Deine Vorstellung liegt zwar schon mehr als ein Jahr zurück, aber mir schoß beim Lesen Deines ersten Beitrags sofort das Wort Autismus durch den Kopf. Auch was Du in Deinen weitern Beiträgen beschreibst, sind Merkmale von Autismus.
Zitat:
daß es in die Richtung "Autistische Züge"geht.
Das hört sich sehr milde an. Ich will Dir keine Angst machen, aber was Du alles beschrieben hast, hört sich deutlich mehr als "dass es in Richtung autistische Züge" geht. Den Autisten gibt es nicht, es gibt zum einen mehrere Formen und auch da ist die Ausprägung jeweils sehr unterschiedlich, von einigen autistischen Zügen bis zum Vollbild. Ich beschäftige mich seit mehr als vier Jahren mit dem Thema Autismus/Asperger und behaupte, mehr zu wissen als viele Ärzte. Ich habe in dieser Zeit sehr viele autistische Kinder kennen gelernt, nicht nur via Internet über den Austausch mit anderen Familien, sondern viele auch persönlich.
Echolalie, das Sprechen von sich in der 3. Person, das Interesse an einem ganz bestimmten Sachgebiet (das wechselt immer mal, wird aber dann jeweils sehr intensiv betrieben), auf dem sich das Kind erstaunliches Wissen aneignet, Schwierigkeiten bei lebenspraktischen Tätigkeiten, er spielt nicht im eigentlichen Sinne mit anderen Kindern sondern nebenher.....
Mit der Sauberkeitserziehung hatten wir zum Glück keine Probleme, aber ich kenne autistische Kinder, die älter sind als Dein Sohn und noch Windeln brauchen. Autistische Kinder habe u.a. Problem mit der Körperwahrnehmung, das heißt, sie spüren oft nicht, dass sie zur Toieltte müssen. Sie können deshalb auch ihre Körperkräfte nicht richtig dosieren, das erklärt den rauen Umgang Deines Sohnes mit seiner Schwester.
Zitat:
diverse Therapeuten haben mir aber versichert, dass er nicht autistisch ist, weil er ja Kontakt aufnimmt.
Diese Aussage von Manu ist absolut typisch. In der Öffentlichkeit ist nur das Bild eines Autisten bekannt, der keinen Kontakt aufnimmt, nicht spricht, in der Ecke sitzt und vor- und zurückschaukelt und sofort losschreit, wenn man ihn berührt. Es gibt solche Autisten, aber das sind bei weitem nicht alle.
Welche Form Dein Sohn hat, kann ich so aus der Ferne nicht beurteilen, das muss schon ein/e Fachmann/frau abklären. Einiges deutet für mich auf Asperger, anderes eher auf frühkindlichen bzw. high functioning oder atypischen Autismus. Es gibt auch Mischformen, wie gesagt, jeder Autist ist wieder ein bisschen anders, aber es gibt natürlich auch viele Gemeinsamkeiten.
Eine Diagnose ist wichtig, weil erst dann spezifisch gefördert werden kann und leider bekommt man viele Hilfen nur mit Diagnose, manches sogar nur mit Schwerbehindertenausweis (ohne hätte mein Sohn alleine zur Schule fahren müssen und wäre nicht vom Schulbus abgeholt worden, auch heute noch undenkbar). Dein Sohn hätte dann auch Anspruch auf einen solchen Ausweis (was einiges an Vorteilen bringt) und Deinen Beschreibungen zufolge auch auf Pflegegeld.
Schicke mir doch bitte mal Deine Mailadresse per PN, ich habe sehr umfangreiches Material über Autismus bzw. Asperger und alles, was damit zusammenhängt, auf meinem PC, das ich Dir schicken kann (Infobroschüren über Autismus, Links, Buchtipps, diverse Musterbriefe, Schule - letzteres noch nicht aktuell, das Thema kommt aber in nicht allzu ferner Zeit auf Dich zu. Man kann übrigens auch für den Kindergarten einen Integrationshelfer beantragen, doch dazu später mehr).
