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Diskussion - Sendung "Schattenkinder", ZDF/37 Grad
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C.J.
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Beiträge: 1257
Wohnort: Barcelona

BeitragVerfasst am: 18.01.2007, 03:10    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,
ich denke oft werden Geschichten auch leicht verbogen fuer eine TV-sendung. Also ich moechte jetzt damit nicht sagen, dass da was gelogen wurde, nein keineswegs, nur dass eben manchmal ein kleiner Spaziergang vielleicht 3 mal die Woche fuer 15 Minuten dann im Film hiess "statt sich auf dem Fussballplatz zu treffen wie andere Gleichaltrige faehrt Martin Annika herum".
Ich fand ebenfalls alle Geschwisterkinder sehr nett, die Schwestern von dem kleinen autistischen Jungen waren nicht ganz so gut vorgestellt wie Annika's Geschwister, die ich sehr bewundernswert fand. Sie schienen eine echte schoene Familie zu haben, trotz Mehrfachbehinderung von Annika.
Der kleine Bruder der Herzkranken Franziska wurde ja gar nicht vorgestellt und die Familie hat mich ziemlich traurig gemacht. Angelina schien sehr traurig mit der Situation und irgendwie eben auch ganz klar, nicht eifersuechtig aber eben in diesem Konflikt: sie ist sauer auf die Schwester, weil sie ihr die Eltern so oft "wegnimmt" und schuldig weil sie sich so fuehlt. Das war mein Eindruck (vielleicht auch ein wenig subjektiv, denn so fuehlte ich mich als meine Schwester psychisch erkrankte.. alles drehte sich um sie, ich wollte keine Probleme machen, war ein Vorzeigekind, half staendig, hat aber keiner gemerkt... wurde sauer auf sie und dann sauer auf mich, weil sie ja nichts fuer die Krankheit konnte und sich sicher schlimmer fuehlte als ich!).
Auch sehr traurig, die Aussagen von Franziska. Sie sagte es sei nicht ihre Schuld... aber es muss schon schlimm fuer sie sein (die bewussteste der 3 behinderten Kinder) zu wissen, dass sie Angelina's Leben verschlechtert sozusagen... dass sie Schuld dran ist, dass Angelina kein gutes Verhaeltnis zu den Eltern hat etc...
Jut, so das ist meine Meinung, gruessli, CJ

_________________
C.J., humangenetische Beraterin (MGenCoun) mit zweitem Master in foetaler Medizin und praenataler Genetik.

Be who you are and say what you feel for those who mind don't matter and those who matter don't mind! (Dr. Seuss)
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Sabine
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Beiträge: 16056
Wohnort: Menden-Lendringsen

BeitragVerfasst am: 18.01.2007, 08:54    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,

ich glaube nicht, dass dem Martin zu viel abverlangt wird. In Zeiten, wo Kindern immer weniger "zugetraut" wird und man glaubt, ihnen nichts mehr zumuten zu dürfen, finde ich es völlig in Ordnung, wenn ein 12Jähriger seine behinderte Schwester ab und zu mal spazieren fährt. Er hat zwar erzählt, dass er nicht allzu viele Freunde hat, aber meistens ist es nun mal so, dass charakterstarke, intelligente Jugendliche nicht allzu viele Freunde haben, weil in dem Alter eher Coolness angesagt ist und wer am Sportlichsten ist oder am lautesten herumgröhlt... Rolling Eyes Das hat mich als Teenager schon immer sehr genervt. Meistens war ich mit Leuten zusammen, die kaum Freunde hatten und mochte die beliebtesten Schüler aus unser Klasse nicht leiden, weil sie meistens extrem oberflächlich waren und wegen Dingen gemocht wurden, die für mich völlig inakzeptabel waren (tolle Klamotten, sportlich, große Klappe usw.). Insofern glaube ich nicht, dass Martin ein einsamer Junge ist, dem zu viel abverlangt wird. Er schien mir recht stabil und gefestigt zu sein - seine wenigen Freunde wird er sich gut ausgesucht haben. Um ihn muss man sich wahrscheinlich die wenigsten Sorgen machen.
Beängstigend fand ich dagegen die Sorgen und Nöte von Angelina. Hier sollte dringend mal ein Jugendpsychologe zurate gezogen werden - sie machte einen zutiefst unglücklichen Eindruck.

LG
Sabine

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Gitte
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Beiträge: 2534

BeitragVerfasst am: 18.01.2007, 09:48    Titel: Antworten mit Zitat

Danke Sabine,

Du hast da was in Worte gefaßt, das mich sehr zufrieden stimmt.
Es geht um die Freundschaften.
So konnte ich es bislang noch nicht sehen. Nicht in Bezug auf das Thema hier, sondern für unsere private Situation.
Ich sage Danke für diese Worte und dafür, das mir ein Licht aufgegangen ist.

