Verfasst am: 06.06.2007, 19:38 Titel: Immer mehr Kinder bekommen Therapien
Hallo
in meinem Umfeld ist mir viel aufgefallen, wenn ich mal längere Zeit
darüber nachdenke. Besonders was Therapiekinder anbetrifft. Damit
meine ich auch Kinder, die ganz normal in eine Regelschule bzw.
Regelkindergarten gehen ohne Integrationsstatus. Das war auch schon
zu Jan seiner Kindergartenzeit, also ein paar Jahre her. In Jan seiner
Klasse gibt es mindestens 3 Kinder von ca. 24 Schülern, die Therapien
machen (Ergo, Lerntherapie usw.).
Ich habe vor einigen Tagen ein Gespräch mit Bens Heilpädagogin gehabt.
Auf die Frage warum die Ben seine Kindergartengruppe so leer ist.
Ja, sagt sie, heute haben viele ihre Therapien. Mit Ben gibt es 4
Kinder die I-Status haben von 17 Kindern. Von den 17 waren ca die
Hälfte weg (davon auch Regelkinder). Die Heilpädagogin meinte
ca. ein Drittel der ganzen Kinder in diesem Kindergarten haben
Therapien. Und das sind Regelkinder. Ich war ziemlich sprachlos.
Mein Gott, wie kommt das denn. Ben seine Heilpädagogin erklärte mir,
immer mehr Kinder haben zu wenig Bewegung, sitzen zu lange am
Fernseher oder Playstation. Dadurch bekommen die Kinder immer
mehr körperliche Defizite. Aber Therapien sind nur für den Ansatz
dafür. (Im Kindergarten von Ben sind ca. 130 Kinder!!)
Da frage ich mich doch, ob sich bei solchen Kinder mancheTherapien
vermeiden lassen, wenn man als Eltern gleich von Anfang an dafür
sorgt, daß aus unseren Kindern kein Bewegungsmuffel werden,
weniger Fernsehen gesehen etc. wird, damit sich Kinder altersgemäß
entwickeln können.
Hallo.
Ja,das stimmt aber ich kenne da noch ein Phänomen.
Bei uns im Kiga gibt es viele Kinder die Ergo bekommen und die Mütter absolut davon überzeugt sind,das nur das alleine hilft.
Kommt nun eine Mutter hinzu,deren Kind nichts hat,dann kann es passieren,das die "Ergo-Mütter"so lange rumreden,das die Mutter mit dem "normalen"Kind denkt,ihr Kind muß auch zur Ergo.( so nach dem Motto,da gehen alle hin,dann kann das nur gut sein,etc..)
Und das ist jetzt kein Witz!
Die Mütter ändern aber nicht unbeding ihr Verhalten,sondern denken mit der Therapie ist es getan.
Das will ich nicht über den Kamm scheren aber leider habe ich solche Mütter in den letzten Jahren kennen gelernt,die es irgendwie toll finden,wenn ihr Kind so was macht
Wir sind ein Bewegungskiga und es gibt viele Kinder,die vor lauter Übergewicht es nicht schaffen,mit dem Hüpfball zu hüpfen oder eine Vorwärtsrolle zu machen oder einfach nur hin und her rennen,das Laufrad können sie nicht benutzen,da sie zu dick oder kein Bock auf Bewegung haben und es sind nicht alle Kinder so aber es werden mehr.
Bei uns im Kiga ist es auch so,das es keinen Süßkrams gibt oder mitgenommen werden darf aber leider gibt es viele Mütter,die immer noch meinen,das die Milchschnitte supergesund sei und das ein kleiner Schokopudding am morgen ja nicht schaden kann(wir haben viele Kinder mit extrem Karies),was soll man da noch sagen?
Unser Ältester spielt seit er 4 Jahre alt ist,Fußball(er ist jetzt 10 Jahre)und etliche aus seiner Manschaft haben Gewichtsprobleme oder laufen wie Dampfwalzen über den Platz und unsere Älteste ist 15 Jahre alt und in ihrer Klasse wimmelt es von Übergewichtigen und Sport ist da schon fast gleich Null(nur die Jungs sind noch etwas aktiver).
Ich denke auch,das die Kinder einfach sich selber heute überlassen werden und das kommt dann dabei raus.
