ich sinniere hier, wo ich denn beginnen soll, meine Gedanken und Überzeugungen dazu niederzuschreiben.
Eines weiss ich für mich ganz bestimmt: Die Hoffnung gebe ich nie auf und sie eist auch immmer wieder mein Antrieb.
@Renate: Tikvah heisst Hoffnung auf Hebräisch, das ist richtig, nicht? Ich weiss nicht, ob ihr ihren Namen bewusst ausgewählt habt, denke mir aber schon, genauso bewusst, wie ich meinen Grabiel als Botschafter der guten Neuen genannt habe: Denn eines bringen sie uns doch alle, unsere Kinder: Die bedingungslose Liebe, sie lehren uns das Wichtigste in unserem Leben. Darin sehe ich den Sinn, das ist aber bloss ein Teil davon.
Dann ist da noch der Teil des Leidens Kindes, sei es ein Kind das einer Behinderung wegen immer wieder Krankheiten hat, Anfälle, Ernährungsschwierigkeiten, Schmerzen, sei es ein Kind das dem Hungertod in die Augen schaut, ein Kind das schreckliche Gewalterfahrungen macht, dem immer wieder Leid zugefügt wird, sei es durch Dritte oder einer Krankheit wegen... Das verstehe ich nicht, das schnürt mir die Kehle zu, lässt mich zweifeln, aber eigentlich nicht an gott, sondern an dem Sinn. Was ist der Sinn? wo liegt unsere Verantwortung als Menschen, dass es so ist?
Jemand hat in einem Posting geschrieben (entschuldigt, wenn ich nicht mehr weiss, wer es war, ich habe eben den ganzen Thread gelesen und schreibe frei nach dem, an was ich mich erinnere), dass vor einiger Zeit, Menschen noch an Blinddarmentzündung starben, dass ihr Kind vor 10 Jahren noch keine Überlebenschancen gehabt hätte. Das heisst auch, dass das Kind keinen Leidensweg erleben würde, dass seine Behinderung tödlich gewesen wäre. Sind wir durch die Forschung, den Fortschritt nicht auch verantwortlich dafür? Ich möchte bitte nimeandem zu nahe treten, ich stelle dies in den Raum, als Gedanke, den ich mir dazu mache, nicht als Überzeugung wir Menschen hätten "Schuld" am Leiden unserer Kinder. Ich mache mir da auch ganz fest Gedanken zu Gabriels Anencephalie: Vor noch nicht langer Zeit war es nicht möglich, ein Kind das mit einer Spina Bifida zur Welt kam zu operieren und zu retten. Es starb an der Infektion des offenliegenden Rückenmarks und dem Liquorfluss, eventuell auch an Hirnüberdrück, wenn es noch an einem HC litt. Heute ist man soweit, dass man intrauterine Operationen am Ungeborenen druchführt.
Anencephalie ist noch nicht heilbar, wird es vielleicht auch nie sein, es ist heute unvorstellbar, aber was ist mit der Forschung? Sie geht ungeahnte Wege...
Was ich damit sagen möchte ist, dass ich nicht denke, dass wir Gott allein dafür verantwortlich machen können, denn, das wurde auch in einem Posting erwähnt, der Mensch hat gewählt, keine Marionette zu sein, Wissen zu erlangen, das Gute und das Böse zu kennen, seinen Weg ein Stück weit zu bestimmen (denn ich glaube auch an Fügung), zu wählen. Und dies hat zur Folge, dass der Mensch "falsche" Wege geht (z.B. Verbrechen, Gewaltanwendung, korrupte Politiker die in Geld schwimmen , dessen Volk jedoch am Hungertod stirbt) das Erlangen des Wissens schafft Situationen die auf "natürlichem Weg" nicht auftreten würden (z.B Lebensrettende Massnahmen bei Frühstgeborenen, Lebenserhaltende Massnahmen bei Schwerstbehinderten), die uns dann dazu führen, unsere Werte zu überprüfen und neue ethische Grundlagen schaffen. Wir kennen dadurch die Kerhseite der Münze.
Ich hoffe, dass alle die hier lesen, verstehen, dass keiner meiner Gedanken wertend gemeint ist, dass es nicht darum geht, ob ich finde, ein Leben sei lebenswert oder nicht, ob ich für oder gegen Lebenserhaltende Massnahmen bin usw und so fort. Ich bin im Übrigen dafür, denn wenn es irgendwie möglich gewesen wäre, hätte ich meinen Gabriel heute bei mir. Dass dies jedoch (auch) egoistische Gedanken sind, die dazu dienen würden, meinen Schmerz zu lindern und Gabriel vielleicht schmerzen zufügen würde, weiss ich auch, aber auch das ist wieder ein Dilemma. eben, die Münze hat zwei Seiten...
Ich habe durch Gabriel die wunderbare Erfahrung machend ürfen, und tue es noch jeden Tag, mich wirklich von Gott getragen zu fühlen, auch wenn ich mich immer wieder gefragt habe: warum mein Kind, warum leiden andere Kinder durch ihre Eltern, die sie nicht lieben udn warum muss ich mein Kind, das ich über alles liebe hergeben? Der zwiespalt ist da, das Fragen immer wieder, auch heute noch, aber ich denke, das gehört zum Menschsein und zum Reifen.
