Verfasst am: 01.07.2007, 14:48 Titel: Hat irgendjemand psychologische Betreuung?
Ich weiß nicht, ob Euch diese Frage blöd vorkommt, aber ich stelle sie trotzdem einfach mal.
Grundsätzlich haben wir einen behaupte ich mal "gesunden" Umgang mit der Behinderung unserer Tochter, lieben sie (natürlich!) ohne Ende, haben ein Stück weit auch einen normalen Familienalltag. Es gibt aber immer wieder Momente, wo ich das ständige Kämpfen, Organisieren und Wirbeln leid bin. In diesen Momenten überlege ich, ob es nicht sinnvoll wäre, sich nach ein bisschen psychologischer Hilfestellung umzuschauen. Jemand, der mir gelegentlich einen anderen Blickwinkel aufzeigt, mir Hilfestellung bei der seelischen Bewältigung des ganzen geben kann.
Macht das jemand von Euch? Hat es Euch was gebracht? Wenn Ihr es nicht macht: warum nicht?
Hallo Silke, ich habe bereits driemal so eine Gesprächstherpie angefangen aber immer wieder abgebrochen, zum einen war mir einmal der Therapeut nicht sympatisch, einmal wars die falsche Therapieform und beim dritten mal habe ich gemerkt das es mir damit schlechter geht als vorher. Ich kene aber einige die sowas ziemlich Erfolgreich machen und schon viel nutzen daraus gezogen haben. Vielleicht kommt es auch auf die Einstellung an und was man sich davon verspricht. Was ich gerne gemacht hätte wäre eine Verhaltenstherapie gewesen, wo momentane Situationen besprochen und analysiert werden und man nicht erst mit der eigenen Kindheitsaufarbeitung anfängt, denn meist geht es ja auch um die jetztige Situation und nicht um das was vor zig Jahren mal war. sowas kann man dann vielleicht aufarbeiten wenn die momentane Situation besser verständlich wurde. Tja, das war nun bestimmt keine hilfreiche Antwort, aber es kommen sicher noch andere dazu. Probier doch sowas einfach mal aus? Ich habe noch in erinnerung das es eigentlich keine Hilfestellungen oder so gab sondern eher Ansätze erarbeitet wurden wie man selber was verändern kann.Das ist einem aber meist schon vorher klar, oder war es mir zumindest, daher war es für mich bis jetzt ein sehr enttäuschendes und Zeitverschwendentes Erlebnis/Erfahrung. Und Kämpfen,organsieren und das Terminmanagment wurde auch nicht besser. Jill
Hallo,
psychologische Betreuung /Begleitung und Therapien sind doch auch zwei verschiedene Sachen, oder??
Oder habe ich das falsch verstanden?
Liebe Grüße
Erica _________________ Mama von Lena (11 Jahre), Frühchen, benigne occipitale Partialepilepsie/ Panayiotopoulos-Syndrom, nächtl. Bradykardien, Z.n. Schädelbasisfraktur/ SHT/subduralem Hämatom/ Hämatotympanon im April 2006, Herzrhytmusstörungen, räuml.-konstruktive Wahrnehmungsstörung, etc.
ich habe da Null Erfahrung und Null Ahnung, daher vielleicht auch einfach meine naive Frage.
Therapie? Denke, die käme in Frage, wenn irgendwas "kaputt" ist oder ich mit der Behinderung generell so gar nicht klarkäme. Dem ist ja nicht so. Wie oben schon geschrieben: es ginge mir mehr um einen Schubs in die richtige Richtung, wenn's mal wieder anstrengender ist.
Hallo Silke,
schön, das Du das Thema ansprichst! Auch wir haben mit so einer Therapie am Freitag angefangen. Für mich stand im Vordergrund, das ich es lerne in der Öffentlichkeit mit den Blicken der anderen (wenn Pascal seinen Schrei und Wutanfall bekommt) klar zu kommen. Immer nur verstecken will ich uns ja nicht. Das Erstgespräch war recht angenehm. Läuft alles über das SPZ hier. An dem Verhalten von Pascal kann man nichts ändern, aber an mir und auch meiner Tochter, die bestimmt das eine oder andere auch verarbeiten muß. Auch wir fühlen uns völlig "normal" und lieben unsere Kinder über alles, aber es muß doch auch Wege geben, damit wir uns etwas besser verstanden fühlen. Oder einfach mal ausquaddeln wollen. Ich denke den Weg, den wir gerade gehen, der ist richtig. Ich kann Dir daher nur gut zu reden. Glaub mir ich hatte auch völlige Vorurteile zu so einer psychologische Betreuung, aber im Endeffekt wollen diese Menschen doch auch nur helfen ! Wenn Du magst, kann ich Dir ja bald weiter schreiben, wie es beim zweiten Treffen ect war. Denn am Freitag habe eigentlich nur ich erzählt und die Frau geschrieben !