Es gibt Kinder die brauchen dringends Therapien und andere müssen einfach mal raus in die Natur und Zeit bekommen von den Eltern,dann kann man denen einiges ersparen.
lg von Melanie. _________________ Melanie(04/73)Ehlers-Danlos Typ3+Fibromyalgie,mit Jana(04/92)EDS,Aljoscha(02/97)Asthma,ADS mit Konzentrationsstörungen ,Moritz unser Sorgenkind(07/00):Frühgeburt,EDS,schwere Lungenerkrankung(+ intrinsic-asthma),Sprachverzögerung,Entwicklungsverzögerung in best.Bereichen,Franziska(02/05)EDS
Hallo,
meine Arbeitskollegin erzählte mir das ihr Sohn zur Ergo geht.
Ich war sehr erstaunt da der Junge putzmunter und ohne Probleme war.
Sie meinte nur: "Das sind zwei Stunden pro Woche bezahlte Kinderbetreuung von der KK,soll ich mir die etwa entgehen lassen? Natürlich hat mein Sohn nichts !!!"
Ich sag dazu lieber nichts,denn wer mich länger kennt weiß wieviel Probleme ich habe für meine Kinder irgendetwas bewilligt zu bekommen.
ja, das ist mir auch schon seit längerem aufgefallen. Überall wo man hinhört, gehen die Kinder zur Therapie - Logo, Ergo und was weiss ich noch alles. Und ich dachte am Anfang der Kiga Zeit immer: mein Sohn braucht doch keine Logo... naja, ich habe auch dazugelernt, er brauchte sie doch
Ich frage mich manchmal, ob die Kinder früher keine Therapien brauchten - ich kann mich an kein Kind aus meiner Schulzeit erinnern, das irgendeine Therapie besucht hätte. War das damals noch nicht erforscht oder wieso???
Viele Grüße
Birgit _________________ Birgit 08/67 ND, Gleitwirbel und Ajay 08/70 mit
Aryan *01/02
Nikhil *05/06 HF Autismus, Wahrnehmungsstörungen
Armaan *10/08 Hydronephrose links (operiert im April 2009), Vesikorenaler Reflux rechts
Hallo Birgit,
hier muss ich mich auch mal melden.
In meiner Schulzeit war das auch nicht so. Meine Mutter meint aber, dass früher nicht so offen über Defizite gesprochen wurde. Logopädie-Therapie wurde erst garnicht erwähnt, da man evtl. sonst als blöd zählen würde. Manche hatten wohl doch falsche Vorstellungen und so kam es wahrscheinlich, dass es verheimlicht wurde. Wer ging schon früher gerne mit `ner Zahnspange oder Brille? Heute ist es super modern. Außerdem achtet man mehr auf Gesundheit, die andere bringen können, wie der Kieferorthopäde, Augenarzt, Therapeuten für Logo- Ergo usw.
Nun noch zu Jenny
ich würde gerne mal wissen, wie manche Mütter eine Verschreibung bekommen, ohne dass das Kind was hat.
Ich muss nach 10x logo immer wieder um ein neues Rezept kämpfen. Ich muss den Kleinen immer wieder zur Kinderärztin schleppen, dann kommt Sprachtest, könnte ja sein, dass nach 10x Logo alles super wäre. Ich würde mir wünschen, dass wir nicht mehr zur Logo hingehen müssten, dann hätten wir mehr Zeit zum Verabreden mit Freunden und so. Aber so sind 2Tage die Woche hin.
Ich wünsch Euch noch einen schönen Abend
Eure Manu _________________ Mama Baujahr 64 Jeremy Baujahr 2001 multiple Dyslalie, Dysgrammatismus
Sie meinte nur: "Das sind zwei Stunden pro Woche bezahlte Kinderbetreuung von der KK,soll ich mir die etwa entgehen lassen? Natürlich hat mein Sohn nichts !!!"
_________________ Liebe Grüße Kerstin
* 1985 ICP einer beinbetonten Tetraspastik
Rollifahrerin und von Beruf Justizfachwirtin
Nebenher Studentin zur Tierheilpraktikerin
Fachübungsleiterin einer Rollisportgruppe
(SBA mit GdB 100 und MZ G, B, aG und H)
es gibt noch ein weiteres Phänomen, das dazu beiträgt.
Eine Aussage unserer Heilpädagogin:
Es gibt eine Therapeuten-Schwämme und diese habe sehr merkwürde Methoden der Kundengewinnung.
Fallbeispiel: Physiotherapeutin geht in einen KiGa (mit Leitung abgesprochen) beobachtet die Kinder und erstellt ungefragt und unbeauftragt Gutachten, in denen dann rauskommt, das Kind muss zur KG. Diese werden den Eltern in die Hand gedrückt mit den Worten und wenn der KiA nicht verschreibt, gehen sie doch zum Hausarzt
Was sich der KiA anhören muss, wenn er dann sagt, gehen sie mit dem Kind lieber öfter auf den Spielplatz und wenn xyz dann immer noch nicht ok ist, können wir nochmal über KG reden - kann man sich wohl vortstellen ....
