Verfasst am: 23.11.2006, 16:40 Titel: behindert und Einzelkind
Hallo,
unser Sohn Tom wird so wie es ausschaut ein Einzelkind bleiben. Wir hätten gerne noch ein weiteres Kind gehabt. Es hat leider nicht geklappt. Je älter wir werden um so stärker ist die Gewissheit das Tom unser einziges Kind bleibt.
Wem geht es genauso ob gewollt oder ungewollt? Wir haben in unserem Umfeld so eine doppelte Sonderrrolle. Tom es vielleicht doppelt schwer? Ich denke es hat Vor- und Nachteile. Ich kann auch die Vorteile sehen.
Bei anderen Müttern im Kindergarten scheint die Nachwuchsplanung absolut kein Problem zu sein. Wenn ich da zu höre und denke wie schon die Schwangerschaft u. der Kampf ums Leben von Tom alles andere als einfach war und ist. Jetzt mal so Geschwisterchen Nr. 1 usw. ... . Ich denke kein Bereich in meinem Leben war so wenig planbar
Es ist ein sehr persönliches Thema, und ich kenne niemand mit der gleichen Konstellation. Wäre schön sich darüber auszutauschen.
Kathrin _________________ "Nicht müde werden, sondern dem Wunder leise wie einem Vogel die Hand hinhalten" H. Domin
J. *2004 / Hypoplastisches Linksherz, Stimmbandparese, Laryngomalazie, 4 große Herzoperationen, Paukenröhrchen, enterales Eiweißverlustsyndrom, Thromboseneigung (Faktor-Fünf-Leiden, Prothrombin)
wie alt bist du denn, dass du mit dem Thema schon so abgeschlossen hast?
Ja, bei vielen scheint es einfach zu sein, aber ich kenne auch einige Paare, bei denen sich erst nach etlichen Fehlgeburten Nachwuchs einstellte und eine zweite Schwangerschaft schwierig ist.
Beim Timmi dachten wir: Na gut, wenn noch eins kommt ist gut und wenn nicht, dann eben nicht. Geplant haben wir das nicht, obgleich ich schon gehofft habe, dass es klappen würde - was dann auch zum Glück der Fall war.
Schön, wer so unbefangen an Schwangerschaften und Geschwisterplanung herangehen kann wie bei dir die Kiga-Eltern. Das hat bei uns beim Timmi nicht mehr funktioniert... Weil wir eben auch schon zu viel wussten, was alles sein kann...
LG
Sabine _________________ Unsere Vorstellung? -> hier klicken
Jan-Paul (10/01), schwer mehrfachbehindert ohne Diagnose, Tim-Henrik (03/05), Lea-Kristin (01/11)
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Unsere Leni ist mittlerweile 4,5 Jahre alt und auch Einzelkind.
Sie wird wohl auch Einzelkind bleiben, da mein "Fast-Mann" (nicht ihr Papa) auch Spina Bifida hat. Unser Wiederholungsrisiko läge bei >20% und dieses Risiko wollen wir nicht eingehen...
Außerdem habe ich selbst ein Problem mit meiner Leber, was wohl eine erneute Schwangerschaft nicht zulassen wird.
Auch eine Adoption wird bei uns ausfallen, da wir einfach mit einem behinderten Papa, einer behinderten Schwester und nur einer nicht-behinderten Person in der Familie (also mir ) wohl kein Kind bekommen würden.
Also, Leni wird ein Einzelkind bleiben (ok, vielleicht bekommt ihr leiblicher Vater nochmal ein Kind, aber sie ist ja nur jedes 2. WE dort), so schwer es mir fällt...
Wenn Du noch darüber reden magst, dann meld Dich einfach bei mir, ok?
GLG
Verena _________________ Liebe Grüße von
Verena (30), Benni (28), Leni (02/02, Spina bifida, Hydrocephalus, gut eingestellte Epilepsie), Hannah (02/10, kerngesund) und Jakob (03/12, ebenfalls kerngesund nach schlechtem Start ins Leben)
bei uns ist es so ähnlich wie bei Euch, wir haben einen Sohn, Jonathan, der vermutlich ein Einzelkind bleiben wird. Bevor wir wussten, dass er hörgeschädigt ist, und was für eine Wahnsinnsrennerei und Arbeit das sein würde, ihm zu helfen, hätten wir gern noch weitere Kinder gehabt, mindestens eins. Ich bin allerdings erstmals in meinem Leben ernsthaft krank und habe eine chronische Entzündung gehabt, die bisher jede Schwangerschaft nach wenigen Tagen beendet hat. Zuerst waren wir traurig darüber, dann hatten wir uns damit abgefunden, und seit zwei Jahren (so lange bin ich richtig schlimm krank) bin ich vor allem sehr froh, dass ich NUR ein Kind habe, denn diese ganzen Therapien, die Krankenhausaufenthalte, die Besuche bei den Ärzten, der Ärger im Kindergarten, - dieser ganze Mist frisst fast meine gesamte Kraft. Es wird jetzt besser, gerade erst seit ein paar Wochen, aber ich war halbtot vor lauter Arbeit und Sorge. Insofern denke ich, dass wir (vor allem ich) einem weiteren Kind absolut nicht hätten gerecht werden können. Nun liegt eine frische OP hinter mir, mein Körper dürfte sich binnen des nächsten Jahres normalisieren, aber ich bin inzwischen 40 Jahre alt, ich weiß nicht, ob das klappt mit einer weiteren Schwangerschaft.
