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Wie erkläre ich den "leiblichen Vater"?
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Heidi S.
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Anmeldedatum: 11.08.2006
Beiträge: 362
Wohnort: NRW

BeitragVerfasst am: 20.11.2006, 21:42    Titel: Wie erkläre ich den "leiblichen Vater"? Antworten mit Zitat

Hallo!

Das ist hier vielleicht nicht der richtige Platz zum Fragen, aber da in diesem Forum auch viele Pflegeeltern sind, stelle ich meine Frage einfach mal.

Unser Pflegesohn (3) wird bald zum ersten Mal seinen leiblichen Vater treffen. Bisher kennt er nur seine leiblichen Großeltern. Mit dem Begriff "Großeltern" kann er noch wenig anfangen, es sind halt alles Oma und Opa. Diese leiblichen Großeltern trifft er auch nur alle drei Monate für eine Stunde auf dem Spielplatz. Es ist dann wie ein zufälliges Treffen von Bekannten.

Seine leibliche Mutter kennt er gar nicht. Ich versuche immer wieder mal, ihm von ihr zu erzählen, aber zum Verstehen ist er noch zu klein. Auch gibt es gar keinen Kontakt zu ihr, keine Briefe, nichts.

Nun taucht plötzlich dieser Vater auf und wünscht Besuchskontakt, der ihm auch eingeräumt werden soll/muß. Wie, wann und wo entscheidet das Jugendamt. Da haben wir zum Glück eine sehr verständnisvolle Sachbearbeiterin.

Aber irgendwann wird nun demnächst dieser Kontakt stattfinden. Und wir müssen dem Jungen erklären, wer dieser fremde Mann ist. Er wird sich mit Sicherheit als "Papa" vorstellen. Doch dieser Platz ist nun mal von meinem Mann besetzt.

Die leibliche Mutter kann ich als "Frau, die dich geboren hat" erklären, aber den Vater?

Auch vom Jugendamt kommt kein Vorschlag.

Wer kann mir weiterhelfen? Ich bin völlig ratlos und sehe dem Termin mit Schrecken entgegen, gerade wo unser Junge im Moment so sehr verhaltensauffällig ist. Jede kleine Veränderung in seinem Tagesablauf wirft ihn total aus der Bahn.

Erwartungsvolle Grüße,
Heidi.
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Gitte
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Anmeldedatum: 07.05.2006
Beiträge: 2534

BeitragVerfasst am: 20.11.2006, 22:13    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Heidi

Also ob ich Dir hier eine Antwort geben kann, weiß ich nicht.
Wie wäre es denn, wenn Du Eurer Sachbearbeiterin klar machst, das es zur Zeit nicht gut wäre noch eine neue Person in das Leben von Eurem Pflegesohn zu bringen.
Zumal man ja wirklich schwer erklären kann was "Vater " bedeutet.
Vielleicht könnt Ihr damit wertvolle Zeit erhalten und die Frage läßt sich in ein bis zwei Jahren besser beantworten.
Manche Leute kann ich nicht verstehen.
Ein Kind ist doch keine Puppe, die man sich dann irgendwann wenn man mal selber psyschich bereit ist, anschaut.
Wo waren sie die letzten 3 jahre?
Kein Geld? Keine Kraft ein Kind großzuziehen?
Das sind Fragen die ich mir gerade stelle?

Nächster Satz kommt mir ironisch über die Lippen.

Aber jetzt, wo sie sich überlegt haben : ach ich könnte ja mal...
...dann soll beim Kind alles durcheinander gewürfelt werden?

Leute gibt es.
Ich drücke Dir die Daumen das Du eine Hilfreiche Antwort bekommst.

Liebe Grüße
Gitte
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steffi35
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Anmeldedatum: 10.09.2006
Beiträge: 66
Wohnort: saarwellingen

BeitragVerfasst am: 20.11.2006, 22:15    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

das ist wirklich eine verdammt schwere Situation. Dein Sohn ist ja noch verdammt klein, wie soll er das verstehen?
Keine Ahnung, wie du ihm das erklären sollst, vor allen, weil er ja seine leibliche Mutter überhaupt nicht kennt. Du und dein Mann sind jetzt Mama und Papa.

