ich befasse mich nun schon seit längerem mit einem großen Problem, dass Jan neben seiner Besonderheit hat, er ist stark übergewichtig. Ich war bereits bei einem Vortrag meiner Krankenkasse über Ernährung, ich habe mit ihm das Programm "Powerkids" der AOK gemacht, aber irgendwie finde ich keinen Dreh ihm wirklich helfen zu können, zumal ich den Eindruck habe, dass er einerseits dabei aktiv mitgemacht hat, andererseits aber den Sinn der dahinter steht, nicht unbedingt immer versteht. Liegt wohl auch an seiner auditiven Wahrnehmungsstörung.
Einerseits liegt das Problem sicherlich zum großen Teil an Bewegungsmangel. Wenn ich gleichaltrige Kinder sehe, die treffen sich am Nachmittag mit Freunden, fahren viel mit dem Fahrrad umher und beschäftigen sich auch sonst viel an der frischen Luft, was ja auch sinnvoll und richtig ist. Jan hat jetzt mit viel Mühe etwas Fahrradfahren gelernt, aber es ist noch lange nicht so, dass ich mit ihm aktiv im Straßenverkehr fahren kann.
Mein Problem ist eben, dass Jan nach der Schule hier völlig isoliert ist. Sämtliche Aktivitäten nach der Schule muss ich organisieren und auch mit ihm zusammen bestreiten. Ich gehe 1 bis 2 x die Woche mit ihm Schwimmen, jetzt im Sommer natürlich auch öfter, zumal er ein guter Schwimmer geworden ist. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat er jetzt seit ca. 1 Jahr sein Silberabzeichen im Schwimmen.
Ich würde Jan gerne mehr helfen, bin aber hier ein wenig eingeschränkt, denn ich lebe mit ihm alleine und habe neben meiner 1/2-Tags-Stelle natürlich auch noch den Haushalt und alles was sonst noch so anfällt. Ich lasse den Haushalt manchmal eh schon liegen, aber irgendwie geht dass nicht immer. Dazu muss ich mindestens 2 x wöchentlich auch noch am Nachmittag arbeiten (Nebenjob), weil wir sonst finanziell überhaupt nicht über die Runden kämen. Ich habe in meiner Firma zumindest um einen 3/4 Job gebeten, zur Zeit ist dort aber nichts zu machen.
In der Zeit, in der ich also im Haus arbeite oder sonstige wichtige Dinge erledige, sitzt Jan leider häufiger als mir lieb ist, vor dem Computer oder dem Fernseher. Ich muss zugute halten, dass ihm gerade der Computer und die damit verbundenen Lernspiele schulisch zumindest soweit weitergebracht haben, dass er zwar theoretisch eine Förderklasse für lernbehinderte Kinder besucht, praktisch in dieser kleinen Klasse nur noch in der Frühstückspause anzutreffen ist. Ansonsten besucht er den Unterricht der Regelklasse mit sehr guten Leistungen.
Ich bin hin- und hergerissen mit dem Wunsch meinem Sohn bei seinen Gewichtsproblemen zu helfen und dem Wunsch auch mal etwas Zeit für mich zu haben. Denn es ist gerade in der letzten Zeit häufiger vorgekommen, dass ich spätestens am Nachmittag völlig erledigt bin und nur noch schlafen möchte.
Ich habe mir nun überlegt für Jan und für mich als Begleitung eine Kinder-Reha zu beantragen. Problem dabei ist sicher die Bewilligung einer solchen, zumal ich im letzten Jahr eine Mutter-Kind-Kur gemacht habe, wobei Jan zwar als Patient vorgesehen war (jedenfalls wurde der Antrag entsprechend gestellt), ich aber in der Klinik feststellen musste, dass man ihm nur den Status Begleitkind zugestanden hat. Sehr bedenklich wie ich finde, da er auch im letzten Jahr schon diese Probleme hatte und dazu auch noch an einer chron. Bronchitis leidet. Gerade das Klima an der Ostsee und die damit verbundenen Therapien hätten ihm sicher gut getan.
Bevor ich also eine solche Reha für ihn beantrage, wollte ich zumindest noch einmal selbst versuchen ihm bzw. uns zu helfen. Ich suche nach sinnvollen Beschäftigungen, geeigneten Sportmöglichkeiten und vielleicht den einen oder anderen Tipp, wie ich ihn z.B. Gemüse näherbringen kann.
