Verfasst am: 13.03.2007, 11:39 Titel: Asperger und Gymnasium
Hallo,
ich bin Lehrerin an einem Gymnasium. Wir werden im nächsten Schuljahr vermutlich einen neuen Schüler in der 5. Klasse bekommen, der Asperger hat. Wir bekommen auch eine Integrationskraft.
Hat jemand Erfahrungen, damit wir vermeidbare Fehler verhindern können und das Kind bestmöglich integriert wird?
Gruß
Britta _________________ Amelie (*05), hypoxischer Hirnschaden durch near-missed SIDS, Z. n. BNS-Epilepsie, Button, Tetraspastik, cerebral blind, Hüftluxation
Ich habe diverse Dateien zum Thema Asperger und Schule, die ich Dir schicken kann, dafür müsstest Du mir bitte eine PN mit Deiner Mailadresse schicken.
Liebe Grüße
Annette _________________ Annette *16.08.67, u.a. chronische Neuroborreliose, chronische Depression, EM-Rentnerin, GdB 50, mit Ulrich, *27.07.92, Asperger-Autismus, GdB 80, H, B, G; er lebt in WG der Mansfeld-Löbbecke-Stiftung in Braunschweig
Meine Tochter mit V.a. Asperger besuche derzeit die 5. Klasse eines Gymnasiums. Bei ihr kommt aber noch eine Sehbehinderung dazu. Sie hat keinen I-helfer sondern teilt sich mit einem 2. Kind eine Sonderschulllehrin von der Sehbehinderten Schule die aber nur alle 2 Monate nach dem Rechten schaut.Aber wenn es Probleme geben sollte ist sie sofort da.
D. wird in der Klasse akzeptiert hat aber keine richtigen Freunde. Es gibt Situationen wo sie vo#öllig "abschaltet" und versunken in der Nase bohrt, ohne zu merh#ken, das es die anderen Kinder abstößt. Wenn andere Kinder auf sie zukommen blockt sie ab.
Wenn die Möglichkeit besteht versucht vorher schon 2-3 Treffen auszumachen, damit ihr ihn besser kennenlernt. Denn jeder Aspie ist auch wieder anders. In der Schule meiner Tochter wir Freiarbeit groß geschrieben. Sie arbeit zu 99% allein, während andere zu zweit oder dritt zusammenarbeiten. Vorträge oder Auftritte sind Horror für sie. Lieber 20 Seiten Aufsatz als 5 min vor der Klasse reden. Die Aufklärung der Klasse ist unheimlich wichtig um Mobbing vorzubeugen.
Wenn du noch Fragen, her damit, ich und sicherlich auch die anderen Betroffenen werden dir gerne Antworten. Ina _________________ Dana geb.1994, HFA- Autistin, Sehbehindert 20% Sehkraft mit imlant. Kunstlisen bds),kombinierte beidseitige Schwerhörigkeit (auf einem Ohr taub)
Mara geb.1997, Aortaerweiterung d. Herzklappenfehlbildung, ADHS
Hallo, mein Sohn Konstanty besucht sowohl in Polen, als auch dieses Jahr in Muenster die sechste Klasse des Gymnasiums. Er ist ein Aspergerkind.
Er ist normal intelligent und in einigen Faechern gehoert er dank ausgepraegter Spezialinteressen zu den Besten (Geschichte, Erdkunde).
Die Lehrer mussten sich daran gewoehnen dass er oft abwesend scheint, an die Decke schaut, manchmal sogar umhergeht. Aber er weiss genau worueber gesprochen wird.
Konstanty schreibt nicht. Oft ist die Motorik von Aspergerkindern gestoert oder schwach. So muss eine Loesung gefunden werden wie das Kind an Notizen kommt.
Konstanty ist auch mehr als zerstreut und unorganisiert. Das kostet Nerven und viel zusaetzliche Arbeit, vor allem wenn Lehrer hier kein Verstaendnis aufbringen.
Konstanty spricht sehr gut hat aber extreme Schwierigkeiten seine Gedanken zu Papier zu bringen. Auch braucht es Verstaendnis und evtl. andere Pruefungsmethoden.
