Verfasst am: 24.10.2006, 08:23 Titel: BERA + OAE-Ergebnisse - seltsam?
Hallo, Ihr Lieben!
Gestern hatten wir einen Termin in der Pädaudiologie hier bei uns. Mein Sohn absolvierte einen BERA-Test und eine OAE-Messung in Sedierung. Beim Besprechen des Ergebnisses meinte die Prof. dass Jan zwar nicht gut hört, aber auch nicht so schlecht, dass er Hörgeräte benötigen würde. Es könnte zwar 20 dB besser sein und er würde hören, wie wenn er Watte in den Ohren hätte und das würde zum Spracherwerb allemal reichen. Ich muss dazu sagen, dass er im Mai 06 beidseits Dauerröhrchen bekam, links fehlt es schon. Er hat jetzt dort natürlich wieder einen Erguss. Mit dem rechten Ohr hatte er schon letztes Jahr ein Hörvermögen von ca. 35 dB, was sich beim heutigen BERA-Test auch wieder bestätigt hat. Jan spricht noch garnichts (wird im Januar bald 3) und fängt jetzt erst an mit verschiedenen Silben zu lautieren. Wir waren zur Abklärung in der Uni-Klinik HD - Verdacht wegen auffälligem MRT auf metabolische Speichererkrankung, Sauerstoffmangel vor , während oder nach der Geburt, Syndrome, genetische Defekte usw. bisher konnte eine Speichererkrankung weitgehenst ausgeschlossen werden. Komischerweise wurde in der dortigen Pädaudiologie nach OAE-Tests der Vedacht auf Schwerhörigkeit geäußert - das einzige Ergebnis, dass ich nach diesem einwöchigen Aufenthalt dort habe (außer natürlich, dass ich eine geistige Behinderung miteinbeziehen muss). Hat von euch auch jemand solche Erfahrungen mit grenzwertigen Ergebnissen gemacht. Könnte es nicht doch nutzen bei 35 dB ein Hörgerät verordnet zu bekommen (vor allen Dingen, weil er ja noch nicht spricht) oder ist das doch nutzlos, wie die Fr. Prof. meinte?
Viele Grüße,
Bettina
oftmals sagt man, dass Hörgeräte dann indiziert sind, wenn mindestens eine Prüffrequenz (500, 1000, 2000 und 4000 Hz) ein Hörverlust von 35 dB aufweist, d.h. dein Sohn würde in diesen Indikationsbereich fallen.
Einen Versuch würde ich daher auf alle Fälle starten, allerdings mit sehr erfahrenen Pädakustikern. Sonst kann man nämlich mehr kaputt machen als es Hilfe verspricht.
Hörgeräte versuchen würde ich auf alle Fälle, du merkst ja dann, ob dein Sohn es ablehnt oder ob er es akzeptiert und gerne nimmt. Fakt ist aber, dass beides möglich ist, denn Hörgeräte verstärken alles, auch die Nebengeräusche und oftmals fällt es Schwerhörigen schwer zu filtern (Sprache aus einem lauten Hintergrund heraushören); zudem sei noch gesagt, dass Hörgeräte auch Rauschen, bei einem Hörverlust von nur 35 dB kann es also sein, dass dein Sohn ein Rauschen auf den Ohren hat und dadurch ggf. noch schlechter versteht oder das Hörgerät lauter gestellt werden muss, was dann jedoch eher die Ohren schädigt.
Ich hoffe ich habe dich nicht verwirrt. Ich möchte dir nur raten, Hörgeräte zu versuchen, aber halt bei einem sehr erfahrenen Kinder-Akustiker.
Grüße,
Miriam _________________ M. SMA, bds. Taubheit (mit CIs versorgt);
L. urininkontinent;
J. Legasthenie, motorische Probleme
wir haben eine ähnliche Geschichte mit unserem Jüngsten durch. Sprechen erst mit 3, auffälliges Verhalten, immer laut, mußte jedes Spielzeug ans Ohr halten, kroch fast in den CD-Player. Er hat allerdings auch diverse Grunderkrankungen: Epilepsie, GB, Asthma. Der erste gescheite Hörtest mit 2 brachte das Ergebnis: Hören auf dem linken Ohr ab 70dB !!, die erste Bera ohne Sedierung war grenzwertig, OAEs schwankend.
Dann in Regensburg eine große Bera: Ergebnis: Hören bis auf 15dB, also Luchslike, auditive Wahrnehmungsstörung.
Keine Hörgeräte, weil die mehr sschaden als nützen und wir blieben völlig verzweifelt zurück mit unserer Not.