Ich habe sogar schon versucht über die Eingliederungshilfe etwas Unterstützung zu bekommen, Fehlanzeige, da Jan nach der Schule mit dem Schulbus zur Tagesmutter gefahren wird, dort zu Mittag ißt und dann ca. eine Stunde später von mir abgeholt wird. Ist anders nicht mit meinen Arbeitszeiten zu vereinbaren. Der Knackpunkt ist, dass es sich hier um heilpädagogische Tagespflege handelt. Dabei interessiert sich keiner dafür, dass er inklusive Mittagessen dort nur 1 Stunde täglich plus Ferienzeiten ganztägig verbringt. Heilpädagogische Tagespflege schließt angeblich automatisch die Übernahme der Kosten für die Eingliederungshilfe aus.
Als nächstes habe ich mich bei verschiedenen Anbietern erkundigt, wie es mit einer Ferienfreizeit aussieht. Ich hatte mir gedacht, gerade z.B. in einem Zeltlager, dass Jan dort für sich neue Möglichkeiten oder Anregungen findet, was er sportlich vielleicht gerne tun würde neben dem Schwimmen. Ich habe auch einen Anbieter gefunden der Jan gerne nehmen würde, auch oder vielleicht gerade wegen seiner Besonderheit. Jedenfalls hat man mir in einem Telefonat mitgeteilt, dass das Hilfspersonal gut ausgebildet ist und schon einige Hürden auch mit anderen besonderen Kindern genommen hat.
Da habe ich dann schon das nächste Problem, Jan möchte nicht mit. Ich kann ihn sogar verstehen. Die Trennung von mir und seinem Vater liegt gerade 10 Monate zurück und er hat verständlicherweise jetzt Ängste entwickelt ich könnte auch nicht wieder kommen. Ist natürlich nicht so, aber er glaubt das eben nicht oder er versteht es nicht, dass ich ihm nichts böses möchte sondern eigentlich nur helfen will. Auch in Punkto Selbständigkeit und Aufbau des fehlenden Selbstbewußtseins.
Wie Ihr seht, ich habe sehr vielschichtige Probleme im täglichen Leben mit Jan und irgendwie renne ich bei allem was ich angehe gegen eine große Wand. Das einzige was ich eben noch nicht versucht habe, ist dass mit der Reha, dass wollte ich mir bis zum Schluß aufschonen.
Sein Vater ist auch keine Hilfe zumal der jetzt der Meinung ist, er hätte auch noch ein Privatleben. D.h. er hat das Interesse an seinem Sohn weitestgehenst verloren und anstatt mich in jeglicher Hinsicht zu unterstützen, stopft er den Jungen an den wenigen Wochenenden die er ihn hat mit Pommes & Co plus Süßkram voll. Vielleicht aus eigenem schlechten Gewissen Jan gegenüber heraus oder? Keine Ahnung, Gespräche sind leider nicht möglich, da er einfach nicht Partnerebene die es nicht mehr gibt und Elternebene trennen kann. Jedes Wort wird mir im Munde umgedreht und führt häufig zu der Androhung den Jungen überhaupt nicht mehr nehmen zu wollen. Wenigestens hier hört mein Ex noch auf mich, ich muss ihn nur jedesmal wieder daran erinnern, dass es hier ausschließlich um Jan geht, nicht um ihn und mich und dass er für Streitereien zwischen uns doch bitte nicht seinen Sohn bestrafen soll.
Vielleicht gibt es irgendetwas was Ihr mir raten könnt, was Ihr in meiner Situation ändern oder verbessern würdet.
Ich danke Euch fürs Lesen und freue mich auf Eure Antworten. _________________ Liebe Grüße
Ulrike
mit Jan Philip (02/99), psychomotorische Entwicklungsstörung, auditive Wahrnehmungsstörung (GdB 80, G, B und H)
mensch, Du hast es ja wirklich schwer. Bei uns ist es auch so, dass ich recht viel mit Carina unternehme, sie spielt allerdings auch mit den Kindern draußen, die sind ein paar Jahre jünger wie sie.
Jan geht doch sicherlich auf eine Förderschule, oder? Vielleicht gibt es aber auch bei Euch die Möglichkeit, Jan in einem Sportverein für Behinderte anzumelden. Carina ist Mitglied bei dem Sportverein der Lebenshilfe. Da ist sie in der Schwimmgruppe und hat bei Wettkämpfen schon mehrere Medaillen gewonnen. Vielleicht wäre so etwas auch für Deinen Sohn.Allerdings gilt das als Rehasport und muss vom Arzt verschrieben werden, ansonsten ist da die Mitgliedschaft viel teurer, aber versuchen kannst Du es ja mal.