Vorab kannst Du hier: http://www.REHAkids.de/phpBB2/search.php mal die beiden Begriffe "Autismus" und "Asperger" eingeben und nach mir als Autor suchen lassen, da hab ich viel über das Thema geschrieben und diverse Links gepostet.
Wenn "das Kind ein Namen hat", sprich eine klare Diagnose steht und Du Dich mit dem Thema auseinandergesetzt hast, wirst Du die Verhaltensweisen Deines Sohnes besser verstehen und kannst ganz anders damit umgehen. Das dürfte Euren Alltag erheblich erleichtern.
Liebe Grüße
Annette _________________ Annette *16.08.67, u.a. chronische Neuroborreliose, chronische Depression, EM-Rentnerin, GdB 50, mit Ulrich, *27.07.92, Asperger-Autismus, GdB 80, H, B, G; er lebt in WG der Mansfeld-Löbbecke-Stiftung in Braunschweig
Anmeldedatum: 26.04.2006 Beiträge: 15
Wohnort: Bad Wildungen
Verfasst am: 30.04.2006, 19:30 Titel:
Hallo Manu! Hallo Annette!
Vielen Dank für Eure Antwort. Es hilft schon ungemein, sich mit "Betroffenen" austauschen zu können - Das Gefühl zu haben, mit einem Besonderen Kind nicht allein auf der Welt zu sein.
Obwohl ich keine feststehende Diagnose von Fachleuten habe, denke ich das es in die Asperger Richtung geht. Vieles paßt einfach. Man kriegt was mit, schnappt hier und da Fetzen auf-und so macht man sich mit diversen Stichworten auf ins Internet. Gut das es das gibt. Ohne dies hätte ich bisher nicht schon so einige Infos zusammen und hätte keinen Angriffspunkt.
Dann würde ich heute noch wie vor über einem Jahr dastehen und denken: Man, J.-P. ist so komisch. Warum verhält er sich so merkwürdig. Rastet aus, nur wenn er zum Essen kommen soll oder mal eben zum Wasserlassen auf WC soll. Warum ist er oft so albern und macht den CLOWN statt einfach nur J.-P. zu sein???
Jetzt weiß ich aus diversen Internetseiten und von Berichten hier bei REHA-KIDS das es einfach zum Krankheitsbild gehört.
Ich kann gezielter mit ihm umgehen. Obwohl es viele Situationen gibt, wo ich nicht weiß, wie jetzt am besten zu reagieren und handeln ist.
Und die Angst etwas falsch zu machen oder das es später noch viele Probleme geben wird bleibt: Thema Regelschule, Einzelgänger/Isolation/ Freunde finden usw.
Aber nachdem ich am Freitagabend auf WDR3 die Sendung über Autismus gesehen habe, dachte ich mir: Es wird schon einen Grund dafür geben, warum ich diese Aufgabe bekommen habe z.B. meine Geduld zu schulen. Ich bin früher desöfteren verbal ausgeflippt, wenn ich nicht weiterwußte.
Solche Menschen muß es geben. Was würde die Menschheit ohne die Erfindung des Rades bloß machen??? Schließlich war Einstein Autist.
Wer weiß was mein Sohn später mal zur Allgemeinheit beitragen wird!?
In letzter Zeit läßt er sich gerne mal schmusen, dann bin ich happy.
Heute merke ich den Unterschied zu seiner kl. Schwester, wie er so klein war.
Früher dachte ich er ist einfach so, wenn er mit 9 Mon. nach mir getreten hat, wenn ich ihn wickeln wollte. Er wirkte richtig bösartig.
Die kleine läßt sich kuscheln. Kommt bei Zurufen angekrabbelt und nimmt die Ärmchen hoch, damit ich sie hochnehme. Legt ihr Köpfchen an meine Schulter...
