Verfasst am: 23.05.2007, 10:55 Titel: Wie wird es weiter gehen? (Sprachrückstand aufholen)
Vor 2 Wochen hatten wir mit Hannah einen Kontrolltermin im SPZ; dort gab es eigentlich viele gute Nachrichten, ihren allgemeinen Entwicklungsrückstand hat sie fast aufgeholt bis auf motorische Probleme die mit ihrem weichen Muskeltonus zusammenhängen, diese werden wir auch noch in den Griff bekommen.
Große Sorgen hingegen macht uns ihre Sprachentwicklung, es gibt dort immer nur minimale Fortschritte, sie hat nun als 3,5-jährige einen aktiven Wortschatz von vielleicht 100 Wörtern, verstehen tut sie absolut alles, doch sie spricht meistens nur "Kauderwelsch", besonders wenn sie frei erzählen will, dann flicht sie nicht mal die Worte die ihr bekannt sind ein. Kein Arzt kann uns sagen woran es liegt, das einzige was sie uns sagen ist, das sie offensichtlich kein Gefühl für den deutschen Sprachrhytmus hat. Sie wissen nun auch nicht mehr ob sich das auswachsen wird, was bisher die gängige Meinung war. Manchmal macht mich dass ganz schön traurig, besonders wenn ich sie mit anderen Kindern erlebe und sehe was ihr verschlossen bleibt. Eine richtige Gebärdensprache will man ihr noch nicht vermitteln, da die Gefahr besteht, dass sie sich dann darauf verläßt und gar nicht mehr sprechen will / wird. Hat jemand von Euch Erfahrungen damit?
Gruss Bea _________________ Bea, Mayer-Rokitanski-Küster-Hauser Syndrom, Posttraumatische Belastungsstörung und chronischer Schmerzpatient, GdB 60%, EM-Rentnerin und Markus mit Hannah geb. 11/03, entwicklungsretadiert, Dyspraxie, auditive Wahrnehmungsstörung und grenzwertiger Hochwuchs, geistig behindert, GdB 80% H,B, G. PS 2. Lena Marie geb. 3/07, gesund. Adoptivkinder.
Hallo Bea,
erst mal möchte ich dir einfach sagen: Kopf hoch! Deine Kleine ist ERST 3,5 und kann sicher noch vieles lernen! So wie ich das sehe, hat sie Probleme mit der Aussprache, nicht aber mit dem Verständnis. Kann mir aber kaum vorstellen, dass sie das absichtlich macht, oder?
Von daher halte ich es für Quatsch, ihr keine Gebärden anzubieten. Es gibt genügend Studien, die zeigen, dass dies die Sprachentwicklung unterstützt. Sicher wäre für euch die Gebärdernunterstützte Kommunikation (GuK) was. Gib das mal hier in die Suchmaschine ein, da findest du sicher einiges. Die Gebärden sind ganz häufig so eindeutig und aus dem Alltag herausgegriffen, dass auch andere sie verstehen, ohne sie zu kennen. Das würde sicher auch bei Kommunikation mit Gleichaltrigen helfen. Zu den Gebärden wird aber weiterhin gesprochen, sie sollen nur die Sprache unterstützen.
Wichtig finde ich es, sie zu unterstützen bei ihren Versuchen, sich zu artikulieren und sie zu bestärken (auch wenn es Kauderwelsch ist). Ich sehe sonst eher die Gefahr, dass sie die Kommunikation abbricht, weil sie sie als sinnlos erlebt.
Wünsche euch ganz viel Erfolg!
LG Katrin _________________ Katrin (*83), Förderschullehrerin an einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
sie bekommt bereits Frühförderung und Logopädie seit ihrem 2 Geburtstag, wir haben extra früh angefangen. Die GuK haben wir ihr und bieten wir ihr auch jetzt immer noch an, leider benutzt Hannah nur wenige Gesten davon, sie will lieber sprechen. Oft interpretiere ich ihre "Sprache" auch einfach aufgrund der Infos die ich sehe oder höre um ihr immer wieder das Gefühl zu geben, dass ise mit Sprache Dinge erreicht. Bis jetzt klappt das ganz gut, sie will nach wie vor sprechen und das ist ja erst einmal die Voraussetzung. Wir können, da sie ein Adoptivkind ist, leider nicht in Erfahrung bringen ob es evtl. bereits ähnliche Auffälligkeiten in der Ursprungsfamilie gab. Vielleicht würde es ja einiges klären.
