Verfasst am: 12.02.2007, 15:36 Titel: Kinder sind immer Kinder ihrer Zeit?!
Hallo,
im Internet habe ich folgenden Text gestern gefunden (ich habe die
Textzeilen kopiert. Es lautet so:
Über eine Kindheit vor Handy, Playstation und Internet
Wenn du als Kind in den 50er 60er oder 70 Jahren lebtest, ist es zurückblickend kaum
zu glauben, wie wir so lange überleben konnten.
Als Kinder saßen wir in Autos ohne Sicherheitsgurte und ohne Airbags.
Unsere Bettchen waren angemalt in strahlenden Farben voller Blei und Cadmium.
Die Flaschen aus der Apotheke konnten wir ohne Schwierigkeiten öffnen,
genauso wie die Flasche mit Bleichmittel.
Auf dem Fahrrad trugen wir nie einen Helm, Wir bauten Wagen aus Seifenkisten
und entdeckten während der ersten Fahrt, dass wir die Bremsen vergessen hatten.
Damit kamen wir nach einigen Unfällen. Wir verließen morgens das Haus zum Spielen.
Wir blieben den ganzen Tag weg und mussten erst zu Hause sein, wenn die Straßenlaternen angingen.
Niemand wusste, wo wir waren, und wir hatten nicht mal ein Handy dabei!
Wir haben uns geschnitten, brachen uns Knochen und Zähne,
und Niemand wurde deswegen verklagt.
Es waren eben Unfälle. Niemand hatte Schuld, außer uns selbst.
Wir aßen Kekse und wurden trotzdem nicht zu dick.
Wir tranken mit unseren Freunden aus einer Flasche
und niemand starb an den Folgen.
Wir hatten nicht Playstation, Nintendo 64, X-Box, Videospiele,
64 Fernsehkanäle, Filme auf Video, Surround-Sound, eigener Fernseher,
Computer, lnternet-Chatrooms.
Wir hatten Freunde. Wir gingen einfach raus und trafen sie auf der Straße.
Oder wir marschierten
einfach zu deren Heim und klingelten. Manchmal brauchten wir gar nicht klingeln,
sondern gingen einfach hinein.
Keiner brachte uns, keiner holte uns. Wie war das nur möglich?
Wir dachten uns Spiele aus mit Holzstöcken
und Tennisbällen. Außerdem aßen wir Würmer.
Und die Prophezeiungen trafen nicht ein: Die Würmer lebten nicht in unseren
Mägen für immer weiter, und mit den Stöcken stachen wir nicht besonders viele Augen aus.
Beim Straßenfußball durfte nur mitmachen, wer gut war.
Wer nicht gut war, musste lernen, mit Enttäuschungen
klarzukommen. Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere.
Sie rasselten durch Prüfungen und wiederholten Klassen.
Das führte nicht zu emotionalen Elternabenden oder gar zur Änderung
der Leistungsbewertung.
Wir hatten Freiheit, Misserfolg, Erfolg und Verantwortung. Mit all dem wussten wir
umzugehen. Wenn du auch dazu gehörst: Herzlichen Glückwunsch!
Über diese Zeit denke ich manchmal auch noch zurück. Diese Zeiten
kann man aber nicht mehr zurückdrehen. Doch einiges möchte ich
meinen Kindern davon auf den Weg geben. Ich wünsche mir, daß
meine Kinder noch genug Zeit haben, selbstständig zu werden, frei
spielen und sich mit anderen Kindern verabreden können. Mein
Sohn Jan, 8 Jahre, findet es schon manchmal ganz schön schwierig
sich einfach spontan mit Freunden zu verabreden. Er sagt, der eine
kann heute nicht, weil er zur Musikschule geht oder 2 x die Woche
zum Fussballtraining muß. So ist es im heutigen Leben. Oder?
Wie sieht ihr diese kopierte Aussage. Erkennt ihr Euch wieder? Was
vermittelt ihr Euren Kindern aus dieser Zeit?
Dieser Text macht mich äußerst nachdenklich..... Es steckt verdammt viel Wahrheit darin!!!
Andererseites denke ich, könnte jeder, der "eine Generation vor uns" groß geworden ist, einen änlichen Brief schreiben - auch dort wird ein solcher Sprung zu bemerken gewesen sein, zu dem, was wir nicht mehr durften...