Muß sich denn der leibliche Vater mit Papa vorstellen. Kann er denn nicht vorher nur seinen Namen sagen und dem Kind später erklären, daß er der leibliche Vater ist? Kannst Du eventuell vor dem Treffen mit deinem Sohn mit dem Mann mal alleine reden? Evt. beim Jugendamt?
Vielleicht kannst du im Vorfeld mit dem leiblichen Vater reden und die Situation genau erklären, daß dein Sohn große Probleme hat mit Veränderungen?
Versuch doch über das Jugendamt ein Treffen vorher mit dem Vater zu erreichen.

Das ist das einzige, was mir so spontan dazu einfällt. Vielleicht hilft ja mein Vorschlag ein wenig.

Ich drücke Euch ganz fest die Daumen, daß alles gut geht.

Liebe Grüße
Steffi mit Adoptivsohn Chris

_________________
Steffi mit Christopher geb. 1999, Kleinhirnfehlbildung, Entwicklungsverzögerung, bestehender Herzfehler (Restloch nach VSD), Sprachentwicklungsverzögert
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Heidi S.
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Beiträge: 362
Wohnort: NRW

BeitragVerfasst am: 20.11.2006, 22:30    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Gitte und Steffi,

gegen das Besuchsrecht des Vaters können wir nichts unternehmen. Wir können nur den Zeitpunkt etwas hinauszögern, aber wie lange?

Das Gespräch mit dem Vater ist ein guter Gedanke. Das werde ich unserem Jugendamt direkt einmal vorschlagen.

Da gehen wir wöchentlich zur Psychotherapie, damit die Vergangenheit bewältigt wird, und dann soll das alles wieder durch nur einen einzigen Besuchskontakt kaputtgemacht werden.

Das ist schon eine verkehrte Welt.

Danke für Eure Tips.

Liebe Grüße,
Heidi.

_________________
Heidi mit
Adoptivsohn D. (11/03), FAS, Bindungsstörung, Wahrnehmungsstörungen, und
Pflegetochter J. (03/05) FAS, entwicklungsverzögert, Absencen, visuelle Wahrnehmungsstörung
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Anneke
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Beiträge: 212
Wohnort: Hille

BeitragVerfasst am: 20.11.2006, 22:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Heidi,
wir haben auch 2 Pflegekinder, die beide Kontakt zu ihrer Herkunftsfamilie haben und auch wir haben uns bei Steven ( unserem Großen) schwer getan mit Erklärungen. Zunächst einmal darf und muß man auch nicht das Kind überfordern. Sie sind noch so klein und haben eh ne Menge zu verarbeiten. Steven haben wir einfach seinen Vater mit Vornamen vorgestellt und ihm gesagt, daß dieser Mann ihn von früher kennt. Das haben wir im Voraus auch mit dem JA besprochen und dem Vater erklärt. Vielleicht könnt ihr vorher brieflich Kontakt aufnehmen und ansonsten entscheidet ihr das einfach, denn schließlich lebt ihr mit dem Kind und kennt es am Besten. Steven und später auch unser Benjamin sind damit gut umgegangen und haben das ohne Fragen "geschluckt". Und nach und nach sind Fragen gekommen und wir konnten ihnen ihre Geschichte so erklären, wie sie es verkraften konnten. Wenn man das überhaupt so sagen kann. Beide Kinder sprechen noch heute ihre Väter mit Vornamen an und für beide Väter ist das auch ok.
Wenn du noch Fragen hast, melde dich ruhig.
Wünsche dir alles Liebe und Kraft und Mut
Anneke

_________________
Anneke 36J, Hinrich 39J, Steven 12J mit auditiver Wahrnehmungs- u Verarbeitungsstörung und LRS und Benjamin 7J( 28.SSW, ICP, beinbetonte Tetraspastik, Hüftdysplasie,PDB,ASD) beides Pflegekinder
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marisa bi
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Anmeldedatum: 20.11.2006
Beiträge: 1
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BeitragVerfasst am: 20.11.2006, 22:52    Titel: Antworten mit Zitat