Es hat einen Sinn, ich konnte ihn noch nicht vollständig ergründen, aber ich glaube daran, dass es ihn gibt.
Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Glaube und die Hoffnung uns tragen können.
einen lieben Gruss an alle
Christine _________________ Die Liebe erträgt alles, glaubt alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf. 1. Korinther 13, 7-8
Christine mit Gabriel im Herzen, *†16.12.2004 Vorstellung Gabriels-Kerzen
Hallo!
Das sind ganz tiefgreifende Gedanken.
Es heisst ja auch: Glaube, Liebe, Hoffnung , aber die Liebe ist das Grösste.
Das gilt ja ganz besonders für uns Eltern von besonderen Kindern.
Gruss
Margot _________________ Jonathan, geboren am 16.11.2004, Duchenne Muskeldystrophie, Kleinwuchs www.jdennler.populus.ch
"Was ich damit sagen möchte ist, dass ich nicht denke, dass wir Gott allein dafür verantwortlich machen können...."
Manchmal, wenn ich zweifle, dann sprech ich mit meiner Schwester, und sie kann mir die richtigen Antworten geben, und fuehrt mich wieder zurueck auf den Weg des Vertrauens (der Glaube is trotzdem noch da, aber manchmal verlier ich das Vertrauen, Panik ueberwaeltigt mich und ich bin dann nur noch am Verzweifeln, Weinen, Trauern um das gesunde Kind, dass ich mir vorgestellt hatte, etc. - ich glaube jeder von uns kennt das).
Vertrauen darin, dass ganz egal was passiert, Gott es gut mit uns meint, dass Gott uns unendlich liebt, uns und unsere Kinder und alle Menschen auf dieser Erde.
Aber jeder von uns bekommt Herausforderungen aufgetragen, und die sucht man sich grossteils ein bisserl selbst aus (z.b. wenn man sich fuer einen Ehemann entscheidet, der nicht zu einem passt ), andere Dinge sind anders, wie z.b. ein besonderes Kind.
Die Erklaerung, die ich bekommen habe, und an die ich glaube, sieht so aus:
Es war einmal... da haben meine Seele und die Seele meines kleinen Gabriel miteinander ausgemacht, dass wir gemeinsam diesen Weg gehen wuerden. Mein Gabriel wollte mehr lernen, wollte deswegen mit einer Behinderung geboren werden, und ich habe dem ganzen zugestimmt, dass ich mitmachen wuerde.
So kam es dann auch. Und ganz egal, wie ich es drehe und wende, ich habe in den letzten 5 Jahren mehr gelernt, als ich in all den Jahren zuvor gelernt habe. Und ich hoffe, dass meine Seele dementsprechend auch mitgewachsen ist.
Oder anders ausgedrueckt: das Leben ist dazu da, um zu lernen und zu wachsen.
Eine andere Seite, die dazu auch passt: wenn man Kinder hat, dann steht man nicht immer nur beschuetzend neben und ueber ihnen, man laesst sie auch machen.. Fahradfahren lernen beispielsweise. Und das, obwohl wir wissen, es koennte fallen, und sich das Knie aufschuerfen.
Ich stelle mir das genauso mit Gott vor: er laesst uns machen, weil er uns so sehr liebt, und nur so lernen wir auch und wachsen wir... an unseren Aufgaben..
Liebe Gruesse,
Birgit _________________ Mama von Gabriel (*2002, Sauerstoffmangel waehrend der Geburt; allgemeine Entwicklungsverzoegerung; komplexe Wahrnehmungsstoerung: Magensonde zw. 15 Monaten und 2,5 Jahren; derzeit non-verbal, aber verwendet Gebaerden) und Julian (*2004, gesund) und Florian (*gerade noch 2008 ;o) und ein gesundes, ganz liebes und braves Baby)
Diese Überzeugung habe ich auch. Ich glaube, dass uns unsere Kinder aussuchen und dass es darum geht, gemeinsam etwas zu lernen und zu wachsen.
Es gibt da ein Buch, aus der Reihe Erfahrungen, das heisst "Aus der Stille der Ewigkeit". Es geht um ein Mädchem mit Autismus, das durch alternative Kommunikationsmethoden ihr Innerstes offenbart und das bestätigt, was du geschrieben hast: Sie sagt, sie habe eine Aufgabe und sie habe sich die Form des Autismus ausgesucht, um das zu lernen, was sie lernen muss.
Es ist auf jeden Fall eine empfehlenswerte Lektüre, die unseren Horizont erweitert, auch für jene Menschen, die nicht ans Übersinnliche glauben.
Lieben Gruss
Christine _________________ Die Liebe erträgt alles, glaubt alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf. 1. Korinther 13, 7-8
Christine mit Gabriel im Herzen, *†16.12.2004 Vorstellung Gabriels-Kerzen
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