Wenn ich so den Alltag meiner beiden "Großen" (8 1/2 Jahre alt) betrachte, stimmt mich aber schon so einiges nachdenklich. Wir haben bis jetzt keine Playstation o.ä., auch arbeiten wir mit "Fernseh-Talern", damit sie nicht ständig vor der Glotze sitzen. Bei und gibt es auch "nur" einen Fernseher im Haus, und der steht im Wohnzimmer. Und bis jetzt habe ich mich verweigert, sie jeden Tag zu irgendwelchen anderen "Veranstaltungen" (Sport, Musikschule..) zu fahren, wofür ich schon manchmal ganz schön blöd angeschaut werde... Einer ihrer Klassenkameraden (3. Schuljahr) hat auch schon ganz lange ein eigenes Handy... Sie haben ihn kürzlich mal zu Hause angerufen um sich mit ihm zu verabreden, da hieß es nur: "Nein, der M. ist nicht da. Ich weiß nicht, wo er ist, aber hast Du nicht seine Handy-Nummer?"
Ich denke, bei manchen Sachen muß man "mit der Zeit gehen" (Autositze etc. - was ja durchaus zum Vorteil der Kinder ist), aber manches "verweigere" ich auch einfach!
Man muß nicht zwangsweise alles mitmachen.
GLG AnjaD _________________ Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal, wie es ausgeht.
Vaclav Havel
Anja (*1969)mit F. und D. (*1998), D.: ADHS, L. (*2001) vorgeburtl. Schlaganfall, Hemiparese, Epi, GB und Y. (*2004) V.a. ADHS
den Text kenne ich und habe ihn auch schon mehrfach verschickt.
Ich kann es auch nicht fassen wie schwierig es heute ist seine Freunde zu treffen.
Vielleicht sollten unsere Kinder wieder mehr Kind sein dürfen. Denn sooo schlecht ist unsere Generation doch nicht geworden oder
Beispiel von heute aus dem KIGA
Die Erzieherin erzählte mir dass sich heute einige Mütter bei ihr beschwert hätten, weil sie heute 2 mal mit den Kids draussen war und die bei dem herschenden Tauwetter natürlich alle ganz herzallerliebst aussahen
Ich sagte ihr sie solle ruhig weiter rausgehen, denn wir haben doch alle ne Waschmaschine.
Die Kids sind doch nicht aus Zucker....und ich rede hier von einem Regelkindergarten ohne I Plätze.
Lieben Gruss
Mignon _________________ Mignon *68 mit Silas *2001 einem total süssen Asperger Autisten
Handicap is not a choice...Attitude is!!
Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden kann man Schönes bauen.
(Johann Wolfgang von Goethe)
oh ja den Text kenne ich und finde ihn einfach klasse.
Wie haben wir das überlebt!?!?
Sehr gut, ich hatte eine wunderschöne Kindheit aus der ich gestärkt in die Zukunft gehen kann.
Auch heute denke ich gerne daran zurück, als wir bis abends, bis die Straßenlaternen angingen draussen spielen durften.
Niemand musste sich Sorgen machen, jeder kannte jeden.
Leider werde ich Sarah eine solch unbeschwerte Kindheit nicht bieten können, aber ich werde mein möglichstes tun.
ich kam beim Tesen des Textes irgendwie ins Träumen. Bei mir war es noch fast so, als ich Kind war. Es war schön. Manchmal sage ich auch heute noch zu Bekannten. Gut, das ich jetzt nicht Kind bin. Aber es kommt ja sicher darauf an, was man daraus macht. Leicht ist es sicher nicht. Die Kinder jetzt kennen es ja gar nicht anders als irgendwo Termine zu haben usw. Ich bin auf dem Land großgeworden, da ist es ja sowieso anders wie in der Stadt.
Auf jeden Fall finde ich den Text sehr schön.
Viele liebe Grüße
von Margret _________________ "Wir sind alle Engel mit einem Flügel. Wenn wir fliegen wollen, müssen wir uns umarmen"
Daniel geb. 06.02.99, schwerstmehrfachbehindert, Tetraspastik, Hirnathropie, sieht hell und dunkel, Epilespsie, seit drei Jahren PEG und vor vier Jahren Sehnenverlängerung. Oft Lungenentzündung und Bronchitis.
da ist was dran... wenn ich das so lese, frage ich mich, wo das alles noch hinführen wird... _________________ Liebe Grüße Kerstin
* 1985 ICP einer beinbetonten Tetraspastik
Rollifahrerin und von Beruf Justizfachwirtin
Nebenher Studentin zur Tierheilpraktikerin
Fachübungsleiterin einer Rollisportgruppe
(SBA mit GdB 100 und MZ G, B, aG und H)
Es gibt keine Zeit die ich mit öfter zurücksehne, als meine eigene Kindheit. Meine Kindheit habe ich auf Bäumen und in Erdlöchern verbracht. Wir haben direkt am Wald gewohnt, Haustür auf, ab in den Wald. Könnt Ihr euch heute noch vorstellen einen Zweit- oder Drittklässler alleine im Wald spielen zu lassen?? Ich bin in der Lage und war es schon damals eine Buche von einer Eiche zu unterscheiden und weiss welchen Pilz man essen kann und welchen nicht . Ebenso hatten wir immer irgendwelche Tiere, die irgendwo aufgelesen wurden. Mal eine halbverhungerte Katze,oder einen Igel. Einmal sogar eine Nacktschnecke, alles wurde aufgenommen und durchgefüttert.Die Nachbarn hatten Hühner, Schweine und Kühe. Kein Hahn krähte damals nach Vogelgrippe,Schweinepest oder H- Milch. Und "sonderbarer Weise" habe ich das überlebt, nicht nur ich, sondern wir alle.