Eine Verwandte sagt immer, jeder ist anders und ich muß ihn so nehmen wie er ist. Recht hat sie. Aber kaum einer meiner Angehörigen glaubt was ich sage. Wie auch. Ich bin bisher die einzige, die sich so mit dem Thema auseinandersetzt. Was bleibt mir auch übrig, wenn ich ihm und uns helfen will, etwas verändern möchte. So hinnehmen will ich es nicht. D.h. er wird ja immer Autist bleiben, aber ich kann mit Hilfe von Fachleuten zusehen, das er ein Stück weit normal lebt. Und es gibt ja auch genug Autisten, die nicht über das Stadium der Echolalie hinauskommen. Unser Kind spricht. Ich kann mich mit ihm verständigen. Er kommt Aufforderungen nach, wenn auch manchmal zögerlich oder er wirkt halt manchmal begriffstutzig.
Traurig macht mich nur, das ich mich nicht mit ihm auf normaler Ebene unterhalten kann, wie mit anderen Gleichaltrigen - Zwiegespräche führen eben.
Er versteht keine Zweideutigkeiten-kann nicht um die Ecke denken!!!
Merkt nicht, wenn ich ihm grad nicht zuhören kann, weil ich gerade mit anderen Dingen beschäftigt bin.
Vorlesen macht auch nicht richtig spaß, weil er keine Vorstellung und Phantasie vom Inhalt der Geschichte zu entwickeln scheint.
Ihn in Rollenspiele zu verwickeln habe ich bisher auch noch nicht geschafft.
Auffällig war immer schon, das er viel Schlaf (tagsüber früher bis zu 4/5 Std.) benötigt. Ohne Schlaf war er fix und foxi, ist regelmäßig ohne einen für mich ersichtlichen Grund ausgetickt.
Heute schläft er noch 1 bis 2 Std. mittags. Ich gebe zu das ich diese Ruhephasen für mich immer sehr genossen habe. Ich habe Kraft getankt in dieser Zeit und mein Sohnemann war danach immer herlich ausglichen. Meine Bekandten haben mich immer sehr darum beneidet.
Im Moment wiederholt er wieder Antworten oder Aussagen sehr oft. Das hatte er eine lange Zeit fast abgelegt. Oder er fragt Dinge, der er eigentlich genau weiß (z.B. wo ist Papa-er weiß aber das Papa auf der Arbeit ist; oder "was habe ich an?"-dabei weiß er genau, das das der Schlafanzug ist.)
Ich trößte mich damit, das er Dinge wiederholt, um sie fest in seinem Gehirn zu verankern-das für ihn ein Lernprozeß ist.
Ich habe nochmal etwas zum ThemA Windelgeld geschrieben im User-Cafe.
Hatte nochmal fragen bezüglich sauberwerden! Wer will kann ja dort nachlesen.
Hat jemand tipps und Anregungen???
Bitte, Bitte, Bitte ganz viele... Das Thema macht mich wahnsinnig, obwohl ich rein äußerlich gelassen bleibe (n muß!!!)
Mit herkömmlichen Erziehungsratgebern komme ich hier ja nicht weit.
Wer hat Erfahrung mit einer Klingelhose/-matratze? Meine Mama hat diesen Tipp von Ihrer Physioth. die damit bei ihrem "Normal-KInd" Erfolg hatte.
Liebe Anette;
Vielen Dank für das Angebot mir etwas schriftliches zukommen zu lassen, ich werde dir meine Daten per PN mitteilen
Ciao und einen schönen Abend
Michaela Margarete (ihr könnt mich ja MIMA nennen, das ist kürzer und das gibt es hier noch nicht)
_________________ Kathrin 04/80, Norbi 04/72 Mama und Papa eines besonderen Kindes
Philip 02.04.04, spinale Muskelatrophie Typ II, PEG, NIV-Beatmung
Paula 19.07.08, gesund
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