Verfasst am: 05.12.2006, 15:25 Titel: Suche Austausch und Ratschläge über eventuelles Pflegekind
Hallo,
ich bin alleinerziehend, mit einem behinderten Kind (Pflegestufe1). Seit längerem formt sich in mir der Gedanke nach einem zweiten Kind. Da sich in Bezug auf eine Partnerschaft in meinem Leben nicht wirklich etwas tut, habe ich schon über ein Pflegekind nachgedacht. Wobei das wohl alles andere als einfach zu bewerkstelligen sein wird. Ob ich, ohne Partner und arbeitslos, überhaupt als Ersatzmutti in Frage komme, weiss ich nicht.
Ich wäre für jeden Ratschlag - auch wenn sie für mich negativ ausfallen - dankbar!
Ich wünsche Euch und Euern Kindern eine schöne Adventszeit!
Ich denke, du solltest dich einfach mal bei einer Pflegestelle im Jugendamt danach erkundigen. Ich kenne Mutti, die genau wie du alleinerziehend und arbeitslos sind, aber dennoch ein behindertes Pflegekind bekommen haben. Doch wiederum kenne ich es von mir, wird eine enorme Prüfung gemacht, zwecks Arbeit, Wohnung, finanzielle Gegebenheiten und dann kommt die Entscheidung.
Laß dir doch mal einen Beratungstermin im Jugendamt geben und spreche deine Anliegen in der Pflegestelle durch. Mehr wie "nein" können dir dort auch nicht sagen.
Ich wünsche dir viel Erfolg _________________ Liebe Grüße Bianca und dicke Knuddelgrüße von Stephan und Lea Fabienne
Hallo,
wenn eine Frau alleinerziehend ist, dann ist das kein Grund, nicht Pflegemutter zu werden. Im Gegenteil, für manche Kinder kann das genau richtig sein. Insbesondere dann, wenn Sie mit Männern schlechte Erfahrungen gemacht haben (Missbrauch).
Daher stimme ich zu: sprich mit dem Jugendamt.
Was aber, denke ich, wichtig ist und vom Jugendamt sicher auch "abgeklopft" wird, sind deine Erwartungen an die Zukunft. Willst Du eine Arbeit finden? Wenn ja, was bedeutet das für Kind und Pflegekind? Suchst Du eigentlich einen Partner? Was würde ein neuer Partner für Dein Leben und das Kind bedeuten? Usw? Ich denke, das sind die Fragen, die dein Posting (in der Kürze) in den Raum stellt.
Alexander
Hallo,
wir haben eine Pflegetochter. Bei uns klappt das sehr gut aber am nicht von Anfang an.Ich bin froh,nicht alleinerziehend zu sein,da meine (Pflege)Tochter auch sehr oft etwas mehr Strenge gebraucht hat und diesen Part hat mein Mann besser hinbekommen als ich Mittlerweile haben wir uns alle gut mit der Situation eingelebt (sind ja auch schon fast 4Jahre her). Bitte achte bei deiner Planung,daß Pflegekinder meist schon eine schlechte,gravierende Kindheit hatten. Fast alle haben dadurch Defizite. Wir haben für unser "gesunde"(körperlich gesund aber geistig nicht) Kind mehr Zeit investieren müssen, wie für unseren pflegebedürftigen Sohn. Da ich oft in Kontakt mit dem Jugendamt bin,weiß ich,daß Pflegeeltern gesucht werden,die ein sicheres Einkommen haben. Auch deine finanzielle Situation muß du bei der Befragung angeben. Ich will dich nicht entmutigen aber wie gesagt,es kommt einiges auf dich zu
Liebe Grüsse Julide _________________ ehemaliges Frühchen, 23.SSW,Cerebralparese,höchstgradig sehbehindert, spricht und läuft nicht. Lächelt aber mit dem schönsten Lächeln,daß ich kenne!
Verfasst am: 06.01.2007, 10:09 Titel: Alleinerziehend mit Wunsch nach Pflegekind
Hallo,
ich bin zwar schon Mitglied und habe zu dem Thema schon einmal eine Frage gestellt aber irgendwie ist sie untergegangen.
