Verfasst am: 01.06.2007, 08:35 Titel: Eine Geschichte!
Hallo Ihr Lieben,
ich weiß nicht, ob es unter dieses Thema passt, schreibe einfach mal drauflos und wenn es verschoben wird, ist das für mich auch o.k.
Wir haben Euch ja berichtet, dass wir letzte Woche in Olpe im Kinderhospiz waren und dort eine wunderschöne, hoffnungsgebende Zeit erlebt haben.
Wir haben dort Jonas kennengelernt, ein Kind mit einer Muskelabbauerkrankung, das unglaublich tapfer ist und von dem wir Erwachsenen uns alle eine Scheibe abschneiden könnten. Er bewegt mit seinen Zeigefingern (mehr kann er nicht mehr bewegen) den Elektrorollstuhl besser, als ich Auto fahren kann.
Aber zum Anfang der Geschichte. Wir haben Jana auf dem Olpener Stadtfest einen Winnie-Puh-Heliumballon gekauft, weil sie diese Teile einfach toll findet. Wir fahren immer alle Stadtfeste ab, um solche Ballons für sie zu besorgen, wie gut, dass wir gleich am Anfang unseres Aufenthaltes einen für sie gefunden haben. Sie haut i. d. R. dagegen und freut sich, wie er hin und her fliegt, natürlich binden wir ihn über ihr fest. Wenn die Luft dieser Ballons langsam rausgeht, lassen wir ihn fliegen. Michael sagt immer, er nimmt einen Traum von uns mit. Wir haben am letzten Tag in Olpe Jonas`und Janas Namen, ihre Wohnorte auf einen Zettel geschrieben und das Kinderhospiz angegeben. Den Zettel hängten wir an den Ballon. Keine näheren Daten, weil wir eigentlich auf unsere Ballonaktionen noch nie Reaktionen bekommen haben. Jonas durfte ihn fliegen lassen und der Ballon war so schnell so hoch, dass wir ihn nur noch kurz verfolgen konnten.
Gestern rief mich Jonas Mama an, die immer noch in Olpe ist. Haltet Euch fest, unser Ballon wurde gefunden. Er ist 196 Straßenkilometer weit geflogen und die Finderin hat sich die Mühe gemacht, die Adresse des Hospizes rauszusuchen und Jonas und Jana zu schreiben.
Und jetzt kommt das, was Heike und mich eigentlich am fertigsten macht:
Der Ballon wurde auf dem Grab des Onkels der Finderin gefunden.
Wir können unsere Gefühle nicht beschreiben.
Wir schicken in dem Ballon die Hoffnungen und Träume unserer Kinder los und wo landen sie? Auf einem Grab.
Als ob unser Leben immer wieder vom Tod begleitet wird, obwohl unsere Kinder so um`s Überleben kämpfen.
Ist das nicht schlimm?
Ich musste es loswerden, hoffe, Ihr haltet mich jetzt nicht für total verrückt.
Lieben Gruß
Petra _________________ Petra, Michael, Jana (02.02.01 - 14.01.09) Hirntumor + -infarkte, Neurofibromatose Typ 1, Makrocephalie, Epilepsie, Verlust rechtes Auge mit 1,5 Jahren wg. Glaukom, spastische Hemiparese links, Hirnatrophie. Fotos unter http://www.REHAkids.de/phpBB2/album.....personal.php?user_id=9824 + http://www.REHAkids.de/phpBB2/album.....personal.php?user_id=4282
mich durchfuhr eine Gänsehaut von oben bis unten durch den ganzen Körper als ich das gelesen habe.
Oft sind die Wege die wir gehen und die Zeichen die wir bekommen unergründlich.
Ich kann Deine Gedanken dazu total verstehen.
Wandle sie um in gute Gedanken und laß sie nicht als Stich in Dir ruhen.
Für die Finderin war es eine schöne Erfahrung diesen Ballon Eurer Kinder zu finden.
Vielleicht war die Aktion schon allein für sie gut.
Vielleicht hat es Ihre Trauer um den Onkel geschmälert und ihr alles in neuem Licht gezeigt. Vielleicht , sage ich . Wer weiß.
Aber ich versuche in allem , ob schwer ob leicht, das gute zu finden.
Ich habe auch eine Gänsehaut beim Lesen bekommen!
Im Grunde bin ich ein sehr vernünftiger Mensch und versuche solche Dinge rational zu betrachten... so oder so hättet ihr doch den Fundort "interpretiert", dass es nun ausgerechnet ein Grab sein musste...
Petra, vielleicht ist es auch ein Zeichen. Wir haben schon so oft darüber gesprochen, dass es einen Punkt im Leben unserer Kinder geben wird, da muss man sie ihren Weg gehen lassen. Seit Dezember nun nehmt ihr Abschied, eigentlich schon seit Janas Geburt mehr oder weniger. Der Tod gehört zum Leben dazu. Ihr habt den Ballon mit euren Träumen und Hoffnungen wegfliegen lassen, aber ist der Tod von Janas Leben derzeit so sehr entfernt? Ich will nicht sagen, dass ihr euch den Tod wünscht und erhofft! Ich will damit sagen, dass ihr den Ballon von einem Hospiz habt fliegen lassen, weil ihr um die Lebensbegrenzung eurer Kinder wisst. Und euch mit dem Tod auseinandersetzen müsst. Leider.
