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Wahrnehmungsstörung - wie äußert sich das?
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Roswitha
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Anmeldedatum: 08.02.2005
Beiträge: 649

BeitragVerfasst am: 27.06.2007, 23:40    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Rine,

das Buch "Bausteine der kindlichen Entwicklung" von J. Ayres kann ich Dir nur empfehlen (ist leider nicht ganz billig, aber es lohnt sich jeder Cent).
Wenn Du Dir folgende Fragen (siehe unten) schon ähnlich gestellt hast und ähnliche Beobachtungen gemacht hast, dann Du kannst Dir einige frühe Beiträge von mir durchlesen (ich meine vor allem die ersten Beiträge). Da hatten wir die gleichen Fragezeichen...und in allen Beispielen, die Du beschreibst, finde ich meine Tochter von damals wieder...In vielen Bereichen hat sie inzwischen aufgeholt Very Happy das wird mir immer wieder klar, wenn ich ähnliche Beiträge lese...das macht mir inzwischen Mut und soll auch Dir Mut machen!

Wie reagiert Deine Kleine, wenn ein Ball auf sie zurollt? Geht sie auf den zu? Meine fand es immer lustig rollenden Bällen zuzusehen, aber wehe er rollte auf sie zu und Anfassen war lange ein Problem...Kuscheltiere waren uninteressant...Barfußlaufen auf Rasen war höchst unangenehm, dafür mochte sie Sachen die kühl (Pommestüte aus dem Tiefkühlfach), rauh (Kokosmatte), kistern (Packung Tempos), stark vibrierten (Massagekäfer) usw. ... habe einiges darüber geschrieben...Wie fasst sie Gegenstände vorwiegend an? Eher mit der Handfläche, wobei die Finger abgespreizt werden oder normal mit den Fingern? Berühren sich beim Klatschen die Fingerspitzen?

Als wir die Diagnose "Autismus" noch nicht hatten, habe ich mich viel mit sensorischer Integration beschäftigt und damit Mittel und Wege gefunden sie zu verstehen und zu fördern...es kann sein aber muss nicht sein, dass Autismus auch für Vivienne die Ursache ist...Übrigens lacht und kuschelt unsere immer schon gerne, aber immer nur so lange Sie (!) will und sie hört immer ganz abrupt dabei auf als wolle sie anmerken "bloß nicht zuviel" Confused
Bei Fragen stehe ich Dir gerne zur Verfügung.
Liebe Grüße Roswitha

_________________
Annika (12/2002) frühkindl. Autismus, ohne Sprache - Sebastian (04/2006) frühkindl. Autismus (beginnt zu sprechen!)
Bilder: http://www.REHAkids.de/phpBB2/album....._personal.php?user_id=932
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erihatti
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BeitragVerfasst am: 28.06.2007, 07:44    Titel: Antworten mit Zitat

Bei Annika aüßert sich das so:

Annika hat große Angst vor dicke oder große Menschen. Sie hat auch Angst vor anderen Kindern und mag ÜBERHAUPT nicht von anderen angefasst werden. Sie brühlt sofort los. Unser Opa ist auch recht groß und auch sehr dick (falls es abwertend klingt, tut mir leid, aber er ist seeeeehr übergewichtig) Wenn wir zu Besuch da sind, da geht sie nicht Mal die Treppe hoch. Sie duldet seiner Nähe wenn wir in der Wohnung sind, kann aber nicht bei Ihm auf dem Schoß sitzen.

Annika spürt nicht was "heiß" und "kalt" ist. Sie reagiert auch nicht so schnell. Das haben wir auch in der KG getestet. Der Heizkörper war SEHR HEIß, und sie hat ihre Hand dort auch gelassen.

Annika hat kaum schmerzempfinden am Kopf. Wenn sie sich anschlägt, wenn sie an einem Eck oder unterm Tisch läuft kommt oft keine Reaktion.

Ihr Hörvermögen liegt durchaus im Normalen Bereich, sie hat aber trotzem verlangsamte Reaktionen. Sie ist nicht gerne unter Menschen oder wo es zu laut ist. Sie wird sehr weinerlich!

Sie mag kein Sand oder klebriges an den Händen.

Die Sprache bei ihr ist ein super Beispiel. Sie hört es, ihre Lippen versuchen eine ähnliche Bewegung zu machen und daraus kommt was ganz anderes.

"Ja sie sucht immer Blickkontakt und sie zeigt auch dinge beim Ansehen von Bilderbüchern, sie kann diese Dinge auch benennen (in ihrer Sprache)"
Das klingt auch sehr wie die Annika. Der Blickkontakt ist SEEEEEEHR wichtig.

