Verfasst am: 24.05.2007, 11:13 Titel: Wenn Eltern pflegebedürftig werden
Hallo
ich muß mal meine Gedanken, die ich schon lange vor mir herschiebe
(wegen akuten Zeitmangels).
Letztes Jahr ist meine Mutter (damals 75) am Ischiasnerv operiert worden,
da sie heftige Dauerschmerzen hatte (Schmerzmittel als Dauermaßnahme
waren gesundheitlich auch ungeeignet, es mußte operiert werden, Ischias-
nervkanal war zu eng. Als Spätfolge wären eventuell Lähmungser-
scheinungen die Folge gewesen bei Nichtoperation. Meine Mutter hat
die Operation gut überstanden. Es hat aber Monate gedauert bis die
Schmerzen auf ein erträgliches Maß gesunken sind. Durch die Schmer-
zen war meine Mutter lange außer Gefecht gesetzt. Wir Geschwister
Bruder damals 56, Schwester 53 und ich 41 Jahre alt haben uns mit
den Aufgaben ein wenig aufgeteilt. Mein Bruder hat die handwerklichen
Aufgaben, meine Schwester hat bei unserer Mutter saubergemacht und
sie zum Arzt gefahren. Ich bin mit ihr hauptsächlich zum Einkaufen ge-
fahren oder habe die Sachen besorgt. Ich muß dazu noch sagen, meine
Geschwister und ich waren zu diesem Zeitpunkt berufstätig. Und wenn
der eine keine Zeit hatte, haben wir uns auch ergänzt und die Aufgaben
des anderen übernommen. Mein Mann und mein Schwager haben meiner
Mutter auch ordentlich unter die Arme gegriffen.
Heute 2007 hat meine Mutter sich von der Ischiasoperation gut erholt.
Es hat eben so lange gedauert. So was muß man heute ja auch in
Kauf nehmen. Sie ist einigermaßen schmerzfrei, erledigt die normalen
Arbeiten im Haushalt und Garten wieder selber. Nur Großeinkäufe,
schwere Arbeiten im Garten machen wir oder die großen Enkelkinder.
Ich freue mich, daß meine Mutter sich wieder gut berappelt hat. Doch
der Gedanke bleibt, was ist, wenn unsere Mutter wirklich pflege-
bedürftig wird? Sich keine Gedanken darüber zu machen, ist sicher
verkehrt.
Das Thema habe ich gerade 'hinter mir'.
Mein Vater hatte Parkinson, also eine Diagnose, wo vorrauszusehen war, dass es eines Tages nicht mehr geht. Meine Eltern hatten das Problem ausgesessen, es gab für sie (noch) kein Problem.
Ich redete immer wieder mit meiner (auch angeschlagenen) Mutter, dass sie für meinen Vater ein Heim anschauen soll. Nur für den Fall, dass sie plötzlich ausfällt und mein Vater (vorübergehend) irgendwo untergebracht werden müsste. Damit sie für sich weiß, dass er gut untergebracht ist.
Nix, keine Reaktion. Die letzten Wochen war mein Vater in der 1.Etage des Mietshauses quasi gefangen. Er kam nur im Rolli und mit der Hilfe zwei kräftiger Männer raus.
Mein Geschwister rührten sich ebenfalls wenig bis gar nicht. 'Das ist die Entscheidung unserer Eltern.' O-Ton.
Endlich konnte ich im Dez. letzten Jahres meinen Bruder mobilisieren Heime anzusehen und auszusuchen. Auf ihn hörten meine Eltern am meisten. Im Januar zog mein Vater dann endlich um. Parallel dazu verschlechterte sich sein Zustand rapide. Vor vier Wochen verstarb er.
Aber glaube nicht, dass sich meine Mutter das fürchterliche Hin und Her zu Herzen genommen hat!
Auf die Frage, was sie möchte, falls es in der Wohnung nicht mehr gehen sollte (einen Schlaganfall hatte sie schon), gib es keine Antwort, sondern nur böse Unterstellungen.
Wichtig ist also, dass du dir mit deinen Geschwistern einig bist, was im Falle des Falles laufen soll. Drei verschiedene Meinungen wie bei mir verwirren die Eltern zusätzlich und machen die Angelegenheit schmerzlich.
Alles Gute!
Bianca _________________ Bianca mit Jannes (02/00) Rubinstein-Taybi-Syn., geistig + körperlich (schwer-)behindert;
Annette _________________ Annette *16.08.67, u.a. chronische Neuroborreliose, chronische Depression, EM-Rentnerin, GdB 50, mit Ulrich, *27.07.92, Asperger-Autismus, GdB 80, H, B, G; er lebt in WG der Mansfeld-Löbbecke-Stiftung in Braunschweig
schaut dazu auch mal in unser Forum www.elternpflege.de rein. Wir haben das Forum vor einem guten Jahr gegründet - gedacht ist es zum Austausch von erwachsenen Kindern, die ihre Eltern pflegen. Viele Infos und Tipps zum Thema Pflegebedürftigkeit, Kurzzeitpflege, Pflegestufen, Beschäftigung und Pflegedienst wurden hier schon zusammengetragen. Vielleicht ist für euch auch der eine oder andere Tipp dabei.
LG
Sabine _________________ Unsere Vorstellung? -> hier klicken
Jan-Paul (10/01), schwer mehrfachbehindert ohne Diagnose, Tim-Henrik (03/05), Lea-Kristin (01/11)
REHAkids - Das Forum für besondere Kinder
Hallo,möchte mich auch mal zu diesem Thema äußern,da ich davon in mehrfacher Hinsicht betroffen bin 1.Habe bis zum Mutterschutz vor knapp 3 Jahren 18 Jahre in Pflegeheimen gearbeitet,möchte dafür eine Lanze brechen,denn die allermeisten Pflegeheime sind viel besser als ihr Ruf,unumstößliche Tatsache ist leider nur die Personalknappheit.Also muß wirklich niemand ein schlechtes Gewissen haben,wenn er seine Eltern nicht mehr zu Hause pflegen kann.Die meisten Heimbewohner fühlen sich nach einer Eingewöhnungsphase sehr wohl.
2.Mein Vater litt an Alzheimer,haben ihn viele Jahre zu Hause gepflegt,aber selbst mir als Fachkraft war es sowohl von der psychischen,als auch von der Physischen Kraft nicht bis zuletzt möglich dies bis zum Schluß durchzuzieheh,weshalb er die letzten Wochen in dem Pflegeheim untergebracht war,wo ich als Nachtwache arbeitete.
3.Tja und danach hat meine Mutter eine Depression entwickelt.Seit einem Jahr ist sie jetzt von morgens bis abends zur Tagespflege.Nachts und am Wochenende ist sie zu Hause.Ich muß sagen,das ist eine optimale Lösung,kann ich nur weiterempfehlen.
Liebe Grüße
Jutta _________________ Jutta(67), Jonas.11.04,schwere therapieresistente Epilepsie(symptomatisch-multifokal), Zn SUDEP, ICP(spastisch-dyskinetisch) Skoliose, chron. resp. Insuffiziens, sauerstoffpflichtig, chron. Hyperkapnie, Fundoblikatio, Button,ein Mausebär.-) Unsere Galerie
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