Im Grunde habe ich Gänsehaut bekommen, weil es alles so zusammen passt.
Fühl dich umarmt!
Mandy _________________ Friedrich (04/04): unklare neurodegenerative Grunderkrankung mit komb. Atmungskettendefekt/ Mitochondriopathie
Hallo Petra,
es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die werden wir nie verstehen.......
Auch ich habe beim Lesen eine Gänsehaut bekommen und verstehe Deine Gedanken, bzw. Ängste.
Aber ich denke , für die Finderin war Euer Ballon vielleicht ein schönes Zeichen, deshalb hat sie ja wohl auch geschrieben.....
Vielleicht gehört ihr verstorbener Onkel zu jenen kinderlieben Menschen, die dort oben auf ihrer Wolke sitzen und alle neuen Engel erst mal in die Arme nehmen.....
Ich wünsche Dir von ganzem Herzen noch eine schöne Zeit mit Jana, und ich glaube, ich hätte Dir vielleicht auch geschrieben......
LG Heike
mir geht es ganz genau wie Mandy und Du kennst es auch von mir, daß meine Worte klar sind, auch wenn sie traurig sein müssen.
Dennoch sehe ich dieses Zeichen als liebevolles Zeichen an Euch, daß Euch sicherlich signalisieren soll, die kostbare, gemeinsame Zeit, die Euch noch bleibt, auch zum bewussten Abschiednehmen zu nutzen.
Es gibt ein Wesen im Universum, daß Euch und der Familie von Jonas helfen will, auch diesen Schmerz , jetzt ganz langsam an zu nehmen.
Ich wünsche Euch von ganzem Herzen, den Mut und die Kraft, die Botschaft dieses Zeichens an nehmen zu können.
Hallo Petra,denke auch, daß die Bedeutung nicht unbedingt negativ sein muß
Es könnte auch für Anfang und Ende stehen.Der Opa, der verstorben ist und auf der anderen Seite die Kinder, die trotz allem noch voller Hoffnung sind.
Aber ergreifend ist diese Geschichte auf jeden Fall.
Liebe Grüße _________________ Jutta(67), Jonas.11.04,schwere therapieresistente Epilepsie(symptomatisch-multifokal), Zn SUDEP, ICP(spastisch-dyskinetisch) Skoliose, chron. resp. Insuffiziens, sauerstoffpflichtig, chron. Hyperkapnie, Fundoblikatio, Button,ein Mausebär.-) Unsere Galerie
ich lese soeben diese Geschichte und mir sind die Tränen gekommen.
Vielleicht ist es ein ganz ganz tolles Zeichen und kein Schlechtes? Vielleicht wacht der Onkel der Finderin nun über eure beiden Kinder und das ist das Zeichen dafür?
Vielleicht auch ein Zeichen, dass eure Kinder auch oben im Himmel einen Platz haben und dort willkommen sind?
Wer weiß das schon. Nutzt bitte die euch verbleibende Zeit und genießt sie, wann immer ihr es könnt.
Grüße,
Miriam _________________ M. SMA, bds. Taubheit (mit CIs versorgt);
L. urininkontinent;
J. Legasthenie, motorische Probleme
Hallo Petra,
wenn man diese Geschichte liest, bekommt man sofort eine Gänsehaut. Es ist wirklich sehr seltsam, manche Dinge lassen sich einfach nicht erklären. Trotz alle dem , der Friedhof ist es Platz des Friedens, vielleicht kann man bei längerer Überlegung auch was positives daraus lesen.
Verfasst am: 04.06.2007, 17:06 Titel: ein Hinweis?
Hallo Petra,
manche Dinge muss man annehmen, wie sie sind - oder es sein lassen. ... Und ich meine, es ist beides richtig! Vielleicht ist es eine Aufforderung, Euch mit dem Thema Tod intensiver zu beschäftigen, nicht unbedingt, weil das unaussprechliche bevor steht, sondern vielleicht auch, damit Ihr selber Ängste überwinden könnt und so wieder ein Stück freier werdet in eurem Tun und Denken - uns ging es jedenfalls im Löwenherz so ...
Aber vielleicht war es auch nur ein purer Zufall und ohne weiteren Zusammenhang ...
Ja, die Geschichte macht einem eine Gänsehaut. Aber seit Leons Tod habe ich keine Angst mehr vor dem Tod. Der Tod selber lässt mich nicht mehr erschauern, höchstens die vielleicht qualvolle Art, wie er kommt ...
Ihr seid in Olpe sicherlich schon ein Stück auf diesem Weg gegangen und vielleicht ist der Ballon nur ein weiterer Meilenstein auf Eurem Weg? Vielleicht auch findet Ihr die Lösung später einmal, viel später ...
Liebe Grüße
Martin _________________ Papa von Sternen-Löwe Leon Julius - geliebt von uns allen und immer in unseren Herzen
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