Eure Lage ist sicherlich nicht einfach, da ihr zumal die Pflegeeltern und nicht die Adoptiveltern seid und somit den Vater nicht ausschließen könnt. Es besteht wahrscheinlich auch die Möglichkeit, dass das Kind eines Tages wieder zu ihm kommt, oder? Ich würde Euch den Weg der sanften Ehrlichkeit vorschlagen. Versucht in einem Vortreffen mit dem leiblichen Vater zu verstehen, weshalb er sich bis zu diesem Zeitpunkt nicht mehr blicken ließ, weshalb er nun eine Wiederaufnahme der Beziehung wünscht, wie er gedenkt, sich in Zukunft zu verhalten, welche Beziehung er zu dem Kind pflegen möchte, ... Er ist der Mann, den die "Mama ausgesucht hatte, um sein Papa zu werden, der es aber nicht werden konnte weil ...". Besprecht mit ihm das Problem und ihr werdet von selbst verstehen, wie ihr diesen Mann dem Kind vorstellen sollt. Versucht dabei so ehrlich wie möglich, und gleichzeitig so sanft wie möglich zu sein!
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steffi05
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Beiträge: 9

BeitragVerfasst am: 20.11.2006, 23:20    Titel: Antworten mit Zitat

ich kann mich hier nur anschließen und würde auch dazu tendieren, den kontakt mit dem ja zu suchen, um vorab ein gespräch mit dem vater allein in beisein des ja zu führen, um ihn ein wenig für die problematik des kleinen zu sensibilisieren.

ich würde mich auf solch ein treffen auch richtig vorbereiten. ich würde fotos mitnehmen, selbst gemaltes oder gebasteltes und ganz wichtig auch noch einen kleinen bericht eures psychotherapeuten. den würde ich um eine einschätzung der momentanen emotionalen stabilität und auch um eine einschätzung über das geplante treffen bitten ...
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MichaelK
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Beiträge: 9446
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BeitragVerfasst am: 21.11.2006, 00:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Heidi,

BGB § 1592

Vaterschaft

Vater eines Kindes ist der Mann,

1. der zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter des Kindes verheiratet ist,

2. der die Vaterschaft anerkannt hat oder

3. dessen Vaterschaft nach § 1600d oder § 640h Abs. 2 der Zivilprozessordnung gerichtlich festgestellt ist.

Entschuldige, wenn das jetzt ein bischen paragraphenmäßig rüberkommt. Aber vielleicht kannst du es ja sogar irgendwie verwerten Wink

LG Michael

_________________
Michael für den Liebling der Familie: Lars, geb 04/03 Lumbale Spina bifida mit HC (v-p-Ableitung), Arnold-Chiari-Malformation Typ 2
"Wir neigen dazu, Erfolg eher nach der Höhe unserer Gehälter oder nach der Größe unserer Autos zu bestimmen als nach dem Grad unserer Hilfsbereitschaft und dem Maß unserer Menschlichkeit."
(Martin Luther King)
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JennyB
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Wohnort: Aschaffenburg

BeitragVerfasst am: 21.11.2006, 01:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,
mein Sohn fährt ganz gut mit 2 Papas.
Mein Mann ist Papa Jan, Alltagspapa und immer da.
Papa Marco - damit verbindet Jr. seinen leiblichen Papa, aber eigentlich nur einen Mann, den er alle paar Jahre sieht und der ab und zu ein Päckchen schickt.

Und damit kommt er eigentlich auch gut klar.

Ich wünsch euch viel Gelassenheit und eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung...
LG
Jenny

_________________
Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muß man sich verdienen......
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judithodrich
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BeitragVerfasst am: 21.11.2006, 10:09    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Heidi,

wie Anneke finde ich die Idee eines Vorabtreffens eine gute Idee, wenn möglich mit Beteiligung des Jugendamtes.
Eine gute Vorbereitung kann nur hilfreich sein, Fotos usw und auf jedenfall einen Bericht des Psyochtherapeuten. Eine Sensibilisierung des Vaters ist wichtig.
Es ist bestimmt schwer einem drei Jährigen einen zweiten Vater zu erklären, es zahlt sich aber aus. Teenager sind noch viel empfindlicher und die suchen dann auch oft die leiblichen Eltern.
Je früher der "andere" Vater ein normales Thema ist, desto leichter wird es später.
Findet heraus was den Vater bewegt jetzt Kontakt aufzunehmen und was ihn vorher abgehalten hat. Je mehr Information ihr habt, um so besser könnt ihr euch und den Kleinen auf diese schwierige Situation vorbereiten.

Ich wünsche euch alles Gute

Judith

_________________
Andreas 10/73, Judith 2/64 mit Sara 8/86, Ines 7/89, Anne 2/00 und Jonas *13.07.2005 †03.04.2006, SMA Typ I und Joshua 12/2008

Unser Album: http://www.REHAkids.de/phpBB2/album.....personal.php?user_id=4080
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