Gruß
Gitte
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Chiara's Mom
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BeitragVerfasst am: 18.01.2007, 10:57    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo
Ich habe die Sendung auch geschaut & für mich
war die Situation mit dem herzkranken Mädchen
auch am Geschwisterkonflickt intensivsten.

Allerdings wissen wir nicht;
wer da die Regie hatte,
ob da die *dramatischsten Situation* heraus-
geholt wurde.

Was ich sehr toll fand, war das Geschwistercamp
wo man über alle Sorgen & die Situation daheim
offen sprechen konnte,
und auch mal einfach **KIND; TEENIE** gleichzeitig
sein konnte.

Meine Kids sind noch klein, und die beiden kleinen
sind in der Zeit dann anders betreut
von Oma & Opa & Uroma & Onkel & Tante
( wohnen alle im gleichen Ort )

ich könnte nicht die Betreuung des kranken
Kindes einem anderen überlassen als
meinem Mann & mir.


Aber wer mich richtig beeindruckt hatte;
war die Familie von Annika
Sie sind soo wunderbar reflektiert.
Sie sind soo liebevoll zueinander
Sie versuchen sich um alle 3 Kids gleich
zu kümmern
und an der großen Schwester sieht man
wie gut es funktioniert hat.

Auch die Familie mit den 2 großen Schwestern
und der alleinerziehenden Mami waren
sehr liebevoll
Aber ich schließe mich an; das man
da zwecks Pflegedienst evt. auch einiges
abfangen könnte, damit die Mama nicht
irgendwann zusammenklappt.
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Gisi
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BeitragVerfasst am: 18.01.2007, 11:16    Titel: Antworten mit Zitat

hallo,

hab die sendung mal wieder nur mit einem auge und einen ohr verfolgt Rolling Eyes

aber da muß ich sabine zustimmen, das die familie es mit dem herzkranken kind
"einfacher" hat. einfacher einfach im normalen täglichen leben. damit meine ich
keine sonder-situation. aber das einfache tägliche leben fängt bei mir beim essen
an.
eine pflegedienst entlastet ja auch nicht den ganzen tag. darum ging es ja auch
gar nicht.
oder hab ich doch die hälfte verpasst und sollte meinen mund halten Cool

mein mann hat hinterher noch kerner geschaut, und sagte "dieter" war ja auch
dabei. der saß da doch mal richtig respektvoll Wink als die familie im studio
war.

lg
gisi

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Sabine mit Fenja 6/98
und Nina 10/01 frühkindlicher Autismus, seit Juni 2009 in einer Wohngruppe
Das Gegenteil von "gut" ist "gut gemeint"!
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Susannwe
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BeitragVerfasst am: 18.01.2007, 14:00    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Sabine,

ich weiß, wie schwer Sina in ihrem Rollstuhl ist und wenn es dann den Kantstein hoch oder runter geht, finde ich das Gewicht für einen 12 jährigen Jungen, der voll im Wachstum steht, einfach viel zu schwer - man konnte ja sehen, wie er sich anstrengen mußte. Das finde ich nicht verantwortungsvoll von den Eltern!

LG
Susann

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Susann 46;T. 24; Sina 22: tuberöse Sklerose, autoaggressiv, autistische Züge, schwermehrfachbehindert; L. 12: Frühchen 31 W 1T, Herzklappenfehler(erledigt)
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Leonie
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BeitragVerfasst am: 18.01.2007, 14:21    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Susann,
es kann gut sein, dass der Junge seine Schwester nur für die Reportage die Stufe runter lassen musste. Auch die Reportagen für 37 Grad sind gestellt und Situationen, die besonders "dramatisch" sind. Ich habe auch schon eine Reportage für 37 Grad gemacht und dort war auch "alles" gestellt.
Viele Grüße
Leonie
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Sabine
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BeitragVerfasst am: 18.01.2007, 14:50    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Susann,

ich glaube nicht, dass es für Martin zu anstrengend ist, seine Schwester mal um den Block zu fahren. Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich halte die Eltern auch für verantwortungsvoll genug, dass sie die Situation überblicken und wissen, was sie ihrem Sohn zumuten dürfen und was nicht. Wahrscheinlich wird es auch eh nur ab und zu mal passieren.

@Gisi: Wahrscheinlich sehen wir das anders. Für uns (für dich sicher noch mehr als für mich) ist es schon ein Gottesgeschenk, mal in Ruhe einen Kaffee trinken zu können - oder eine Mahlzeit nicht füttern zu müssen, sondern selbst in Ruhe zu essen oder mal kein kotverschmiertes Kind abzuduschen. Wink Cool Oder einfach mal nachts durchzuschlafen. Das sind ja alles elementare "normale" Grundbedürfnisse, die bei einem Kind mit besonderem Pflegebedarf außer Kraft gesetzt werden.
Susann hat da an anderer Stelle ja auch noch mal drauf hingewiesen.