Ich bin arbeitslos, alleinerziehend, Mutti eines behinderten Kindes. Meine Frage ist, habe ich die Möglichkeit bzw. den Hauch einer Chance ein Pflegekind bei uns aufzunehmen oder sind die sozialen Umstände bei uns denkbar ungünstig (was ich persönlch nicht finde aber Ämter wollen wohl eher eine intakte Familie wo Vater und Mutter anwesend sind)? Ich habe schon länger den Wunsch nach einem zweiten Kind, der sich bei mir nun nicht mehr erfüllen wird. Ein Pflegekind wäre da prima, wobei ich auch schon an Adoption gedacht habe, aber da wird wohl ebenfalls meine Lebenssituation gegen sprechen. Finde ich irgendwie unfair, denn was kann ich dafür, dass der Vater meiner Kleinen nichts von ihr wissen möchte bzw. ich wegen ihrer Behinderung Schwierigkeiten habe einen Partner zu finden.
Ich freue mich über Eure Antworten und bedanke mich im Voraus!
Ein schönes Wochenende wünscht
Birwei _________________ Liebe Grüße Birwei mit Floriane geboren: 16.12.2002 globale Entwicklungsverzögerung, expressive Sprachstörung, Makrocephalus, AD(H)S,alleinerziehend
Unsere 3 Kids sind Pflegekinder. Und obwohl Du (je nach Bundesland und Landkreis unterschiedlich!) etwas Geld für den Lebensunterhalt und die "Erziehungsarbeit" dieser Kinder bekommst - Dein "Einkommen" kannst Du damit eigentlich nicht aufbessern. Eher im Gegenteil! Wir stehen gerade finanziell ziemlich im Regen, weil wichtige Anschaffungen wie rollitaugliches Auto mit Lift..., Therapien, Zuzahlungen für Hilfsmittel... nicht vom Jugendamt bezuschußt oder gar übernommen werden.
Das trifft einen bei Kindern mit Behinderungen natürlich härter als bei "gesunden", aber auch die haben in den meisten Fällen einen gewissen Sonderförderbedarf...
Außerdem gehört viel Offenheit und Flexibilität zu einem Pflegekind - nicht mal so sehr für das Kind sondern vorallem für Ämter und Herkunftseltern mit denen meist der Kontakt ja erhalten bleiben soll.
Zudem ist es anfangs oft unklar, ob das Pflegeverhältnis zeitlich begrenzt ist, also ein Rückführung irgendwann (z.B. in 2 Jahren) möglich wird oder ob ein Dauerpflegeverhältnis (optimaler Weise) bis zur Volljährigkeit daraus wird. Du solltest Dir vorher genau überlegen, was Du Dir und Deinem Söhnchen zumuten kannst. Ein neues Familienmitglied bringt immer Unruhe in ein eingespieltes Team und diese Kidds brauchen oft viel/ mehr Aufmerksamkeit, haben viel erlebt, sind schon ganz eigene Persönlichkeiten.
Außerdem kommt ein Pflegekind häufig lange nicht und dann quasi über Nacht - das muß man erst mal mit seinem Alltag und allen anderen Terminen vereinbart kriegen.
Es war nicht einfach. Aber ich würde keinen unsere Schätze missen wollen. Ich habe sehr viel über mich, meinen Mann und andere gelernt und lerne jeden Tag wieder neu.
Unsere Kids haben Defizite, aber jedes auch ein riesen Herz auf dem rechten Fleck.
Wie schön ist es, wenn die Buben vor einem stehen und sagen: "ich hab Dich/ Euch so lieb, wie ich gar nicht sagen (=beschreiben) kann! So hoch wie zum Himmel und so weit wie zum lieben Gott" - dafür haben wir alle doch unsere Kinder, oder?
Jessy zeigt uns das auf ihre spezielle Art - sie ist unser erstes Kind und ein besonderes noch dazu, sie wird, wie all diese Kinder immer einen ganz besonderen Platz in unserem Herzen haben.
Es ist, vorallem mit den Behörden, aber auch mit vielen Herkunftseltern ein anstrengender und steiniger Weg - und ich bin froh, daß ich ihn nicht alleine gehen muß. Als Alleinerziehende hätte mein Tag nicht genügend Stunden für all die Aufgaben...
Geh zu Deinem Jugendamt, informier Dich - mehr als dankend ablehnen können sie Dein Angebot, Pflegekinder aufzunehmen, nicht.