Es war eine wunderschöne Kindheit und wir sind mit unseren Kindern auf´s Land gezogen um ihnen ebensolche Erfahrungen zu ermöglichen.
Aber seien wir doch ganz ehrlich, es ist für unsere Kinder vielleicht ähnlich, aber diese Freiheit , wie wir sie erleben durften, kann den Kinden die weitentfernteste Pampas nicht geben.
Ja,ja,ja.... was hatten wir für gute Zeiten ... auch ich erinnere mich oft daran und erzähle den Kindern davon.
Auch wenn ich in der Stadt aufgewachsen bin, hatte ich diverse Male das Vergnügen vom Baum zu fallen, beim Kriegen spielen an der Straße (!!!)gegen einen Strommast (gibt es die noch?) zu laufen... und keine Mama stand da und hat mich getröstet.
Wir haben uns die Süßigkeiten noch alleine ausgesucht, was manchmal sehr lange gedauert hat und sie schmeckten mit Farbstoffen besonders gut - genau wie das Eis - viel leckerer als heute!
Trotzdem glaube ich, dass meine Kinder doch recht selbstständig sind, mich aber gerade bei dem Kleinen das Handy in der Tasche ein wenig beruhigt. Obwohl er ja jetzt lesen kann und kleine Briefe von mir an die Tür geklebt bekommt, wenn ich nochmal los mußte. Ja, selbst der Fernseher in seinem Zimmer ist für mich kein Greuel, weiß ich doch, dass man mit Sina im Wohnzimmer nichts sehen bzw. dann hören kann. Trotzdem habe ich ein Auge drauf und er darf nicht gucken, wann er will!
Was mir aber in dem Text fehlt, ist der Respekt, der in den letzten Jahre irgendwie immer kleiner geworden ist. Konnten wir nicht gleich Frau Schmidt und Sie zur Lehrerin sagen? Haben wir aus Bock die Hausaufgaben einfach mal nicht gemacht? Heute möchten die Kinder nur noch das machen, wozu sie Lust haben - wir hatten gar nicht so ein großes Mitspracherecht. oder scheint mir das nur so?
Meine Mutter wußte auch nie, wo ich war, meine Kinder erzählen es, weil ich es so möchte, oder weil wir gemeinsam planen? Viele Kinder sind nach der Schule im Hort und können sich erst am Wochenende verabreden. Wir nehmen oft Kinder nach der Schule mit nach Hause und da gibt es aber auch Eltern, die es nicht möchten, dass die Kinder alleine rausgehen oder mal ne 1/2 Stunde hier alleine (zu zweit oder fünft) sind.
Ich kann meine Hand auch nicht für Lukas ins Feuer legen, aber ich habe sehr großes Vertrauen in ihn und wenn ich daran denke, wieviel Unsinn wir gemacht haben (zum Glück meistens nicht erwischt), dann kann ich froh sein, wenn er nur 1/2 so schlimm wird
Liebe Grüße
Susann _________________ Susann 46;T. 24; Sina 22: tuberöse Sklerose, autoaggressiv, autistische Züge, schwermehrfachbehindert; L. 12: Frühchen 31 W 1T, Herzklappenfehler(erledigt)
Was mir aber in dem Text fehlt, ist der Respekt, der in den letzten Jahre irgendwie immer kleiner geworden ist. Konnten wir nicht gleich Frau Schmidt und Sie zur Lehrerin sagen? Haben wir aus Bock die Hausaufgaben einfach mal nicht gemacht? Heute möchten die Kinder nur noch das machen, wozu sie Lust haben - wir hatten gar nicht so ein großes Mitspracherecht. oder scheint mir das nur so?
Hallo Susann,
da schreibst du mir aus der Seele! Ich habe auch das Gefühl, dass besonders die älteren Kinder sich gegenüber Erwachsenen oft äußerst respektlos verhalten. Vielfach sind aber die Eltern selbst schuld, weil sie ihre Kinder nicht dazu anhalten, sich höflich und/oder respektvoll gegenüber Lehrern, älteren Leuten etc. zu benehmen.