LG
Sabine

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Kathrin und Clara
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BeitragVerfasst am: 19.01.2007, 14:36    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo an alle,

mich hat auch die Situation bei der Familie mit der "Herz"Tochter am meisten geschockt und hoffe nie, selber einmal diese Situation zu Hause zu haben. Allerdings muss ich Sabine widersprechen. Es wurde nicht näher beschrieben, wenn aber so viele OPs und vor allem so lange KH-Aufenthalte nötig waren/sind, spricht alles für eine permanent lebensbedrohliche "Variation" eines HF, vielleicht war auch die Prognose unklar bzw. klar im schlechten Ausgang.
Wir waren auch sehr lange im KH und gehen jetzt nur noch im äussersten Notfall hin und sind schon so das an der unteren Grenze des Machbaren (bis vor 3 Jahren) und jetzt deutlich drübergerutscht - auf die negative Seite. Hätten wir all das 200km entfernt gehabt, weiss ich nicht, welches Verhältnis wir alle noch miteinander hätten. Ich habe in den letzten Jahren 3 Kinder aus meinem neuen Bekanntenkreis sterben sehen - alle hatten Jahre gekämpft und das vorwiegend im KH. Frage mal nach den Geschwistern. Wir reden hier wirklich nicht von einer PostOP-Zeit von ein paar Wochen (in der es ausserdem aufwärts geht), sondern von monatelangen Aufenthalten mit nahezu komplett ratloser KH-Belegschaft und einem Krankheitsverlauf, der im Besten Fall stagniert. Dort lässt man auch 12jährige nicht alleine hin. So sieht es nämlich in diesen Fällen aus, daß jeder Eingriff/OP ein Rätselraten ist - auch über das ob oder ob nicht, vor allem aber über das wie und das Ziel. Damit zieht man auch die vorOP-Zustände in die Länge, obwohl es dem Kind bereits sehr schlecht geht, weil man ja nicht weiss, was passiert. Ich erlebe es oft, dass bei Herzfehlern Probleme gar nicht gesehen werden. I.d.R. ist es auch mit den KorrekturOPs erledigt - aber die Fälle, wo nicht oder nicht erfolgreich: hier gibt es kein Verarbeiten oder Akzeptieren einer Behinderung sonderen einer fehlenden Lebensperspektive. Das ist etwas ganz anderes. Hier stehen auch nicht Entwicklung oder pflegerische Aspekte im Vordergrund, sondern Angst - auf allen Seiten. Hilflose Angst.
Und so wird es die gesunde Tochter auch miterlebt haben - vor allem die Lebens- bzw. Todesangst. Gleichzeitig wird sie sich immer gesagt haben: ich darf hier jetzt nicht auch noch auffallen/stören..., sie wird ihre Schwester verwünscht haben und hat sich gleichzeitig dafür geschämt - all das über Jahre. Die kranke Schwester wird in ihrem Aufwachsen wg. der "Ungerechtigkeit" ihre Schwester oder besser deren Gesundheit gehasst haben. Sie ist nicht geistig behindert und kann alles reflektieren und sie wird auch in verschiedenen Lebensphasen Angst gehabt haben - Todesangst. Sie sind nur ein Jahr ausseinander, in der Pubertät und es wurde wahrscheinlich nie miteinander darüber geredet.
Aufgefallen ist mir, dass der Bruder gar nicht befragt wurde. Die Eltern schienen mir eher normal. Ehrlich, auch ich sagte mir: da muss die Anne jetzt durch, sie ist gesund und wird ihr Leben machen - Clara stirbt gerade.
Übrigens hat auch meine so sonnige Clara, mit ihrer geistigen Behinderung, eine Phase gehabt - wo sie nicht nur ihre Schwester, sondern alle gesunden Kinder nicht leiden konnte und sogar (ein wenig - sie war ja so schwach) aggressiv wurde!
Bei uns läuft es aber eher so, wie in der Familie von Annika, meine "Grosse" ist auch 12 und sehr erwachsen, aber ausreichend egoistisch - wie wir auch - und das hat wohl Überlebenscharakter!


LG
Kathrin

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Kathrin mit Clara (*15.12.99 - † 14.03.07)
kompl.AVSD, AV-Klappeninsuffizienz 2.°, BT-Shunt 02 /00, Z.n. Glenn 09/00, Fontankomplettierung 09/03, terminales Nierenversagen 03/05, Peritonealdialyse seit 05/05, DS
und Familie

Unser FotoAlbum: http://www.REHAkids.de/phpBB2/album.....personal.php?user_id=3543
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