Sportvereine für Behinderte gibt es wohl, aber alles weit weg d.h. ich müsste wieder lange Strecken fahren und dass kostet wieder Geld und daran fehlt es im Augenblick leider. Jan würde auch draußen sicher mit Kindern spielen, nur leider gibt es wenn überhaupt nur Babys und Rentner in der Nachbarschaft. Ich habe auch schon an Umziehen in eine kinderreiche Gegend gedacht, nur wohne ich in dem Haus meiner Eltern und damit sehr günstig. Wenn ich regulär Miete zahlen müsste, hätte mein Sohn zwar nachmittags vielleicht Spielkameraden, dafür wir aber nichts mehr zu Essen. Du siehst, es ist alles sehr verzwickt und irgendwie weiß ich auch nicht ob ich weinen oder lachen soll.
Auf jeden Fall danke Dir für Deine Anregung. _________________ Liebe Grüße
Ulrike
mit Jan Philip (02/99), psychomotorische Entwicklungsstörung, auditive Wahrnehmungsstörung (GdB 80, G, B und H)
ich komme ja auch aus Bremen und meine Tochter springt Integrativ Trampolin in Oslebshausen.
Ich weiss ja nicht wo du in Bremen wohnst, aber vielleicht wäre das ja eine Möglichkeit.
Falls du näheres wissen möchtest dann frage ruhig. Des weiteren bietet die Lebenshilfe auch immermal wieder Tagesaktivitäten für die Kinder an. Füge dir mal das Ferienprogramm bei, aber auch außerhalb der Ferien werden tagesausflüge angeboten.
erstmal, klasse wie dein sohn in der schule mitkommt
ich kann schon verstehen was du mit bewegung meinst. ist ja doof draußen alleine
zu spielen wenn keine anderen kinder da sind. oder dein sohn vielleicht auch
ausgegrenzt wird. eine kinderfreundliche gegend ist nicht garant dafür das dein
sohn mitspielen darf. hört sich vielleicht hart an, aber kinder sind so.
weiß jetzt nicht ob sich das bei euch umsetzen läßt. aber bei uns in der zeitung
werden ja laufend tagesmütter gesucht. wäre es eine möglichkeit für ein
zwei nachmittage die woche ein anderes kind mit aufzunehmen. dein sohn
hat gesellschaft und du verdienst auch noch was dran?????
bei uns laufen die kinder viel inliner, oder fahren einrad.
wie wäre es abends mit deinem sohn zusammen joggen zu gehen (wäre absolut
nix für mich )
wie groß und schwer ist dein sohn eigentlich????
achja, gemüse essen hattest du noch geschrieben. nina ist gemüse z.b. fast
nur roh. fenja ist nur wenige sorten gemüse, aber am liebsten wenn sie selber
mit rumschnibbeln durfte bei der zubereitung (ist in der heutigen dosen-und
TK-zeit natürlich nicht immer nötig).
ihr schafft das
lg
gisi _________________ Sabine mit Fenja 6/98
und Nina 10/01 frühkindlicher Autismus, seit Juni 2009 in einer Wohngruppe
Das Gegenteil von "gut" ist "gut gemeint"!
bestünde vielleicht die Möglichkeit Jan in einem Fußballverein anzumelden? Dann hätte er neben der Bewegung auch gleich die Möglichkeit Freunde zu finden (schließlich ist Fußball ja ein TEAMsport) und nebenbei hätte er im Trainer evtl. noch eine männliche Bezugsperson. Gerade im letzten Jahr bei der WM haben wir doch festgestellt, dass Fußball ganze Nationen verbindet ;o).
Ansonsten kann ich mich meiner Vorrednerin mit dem Trampolin anschließen. Irgendwo hatte ich letzthin sogar gelesen, dass man bei 10 Min. Trampolin mehr Kalorien verbraucht als bei Jogging oder so. Außerdem hat es bei meinen Kindern den absoluten "Fun-Faktor". Kürzlich gab es doch eines günstig bei Aldi-Süd (uups, ist natürlich nichts, wenn man in Bremen wohnt: sorry). Vielleicht lassen sich ja auch hierüber Freunde finden.
Wir wohnen am ganz anderen Ende von Bremen, Stadtteil Hemelingen. Wäre wieder mit viel zu langen Wegen verbunden. Ansonsten wäre die Idee nicht die schlechteste.