Dann ein neuer Erklärungsversuch: die Epi könnte schuld gewesen sein oder Medis, Stoffwechselprozesse im Ohr oder - da er heute spricht und gut hört - nach vielen Anfällen irgendwelche Nervenschädigungen, die sich bis heute regeneriert haben. Er wird nächsten Sonntag 5.
Viel Glück für Euch weiterhin !! Ich drück dem kleinen Mann die Daumen,
Verfasst am: 24.10.2006, 11:39 Titel: BERA + OAE-Ergebnisse - seltsam?
Hallo,
danke für eure Antworten!! Jetzt bin ich doch schon ein wenig schlauer! Hörgeräte können also auch schaden, wenn man nicht so gut hört - das wusste ich nicht. Warscheinlich möchten die Pädaudiologen deshalb kein Hörgerät verordnen, obwohl ich im Gespräch verlauten ließ, ich möchte für meinen Sohn gerne alles versuchen - auch Hörgeräte.
Das mit den schwankenden OAE's lässt mich auch schon verzweifeln. Manchmal hört er bei diesen Tests gut und manchmal wieder schlecht und keiner kann mir genau sagen warum. Gottseidank fängt Jan ja jetzt wenigstens mal an mit lautieren - vielleicht lernt er ja doch noch mal sprechen?
uns wurde auch gesagt, dass Hörgeräte in so geringen Hörschwellenbereichen sehr schwierig einzustellen sind für kleine Kinder und auch Kontraproduktiv wirken können.
Wieso bekommt er nicht erstmal neue Röhrchen, wenn die Ohren schon wieder ergussig sind. Das rettet ja nochmal 20 bis 30 DB.
Kriegt er Frühförderung für Hörgeschädigte? Das kannst Du über das Land am besten über eine Schule für Hörgescädigte beantragen und hilft bestimmt anstelle von Hörgeräten. Die Pädagogen können auch sehr gut beurteilen, ob er doch ein Kandidat für Hörgeräte ist, oder nicht.
Gruss, Anja _________________ Anja mit Tochter (5/02) BPES - Blepharophimose-Ptose-Epikanthus inversus-Syndrom, V.a. HB und Sohn (11/04) tiefe Analatresie mit perinealer Fistel, Hüftdysplasie, muskuläre Hypotonie, ehem. KISS, rezividierende Paukenergüsse und obstruktive Bronchitis
Wir haben eine ähnliche Geschichte durch, unser Sohn ist - nach vier (!) Jahren endlich gesichert - schwerhörig. Wir hatten das Pech, dass er klug genug ist, die gewünschten Ergebnisse beim Hörtest zu raten, auch schon mit zwei Jahren. Bei der BERA kamen auch nur 20 dB raus, alles andere war okay, psychologisch, motorisch, neurologisch - sie wussten nicht, was sie mit dem Jungen machen sollten. Er hat Dauerergüsse, das ist jetzt gesichert, immer, jeden Tag, die Trommelfelle platzen (ohne freie Röhrchen) ein, zwei Mal PRO MONAT. Wenn wir also Pech haben, liegt er bei 85 dB, und am Tag drauf ist ein Test in der Uniklinik und das Gehör liegt bei den 20dB (Innenohr). Eine ähnliche Geschichte würde ich bei Euch nicht ausschließen. Ganz wichtig: Nicht irre machen lassen, am Ball bleiben, nicht auf jeden Zug aufspringen in der Hoffnung, dass es nützt! Hörgeräte müssen gut angepasst werden, damit sie etwas bringen. Im Zweifel nochmals durch die Pädaudiologie schleifen. Die Hörgeschädigtenschule wird Euch bei diesen geringen Werten nur mit sehr viel Glück helfen können und dürfen (wir haben dieses Glück allerdings, unser Sohn wird durch Schleswig mitbetreut). Wir haben Frühförderung am Institut für Sprach- und Entwicklungsförderung in Geesthacht (bei Hamburg), das bringt sehr viel.
einiges was du schreibst verstehe ich einfach nicht, bitte um Aufklärung:
Zitat:
Er hat Dauerergüsse, das ist jetzt gesichert, immer, jeden Tag, die Trommelfelle platzen (ohne freie Röhrchen) ein, zwei Mal PRO MONAT.
Was meinst Du damit? Er hat Pauenröhrchen und die Trommelfelle platzen auch wenn die Paukenröhrchen frei sind trotzdem? Wie funktioniert das ?
Zitat:
Wenn wir also Pech haben, liegt er bei 85 dB, und am Tag drauf ist ein Test in der Uniklinik und das Gehör liegt bei den 20dB (Innenohr).