wenn du nur ein paar einzelne psychologische Beratungen willst, kriegst du die wahrscheinlich bei Familienberatungsstellen wie Caritas oä.
wenn du zu einem Therapeuten willst, heißt das offiziell Psychotherapie, egal wie du es für dich nennen würdest.
aber du könntest auf jeden Fall "auch jetzt schon" zu einem Therapeuten gehen, auch wenn nichts wirklich "kaputt" ist!!
habe schon verschiedene Dinge in die Richtung gemacht und meistens habe ich profitiert davon!!
lg,
Kerstin _________________ Kerstin (*1971) mit Benjamin (*12/03), Cerebralparese, Entwicklungsverzögerung, Mikrozephalie, Wahrnehmungsstörung, Dystrophie bei Eßstörung, Schlafstörung, posttraumatische Belastungsstörung, aber ein zufriedener, fröhlicher Kerl, PEG seit 4/07,
Ich spreche mit den Leuten um mich herum (Göga, Eltern, Geschwister)
und seit neuestem auch hier im Belanglos- Therade.
Das hilft mir echt gut.
silkeh. _________________ silke (71), gregor (65), louisa (98) sehbehindert
part. trisomie 22, cat-eye-syndrom, Integration
(gemeins. Unterricht),marius(01) 4. Klasse
Die Arbeit läuft dir nicht davon, während du
deinem Kind den Regenbogen zeigst, aber der
Regenbogen wartet nicht bis du mit deiner
Arbeit fertig bist. (unbekannter Verfasser)
ich selbst halte sehr viel von Selbsthilfegruppen.
Denn da sind Betroffene, die das Gleiche fühlen, erleben, aber vielleicht auch schon einen Schritt weiter sind, und Dir mit Rat zur Seite stehen können.
Mittlerweile habe ich schon von Gruppen gehört, in denen sich die Leute gegenseitig runterziehen, die meine ich natürlich nicht.
Ich selbst hatte am Anfang in der Klinik noch (Benedict lag 14 Monate auf der ITS) einige Gespräche mit der Psychologin.
Das war zwar lieb und nett, aber da sie sich nicht annähernd vorstellen konnte, wie es mir wirklich ging, war es einfach mehr ein Ausheulen/kotzen meinerseits mit gutem Zureden ihrerseits.
Es sind halt studierte Leute, die aber selten ähnliches erlebt haben.
Ich will jetzt auf keinen Fall die "Psychos" schlecht machen, ich denke, in manchen Fällen helfen diese Therapien mehr, nur ich bin mehr für die Selbsthilfe
Anne _________________ DUM SPIRO SPERO
(solange ich atme, habe ich Hoffnung) CICERO
Benedict 06/99, Osteopathia striata, Z. n. Analatresie,neurogene Blasenentleerungsstörung, tracheotomiert, re. blind., Syndakt. beider Hände, Fibulaapplasie beidseits,Makrocephalie, Gaumenspalt u. e. mehr
Tochter A. 01/96, in der Grundschulzeit Absencen
ich kann mich Anne nur anschliessen, ich halte sehr viel von Selbshtilfegruppen. Nach Gabriels Geburt und Tod machte ich 3 Monate eine Therapie, jedoch ebi einer mir schon seit 1991 bekannten Therapeutin, mit der ich in der CH zusammengearbeitet hatte und von der ich WUSSTE, dass sie die absolut richtige Person und die von ihr angewandte Therapieform die richtige für mich waren.
Ich denke, es kann auch viel helfen eine therapeutische Begleitung zu bekommen und da ist sicher sehr wichtig, das man sich erlaubt, diverse Formen auszuprobieren und sich den Therapeuten oder die Therapeutin auszusuchen. Es gibt auch immer wieder solche, die auf Begleitung von Eltern mit behinderten/kranken Kindern spezialisiert sind, da lohnt es sich, danach zu suchen.
Auf jeden Fall ist Unterstützung wichtig, in welcher Form auch immern, dass man einen Ort hat, an dem man sich auch mal richtig "auskotzen" kann und an dem man auch "Werkzeug" kriegt, auf beiden Füssen zu stehen und sich zu stärken, denn wir müssen uns doppelt behaupten, gell?
Sei lieb umarmt
Christine _________________ Die Liebe erträgt alles, glaubt alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf. 1. Korinther 13, 7-8
Christine mit Gabriel im Herzen, *†16.12.2004 Vorstellung Gabriels-Kerzen
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