Und danke Dir für das Programm, muss gleich mit Jan zum Schwimmkurs, werde mir dass heute Abend mal ansehen.
@Gysi
Inliner und Einrad? Ganz schlecht, wo er doch mit ganz viel Mühe mehr schlecht als recht Fahrradfahren gelernt hat. An ein anderes Kind habe ich auch schon gedacht, aber sobald ich offiziell etwas dazu verdiene und eine Tätigkeit als Tagesmutter wäre ja offiziell, würden die mir dass wieder an anderer Stelle abziehen, dann müsste ich wieder mehr für die Tagesmutter dazu bezahlen. Ich denke für Jan wäre es sehr wichtig, hier in der Nähe Freunde zu haben. Da er die Gefahr im Straßenverkehr zwar theoretisch kennt aber praktisch nicht umsetzt, kann ich ihn auch nicht alleine z.B. zu Klassenkameraden schicken. Jan ißt übrigens auch wenn überhaupt Gemüse nur im rohen Zustand. Ganz selten mal einen Löffel gekochtes Gemüse. Er ist jetzt 8,5 Jahre alt und wiegt bei einer Größe von ca. 143 cm ca. 54 kg. Abnehmen sollen Kinder ja nicht, also kommt nur eine konsequente Ernährungsumstellung plus viel Bewegung in Frage.
@ Sandra
Fußball wurde vom Kinderarzt als wenig geeignet angesehen, daran hatte ich auch gedacht, weil er dann mit vielen Kindern zusammen ist und sich viel bewegen muss. Der Arzt sagte, Fußball kann er spielen, wenn sich sein Gewicht normalisiert hat. Er soll eine Sportart machen, wo die Leistung langsam gesteigert wird. Vielleicht gebe ich ihn nach den Ferien erst einmal hier im Ort mit zum Kinderturnen. Da geht ein anderes ebenfalls besonderes Kind hin, dass er näher kennt. Er mag zwar nicht, aber etwas sanfte "Gewalt" kann sicher auch nicht schaden. _________________ Liebe Grüße
Ulrike
mit Jan Philip (02/99), psychomotorische Entwicklungsstörung, auditive Wahrnehmungsstörung (GdB 80, G, B und H)
Hallo Ulrike,
Bewegung ist sicher gut, aber davon wird man ja nicht leichter! Geschmeidiger sicher, und gesund ist es auch, aber Muskeln wiegen mehr als Fett. Daher würde ich Zucker und Fett radikal reduzieren, Obst und Gemüse und Kohlehydrate anbieten. Gibt es bei euch keinen Psychomotorik-Turnverein? Das wäre doch was für deinen Sohn! Liebe Grüße! Mariella _________________ Sohn AS
Hallo Ulrike,
Bewegung ist sicher gut, aber davon wird man ja nicht leichter! Geschmeidiger sicher, und gesund ist es auch, aber Muskeln wiegen mehr als Fett. Daher würde ich Zucker und Fett radikal reduzieren, Obst und Gemüse und Kohlehydrate anbieten. Gibt es bei euch keinen Psychomotorik-Turnverein? Das wäre doch was für deinen Sohn! Liebe Grüße! Mariella
Hi Mariella,
von einem Psychomotorik Turnverein habe ich noch nichts gehört. Ich habe heute Nägel mit Köpfen gemacht, habe mit Jan seinem Schwimmlehrer gesprochen was er für Jan empfielt. Schwimmverein oder DLRG. Er hat ganz klar gesagt, er sieht Jan eher beim Leistungsschwimmen, weil er Leistung bringen kann, nur manchmal ein wenig faul ist und motiviert werden muss. Was motiviert mehr, als andere Kinder? Gehe also am Donnerstag mit ihm zum Probetraining. _________________ Liebe Grüße
Ulrike
mit Jan Philip (02/99), psychomotorische Entwicklungsstörung, auditive Wahrnehmungsstörung (GdB 80, G, B und H)
Das mit dem Schwimmen ist doch schon klasse. Aber wie schon geschrieben wurde Bewegung alleine ist es nicht. An der Ernährung muß sich gewaltig was ändern.
Wie wird denn bei euch gekocht? Was gibt es zwischendurch? _________________ LG
Anja+ Felix
8 Jahre frühkindlicher Autismus mit v.a Intelligenzminderung ,bronchial Astma, Infekt Krämpfe,hypoton aber ein Sonnenschein
und Julia 2,5 Jahre hypoton, globale Entwicklungsverzögerung
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