Innenohr ist doch der OAE Test und der kann nur messen, ob 30DB wahrgenommen werden oder nicht.
Welcher Tets ergibt 85 DB? BERA? Wenn OAE weitestgehend unauffällig ist (30 DB ok) und BERA trotsdem viel schlechter weist das auf eine Hörnervschädigng bezw., zentralneurale Hörschädigung hin ( aber nicht Innenohr!!!!)
Sorry, aber was Du schreibst macht für mich irgendwie wenig Sinn ..... _________________ Anja mit Tochter (5/02) BPES - Blepharophimose-Ptose-Epikanthus inversus-Syndrom, V.a. HB und Sohn (11/04) tiefe Analatresie mit perinealer Fistel, Hüftdysplasie, muskuläre Hypotonie, ehem. KISS, rezividierende Paukenergüsse und obstruktive Bronchitis
Ich erklär's gern noch ein Mal, weiß aber nicht genau, was an meinen Angaben missverständlich sein soll???
Jonathan hat 20dB im Innenohr und zusätzlich, je nach Schwere des Ergusses, Hörprobleme im Mittelohr. Das kumuliert. Die BERA misst ja nur, ob und wie viel Schall am Stammhirn ankommt, und die liegt (bei freiem Mittelohr!) bei Jonthan bei 20 dB. Das ist nicht wild, da sind wir uns einig, oder? Dazu kommt jedoch die Tubenventilationsstörung mit unterschiedlichen Ergebnissen, je nachdem, ob das Ohr gerade frei ist (frisches, sauberes Röhrchen oder frisch geplatztes Trommelfell) oder nicht (Paukenerguß und/oder verstopftes Röhrchen).
Jonathan hat also zwei Probleme, das steht auch unten in unserer Kurzvorstellung, ein Mal die 20dB im Innenohr, das ist ererbt, er hat Probleme mit den Hochfrequenzen. Das wäre auch an sich kein Problem, wir hätten es vermutlich erst bei der Schuleingangsuntersuchung oder so gemerkt, wenn überhaupt. Dazu kommen aber die Paukenergüsse.
Wenn wir also Pech haben, und das hatten wir oft im letzten Jahr, ist das Trommelfell bei der Untersuchung frisch geplatzt (trotz Röhrchen beispielsweise, weil das verstopft ist), und der Hörtest zeigt nur etwas über 20 dB Hörschwelle an, weil das Trommelfell frisch zusammen gewachsen ist und nur die Innenohrschwerhörigkeit zum Tragen kommt.
Das bedeutet für das Kind, dass es nicht operiert wird, weil angeblich das Gehör in Ordnung ist - obwohl zwei, drei Tage später das Gehör wieder weg ist, weil das Mittelohr mit Sekret voll gelaufen ist. Das "Schöne" ist, dass dies bei ihm so schnell geht, dass man die Ergüsse von außen nicht ein Mal sehen kann, so voll ist der Gehörgang. Wir wissen es von einer OP, da ist am Sonntag das Trommelfell geplatzt und der Erguss abgelaufen, und bereits am Donnerstag für die Voruntersuchung zur OP am Freitag war das Mittelohr wieder komplett voll. Der Kinderarzt schaut dann von außen rein, behauptet, da sei nichts, und gibt keine Überweisung in die Uniklinik raus. Gott sei Dank ist das System geändert worden, nur die HNOs dürfen jetzt noch überweisen, in unserem Fall ist das ein Vorteil...
So hat er den vergangenen Herbst und Winter wieder praktisch ohne Gehör verbracht. Erst Weihnachten sind unter ärztlicher Aufsicht und innerhalb weniger Wochen beide Trommelfelle mehrmals geplatzt, so können wir es endlich nachweisen.
Inzwischen haben wir einen sehr guten HNO, der auch pädaudiologische Daten erheben kann, seither ist es deutlich besser geworden. Die neuen Röhrchen aus dem Mai sind schon mehrmals gespült, getropft und aufgeschäumt worden, jeweils von der Klinik, dem HNO und auch dem Hausarzt, seither macht er endlich sprachlich wieder Fortschritte. Derzeit ist ein Röhrchen verstopft, es scheint sich abzulösen, in zwei Wochen entscheiden sie in der Uniklinik, ob es gleich neue gibt (was ich hoffe! Bitte nicht noch einen Winter ohne Gehör, dann ist uns die Sprachheilschule fast sicher).
OAE und BERA sind zwei verschiedene Sachen.