Wir haben zu viert auf 64 qm gelebt und das fand ich nicht so toll... Wenn wir als Ausgleich nicht unseren super großen Schrebergarten mit Gartenhaus und jede Menge Nachbarskinder zum Spielen gehabt hätten, könnte ich jetzt wohl nicht sagen, dass meine Kindheit soooo wunderbar gewesen ist. Ich wollte immer, dass meine Kinder eigene Zimmer haben und nach Möglichkeit im eigenen Haus groß werden.
Sicher liegt es auch am Kindermangel, wenn Kinder heute nicht mehr nebenan ihre Spielkameraden finden, sondern erst immer zu Freunden "hingekarrt" werden müssen. Spielangebote finden sich nicht mehr nebenan auf der grünen Wiese, sondern müssen "künstlich" konstruiert werden.
Allerdings finde ich, dass Kinder in Neubaugebieten immer noch recht fröhlich und unbefangen groß werden dürfen. Dort gibt es viele Familien mit Kindern, entsprechend viele Spiel- und Freizeitangebote und die Gegend ist meistens auch ländlich.
In der Großstadt ist ein Kinderleben natürlich ungleich härter und die Kids sind dort ganz anderen Einflüssen ausgesetzt als auf dem Land. Ich habe als Single lange Jahre in Großstädten gelebt und gearbeitet - mit Familie weiß ich nun das Landleben zu schätzen und möchte nicht mehr in die Stadt zurück.
LG
Sabine _________________ Unsere Vorstellung? -> hier klicken
Jan-Paul (10/01), schwer mehrfachbehindert ohne Diagnose, Tim-Henrik (03/05), Lea-Kristin (01/11)
REHAkids - Das Forum für besondere Kinder
bevor mein Sohn Jan in die erste Klasse eingeschult worden war, hatten
wir den Schulweg eingeübt mit Ampel und alle drum und dran. 14 Tage
nach der Einschulung ist er dann alleine gegangen (wir haben an der
Schulampel einen Schülerlotsen stehen, diesen Job habe ich auch im
ersten Schuljahr von Jan alle 14 Tage mitgemacht, hat sehr viel Spaß
gemacht). Jan sagte nach ein paar Monaten zu mir: " Mama, ich bin
mit einigen anderen wenigen aus meiner Klasse, die zu Fuß zur Schule
Schule sind. Als Schülerlotse (habe Dienst immer von 13:35 bis ca 13:50,
alles 3 und 4. Klässler, Mama und Papa sind immer fleißig zur Schule
hochgefahren und haben ihre Lieben natürlich mit dem Auto abgeholt,
ganz wenige kamen alleine und sind dann mit Hilfe des Schülerlotsen
über die Ampel gegangen)
Ich bin auch von einer Mitschülerin von Jan gefragt worden: "Warum
muß Jan immer zu Fuß zu Schule gehen? Ich darauf: " weil es gesünder
ist als dauernt mit dem Auto gebracht zu werden" (Wir bringen Jan mög-
lichst selten mit dem Auto zur Schule, unseren kleinen Ben muß ich
mit dem Auto in den Kindergarten bringen, der ist 12 km von unserem
Wohnort entfernt, dort hat einen I-Platz, bei uns ist keiner vor Ort)
Ich war über diese Frage erstaunt und traurig zu gleich. Zu Fuß gehen
ist wohl ein großer Privileg. Gerade zu Schule zu Fuß gehen und
dann haben wir doch an der Schulampel einen Schülerlotsen. Da ver-
stehe ich die Eltern nicht. Viele Kinder haben ja wirklich einen kurzen
Schulweg (unter 1,5 Kilometer) und werden mit dem Auto gebracht.
Wenn man einige Mütter fragt, warum sie mit dem Auto gebracht
werden, dann heißt es der Fußweg ist viel zu gefährlich. Wenn ich
als Mutter schon so überängstlich bin und aber die Zeit habe, dann
bringe ich mein Kind wenigstens zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur
Schule (Kind fahren dann auch mit ihrem eigenen Rad).
Für mich war es als Kind peinlich von meinem Vater mit dem Auto abge-
holt zu werden, kam zum Glück nur 2-4 mal im Jahr vor. Bei dieser
Geschichte mußte man früher aufpassen, von Mitschülern nicht als
Kleinkind abgestempelt zu werden. Heute sieht das anders aus, man
muß aufpassen nicht als Eltern in dieser Beziehung als verantwortungs-
los abgestempelt zur werden. Was früher selbstverständlich war,
ist heute nicht mehr. Mir ist es aber egal, wie einige darüber denken.
Jan geht weiter zur Fuß zur Schule, hat Bewegung und hat hoffentlich
später als Erwachsener kein Übergewicht.
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