LG Bea _________________ Bea, Mayer-Rokitanski-Küster-Hauser Syndrom, Posttraumatische Belastungsstörung und chronischer Schmerzpatient, GdB 60%, EM-Rentnerin und Markus mit Hannah geb. 11/03, entwicklungsretadiert, Dyspraxie, auditive Wahrnehmungsstörung und grenzwertiger Hochwuchs, geistig behindert, GdB 80% H,B, G. PS 2. Lena Marie geb. 3/07, gesund. Adoptivkinder.
Das mit der Gebärdensprache hab ich auch schon überlegt......so komisch es vielleicht auch klingt.
Kimberly mit ihren 2 Jahren spricht ja auch immernoch kein Wort, was fürs Dravet-Syndrom wohl leider "normal" ist......bei einigen gehts gut mit der Sprache, andere Kids wiederum kommen niemals über 2 Wort Sätze hinnaus.
Dachte mir das es ja eigentlich nicht schaden kann......nur hab ich selber null ahnung davon, und müsste mich selber mal damit befassen.
Kimy versteht auch fast Alles.....einfache Dinge die ich ihr sage begreift sie sofort.....nur sich halt ausdrücken oder mitteilen kann sie gar nicht. _________________ Sylke (*3/70) mit Kimberly (*5/05), Dravet-Syndrom ( und Mercy - ihr Anfallsmeldehund )
Hallo Bea,
wenn ihr mit den GuK-Karten nicht weiterkommt, wie wäre es dann mit einem talker? Man weiß ja nicht, wie sich ihre Sprache noch entwickelt, aber verstanden werden ist ja schon sehr wichtig. Es gibt sie auch für mobile Kids, zum Umhängen. Vielleicht versucht ihr es damit mal. Es ist halt auch wichtig für die Intelligenzentwicklung, weil die Sprache eben das Denken strukturiert und sie da durch den Talker echte Fortschritte erleben könnte. Es gibt hier ja auch einen "Unterstützte Kommunikation"s- Thread, vielleicht kannst du da auch mal gucken und dir Anregungen holen.
Alles Gute
Katrin _________________ Katrin (*83), Förderschullehrerin an einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
Hallo Sylke,
die GuK- Gebärden sind recht einfach und du hast ja auch schon überlegt, sie dir zu besorgen, ne?
Ansonsten gäb es natürlich auch für Kimy die Möglichkeit, sich mit einem Talker zu verständigen. Der hätte eben den Vorteil, dass sie auch von Fremden verstanden wird und sie auch Grammatik usw. lernen kann- wie Kinder, die sprechen lernen, eben auch. In jedem Fall blockiert UK nicht die eigene Sprachentwicklung, sondern fördert sie
Viel Erfolg
LG Katrin _________________ Katrin (*83), Förderschullehrerin an einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
LG Bea _________________ Bea, Mayer-Rokitanski-Küster-Hauser Syndrom, Posttraumatische Belastungsstörung und chronischer Schmerzpatient, GdB 60%, EM-Rentnerin und Markus mit Hannah geb. 11/03, entwicklungsretadiert, Dyspraxie, auditive Wahrnehmungsstörung und grenzwertiger Hochwuchs, geistig behindert, GdB 80% H,B, G. PS 2. Lena Marie geb. 3/07, gesund. Adoptivkinder.
mit 3,5 Jahren hat unseren Stephan auch niemand verstanden. Er hatte seine eigene Sprache, die wir Eltern irgenwann einigermaßen verstanden haben. Ein Beispiel "Addle" war Wasser. Ich war permanent nur am "dolmetschen". Das Jahr Regelkindergarten war furchtbar für ihn. Nach einem Jahr haben wir ihn dann auf einen Sprachheilkindergarten getan. Das Beste, was wir tun konnten. Die Erfolge waren / sind gigantisch.
Heute ist Stephan 6 Jahre alt und die Logopädin hat gemeint, sie könne sich ihn sogar auf einer Regelschule vorstellen. Die Erzieherin meinte aber, er wäre auf einer Sprachheilschule erst mal noch besser aufgehoben, da schon noch defizite vorhanden sind.
