeit, Jessy(11/2002)- ICP, Tetraspastik, muskuläre Dystonie, kaum Kopf-/Rumpf-Kontrolle, sehbeh., PEG-versorgt, bds. luxierte Hüften, starke Skoliose -> Liegekind und unser Goldschatz!!!
ich gehe regelmäßig mit meinem Sohn ins Schwimmbad. Man sieht ihm die Spastik ganz deutlich an, außerhalb des Beckenrands kann er nicht gut laufen und fällt permanent hin. Natürlich rege ich mich regelmäßig über die verschämten Blicke in der Damenumkleide/in der Damendusche auf. Ausländerinnen gehen auch oft gleich weiter in eine andere Sammelumkleide. Flo wird offen ausgelacht von anderen Kindern. Sie äffen ihn zum Teil nach. Meinen Sohn macht das aggressiv. Er ist überfordert, weil er nichts mit der Reaktion anfangen kann. Er will doch mit den anderen Kindern spielen und versteht deren Reaktion nicht. Toll finde ich Kinder und Eltern, die mich auf Florians Behinderung ansprechen. Ganz nervig finde ich Rudel pubertierender Teenager, die wirklich prollig sich über Spastis und wann man Kinder kriegen sollte unterhalten. Und rein verbal und vom Tonfall her einem die ganze Mißachtung dieser Welt vor die Füße kotzen. Ich liebe Eltern, die aufgeschlossen sind für das Anderssein mancher Kinder und die dann gemeinsam mit den eigenen Kindern und ausländischen oder behinderten Kinder das Spiel fortsetzen, in unserem Fall gibts einen Vater, der mit den Jungs auf den hölzernen Piratenschiff dann Piratenrollenspiele macht. Da ist es egal, dass Flo Riesenprobleme beim Gehen und Sprechen hat oder ein anderer ganz dunkle Hautfarbe hat.
Viele Grüße
Dagmar _________________ Dagmar m. Florian (09/03)
ich habe vor 2 Wochen genau das Gegenteil erlebt.. waren mit dem Kleinen, Sina und Sinas Betreuer zum Schwimmen und Sina hat sich an dem Betreuer festgehalten und so sind die Beiden durchs Schwimmbad "geschwommen". Ich habe mich so gefreut und wohl richtig dabei über beide "Backen" gelacht, dass mich dann ein Mann angesprochen hat und meinte: darüber sollten wir ja wohl nicht lachen.... ist doch traurig genug...
Ich habe gesagt, es ist schrecklich nett von Ihnen, aber es ist meine Tochter und ich finde es überhaupt nicht traurig, dass sie sich so amüsiert und ich freue mich einfach mit ihr.
Trotzdem habe ich mich bei ihm bedankt, dass er den Mut hatte, jemanden anzusprechen, von dem er glaubte, er würde einen behinderten Menschen auslachen!
Ansonsten machen wir eigentlich nur gute Erfahrungen in der Schwimmhalle. Dadurch, dass Sina sich fast alleine im Nichtschwimmerbecken aufhalten kann, fällt sie fast gar nicht auf. Naja, vielleicht durch das schallende Lachen, aber wenn es voll genug ist, hört man auch das nicht.
LG
Susann
Das ist wirklich seltsam. Ich hatte letztens eine ähnliche Erfahrung.
Da waren auch einige Betreuer mit ihren erwachsenen schwerstbehinderten Schützlingen.
Einer davon hatte seine Füße im Wasser baumeln und Spaß ohne Ende!!
Ich fand das toll und hab meiner Freundin gesagt, dass ich mich freue, wie er sich freut.
Und sie fand das gar nicht zum Freuen.
Und ich frag mich wieso.
Davon, dass wir betroffen wegschauen, wird er nicht gesund.
Dadurch, dass wir ihn integrieren, mit ihm lachen, ihn so akzeptieren, wird er aus der verschämten Ecke (guck mal, der ist behindert, nicht hingucken) herausgeholt.
So sehe ich das. _________________ LG Gaby. (*8/64) ADS
mit Daniel (*1/99) Asperger Syndrom
und Alexander (*2/02) ADHS
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