Was die Klasse angeht sind bislang Gott sei Dank keine Schwierigkeiten aufgetreten, aber Konstanty ist von zu Hause her soziale Kontakte gewoehnt, er hat noch fuenf Geschwister. Gut ist es wenn man der Klasse vorher ueber das Kind und seine Besonderheten erzaehlt. Kinder sind in unserem Falle eine grosse Hilfe.
Es gibt eine Menge hilreicher Buecher ueber ueber Asperger Kinder.
So, und nun will ich noch sagen wie sehr es eine Mutter freut einen Lehrer zu sehen, der ein solches Interesse zeigt. Aspergerkinder haben unzaehlig viele gute Seiten. Ich lerne stets neue Dinge von meinem kleinen Kerl. Allerdings waere er allein schon ein Fulltimejob.
Liebe Gruesse, Marie
unser Sohn ist ein HFA-Kind, gleichzustellen mit einem Asperger, die Grenzen sind da fließend. Er geht seit diesem Schuljahr in die 5. Klasse eines Gymnasiums im Nachbarkreis.
Wir haben uns zuerst um eine Schule bemüht, die ihn auch mit Freuden aufnehmen wollte, trotz der begleitenden I-Helferin. Das scheint an Eurem Gymnasium ja schon prima gelaufen zu sein.
Der Direktor hat die Lehrer entsprechend ausgesucht und ich habe vorab zig Handreichungen für Pädagogen zum Umgang mit Asperger-Kindern reingereicht: "Asperger-Autisten verstehen lernen" (Infos über www.autismus-mfr.de) sowie "Asperger-Syndrom - Strategien und Tipps für den Unterricht" (mit ganz vielen Tipps wie Lehrer auf Verhaltensauffälligkeiten reagieren können und wie sie einzuschätzen sind - Herausgeber ist der Autismus Deutschland e. V. ) Am besten wendet Ihr Euch an einen Regionalverband von Autismus Deutschland, dort gibt es meist viele Informationen für den Schulunterricht).
Mein Mann und ich haben bei der ersten Klassenpflegschaftssitzung in Absprache mit der Klassenlehrerin einen Elternbrief geschrieben, um über unser Kind und seine Schulbegleitung zu informieren. Somit konnten auch die anderen Eltern ihre Kinder bei Fragen aufklären. Nachdem bei uns das Probehalbjahr abgelaufen war und unser Sohn an der Schule bleiben durfte, habe ich dann noch einen Lehrerbrief formuliert, um die Aufklärung über die Besonderheiten beim Lernen nicht nur der Klassenlehrerin aufzuhalsen. Bei den häufigen Lehrerwechseln ist so jeder gleich informiert und weiß, was auf ihn zukommt. Und wenn nicht, kann er bei uns nachfragen - wenn er mag.
Bei uns läuft alles wie im Traum - nach 1,5 Jahren Horror auf der Schule für Erziehungshilfe hatten wir schon viele Hoffnungen begraben. Doch jetzt mit der Schulbegleitung (ohne die gar nichts ginge) und der Offenheit der Lehrer und auch der meisten Eltern, sind wir beziehungsweise unser Sohn, mehr als glücklich. Da stören auch ein paar schlechte Noten nicht.
An Eurer Schule wird sich das neue Kind sicher wohlfühlen, wenn die Lehrer sich jetzt schon so toll einsetzen. Respekt!
vielen Dank für eure Antworten. Gut zu wissen, dass die Klasse auf jeden Fall informiert sein soll (es gäbe ja auch die Möglichkeit, es zunächst anders zu versuchen, um einer Stigmatisierung vorzubeugen, aber allein die Anwesenheit einer Integrationskraft zeigt ja schon das "Anderssein"). Auch gut zu wissen, dass es gut laufen kann, wenn ich auch Schwierigkeiten darin sehe, dass in der Schule mittlerweile immer mehr Wert auf Präsentation gelegt wird.
