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Peinlich ein Sonderschüler zu sein?
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Andrea5
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BeitragVerfasst am: 15.05.2007, 15:19    Titel: Peinlich ein Sonderschüler zu sein? Antworten mit Zitat

Hallo,

ich habe einen Auschnitt aus der TAZ gefunden:

Aus der Taz vom 7.3.2007

Unsichtbare Kinder, voller Scham
SonderschülerInnen müssen mit vielen Stigmata leben: Weil sie arm sind und Lernschwierigkeiten haben, werden sie zu "Behinderten" gemacht [...]
http://www.landeselternausschuss.de.....s.de/content/view/398/71/
BRIGITTE SCHUMANN

Die Autorin hat zum Thema gerade ihre Promotion veröffentlicht: " ,Ich schäme mich ja so!' - Die Sonderschule für Lernbehinderte als ,Schonraumfalle' ". Klinkhardt, Bad Heilbrunn 2007

Mod-Edit: Text wegen Urheberrechtsverletzung gelöscht und stattdessen verlinkt. Gruß Nellie


--------------------------------------------------------------------------------
Mich würde mal interessieren, wie Ihr und Eure Schulkinder damit um-
gehen? Über Antworten wäre ich dankbar.

Lieber Gruß
Andrea
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katrinchen
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BeitragVerfasst am: 15.05.2007, 16:21    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Andrea,
ich habe zwar selbst kein Kind, das auf die L- Schule geht, aber ich kann dir von Schülern berichten, denen es genauso geht. Auf dem Schulhof bekam ich ein Gespräch mit, in dem ein sonst echt fitter Schüler (ich kannte ihn aus der Grundschule, wo ich mein FSJ gemacht hab) sagte, dass es doch "scheißegal" sei, wie er sich verhalte und ob er lerne. Er sei doch sowieso schon in der untersten Schublade und auf der Sonderschule." Er klang dabei echt verzweifelt.
AAABER: Die Lehrerin, die mit dem Schüler sprach, antwortete ihm, dass er nicht auf eine Sonder- sondern auf eine Förderschule gehe und dass er hier die Chance erhalte, nach seinen Möglichkeiten gefördert zu werden! Und es war tatsächlich so, dass dies dem Jungen Mut gemacht hat Very Happy
Das Problem sehe ich also weniger in der Schulform an sich, sondern in der gesellschaftlichen Akzeptanz. Natürlich schämen die Kinder sich für ihre Schule, wenn sie dies vermittelt bekommen. Hier ist noch viel Arbeit nötig- auch von (angehenden) Sonderschullehrern Very Happy Ich hoffe, dass sich noch ein paar zu Wort melden, denn die direkte Betroffenenperspektive interessiert mich natürlich schon auch.
LG Katrin

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Katrin (*83), Förderschullehrerin an einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
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Natalie Krebs
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BeitragVerfasst am: 15.05.2007, 16:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Andrea,

ich glaube auch das es viel um die gesellschaftliche akzeptanz geht, grade heute habe ich mit meiner tante über das thema gesprochen da meine cusine evt. auf die förder schule soll, diese meinte nur zu mir das sie das auf keinen fall zulassen wolle, ihr tochter werde mit garantie nicht in die sonderschule kommen.
das gab mir schon zu denken.....

LG Natalie

_________________
Naty (08.79), Oskar(08.66)Lena(01.00)unsere wilde ADHS und Legastehnie, Kilian(07.02)defekt auf 16p13.2 , Mehrfachbehinderung ,Temporalhornsklerose,Button,schwere Myoklonische Epilepsie dauer Status,spastische tetraparese,aber ein echter sonnenschein http://www.REHAkids.de/phpBB2/album.....personal.php?user_id=1470
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Lisa Maier
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BeitragVerfasst am: 15.05.2007, 17:19    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ob es einem Lernbehinderten emotional besser geht, wenn er nicht in die Sonderschule geht, in der er wirklich seinen Fähigkeiten entsprechend gefördert statt überfordert wird, sondern immer der Letzte ist, ist hier die Frage. Ich denke, das wichtigste ist, das die Eltern die Sonderschule nicht negativ sehen und das dem Kind auch vermitteln. Und was heißt hier
Zitat:
zu "Behinderten" gemacht
? Jeder, der in einem Bereich im Vergleich zum Durchschnitt große Schwierigkeiten hat, ist in dem Bereich eben behindert - wo ist da das Problem?

Viele Grüße

Lisa
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Jaqueline
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BeitragVerfasst am: 15.05.2007, 17:24    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
wo ist da das Problem?


Hallo Lisa,

für viele Eltern ist das leider ein Problem. Zugeben bzw. sich eingestehen, dass das Kind eine Behinderung / Einschränkungen hat können und wollen viele nicht. Vor allem wenn man es nicht sieht und nach außen hin alles normal aussieht. Denn dann wird ja geredet, was für viele einfach ein Grund ist sich zu schämen. Daher blos keine Sonderschule, sonst merkt / sieht man ja was!! Es ist traurig, aber leider oft tatsächlich so. Sonderschulen scheinen immer noch den "schlechten Ruf des Andersseins" zu haben. Was Quatsch ist aber Realität. Den Dialog: "Ihr Kind muss auf eine Sonderschule? Oh, das tut mir leid", gibt es sicher noch oft. Außerdem sind an Sonderschulen (LB-Schulen) oft sozial Schwache und Verhaltensauffällige. Das ist für uns nichts schlimmes, aber viele Eltern wollen da nicht "in den gleichen Topf", weil das ebenfalls einen schlechten Ruf hat.