Wir sind glücklich mit unserem Kind, es ist völlig okay, dass er Einzelkind ist und bleiben wird (mein Mann und ich haben drei und vier Geschwister!), wenn es anders kommen SOLLTE, wäre das ab dem kommenden Jahr auch okay, aber wir sind nicht traurig, wenn es nichts wird.
Ich denke, unser Kind hat Vorteile davon, dass viel Elternzeit in seine Förderung geht. Er wird mit viel Geduld und Spucke den Sprung auf eine normale Schule schaffen. Das hätte nicht hingehauen, wenn ich gleichzeitig noch mehrere andere Kinder zu betreuen gehabt hätte. Auch so ist es mir oft sehr viel geworden! Da wir ihn nicht unter Druck setzen und insgesamt eher locker miteinander umgehen, sehe ich keine Probleme, die sich aus seiner exponierten Stellung ergeben. Er ist nicht verwöhnt und sehr hilfsbereit und lieb. Wir hatten überlegt, ein Pflegekind zu uns zu nehmen, hatten sogar schon die Papiere hier, und dann ging es wieder so richtig rund mit allen Ämtern, und ich bin sehr froh, dass wir uns letztlich doch gegen eine Pflegschaft entschieden haben, obwohl wir dem zweiten Kind sicher viel bieten könnten, aber das ist halt alles meine Energie, die da reingeht, mein Mann ist eher so der Wochenendvater, und ich bin derzeit selbst schwer angeschlagen.
Ob andere Leute mehr Kinder oder weniger haben, ob die Probleme haben, Nachwuchs zu zeugen oder nicht - ehrlich gesagt interessiert mich das nicht die Bohne. Bei uns ist das so, wie es ist, und nur dann, wenn wir bei der Familie meines Mannes sind bei Familienfeiern, fällt mir auf, dass der arme Junge väterlicherseits nur einen Cousin hat und eine Stiefcousine - und sich alle Emotionen der Erwachsenen über den armen Kindern entladen. Das finde ich dann auch wieder nicht so schön. Bei uns ist er halt einer von vielen, da fällt er gar nicht auf. Das Kontrastprogramm ist für den Jungen vermutlich gar nicht schlecht.
hmmmm, ich bin 40 Jahre alt . Nicht ganz so jung. Diese Gewissheit das Tom ein Einzelkind bleiben wird gründet nicht nur auf mein Alter, sondern auch auf eine Art Bauchgefühl. Es wird Zeit sich von der Vorstellung von einem weiteren (ich geb`s zu natürlich gesunden) Kind zu verabschieden.
Du hast Recht, es ist sicher schön, wenn man so unbeschwert damit umgehen kann. Hätte ich auch bei einer weiteren Schwangerschaft nicht sein können. Da habe ich inzwischen einen ganz anderen Erfahrungshintergrund.
liebe Grüße
Kathrin _________________ "Nicht müde werden, sondern dem Wunder leise wie einem Vogel die Hand hinhalten" H. Domin
J. *2004 / Hypoplastisches Linksherz, Stimmbandparese, Laryngomalazie, 4 große Herzoperationen, Paukenröhrchen, enterales Eiweißverlustsyndrom, Thromboseneigung (Faktor-Fünf-Leiden, Prothrombin)
danke für deine offene Antwort. Unsere Situation ist in manchen Punkten wirklich ähnlich. Da mein Sohn schwerkrank ist haben mein Mann und ich auch viel Zeit im Krankenhaus verbracht. Mein Mann u. ich konnten uns ganz auf Tom konzentrieren. Die letzten Jahre waren schon auch ein stück weit eine Grenzwanderung meiner Kräfte. Letzten Endes hätte ein Geschwisterkind da auch wenig Raum gehabt und ich hätte ihm sicher auch nicht gerecht werden können. Ich sehe da ähnlich wie du auch Vorteile, dass es mit einem Geschwisterchen nicht geklappt hat.