Erika

_________________
Erika mit Annika: mikrodeletionsyndrom 17q21.31 mit allem, was dazu gehört: hypotonie, partielle Polymikrogyrie, Urachusfistel (operiert), Epilepsie (gut eingestellt), Mitralklappenprolaps, Entwicklungs- und Sprachentwicklungsverzögerung, Dyspraxie, uvm! unser Blog: http://annibutterfly.blogspot.com/
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Rine
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BeitragVerfasst am: 28.06.2007, 09:16    Titel: Antworten mit Zitat

Ok, das alles ist für mich eigentlich weniger beängstigend als beruhigend. Denn ich bin froh, wenn man die Dinge endlich mal beim Namen nennen kann.
Also mit dem Ball hat sie sich inzwischen angefreundet Very Happy , war anfangs auch ein Problem. Barfuß auf dem Rasen laufen mochte sie auch überhaupt net und heute noch vermeidet sie es nach Möglichkeit und fragt dann immer nach Schuhen. Sie hat sich einmal ein heißes Getränk übergeschüttet und im nachhinein kam mir ihre Reaktion sehr verlangsamt vor. Mir fällt auch immer wieder beim Duschen auf, das ich das WAsser lauwarm habe und sie immer wieder klagt es sei heiß, ich habs teilweise schon fast kalt gehabt und sie fand es immer noch heiß Shocked

_________________
Wenn dich jemand auslacht, dann lächle zurück. Oft hat der der dich auslacht, ein Lächeln bitter nötig...


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BirgitW
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BeitragVerfasst am: 28.06.2007, 22:56    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Rine,

ich hatte bei Gabriel sehr grosse Bedenken, er koennte autistisch sein, denn er schaute mir ja nie in die Augen, scheute den Blickkontakt eindeutig.

Gabriel hat eine visuelle Wahrnehmungsstoerungen, er ist aber auch im taktilen betroffen, proprioceptive.
Wahrnehmungsstoerungen koennen sich in sooo vielen verschieden Bereichen zeigen, die direkt mit der Stoerung nichts zu tun zu haben scheint. Nur ein Beispiel: Gabriel wusste von jedem einzelnen Teil eines Puzzles auswendig, wo es hingehoerte. Trotzdem konnte er das Puzzle alleine nicht machen, er brauchte mich dazu, die ihn immer wieder aufforderte das naechste Teil zu nehmen, weiterzumachen, etc.

Wahrnehmungsstoerungen zeigen sich in Kindern, die scheinbar nichts mitmachen wollen, die dauernd stoeren, oder andererseits die immer in sich zurueckgezogen sind. Bei Gabriel zeigte es sich in immer wieder dasselbe spielen (Tueren auf und zu, Ventilatoren anstarren... kein Wunder, dass ich dachte er sei autistisch Rolling Eyes)
Man kann diese Kinder nicht in eine Schublade schieben.

Tatsache ist, dass der Sinnesreiz im Gehirn nicht richtig verarbeitet werden kann, oder dass dann der entsprechende Befehl an die Muskulatur nicht stimmt. Entweder suchen diese Kinder nach eine bestimmten Sinnesreiz (z.b. schaukeln ohne Ende, und ein voller Kampf, wenn Schluss ist), oder ganz im Gegenteil vermeiden Sinnesreize total (bei taktilen Problemen kann das z.b. dazu fuehren, dass das Kind komplett das essen verweigert oder unglaublich schwierig ist, z.b. NUR pueriert).
Stell dir einfach vor, dass du unglaubliche Probleme damit hast, aus dem was du siehst, schmeckst, hoerst, fuehlst, spuerst etc. Sinn zu machen. Dass dein Gehirn auf Hochtouren fuer so einfache Dinge arbeiten muss, was eigentlich automatisiert ablaufen sollte, und dass deswegen kein Platz mehr ist fuer anderes (deswegen bliebe Gabriel immer "stecken"). Dass du z.b. nicht weisst, ob jemand deinen kleinen Finger oder deinen mittleren Finger beruehrt hat, wenn du es nicht siehst, usw usw.

Die Buchempfehlung kann ich auch weitergeben. ich hab aber auch noch eine andere Empfehlung, ein gut lesbares, leicht verstaendliches und super geschriebenes Buch:
"The Out-of-Sync Child"
http://www.amazon.de/exec/obidos/AS.....9531653/rehakdasforum-21/