_________________
LG Jaqueline
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Nur wahre Freunde hinterlassen Spuren im Herzen.
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BeitragVerfasst am: 15.05.2007, 17:40    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Andrea,
ich glaube auch , die Autorin hat in jedem Punkt recht und eine Schule für Alle, die jedes Kind WERTSCHÄTZT - das wäre doch einfach traumhaft !!!

Fürchte nur, bis dahin ist es noch ein sehr langer Weg - unsere Regierung hat z.Zt. ja sehr viel Sinnvolleres ( Ironie on - Fit statt Fett - Ironie off ) zu tun.

Gibt es einen link zu der Promotion ?

LG Heike
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BirgitW
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BeitragVerfasst am: 16.05.2007, 05:45    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich wohne in so einem Land, wo genau das passiert: Integration - wenn auch nur irgend moeglich - ALLER Kinder in eine Regelschule.

Dazu braucht es dann aber auch genuegend Integrationskraefte, und dann teilweise auch 1:1 Betreuung in der Regelschule durch eine zusaetzliche Integrationskraft.

So koennte dann auch die Akzeptanz von behinderten Menschen in der Bevoelkerung auf die einfachste und wirksamste Weise erhoeht werden (unter der Voraussetzung natuerlich, dass auch die Lehrkraefte entsprechend ausgebildet sind und die Kinder sich gegenseitig einander naeher bringen koennen).

Ach ja, und das Problem ist doch in Wirklichkeit, dass sowohl die dt./oest. Oeffentlichkeit als auch die entsprechenden Politiker meinen, unsere Schulsysteme seien so toll, und warum nur fielen die Pisastudien so schlecht aus, das kann ja nicht sein, bei uns lernen die Kinder doch viel mehr, bla bla bla....

Das hindert dann, sich einmal wirklich andere Schulsysteme anzuschauen und dazuzulernen. Nicht, dass die anderen Systeme alle soviel besser waeren, aber in manchen Punkten sind sie eben schon besser (Bsp: Integration, Foerderung von Persoenlichkeit/Kreativitaet versus Massivschwerpunkt auf akademisches Wissen), und da koennte man sich ja was abschauen.

Liebe Gruesse,
Birgit

_________________
Mama von Gabriel (*2002, Sauerstoffmangel waehrend der Geburt; allgemeine Entwicklungsverzoegerung; komplexe Wahrnehmungsstoerung: Magensonde zw. 15 Monaten und 2,5 Jahren; derzeit non-verbal, aber verwendet Gebaerden) und Julian (*2004, gesund) und Florian (*gerade noch 2008 ;o) und ein gesundes, ganz liebes und braves Baby)
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katrinchen
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BeitragVerfasst am: 16.05.2007, 07:43    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Birgit, genau da liegt unser Problem. Eine Freundin von mir ist gerade im Referendariat an einer G- Schule. In ihrem Seminar sitzen aber auch GS- und HS- Referendare. Die haben doch allen Ernstes gefragt, warum denn Kinder, die nur bis sechs zählen können, überhaupt Mathematikunterricht brauchen und warum die überhaupt zur Schule gehen Shocked Solnage es solche Meinungen sogar unter Lehramtsstudenten gibt, kann man nur hoffen, dass es wenigsten so bleibt wie es ist!! Denn die Geschichte zeigt es: Sobald es den Menschen und dem Staat schlechter geht, wird die Versorgung der menschen mit behinderung nach unten gefahren und dann wäre es nur noch ein kleiner Schritt, bis man sagt: alle Kinder in eine Schule, ist eh billiger, und wer nicht mitkommt, bleibt zu hause Twisted Evil
LG Katrin

_________________
Katrin (*83), Förderschullehrerin an einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
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Andrea5
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BeitragVerfasst am: 16.05.2007, 08:57    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich habe einen Auszug aus einer Broschüre des niedersächsischen
Behindertenbeauftragten gefunden, den ich leider zitieren muß (kopieren
der PDF-Datei war nicht möglich, deswegen mach ich es kurz)

Mangeldes Wahlrecht zwischen integrativer und Sonderbeschulung
Nach wie vor existiert kein Wahlrecht für Eltern zwischen integrativer
und Sonderbeschulung in Niedersachsen. Immer gilt noch, daß ein
Lehrerkollegium den Wunsch von Eltern auf Integration zurückweisen kann
mit dem Hinweis auf nicht vorhandenenen personellen, manchmal auch
sachlichen Gegebenheiten.
Deswegen kritisiert der Behindertenbeauftragte, daß ein Recht der Eltern
für ihre Kinder, die sonderpädagogischer Förderung bedürfen, zwischen
dem Besuch der Sonderschule oder einer Regelschule zu wählen, nicht
durch §4 des Niedersächsischen Schulgesetzes begründet wird und
plädiert dafür ,dieses Wahlrecht zu verankern.
Weiterhin macht der Behindertenbeauftragte klar, daß eine gemeinsame
Beschulung von behinderten und nichtbehinderten Kindern immer
Vorrang hat.
Zitat ende.

