Verfasst am: 11.07.2007, 13:38 Titel: Was kommt nach der Schule für unsere Kinder??
Hallo,
etwas früh vielleicht - Malte ist ja erst fünf Jahre alt - aber meine Anfrage hat folgenden Grund:
Ich war heute mit zwei befreundeten Müttern ebenfalls schwerbehinderter Kinder bei unsrem Bürgermeister. Die Kinder der anderen Mütter sind schon 13 bzw. 15 Jahre alt - d.h. es ist absehbar, dass Schulzeit irgendwann zu Ende sein wird.
Beide waren sich schon Werkstätten in der Umgegend anschauen und haben festgestellt, dass diese Einrichtungen nicht ganz das richtige für schwerstmehrfach behinderte Kinder sind. Außerdem liegen alle weit außerhalb.
Unsere Idee: Mitten in der Gemeinde - (Stadt hört sich zu groß an) - ein Betreuungsangebot für schwerstmehrfachbehinderte Kinder schaffen, bei dem sie ins "Leben" hier integriert werden, evtl. nur bis 14 Uhr, mit Mittagessen, Therapiemöglichkeiten, Ausflüge, teilnahmen am öffentlichen Leben...
Meine Frage: Hat jemand von euch damit Erfahrung?? Wie muss man so was aufziehen, initiieren?? An wen muss man sich da wenden? und und und
Ulrike _________________ "Am leichtesten ist eine Feder,
am schwersten ist eine Last auf der Seele!"
Ulrike, Merle (*3/2002), ein Wirbelwind, Zwillingsbruder Malte
nach Enzephalitis 2005 geistig und körperlich schwer behindert, nicht einstellbare Epilepsie, Button, wahrscheinlich Impfschaden nach FSME-Impfung - unser Kämpfer!!! und Svea (*9/2008) die Minimaus
Hallo Ulrike,
für schwerstmehrfachbehinderte Kids gibt es sogenannte Förderstätten - Du kannst Dich bei allen Sozialhilfeträgern in Eurer Nähe erkundigen.
Wenn Ihr selbst so etwas auf die Beine stellen wollt - richtet Euch auf viel Zeit, Kraft und Ausdauer ein. Konzeption, Finanzierung, Grundstück, Architekt, Behörden.......auch für diese Fragen sind die Sozialhilfeträger, das Landessozialamt, die Gemeinde Eure Ansprechpartner. Zuallererst brauchst Du aber verläßliche Mitstreiter - allein ist dieses Ding wohl nicht zu stemmen.....
Am besten startest Du einen schriftlichen Aufruf an betroffene Eltern und wartest die Resonanz ab.
Euch ist klar das ihr nicht von Kindern sondern von schwer Mehrfachbehinderten Erwachsenen redet. Denn bis sie aus der Schule kommen sind sie über 18 Jahre alt und damit "Erwachsen". Und so sollte man sie dann auch behandeln.
Heißt nicht mehr wie Kinder sondern sie auf ein "selbstbestimmtes" Leben auserhalb der Familie vorbereiten oder ihnen das ermöglichen. _________________ LG
Anja+ Felix
8 Jahre frühkindlicher Autismus mit v.a Intelligenzminderung ,bronchial Astma, Infekt Krämpfe,hypoton aber ein Sonnenschein
und Julia 2,5 Jahre hypoton, globale Entwicklungsverzögerung
Hallo
das ist es ja eben - es sind Erwachsene geworden, die eigentlich in eine Werktsatt gehen
ABer Malte wird nie arbeiten können - wie auch immer.
Aber er soll auch nach der Schule unter Menschen, gefördert werden, .... am Leben teilnehmen, ohne dass er gleich von zu Hause aussziehen soll. Damit wollen wir uns ja auch dann noch zeit lassen. DAs wird dann noch später kommen.
Wir hatten auch verschiedene Ideen bereits bestehende Gebäude mitzunutzen (leerstehende Räume von Schulen, geschlossene KiGÄ,...)
Ulrike _________________ "Am leichtesten ist eine Feder,
am schwersten ist eine Last auf der Seele!"
Ulrike, Merle (*3/2002), ein Wirbelwind, Zwillingsbruder Malte
nach Enzephalitis 2005 geistig und körperlich schwer behindert, nicht einstellbare Epilepsie, Button, wahrscheinlich Impfschaden nach FSME-Impfung - unser Kämpfer!!! und Svea (*9/2008) die Minimaus
es muß bei Euch doch auch Tagesförderstätten (Tafö) geben!
Ich hatte mir für Sina 5 Stätten angeguckt und dort ist es nicht so, dass die erwachsenen Behinderten den ganzen Tag vegetieren.
In der einen Tafö werden die "Behinderten" als Mitarbeiter difiniert, weil jeder, wirklich jeder noch so schwerstbehinderte Mensch, dort einen "Job" hat.
Eine Frau kann sich nicht bewegen und gar nichts, aber sie haben ihr einen Spiegel so hingehängt, dass sie immer in den Topf gucken kann.
Einiges war für mich auch "etwas bei den Haaren herbeigezogen", aber insgesamt war ich super zufrieden und freue mich, wenn Sina in diese Tafö nächstes Jahr gehen darf.