Schön, dass Jonathan bei Familienfeiern von deiner Seite einer von vielen ist, und er wohl recht viele Möglichkeiten hat in deiner Familie mit Kindern zusammen zu sein.
Tom geht seit 4 Tagen begeistert in den Kindergarten, und ich bemühe mich ihm viele Kontakte mit Gleichaltrigen zu ermöglichen. Mit mehr oder weniger Erfolg. Liegt sicher auch daran, dass ich nicht ganz so locker im Umgang mit Eltern von gesunden Kindern bin. Ich hoffe, dass sich mit der Zeit da noch was tut. Ich möchte nicht, dass sich Tom unter lauter Erwachsenen einsam fühlt.
Letzten Endes kann uns keiner sagen ob Tom erwachsen werden wird. Es kann uns drohen, dass wir als verwaiste Eltern klar kommen müssen.
So ganz über den Dingen stehen bzw. meine Lebenssituation so annehmen kann ich leider nicht. Ich zolle deiner Ansicht da vollen Respekt. Ich weiß die ganze Vergleicherei bringt nichts, na ja ich arbeite noch dran
ich wünsche dir und deiner Familie ein schönes Wochenende
Kathrin _________________ "Nicht müde werden, sondern dem Wunder leise wie einem Vogel die Hand hinhalten" H. Domin
J. *2004 / Hypoplastisches Linksherz, Stimmbandparese, Laryngomalazie, 4 große Herzoperationen, Paukenröhrchen, enterales Eiweißverlustsyndrom, Thromboseneigung (Faktor-Fünf-Leiden, Prothrombin)
ich habe Dir eins voraus: fast zwei Jahre Leidensweg! Das ist ein halbe Ewigkeit, bezogen auf ein krankes Kind. Vor zwei Jahren hätte ich noch nicht ein Mal eine Anfrage stellen können wie die Deine, inzwischen bin ich gewieft wie nur was, nehme jede Förderung mit, mische die Leute auf, arbeite mit anderen Betroffenen zusammen, knüpfe Kontakte - Hauptsache, unserem Sohn wird geholfen.
Das wäre für mich früher undenkbar gewesen, ich habe aufgrund meines Berufs darauf geachtet, keinesfalls Angriffsflächen zu bieten, alles Private zu verbergen, das hatte ich mir mühsam antrainiert... Und letztes Jahr stand ich plötzlich (ich habe es jedenfalls so empfunden!) im Kieler Landtag und habe unser Anliegen vertreten. Und es war mir völlig egal, was andere davon denken. Diese Haltung habe ich mir bewahrt, damit lebt es sich ganz gut. Dass man trotzdem angreifbar und verletzbar ist, ist ja klar.
Zu dem Kindergarten: Ich glaube nicht, dass Deine Scheu gegenüber den anderen daran liegt, dass Dein Tom krank ist! Es geht allen Eltern so, wenn ihre Kinder neu in die Gruppe kommen, auch den Eltern der "gesunden" Kinder. Alle hoffen, dass die Kleinen zurecht kommen, Freunde finden - Du wirst sehen, Ihr findet auch bald Kontakt, solange man offen ist, ist es völlig wurscht, ob die Kinder Defizite haben oder nicht, denn jedes Kind hat Schwächen und vor allem aber auch Stärken. Er findet dort bestimmt bald einen Freund oder eine Freundin, Du wirst sehen.
Dass die Aussichten für den Jungen schlecht sind, tut mir sehr Leid. Dazu kann ich nichts Tröstendes oder Sinnvolles sagen, ich kann nicht annähernd nachvollziehen, was Ihr durchmacht.
Was den Umgang mit Kindern anbelangt: Unsere Kinder verlieren viel Zeit in Therapien, im Krankenhaus, überall. Sie haben wenig Zeit, unbeschwert Kind sein zu dürfen. Das ist halt so, das muss man akzeptieren, sonst macht man sich noch unnötig Druck. Du scheinst doch sowieso schon alles zu tun, was Du kannst.
Mein Rat (habe ich auch falsch gemacht): Man sollte sich Zeit für sich selber nehmen, bevor man zusammen klappt. Suche Dir jetzt, da der Kleine stundenweise im Kiga betreut wird, unbedingt wieder ein Hobby oder irgendwas, dass Du mal rauskommst und wieder Kraft tanken kannst. Ich gehe laufen, zum Beispiel, das hilft, den Kopf frei zu bekommen.
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