ähnliches hat sie mit Logopäden, Ergotherpeuten auch erlebt.
Und auch aus dem KiGa kommt mal schnell die Empfehlung - das kind braucht Ergo
So für meinen Großen, der sicher in manchen motorischen Sachen nicht so ganz fit ist, aber eigentlich ein ganz normales gesundes Kind, nunja ... KiA meinte auch - er hat ja noch zeit - wir sollten uns das in einem halben Jahr nochmal anschauen.
lg nessaja _________________ Junior: 11/01 gesund
Tami 10/04: langstreckige Ösophagusatresie IIIb; GÖR - Z.n. Re-Fundoplikatio 2010; rezid. obstruktive Bronchitiden u. Pneumonien; Restriktion der Lunge d. chron. Aspriration, Z.n. Verschluss Larynxspalte Typ1 2011; SEV unsere Vorstellung
Ich kenn 2 Kinder, die immer wieder getestet werden, von Psychologen, Therapeuten, Ärzten.... Und die Mutter sammelt die Arztbriefe wie Trophäen. Gemacht wird aber nichts von Dauer, nach 2 oder 3 Monaten bricht die Mutter alles ab und meint, das hätte jetzt soooo gut geholfen und mehr wäre nicht nötig.
Flippen die Kinder dann nach ein paar Tagen/Wochen wieder mal aus, wird zum nächsten Ding gerannt. Und komischerweise bekommt diese Frau auch immer Rezepte und Überweisungen für alles. Wenn nicht vom Kinderarzt, dann eben vom Hausarzt oder sonstwo her. Die Ärzte werden notfalls gewechselt, wenn die nicht spuren.
Schaut man aber mal hinter die Kulissen, dann kommt genau das raus, was Du beschreibst. Die Kids hocken nur vor irgendwelchem unsinnigen Ballerspielkram am Computer. Nen Ball oder Fahrrad für draußen gibt es nicht, alternatives Spielzeug wie Lego und Gesellschaftsspiele auch nicht. Dafür ist kein Geld da, die Familie hält sich trotz knappem Budget lieber 2 verhätschelte Rasseköter. Und der Umgangston in der Familie ist so was von gräßlich laut, furchtbar.
Manche Leute bräuchten einfach nur ne Anleitung und Kontrolle zur Haltung und Erziehung von Kindern, dann wäre manche Therapie unnötig. Aber so was gibts ja anscheinend nur für die Haltung von Hunden. Bei den Leuten trifft es jedenfalls sehr leidvoll zu.
Hallo,
ich bin auch sprachlos bzw. werde langsam richtig sauer. Ich habe auch das Gefühl, dass heute jedes 2. bis 3. Kind Ergo oder Logo bekommt.
Phil hat einen SBA mit 100% und alle Merkzeichen und uns wurde die Ergo von der KÄ abgelehnt, da er ja schon KG und Frühförderung bekommt.
Nun ja, da ist noch nicht das letzte Wort drüber gesprochen, werde auf jeden Fall mal mit dem SPZ drüber sprechen, dass die eine Emjpfehlung schreiben.
Britta _________________ Britta mit Phil 11/2004(hypoton,motorisch und mental verzögert)Autismusspektrumstörung
Abgeschlossene "Helmtherapie"(cranio-orthese) , und Luca 08/99 (hb)
Kinder, die mit 4 Jahren so schlecht sprechen, dass niemand außer der eigenen Mutter das Kind versteht, Kinder, die hypoton sind oder total asymetrisch- und keinen kümmerts.
Ich hab ein besonderes Kind und ein eigentlich gesundes. Aber das Gesunde hat auch so seine Probleme- auch wenn man es ihm auf den ersten Blick nicht ansieht.
Uns hat die Ergo sehr geholfen und ihm die Möglichkeit gegeben, die verbliebenen Defizite aus eigener Kraft und mit neuem Selbstvertrauen anzugehen.
Manche in unserem Umfeld meinen auch "der hat das doch nicht nötig, der ist doch nicht behindert".....als ob das der einzige Grund für Ergo wäre!
Aber dennoch geb ich euch recht- irgendwie steigen die Ansprüche an die Kinder, und damit auch die Häufigkeit der Therapien.
Aber es ist auch nicht fair, allen Kindern mit motorischen Problemen zu unterstellen, sie würden nur vor dem Fernseher sitzen!
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