Manchmal frage ich mich eigentlich, wo wir hier eigentlich sind? In
Niedersachsen kann ich nach der 4. Grundschulklasse entscheiden
als Elternteil, egal was für eine Empfehlung (Hauptschule, Realschule
Gymnasium) mein Kind hat, auf welche Schulform es geht. Ob ich
meine Entscheidung so verantworten kann, bleibt mal dahingestellt.
Geht es aber bei der Einschulung darum, Grundschule oder Sonderschule,
habe ich kein Wahlrecht. Hat mein Kind Anspruch auf sonderpäda-
gogischen Förderbedarf, bin ich auf die Fürbitte auf das Lehrerkollegium
angewiesen. Das kann es doch nicht sein. Ich möchte mein Kind da
einschulen, wo es wohnt, wo es sich mit gesunden Schulkindern an-
freunden kann, wo es eventuell mehr lernt als in einer Sonderschule.
Sonderschule heißt für mich immer noch, aussortiert zu werden, in
die letzte Ecke geschoben zur werden. Behindert sind nicht die Kinder,
sondern die sogenannten Fachidioten und Politiker.

Ich plädiere, Unterricht gemeinsam, behindert oder nicht behindert.
Ich denke, davon profitieren alle, Kinder, Eltern und Lehrer.
Das mußte ich mal los werden. Ich habe einen stark entwicklungsver-
zögerten Sohn (Ben 01/04), der in 3 Jahren schulpflichtig wird.

Lieber Gruß
Andrea
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Marylu
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BeitragVerfasst am: 16.05.2007, 08:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Andrea, Katrin und ihr anderen,

also ich war selber auf einer KB- Schule da ich eine Hemiparese rechts habe und Lernbehindert bin. Wahrscheinlich kann ich euch auch wieder mehr darüber erzählen aus meiner sicht, da ich ja 11 Jahre lang auf so einer Schule war. Als ich 1994 eingeschult worden bin habe ich mich noch nicht so ganz mit dem Thema Behinderung und anders sein als die anderen befasst. Ich wusste nur, dass diese Schule etwas besonderes war, da ich da auch KG, Ergo und Logopädie bekam. Das war ja in den Regelschulen nicht so der Fall. Als ich in der Pubertät dann kam, habe ich mich schon gefragt, warum ich eigentlich auf diese Schule bin, denn ich hätte ja auch sehr gut in eine Hauptschule gehen können. Da wir ein Schulzentrum waren, also unsere Nachbarschulen waren noch die Hauptschule und das Gymnasium, haben wir auch sehr, sehr viel gemacht. Es kamen Schüler vom Gymnasium und der Hauptschule zu uns, um etwas über uns und unserer Behinderung zu lernen, aber wir sind dann auch mal in die hauptschule gegangen und haben da die Schüler nach gefragt, was die z. B. in ihrer Freizeit machen, da sie mehr Möglichkeiten haben, wie wir behinderte. Ja, ich hatte zwar gerade in den letzten 3 Jahren ziemliche Probleme damit, dass ich auf so einer Schule war, da ich unbedingt eine vernünftige Ausbildung machen wollte, aber ich musste mich nach meinem ersten Praktikum damit auseinander setzten, dass ich keinen Arbeitsplatz auf dem 1. Arbeitsmarkt finden werde. Als ich dann die 2 Praktika's in der WfbM gemacht habe, fand ich es da schön und ich konnte mich mit dem Gedanken anfreunden einmal in die WfbM zu gehen. Im nachhinein kann ich euch sagen, dass ich wirklich froh war und es jetzt noch bin, dass ich auf diese Schule gegangen bin, denn ich glaube heute, dass ich es vom Druck her nicht auf einer Regelschule geschafft hätte den Hauptschulabschluss zu machen. Vor 2 Jahren habe ich jetzt den vereinfachten Hauptschulabschluss bestanden und damit bin ich in die WfbM gegangen und bin darauf ziemlich stolz, denn in der WfbM kann man auch ganz hoch kommen und das heißt nicht, dass man da für immer bleiben muss. Wenn ihr noch mehr erfahren wollt, dann schreibt ruhig mal. So habe ich es gesehen. Auch als SchülerInnen der Sonderschule kann man sehr weit kommen, auch, wenn es einigen nicht so bewusst ist. Also ich kann von mir sagen, dass es mir sehr geholfen hat auf so einer Schule zu sein.

Liebe Grüße
Maria

_________________
Hemiparese rechts nach Rasmussen Encephalitis
viele Allergien, Depressionen
Lernbehinderung
Asthma
Lachen und Lächeln sind Tor und Pforte, durch die viel Gutes im Menschen hineinhuschen kann!!!
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