Verfasst am: 23.05.2007, 15:29 Titel: Gedicht "Ein Plädoyer für Unterstützung"
Halli Hallo,
ich mache ja eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin und dieses Schriftstück / Gedicht haben wir neulich in der Schule bekommen.
Es ist eher an die Betreuer und Erzieher , die mit Menschen mit Behinderung arbeiten gerichtet, aber ich finde es sehr schön, deshalb wollte ich es euch auch mal vorstellen.
Ein Plädoyer für Unterstützung
Sieh nicht meine Behinderung als das Problem.
Erkenne, dass meine Behinderung eine Eigenschaft ist.
Sieh nicht meine Behinderung als Defizit.
Du bist es, der mich als abweichend und hilflos sieht.
Versuche mich nicht zu reparieren, da ich nicht kaputt bin.
Unterstütze mich.
Ich kann meinen Beitrag zur Gemeinschaft auf meine Weise leisten.
Sieh mich nicht als dein Klient.
Ich bin dein Mitbürger. Sieh mich als dein Nachbar.
Bedenke, niemand von uns kann ohne andere leben.
Versuche nicht, mein Verhalten zu verändern.
Sei ruhig und höre zu.
Was du als unangemessen definierst,
mag mein Versuch sein mit dir zu kommunizieren,
in der einziegen mir zur Verfügung stehenden Weise.
Versuche mich nicht zu ändern, Du hast kein Recht.
Hilf mir zu lernen, was ich lernen will.
Verstecke nicht deine Unsicherheit hinter "professioneller" Distanz.
Sei ein Mensch, der zuhört
und nicht mir meine Kämpfe abnimmt,
im Versuch alles besser zu machen.
Benutze keine Theorien und Strategien an mir.
Sei mit mir. Und wenn wir miteinander ringen,
lasse dies unsere Selbsterkenntnis wachsen.
Versuche mich nicht unter Kontrolle zu halten.
Ich habe ein Recht auf meine Selbstbestimmung als eine
eigenständige Person.
Was du Nichtgehorsam oder Manipulation nennst,
mag der einzige Weg sein,
wie ich etwas Kontrolle über mein Leben gewinnen kann.
Hilf mir nicht, selbst wenn es Dir hilft, dich gut zu fühlen.
Frage mich, ob ich Deine Hilfe brauche.
Lasse mich Dir zeigen, wie Du mir am besten assistieren kannst.
Bewundere mich nicht.
Das Bedürfnis ein ausgefülltes Leben zu leben,
rechtfertigt keine Bewunderung.
Respektiere mich, da Respekt auf Fairness basiert.
Befehle, korrigiere und führe nicht.
Höre zu, unterstütze und folge.
Arbeite nicht an mir,
arbeite mit mir.
Bringe mir nicht bei, gehorsam, unterwürfig und höflich zu sein.
Ich muss das Recht haben , nein zu sagen,
wenn ich mich schützen will.
Sei nicht wohltätig zu mir.
Sei mein Verbündeter gegen jene,
die mich für ihre eigene Bestätigung ausnutzen.
Versuche nicht mein Freund zu sein.
Ich verdiene mehr als das.
Lerne mich kennen.
Wir könnten Freunde werden.
Quelle: Impuls Zeitung der BAG UB, 1998, H.7/8, 56-57.
Verfasser unbekannt _________________ Saskia, 22 Jahre alt, staatlich anerkannte Sozialassistentin und Heilerziehungspflegerin.
Bin in einer Schule mit dem Schwerpunkt der körperlichen und motorischen Entwicklung tätig.
Bianca _________________ "Wer nicht bereit ist, von ihnen zu lernen und ihre Leistung zu achten, belästige sie nicht mit Mitleid und Trost."- Franz Fühmann
Bianca, 19 Jahre alt, Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin -> Fachschule für HEP in Reichenbach; meine Praxisstelle ist das Pater-Rupert-Mayer-Zentrum Regensburg
LG Lisa _________________ "Erst wenn wir uns von den Stimmen in uns und um uns herum nicht mehr sagen lassen,was wir tun sollen,werden wir wissen,wer wir sind und können gehen,wohin wir wollen"
Bruder: Robert (17)
Schwester: Julia (9)
Pflegebrüder: B.(12), entwicklungsverzögert, körperliche Behinderung
J.(5) schwermehrfachbehindert
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