An Weihnachten hat er vor einer vollen Turnhalle ein Gedicht vorgetragen - ohne unser Wissen. Der Nikolaus hat gefragt, wer sich traut. Ich habe geheult wie ein Schlosshund. Ich habe jedes Kind erwartet - aber nicht meinen Sohn.
Ich möchte dir einfach Hoffnung machen. Da kann auf einmal so viel sich tun. Bei uns haben die Fortschritte so mit 4 1/2 Jahren angefangen. Da habe ich auf einmal gemerkt, dass mein "dolmetschen" nicht so oft nötig war .
Also, ich wünsche Euch viel Kraft bei eurem weiteren Weg. Aber gebt die Hoffnung nicht auf. Die Logopädin (damals war Stephan gerade mal 3 Jahre alt) hat gesagt, es wird ein sehr steiniger Weg. Er war sehr steinig, aber es hat sich gelohnt durchzuhalten und immer zu hoffen.
Den Sprachheilkindergarten + zusätzliche Logo kann ich nur jedem empfehlen.
Hallo Bea,
ein Talker ist ein Sprachcomputer, der extra für Menschen gemacht ist, sie sich nicht/ nur eingschränkt verbal verständigen können. Es gibt sehr verschiedene Arten von Talkern- angefangen bei sprechenden Tasten, auf die man Botschaften aufnehmen kann- bis hin zu komplexen Computern mit vielen Tausend Begriffen, die mit Hilfe von Bildern dargstellt werden. Ob das in eurem Fall nötig ist, weiß ich nicht. Talker kann man bei der Krankenkasse beantragen. Da sie aber sehr teuer sind, werdet ihr erst welche ausprobieren müssen oder einen guten Bericht haben müssen. Ich denke, du solltest mit der Logopädin sprechen. Die sollten sich eigentlich damit auskennen. Vielleicht läuft es bei euch aber auch wie bei Stephan? Ich wünsche euch alles Gute!
LG Katrin _________________ Katrin (*83), Förderschullehrerin an einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
dass Gebaerdensprache die Entwicklung der aktiven Sprache behindern soll ist Quatsch. Es gibt genug Studien, vor allem hier in Nordamerika, die das glatte Gegenteil belegen! Und ich seh es auch an meinem Sohn: je mehr Gebaerden er kann, desto besser entwickelt sich auch sein Sprachverstaendnis, sein Wille ueberhaupt zu kommunizieren und sein Bemuehen, Laute nachzuahmen (er hat grosse Probleme mit seiner Mundmotorik, deswegen ist das fuer ihn unheimlich schwer).
Gebaerdensprache ist hier in Nordamerika inzwischen sogar schon so ein Hit, dass es unzaehlige Kurse gibt fuer voellig gesunde Babies. Die Sutdien gehen sogar so weit, dass behauptet wird, dass Babies mit denen Gebaerdensprache von frueh an (ich spreche hier ab 6 Monate!!) gemacht wird, diese Babies aufgrund des nachweislich hoeheren Wortschatzes auch einen hoeheren IQ entwickeln.
Deine Tochter wird allerdings die Gebaerden nur annehmen, wenn du sie einfach immer wieder einfliessen laesst und selbst verwendest.
Fuer mich war der einzige Weg eine Serie von DVD (www.signingtime.com), die sind allerdings englisch. Aber die besten und kinderfreundlichsten DVD's, die es zu dem Thema gibt. Meine Kinder sind ganz fanatische signing time fans...
Und Gabriel hat auch 90% seiner signs von diesen DVD's, auch wenn sein Sprachverstaendnis in englisch nicht so toll ist. Aber ich sitz ja daneben, wir ueben die signs die vorkommen, und ich sprech auch deutsch dazu.
Liebe Gruesse,
Birgit _________________ Mama von Gabriel (*2002, Sauerstoffmangel waehrend der Geburt; allgemeine Entwicklungsverzoegerung; komplexe Wahrnehmungsstoerung: Magensonde zw. 15 Monaten und 2,5 Jahren; derzeit non-verbal, aber verwendet Gebaerden) und Julian (*2004, gesund) und Florian (*gerade noch 2008 ;o) und ein gesundes, ganz liebes und braves Baby)
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