Gibt es eigentlich klare Ausschlussgründe bei der Hippothearpie für bestimmte Behinderungen oder sowas?
Unsere Nadja ist jetzt 3, kann weder sitzen noch stehen oder krabbeln oder sowas, ausserdem ist sie blind und Epileptikerin, sich selber vernünftig festhalten ist auch ausgeschlossen, bislang zeigt sie praktisch gar keinen Gleichgewichtssinn.
Würdest Du für ein solches Behinderungsbild eine Hippotherapie für ratsam halten?
Lieben Gruß, Dirk _________________ Papa von den 09/01 geb. Zwillingen Rebecca, gesund, und Nadja, ehem. eutrop. Frühgeb., blind, periventrikuläre noduläre Heterotopie, Hydrocephalus mit Shunt versorgt, Balkenagenesie, Kleinhirndisplasie, unterschiedlich schwere Epilepsie, geistig und motorisch retardiert, nach Unfall 2005 posttraumatischer ADH-Mangel und Diabetes Insipidus
ja, es gibt gibt Gründe, die eine Hippotherapie gegenindizieren. Z.B. eine unauflösliche Spastik, die den Reitsitz behindert und eine Reihe medizinischer Gegenanzeigen (u.a. entzündl. Prozesse im Bewegungsapparat o. Allergie gg. Pferdehaare, die sich in Atemnot äußert) deren Nichtvorliegen sich der Hippotherapeut per ärztlichem Attest vor Beginn bescheinigen läßt.
Bei Epilepsie gibt es sehr verschiedene Meinungen: Da sind diejenigen, die aus ihrer Erfahrung klar sagen, ein Anfall passiere nie AUF dem Pferd und die, die sich klar dagegen aussprechen, denn wie bekäme man einen Reiter im Anfallsfall verletzungsfrei vom Pferd herunter? Und genau da liegt der Punkt: Ein Hippotherapeut arbeitet immer mit Pferdeführer, ist also nicht allein mit dem Patienten am Pferd. Selbst wenn er mit auf dem Pferd säße, dann müßte halt noch eine weitere Person nebenhergehen, die das Kind ggf. abnähme. Ein dreijähriges Kind ist selbstverständlich leichter als ein Erwachsener, insofern denke ich persönlich, dass hier die Epilepsie in Rücksprache mit dem Arzt (Einstellungsfragen, Anfallshäufigkeit, Intensität) keinen Hinderungsgrund darstellen dürfte. Aber: Jeder Therapeut muss das nach seiner Menge an Helfern und seinem eigenem Ermessen für sich entscheiden.
Die anderen Gründe: Nicht laufen, nicht frei sitzen, nicht krabbeln sind natürlich keine Hinderungsgründe, denn genau das soll und kann über die Hippotherapie angebahnt werden.
Blindheit bedeutet für mich immer, sich ganz viel Zeit zu nehmen für das Erleben lassen wo sich das Kind jetzt neu befindet, fühlen und riechen lassen und viel erklären, wenn das Verständnis da ist. Wenn nicht, dann ist es mir am liebsten, wenn das Kind von seinem engsten Vertauten, sprich den Eltern in die neue Situation hineingeführt wird. Wie das ablaufen könnte, klärt man am besten in einem Vorgespräch, bei dem dann zunächst die Eltern das Pferd und die Arbeitsumgebung kennenlernen. Also auch kein Ausschlussgrund, wenn durch sensibles Vorgehen Vertrauen zu dem ungewohnten neuen Erleben wachsen kann.
Danke! Deine Antwort ist klasse, ausführlich und bringt mich ein grosses Stück weiter.
Da einer von uns immer bei jeder Therapie dabei ist, dürfte es kein unüberwindbares Problem sein, Nadja im Bedarfsfall vom Pferd runterzunehmen.
Ich hoffe, ich kann ihr die Tür in diese Welt öffnen und ihr den Spass am reiten und arbeiten mit und auf dem Pferd geben.
Nur noch eine Frage: Muss ich im Vorfeld einen Allergietest machen lassen?
Liebe Grüße, Dirk _________________ Papa von den 09/01 geb. Zwillingen Rebecca, gesund, und Nadja, ehem. eutrop. Frühgeb., blind, periventrikuläre noduläre Heterotopie, Hydrocephalus mit Shunt versorgt, Balkenagenesie, Kleinhirndisplasie, unterschiedlich schwere Epilepsie, geistig und motorisch retardiert, nach Unfall 2005 posttraumatischer ADH-Mangel und Diabetes Insipidus
vorrangig gilt natürlich, was Euer konkreter Hippotherapeut ärztlich bescheinigt haben möchte. Einen Allergietest im Vorfeld würde ich nur dann anraten, wenn bei Eurem Kind bereits allergische Reaktionen bekannt sind. Sofern es aber diesbzgl. bislang unauffällig ist, würde ich davon absehen. Ansonsten würde ich auf Heu, Stroh, Pferdehaare, Schimmelsporen (treten auch im optisch sauberen Stall immer mal auf) und Insektenstiche (Sommer) testen lassen.
Es freut mich, dass ich Dir und somit auch Nadja mit meiner Antwort weiterhelfen konnte. Wenn noch Fragen offen sind, meld dich einfach.
Dir und Deiner Familie frohe Weihnachten!
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