Das Ihr Euch da so für einsetzt ist ja toll, aber diese Art Einrichtung gibt es ja schon.
LG
Susann _________________ Susann 46;T. 24; Sina 22: tuberöse Sklerose, autoaggressiv, autistische Züge, schwermehrfachbehindert; L. 12: Frühchen 31 W 1T, Herzklappenfehler(erledigt)
hier in NRW gibt es keine gesonderten Einrichtung für Menschen mit schwerwiegenden Behinderungen, sondern extra Bereiche innerhalb der Werkstätten. Diese Bereiche hießen Förderbereiche, werden aber zunehmend in Arbeitsbereiche für Menschen mit schwersten Mehrfachbehinderungen umgetauft.
Manche Werkstätten haben noch erheblichen Entwicklungsbedarf in diesem Bereich; andere haben ihren Schwerpunkt auf die Arbeit der Menschen mit schweren und mehrfachen Behinderungen ausgelegt. Ich hatte einmal die Gelegenheit eine Werkstatt in Leverkusen zu besuchen, die Austattung und das vorgestellte Konzept des Arbeitsbereiches für M. m. schwersten Mehrfachbehinderungen war beeindruckend.
Leider haben die Werkstätten unglaublich viele Bewerber und wenig freie Plätze, dass es immer häufiger vorkommt, dass manche lange auf einen Werkstatt-Platz warten müssen oder auch nie einen bekommen.
Darum bieten Wohneinrichtungen oftmals eine eigene Tagesgruppe an, an der manchmal auch Externe beiwohnen können, wie z.B. das TZ in Bonn.
Die Idee, Ulrike, eine eigene tagesstrukturierende Maßnahme, außerhalb Werkstatt, für Erwachsene mit schweren bis schwersten Behinderungen. zu organisieren, finde ich auch für den Großraum Bonn sehr sinnig, weil ich einfach zu viele junge Erwachsene kenne, die sehr darunter gelitten haben oder noch darunter leiden, dass sie nach der Schule keine angemessene Einrichtung besuchen konnten - teilweise jahrelang.
Ich wünsche euch viel Erfolg,
hallo susann. mich würde mal interessieren welche tafö(s) du dir für deine tochter angeschaut hast?? ich bin heilerzieherin, komme auch aus hh und mittlerweile u durch die ausbildung hat man ja schon so einige einrichtungen kennengelernt.
gruß, marie _________________ Seit 2007 fertig mit der Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin. Mitarbeiterin in einem Integrationskindergarten
die, die mir am Besten gefallen hat, war die Tafö im Südring - Leben mit Behinderung.
Alsterpapier im Wiesendamm ist gleich bei uns um die Ecke und hat einen recht guten Ruf.
"Machbar" wirkt für mich ganz nett, widerrum habe ich von dort nicht so tolle Geschichten gehört - aber eigentlich gebe ich auf soetwas nicht viel, weil ich meist eh ganz andere Erwartungen als andere Mütter habe...
Die Tafö direkt in Alsterdorf ist für uns so etwas wie ein Tabu, weil Sina genau in dem Haus damals in der WG war und da würden auch 10 Pferde nicht schaffen, dass sie den Eingang dort betritt. Soll aber recht nett sein.
Dann waren noch Tafös dabei, die nicht zu unserem Einzugsgebiet gehören - in Bergedorf, war aber auch sehr nett! Nur würde ich deshalb ja nicht umziehen....
LG
Susann _________________ Susann 46;T. 24; Sina 22: tuberöse Sklerose, autoaggressiv, autistische Züge, schwermehrfachbehindert; L. 12: Frühchen 31 W 1T, Herzklappenfehler(erledigt)
Hallo Ulrike,
Annika besucht die Tagesförderstätte der Lebenshilfe. Die Tafös ist direkt neben der Werkstatt für behinderte Menschen. Hier ist der Link dorthin: http://www.lebenshilfe-aschaffenbur......de/inhalt/stockstadt.htm
Fragt einfach mal bei der örtlichen Lebenshilfe oder bei den Betreibern der WfbM nach, ob sie auch eine Förderung anbieten für Menschen, die keine Arbeitsleistung erbringen können.
Ich finde es gut, dass Ihr Euch jetzt schon informiert, denn es stand schon öfters zur Diskussion, die Förderstätten abzuschaffen; oder die Betreuten müssten innerhalb von 3 Jahren 'werkstattfähig' sein, sonst hätten sie kein Recht mehr auf die Förderstätte. Es gibt da nix, was den Kostenträgern zu peinlich ist
Ich kann allen Eltern nur raten, diesbezüglich sehr aufmerksam zu sein... _________________
Viele Grüße von Inge
* * * * *
"Ohne uns hätten sie es leichter gehabt." Bert Brecht
hallo susann. das ist ja lustig - in der machbar hab ich während der ausbildung ein halbes jahr praktikum gemacht. kann dir bei interesse gerne mehr schreiben....
die tafös von lmbhh haben glaub ich allgemein einen ganz guten ruf u legen auch viel wert auf individualität für den jew. klienten/mitarbeiter. meinst du in alsterdorf das "wilfried-borck-haus" oder ein anderes gebäude?? tja, hh ist eben ein dorf. _________________ Seit 2007 fertig mit der Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin. Mitarbeiterin in einem Integrationskindergarten
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