Ich werde die Klasse nicht übernehmen können, da ich z. Zt. wg. Erziehungsurlaub nur sechs Stunden unterrichte und Oberstufenkurse habe. Aber vielleicht dann ab Klasse 7 in zwei Jaheren. Ich möchte einfach gerne informiert sein und die Kollegen unterstützen, wo es geht. Vielen Dank nochmal
Britta _________________ Amelie (*05), hypoxischer Hirnschaden durch near-missed SIDS, Z. n. BNS-Epilepsie, Button, Tetraspastik, cerebral blind, Hüftluxation
Liebe Leute!
Ich lese hier mit Begeisterung die Beiträge über die Möglichkeiten, die Euren Kindern eine Schulbegleitung gibt, und muss mich echt über mich ärgern, dass ich es damals nicht durchsetzen konnte.
Meine Tochter, bei der auch Asperger lange vermutet wurde und auf jeden Fall einige autistische Züge aufweist, geht in die 3. Klasse einer Sprachheilschule, wo sie lediglich von kleinen Klassen profitiert ansonsten aber nicht richtig rein passe. Wir haben ständig sehr lange Elterngespräche, wo es vorallem darum geht, dass bei Anastassia eine große Diskrepanz zwischen ihren kognitiven Fähigkeiten und mangelhaften Selbstorganisation, Verträumtheilt, Langsamkeit und Zurückhaltenheilt zu beobachten ist.
Wie habt Ihr die Begleitung in der weiterführenden Schule durchgesetzt? Vor allem nachdem das Kind in einer Sonderschule untergebracht war. Wir haben leider wenig Unterstützung seitens des zuständigen SPZs, und die Schule ist eher ratlos. Welche Ansprächadressen gibt es sonst? Wenn wir uns jetzt mit aller Kraft nicht einsetzen wird es auf die Hauptschule hinauslaufen, wo unsere Tochter hoffnungslos untergeht. Aber wir wissen nicht recht wie? Das, was wir bisher ausprobiert haben, war eher enttäuschen und mit einem mehrfachbehinderten zweiten Kind, bin ich zeitlich und nervlich genug angespannt.
Wäre dankbar für Eure Tipps,
Natalja _________________ Natalja mit Anastassia 8/97, einer Leseratte und Anton 1/03, Zwerchfellhernie, perinatale cerebrale Schädigung, Hydrocephalus et vacuo, mehrfach behindert aber ein Sonnenschein
als wir die Diagnose HFA (frühkindl. Autismus auf hohem Funktionsniveau) hatten, konnten wir endlich tätig werden, um endlich eine Schulbegleitung zu bekommen. Unser Sohn hat eine gymnasiale Empfehlung bekommen, obwohl sich die Sonderschullehrer täglich umentschieden, ob er es kognitiv nun packt oder nicht. Durch die Schulbegleitung ist das Thema "Verträumtheit" oder "schlechte Eigenorganisation" oder "Ablenkbarkeit" nur am Rande ein Thema - sie übt viel mit ihm, damit er es irgendwann selbstständig bzw. mit Hilfe der Schule auf die Reihe kriegt.
Die Schulbegleitung haben wir über einen Dienst bekommen, der unserem regionalen ATZ des Autismus OWL e.V. angegliedert ist. Zudem hatten wir Rückendeckung durch das Schulamt und die Koordinatoren für Autismus des Landkreises. Wir haben halt alle Hebel in Bewegung gesetzt, unser Kind von der Sonderschule in die Regelschule zu bekommen, obwohl das den finanzierenden Behörden nicht gefallen hat.
Der Weg war also: abgesicherte Diagnose einer renommierten Klinik - Unterstützung durch Schule und Schulamt bzw. Bezirksregierung - Hilfe durch Regionalverband Autismus Deutschland e.V. - Bereitschaft der aufnehmenden Schule, sich dem Wagnis Kind mit Schulbegleitung zu stellen - Anfragen und Hilfen durch Autismus-Koordinatoren des Landkreises.
