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Vertiefungsarbeit: welchen Reichtum geben beh. Kinder?
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Debora Projekt
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Anmeldedatum: 15.12.2006
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 15.12.2006, 15:53    Titel: Schulprojekt Antworten mit Zitat

Hallo zusammen!

Mein Name ist Debora und ich bin 18 Jahre alt. Da ich im August mit meiner Lehre fertig bin, sollen wir von der Schule aus eine Selbstvertiefungsarbeit schreiben, zu dem ich unter anderem über Behinderte schreibe.
Meine Hauptfrage ist:

Was für einen Reichtum können uns behinderte Kinder geben (von der sicht der Eltern)?

Ich wäre dankbar, wenn sich vielleicht jemand (oder auch mehrere) dazu bei mir äussern würden, da ich mich in diesem Gebiet nicht auskenne.

Im voraus schon danke!

Liebe Grüsse Debora
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Helmut
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Anmeldedatum: 30.04.2004
Beiträge: 1353
Wohnort: Borken / NRW

BeitragVerfasst am: 15.12.2006, 16:31    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Debora,

wenn wir dir dat vorsagen wäre dat doch keine Selbstvertiefungs.. sondern eine Veritefungslassungsarbeit....dat geht nicht... Wink.

Wieso sollen behinderte Kinder Reichtum geben ? Man wird sicher reicher an Erfahrungen, die mit mit nicht behinderten nicht macht. Man kann jedoch auch an einem behinderten Kind "zu grunde" gehen... also überhaupts nix mit "Reichtum" in wohlwollenden Sinn und so erleben. Am besten ließt du dich einfach durch das Forum Familienleben. Da bekommst du einen guten Durchschnitt darüber, was das Leben mit einem Behinderten Kind so bringt... an Reichtum und anderem.

Smile Helmut

_________________
Vater von Sonja, 22.J. alt, nach einer schweren Erkrankung im Alter von 2 Wochen aber auf dem Stand von 9 - 15 Monaten. ICP, HC, Epi. gehörlos, kaum Verständigung. Schwerstmehrfachbehindert.
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Martin T.
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Beiträge: 645
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BeitragVerfasst am: 15.12.2006, 17:15    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Debora,

Was für eine Lehre hast du denn absolviert bzw. in welchem Zusammenhang steht die zu deiner Abschlussarbeit (inhaltlich)?

Leider ist an Helmuts Kommentar viel wahres dran und man sollte das nicht zu romantisch sehen - und trotzdem: klar, behinderte Kinder können einem unheimlich viel zurückgeben!

Viel Erfolg!
Martin

_________________
Papa von Sternen-Löwe Leon Julius - geliebt von uns allen und immer in unseren Herzen
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Isolde
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Beiträge: 31814
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BeitragVerfasst am: 15.12.2006, 20:24    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Debora,

ich möchte schon sagen, dass ich Jonathan für mein Leben als Reichtum betrachte.
Natürlich ist es auch so, wie Helmut und Martin es sagen - es gibt die andere Seite.
Jede Medaille hat eben 2 Seiten.

Aber Du fragst nach dem Reichtum und nicht nach der Belastung.
Reichtum ist für mich das Lachen von Jonathan das aus dem tiefsten inneren Herzen kommt, unzensiert, natürlich, so wie er es empfindet.
Reichtum ist für mich, dass er seine Gefühle ausleben kann - die immense Freude, aber auch Trauer und Wut.
Beides kommt so heraus, wie es im Moment in ihm passiert - ohne zu überlegen, ist es jetzt richtig am Platz oder nicht.
Für mich ist es ein Reichtum, Jonathan in seiner unkritischen Welt beobachten und erleben zu können.
Er lebt einfach und hat ein blindes Vertrauen darauf, dass ihm nichts wiederfahren wird - er begibt sich in die Hände anderer.
Reichtum ist es aber auch für mich zu sehen wie er seine Wege nach vorne geht, manchmal nur ganz kleine Schritte, aber er geht sie sehr ausgeprägt, sodass man lange dran teilhaben und genießen kann, bevor was Neues wieder kommt.
Ich konnte jeden Entwicklungsschritt mit dem Kind intensivst genießen.
Und Reichtum ist meine Freude, mich mit ihm zu freuen, wenn er ein neues Wort sagen kann, die Bedeutung davon weiß und es einsetzt.