Meist mußt Du nach dem ersten Infogespräch auch noch an einem Einführungsseminar teilnehmen - ging bei uns über 8 Wochen (2 Samstage und 6 Abende), erst danach kannst Du Dich wirklich bewerben...
Ich wünsche Dir eine gute Entscheidung und viel Kraft und Freude für Deinen weiteren Lebensweg.
Grüßle
Ursula _________________ Ursula(71 - Kinderkrankenschw.), Gerhard(73), 3 Pflegekinder Tim(2001) und Kevin(2003) leibliche Brüder und mit hohem Bedarf an Aufmerksamkeit, Jessy(11/2002)- ICP, Tetraspastik, muskuläre Dystonie, kaum Kopf-/Rumpf-Kontrolle, sehbeh., PEG-versorgt, bds. luxierte Hüften, starke Skoliose -> Liegekind und unser Goldschatz!!!
ich kann mich dem was Ursula geschrieben hat nur anschließen. Mach einfach mal einen Termin beim zuständigen JA, und lege deine familläre Situation offen, und auch warum Du das machen möchtest. Du wirst 100% gefragt werden, ob Du aus finanziellen Gründen Pflegemama werden möchtest, was Du machst, wenn Dein eigenes Kind z.B. ins KK muß, was würdest Du dann mit dem Pflegekind machen, oder wenn Du selber krank würdest, was passiert dann mit dem Kind, etc. Da kommen Fragen, da mußt Du sicherlich trocken durchschlucken. Aber das ist ja auch richtig, denn die Pflegekinder kommen ja nicht ohne Grund in andere Familien. Und Zeit zum Durchatmen hast Du auch sicher nicht viel, du hast ja ein Pflegekind, das auch noch eine Herkunftsfamilie hat, d.h., Besuchskontakte, stehen an, und und und...Dann sind halt leider viele Pflegekinder traumatisiert, sie sind vernachlässigt, mißhandelt worden, und dann heißt es Ärzte, Kliniken, Gutachten, Therapien, etc. Und sie stellen Dir eventuell deine Wohnung auf den Kopf, sind überall und nirgends, so ist es uns passiert mit unserem ersten Pflegesohn, der jetzt seit 4 Jahren bei uns ist, FAS hat, und mittlerweile in einer Heilpäd. Tageseinrichtung ist. Aber er ist ein ganz süsses Kerlchen, wenn da nicht manchmal... . Wir haben noch ein Pflegekind, der jetzt 7 Mon. alt ist, seit Sommer 2006 bei uns ist, einen Herzfehler hat , sowie einen Gendefekt, also gesundheitlich ein Päckchen zu tragen und dann hat er noch eine ganz "reizende " Herkunftsfamilie.
Ich finde es toll, wenn sich jemand entscheidet Pflegemama (-Eltern)zu werden, aber es ist wirklich, wenn Du alleinerziehend bist, schwierig, und sehr gut zu überlegen. Ich denke auch, dass Dir das JA sicherlich viele Steine in den Weg legen wird, auch wegen Deiner ersten Tochter, was hat sie denn für eine Behinderung?
Du kannst ja auch mal fragen wie das mit Kurzzeitpflege aussieht, vielleicht kommst Du auch über die Schiene zu einem Vollzeitpflegekind. Außerdem siehst Du dann auch wie Du alles hinbekommst.
Melde dich mal, wenn Du noch was wissen willst.
Ich hoffe, es klar für Dich geworden, daß Du Dir erst sicher sein musst, was Du leisten kannst und abklären musst, wer sich mit um die Kinder kümmert, wenn Du ausfällst ( selber krank bist oder mit einem Kind ins KKH gehen musst, usw.)
Aber das würde Dir auch bei einem Antrag auf dem JA nahe gebracht.
Vielleicht kannst Du erst mal den Pflegeelternkurs machen und dann danach, erneut darüber nachdenken, ob Du immer noch Pflegekinder aufnehmen willst und kannst.
Eine finanzielle Absicherung ist es in keinem Fall. Darüber musst Du Dir schon im Vorwege klar werden. Es sollte auch nicht der ausschlag gebende Grund sein, ein Kind auf nehmen zu wollen.
Halte uns bitte auf dem Laufenden, was Du nun zu tun gedenkst.
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