Liebe Gruesse,
Birgit

_________________
Mama von Gabriel (*2002, Sauerstoffmangel waehrend der Geburt; allgemeine Entwicklungsverzoegerung; komplexe Wahrnehmungsstoerung: Magensonde zw. 15 Monaten und 2,5 Jahren; derzeit non-verbal, aber verwendet Gebaerden) und Julian (*2004, gesund) und Florian (*gerade noch 2008 ;o) und ein gesundes, ganz liebes und braves Baby)
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patinchen
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BeitragVerfasst am: 03.07.2007, 22:13    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Rine,
gerade bei taktil überempfindlichen Kindern "verlagert" sich die Wahrnehmungsproblematik auch manchmal in den sozial-emotionalen Entwicklungsbereich. Das wird dann aber erst richtig deutlich, wenn diese sozialen Bezüge sichtbar werden, z.B. im Kindergarten. Irgendwie ist es aber auch einleuchtend: Wer sowieso schon Schwierigkeiten mit dem Erfassen von gegenständlichen Konsistenzen hat und viel Zeit für das Wahrnehmen braucht, dem ist es eher unangenehm, engen Kontakt zu schnell beweglichen, immer unterschiedlich reagierenden Personen haben zu müssen. Die beobachtet man doch im Zweifel eher aus der Ferne.... Wink
Mein Ältester war / ist auch so in etwa mit diesen Schwierigkeiten aufgewachsen. Das merkt man heute noch, wenn ihm beim Sport jemand sehr nahe kommt - ist ihm einfach unangenehm. Oder wenn er sich verletzt - er kann im ersten Moment nicht einschätzen, ob es schwerwiegend ist, er spürt es einfach nicht adäquat.
Und das mit fast 10 Jahren! Aber mittlerweile können wir darüber reden, z. T. auch darüber lachen Very Happy und wir arbeiten weiter an dieser "Baustelle". Wink

Liebe Grüsse,
Ute
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Andrea und Chris
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BeitragVerfasst am: 08.08.2007, 15:11    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Rine,
auch Chris hat Wahrnehmungsstörungen, die ich aber gar nicht so richtig einsortieren kann. Es ist von allem etwas dabei und von fast gar nichts wirklich schlimm. Aber insgesamt ergibt es einfach ein "unrundes Bild".
Chris vermeidet den Augenkontakt, nicht immer, aber doch meistens. Er ist im Kindergarten und Schule extrem beliebt, weil er nie von sich aus Streit sucht (steht sogar als Bemerkung im Zeugnis Wink ) Er kämpft auch nicht, zumindest nich körperlich, es müßte dann immer irgendeine Spielzeugwaffe dazwischenhängen...
Körperkontakt meidet er total, lieber bei einer Verletzung etwas länger trösten lassen, als nur mal so zu schmusen...
Gras, Sand und Wasser hat Chris als Kleinkind total verweigert, das hat sich aber total gelegt. Nur Dreck, davon ist er immer noch kein großer Freund. Er muss sich nach dem Kleckern immer sofort umziehen, sonst flippt er aus.
Er hat sich als Kleinkind bis ca. 3 1/2 Jahre auch immer zwischenzeitlich auf den boden geworfen und gestrampelt wie ein Säugling. Dabei flogen die Arme und Beine und der kopf scheuerte über dem Boden. er hatte neben der Wetzleiste am HInterkopf manchmal auch leichte Verbrennungen von der Reibung Crying or Very sad
Manchmal passierte so eine "Attacke" auch im Hochstuhl, da konnte man nur sehen, dass man essen und Getränk in Sicherheit brachte, damit es nich durch die Gegend flog. In diesen Situationen war Chris aber vollkommen glücklich und gelöst. er strahlte und ließ sich auch überhaupt nicht ablenken...
Manchmal passierte es auch bei vollkommen ungünstigen Gelegenheiten, so musste mal bei Oma eine Bekannte ihren Platz räumen, weil Chris nun genau an dieser Stelle strampeln musste. Er setzte dabei seine ganze Kraft ein, dass wir uns gewundert haben, dass er sich nicht die Knochen bricht...

Auch im Essverhalten hatten und haben wir große Probleme, er isst nichts, was breiig oder soßig ist. Fett wird komplett abgelehnt, sowie jede Art von Brotbelag. als er kleiner war, habe ich oft das essen mit Lebensmittelfarbe gefärbt, weil das Essen auch nicht hell sein durfte. so wurde der Reis dann zu einem blauen Meer....etc.(gegessen hat er es trotzdem nicht)

Auch überraschende Geräusche haben ihn ausflippen lassen . so reagierte er auf den WasserMax mit Panik-Attacken. Selbst wenn ich es in einem anderen Raum mit geschlossenen türen versucht habe, das hat ihn vollkommen verstört.

er mag nichts was mit Feinmotorik zu tun hat, er setzt lieber auf die "intellektuellen" dinge. so lernt er jetzt mit 8 Jahren russisch oder will noch Japanisch lernen...er liest lieber Natursachbücher als mit z. b. Lego zu spielen...

Es ist schon sehr komplex, wir sind jetzt am Montag im KInderhospital für einen Motoriktest, ich bin schon sehr gespannt, ob sie mir weiterhelfen können....

LG Andrea

_________________
Andrea(39) und Chris (8) mit KISS, taktilen Wahrnehmungsstörungen, V. a. auditiven u. visuellen Wahrnehmungsstörungen, farbenblind, hochbegabt sowie Saskia (5), gesund.
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