Neben all den anstrengenden Dingen im Alltag, die einem runterreißen,
erfreue ich mich an all diesem Reichtum den Jonathan mir durch seine Art bedingungslos schenkt.

Und der größte Reichtum den ich durch das Kind bekommen habe ist die Erkenntnis, dass ich für mich die Welt mit einem anderen Blickwinkel betrachte und mir klar ist, dass sie nicht nur aus einer Ellbogengesellschaft, Macht, Geld und Gier bestehen kann - sondern dass es Wertvolleres gibt, nämlich ein Kind in seiner Welt zu begleiten und zu fördern und dieses alles intensiv zu erleben, nicht oberflächlich an allem vorbei, sondern mitteinrein - auch wenn man am liebsten alles hinwerfen möchte.

Ich fühle mich durch das Sein von Jonathan reich beschenkt,
seine Lebensfreude ist ansteckend, sie steckt mich an, sie steckt fremde Menschen an und somit ist dort wo Jonathan ist, immer wohltuende Freude.
Und dieser Reichtum tröstet schon dann auch über die dunklen Seiten hinweg.

Dieses ist aber meine Sicht mit meinem Leben mit Jonathan, weil Jonathan SO ist wie er ist.
Jeder empfindet es aber wiederum anders.

Ich weiß nicht, ob ich Dir damit weiterhelfen konnte.

Liebe Grüße - Isolde

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Nicht der Beginn wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten - Katharina von Siena
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JennyB
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BeitragVerfasst am: 15.12.2006, 20:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Debora,
welchen Reichtum geben behinderte Kinder....

Denselben wie gesunde?
Das unverfälschte Kinderlachen, Emotionalen Reichtum, und vielleicht bei manchen noch die mit oder durch ihr Kind lernen zu kämpfen....

In welchem Rahmen sollst du die Arbeit denn schreiben?

Gruß
Jenny

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Brigitte 1953
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BeitragVerfasst am: 15.12.2006, 21:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Deborah,

der Reichtum bei uns heisst Liebe und Vertrauen und einen finanziellen Reichtum, den gibt es nicht, im Gegenteil.

Lieben Gruß

Brigitte

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MichaelK
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BeitragVerfasst am: 15.12.2006, 21:38    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Debora ,

das ist ja nun wirklich eine schwierige Aufgabe, die man dir da auferlegt hat. Du sollst über etwas schreiben, was du gar nicht selbst erlebt hast und dann noch quasi im philosophischen Sinne. Wer denkt sich denn so was aus??

Welchen Reichtum bringt ein behindertes Kind seinen Eltern?