Das ging alles telefonisch oder per eMail und ohne die Unterstützung der Verbände hatten wir auch irgendwann aufgegeben, denn die Finanzierung einer Schulbegleitung ist halt schwer zu bekommen, wenn die Jugendhilfe nicht mitziehen mag.
Hallo.
Unsere Tochter geht in die 9.Klasse eines Gymnasiums und hat in der Klasse einen Jungen mit Asperger.
Er hat einen I-Helfer und fällt laut meiner Tochter nicht auf.
Er ist akzeptiert,schreibt selbstständig und macht auch im Unterricht mit.
Es dauert zwar ein bißchen länger,bin die Antworten kommen aber er ist normal bis überdurchschnittlich intelligent.
Der I-Helfer nervt allerding(laut meiner Tochter,da er nicht sehr alt ist und sich anscheinend manchmal langweilt)aber sonst fallen die Beiden nicht auf und er ist in der Klassengemeinschaft integriert.
Mich würde aber auch interessieren,wie man eine Begleitung durchsetzen kann,da von einer Bekannten das Kind zur Grundschule kommt und auf einen I-Helfer angewiesen ist aber bis jetzt sieht das nicht gut aus.
Wenn Du die Adresse der Schule haben willst,kann ich Sie Dir gerne geben.
Ich finde es jedenfalls klasse,das der Junge die Möglichkeit hat,auf dem Gymnasium zu sein und mit gleichaltrigen Kindern zusammen ist.
Beide Seiten profitieren davon und ich würde mir echt wünschen,wenn sich das mehrere Schulen zutrauen würden und die Eltern auch die Möglichkeiten bekommen,ihr Kind problemlos auf eine"normale"Schule zu schicken,ohne einen Maraton von Bestimmungen,Regeln,Formularen,etc.durch zu laufen.
lg von Melanie. _________________ Melanie(04/73)Ehlers-Danlos Typ3+Fibromyalgie,mit Jana(04/92)EDS,Aljoscha(02/97)Asthma,ADS mit Konzentrationsstörungen ,Moritz unser Sorgenkind(07/00):Frühgeburt,EDS,schwere Lungenerkrankung(+ intrinsic-asthma),Sprachverzögerung,Entwicklungsverzögerung in best.Bereichen,Franziska(02/05)EDS
Hallo Britta!
Besten Dank für Deine ausführliche Antwort!
Leider sind wir von einer klaren Diagnose weit entfernt. In das Autismus Zentrum im Freiburg haben wir den Termin bekommen, als ich gerade mein zweites Kind bekam, mit dem ich anschließend über 3 Monate in einer Klinik war. Ein hiesiger Kinderpsychiater hat bei Anastassia eine milde Form des Asperger-Autismus als möglich bezeichnet. Also auch nicht zu gebrauchen. ADS passt auch nicht so richtig. Den Sprachentwicklungsrückstand hat sie mittlerweile nachgeholt. Sie bekommt in der Sprachheilschule für alle Tests 1 und 2, und im Zeugnis eine 3, nach dem Motto: „Die Hauptschule wird das Kind irgendwie packen, und wir kriegen keine negative Rückmeldungen“. Aber eigentlich meint die Schule, dass unsere Tochter aufgrund ihrer psychosozialen Auffälligkeiten in keiner weiterführenden Schule zurechtkommen würde.
Ohne viel Eigeninitiative ist man (eigentlich das Kind ) aufgeschmissen.
Ich habe mich schon mit der Mutter eines ehemaligen Mitschülers meiner Tochter in Verbindung gesetzt, die es geschafft hat, dass ihr Sohn eine Schulbegleitung bekam, allerdings geht er in eine Hauptschule. Wir treffen uns demnächst, und ich hoffe über konkrete Schritte, die notwendig sind, alles ganz genau zu erfahren.
Nochmals vielen Dank und alles Gute für Dich und Deinen Sohn.
LG
Natalja _________________ Natalja mit Anastassia 8/97, einer Leseratte und Anton 1/03, Zwerchfellhernie, perinatale cerebrale Schädigung, Hydrocephalus et vacuo, mehrfach behindert aber ein Sonnenschein
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