OAE misst, ob die Haarsinneszellen im Ohr äussere Reize antworten. D.h. es wird ein Ton ins Ohr gegeben und, wenn alles in Ordnung ist, dann antworten die Haarsinneszellen im Innenohr.
Allerdings gibt es auch Fälle, wo zwar die "Härchen" antworten, der Patient dennoch nichts hört.. oder -- aufgrund von Mittelohrproblemen -- diese Töne erst gar nicht im Innenohr ankommen, somit auch die Härchen nicht antworten können.
Die Bera liefert Klicks ins Ohr und misst, ob diese Impulse über den Hörnerv im Gehirn ankommen.
Folglich: kann man sichergehen, dass ein Defekt im MITTELOHR vorliegt, so fallen (normale) BERA und OAE schlecht aus, da es nicht im Innenohr ankommt.
Ist das Mittelohr in Ordnung (das kann man auch messen, z.B. in dem man das Mittelohr umgeht und die Knochenleitung misst, kann man auch mit der BERA kombinieren), so zeigt das OAE an, ob das Innenohr mit gewisser Wahrscheinlichkeit betroffen ist, die BERA, ob die Reize im Gehirn ankommen. Ist also die OAE auffällig und ein Defekt im Mittelohr ausgeschlossen, kann man sagen, dass das Innenohr geschädigt ist. Falls die OAE "normal" ist die Bera nicht normal, so kann man davon ausgehen, dass die Informationsweitergabe nicht in Ordnung ist.
Wenn OAE und BERA normal sind, dann kann es immer noch sein, dass das Kind eine Verarbeitungsstörung hat, d.h. die Signale kommen im Gehirn an, werden dort aber nicht ordnungsgemäss verarbeitet.
Zu obigen Fällen: ist das Mittelohr "Schuld" an der Misere, dann helfen keine Hörgeräte, da die nur den Schall verstärken. Das kann, wenn die Ergüsse im Mittelohr nicht mehr vorhanden sind, dann TIERISCH laut sein, ähnlich einem Knalltrauma. Das würde ich meinem Kind niemals antun, denn die Schäden dadurch sind irreparabel, d.h. das Gehör ist dann für IMMER weg.
Wenn also Paukenergüsse, Mittelohrentzündungen Schuld sind, dass ein Kind schlecht hört, dann sollte man nicht mit Hörgeräten herumexperimentieren, da das Hörvermögen durch die Infekte stark schwankt.
Existiert eine Innenohrschwerhörigkeit, so kann dieses mit Hörgeräten ausgeglichen werden.
35 dB sind allerdings sehr grenzwertig. Wenn du nun an einen Akustiker gerätst, der die Geräte nicht sehr gut einstellen kann (wenig Erfahrung mit Kindern etc), dann können diese mehr Schaden verursachen, der zudem irreparabel ist.
Wenn du selbst unsicher bist.. warum stellst du dich und dein Kind nicht noch in einer anderen Pädaudiologie vor und holst dir eine weitere Meinung? Ich denke, bevor du mit Hörgeräten herumexperimentierst wäre das doch eine Alternative.
Viele Grüße,
Miriam _________________ M. SMA, bds. Taubheit (mit CIs versorgt);
L. urininkontinent;
J. Legasthenie, motorische Probleme
Hallo
auch wir haben so einen ähnlichen Fall. Madeleine`s BERA ist bds. bei 30 dB. Sie wurde mit HG`s versorgt weil sie auch nicht anfing zu sprechen. Ich habe allerdings nie einen Unterschied gesehen ob sie die HG`s trug oder nicht.
Ich bin mit ihr vor 3 Wochen bei einem Neuropädriater gewesen der festgestellt hat das sie eine zentrale Verarbeitungsstörung hat. Also liegt es nicht am "schlechten hören". Ich bin dann nochmal zum HNO dort habe ich ihm dann gesagt das ich nicht möchte das Madeleine weiter die HG`s trägt. Er hat zugestimmt allerdings werde ich es so machen das sie sie bei der Logopädie mit FM-Anlage trägt. Hoffe es hilft ihr.
Wenn du noch Fragen hast kannst mir gerne schreiben.
LG Michaela _________________ Finn-Alexander *28.06.02 Schwerhörigkeit, Bronchialasthma
Maximilan *28.06.02 mittelg. Schwerhörigkeit, Sprach/Entwicklungsverzögerung
Madeleine *28.06.02 Schwerhörig, stark Sprach/Entwicklungsverzögert, muskuläre Hypertonie, Hyperakusis, Aquaeductus vestibuli, gravierende Teilleistungsstörungen, Epilepsie, AVWS
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