Also da kann ich dir gerne was dazu sagen. Allerdings empfindet das natürlich jeder auch anders und höchst verschieden. Ich hab ja noch zwei große gesunde Kinder und von daher sehe ich schon einen Unterschied zu meinem behinderten Kind.
Als erstes ist mal die Beziehung zu einem behinderten Kind viel intensiver, weil man sich mit den körperlichen Gegebenheiten und auch mit der Psyche sehr viel genauer beschäftigen muß, um die Pflege erfolgreich durchführen zu können. Ich habe dabei sehr viel über den Menschen gelernt, was ich vorher nicht wußte. Das sehe ich als eine große Bereicherung an. Es ist eben ein großer Unterschied, ob man etwas nur aus Lehrbüchern und vom Erzählen kennt oder ob man sich tagtäglich selbst damit auseinandersetzt.
Der zweite für mich wichtige Punkt ist die Veränderung in der Wahrnehmung der gesellschaftlichen Umgebung. In gewissem Sinne ist das einerseits eine Einengung, weil man sich auf Dinge konzentrieren muß, die für das behinderte Kind wichtig sind. Man muß sich selbst viel mehr zurücknehmen und seine eigenen Interessen hintenanstellen, als das bei der Pflege und Erziehung eines gesunden Kindes der Fall ist. Und was ganz wichtig ist, man lernt zu kämpfen!! Mit einem behinderten Kind muß man sich viel mehr mit Ämtern, Krankenkassen, Pflegekassen und Gesetzen auseinandersetzen, als das in einem "normalen" Leben der Fall ist. Man muß für sein behindertes Kind die Solidarität der Gemeinschaft einfordern, solange es lebt. Und weil man als Pflegeperson oftmals selbst seinen Lebensunterhalt nicht mehr durch Erwerbsarbeit verdienen kann, ist man gezwungen, diese Solidarität auch noch für sich selbst einzufordern. Andererseits sehe ich das auch als eine Bereicherung an, weil man dabei sehr viel über andere Menschen lernt, mit denen man sich auseinandersetzt. Man bekommt ein besonderes "Gefühl" für Gerechtigkeit und Menschlichkeit.

So, das soll fürs erste mal genügen, ich könnte darüber 1000 seitige Bücher schreiben, obwohl ich erst seit 3 1/2 Jahren ein behindertes Kind habe. Für mich ist mein Lars eine Bereicherung, meine anderen gesunden Kinder sind das natürlich auch, er ist aber ein "besonderes" Kind und deshalb auch eine "besondere" Bereicherung.

LG Michael

_________________
Michael für den Liebling der Familie: Lars, geb 04/03 Lumbale Spina bifida mit HC (v-p-Ableitung), Arnold-Chiari-Malformation Typ 2
"Wir neigen dazu, Erfolg eher nach der Höhe unserer Gehälter oder nach der Größe unserer Autos zu bestimmen als nach dem Grad unserer Hilfsbereitschaft und dem Maß unserer Menschlichkeit."
(Martin Luther King)
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Debora Projekt
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BeitragVerfasst am: 15.12.2006, 23:05    Titel: Antworten mit Zitat

Danke an alles für die heutigen Beiträge!

Ich wünsche euch gute Nacht
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IrisM
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Beiträge: 827
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BeitragVerfasst am: 15.12.2006, 23:28    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Debora,

auch ich kann mich nur anschließen. Für mich ist Silas eine Bereicherung in vielem gewesen. Sein Vertrauen, seine Freude auch über kleine Dinge, seine Kuschelzeiten und seine große Liebe. Da unser kleiner gesunder Schatz erst 4,5 Mon alt ist, kann ich noch nicht so einen guten Vergleichstarten. Er ist in vielem einfacher zu handhaben, ist aber von der Art her oft schon "selbständiger"oder vielleicht besser gesagt nicht so schmusig und anhänlich wie Silas in dem Alter war.

LG Iris

_________________
Iris (75) Daniel (75) Silas 19.09.2003 Microcephalie-Epilepsie-Spastische Hemiparese re, Kai 20.07.06, Meera (Golden Retriever) 4.09.2007
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Mariposa
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BeitragVerfasst am: 15.12.2006, 23:53    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,
ich denke man bekommt wieder einen Blick für die kleinen Dinge. Sieht alles weniger oberflächlich und kann sich an winzigen Erfolgen wahnsinnig erfreuen. Man lernt die Erwartungen herunterzuschrauben und ein wenig Demut zu zeigen und Respekt vor dem Leben. icon_flower.gif
LG
Martina

_________________
Martina, Dorian(99) Louisa (01)/Louisa hatte 05 eine Herpes Enzephalitis wobei ihre re. Gehirnhälfte komplett zerstört wurde; li. kleinere Defekte; litt unter nichteinstellbaren fokalen Anfällen/Sturzanfällen, Halbseitenlähmung li., Aphasie, Ataxie, frontale Enthemmung, Essstörungen, Verhaltensstörungen, Hemisphärotomie 8.8.07
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