Verfasst am: 07.10.2006, 14:58 Titel: Reisebericht: 3 Wochen USA m. Rollstuhl & Muskelatrophie
ein liebes hallo an euch alle,
da ich jede menge positives feedback für meinen reisebericht bekommen habe, möchte ich ihn gerne auch hier on-stellen.
vielleicht interessiert es den ein oder anderen einfach, wie mein urlaub verlief.
oder vielleicht gibt es einige von euch, die mit dem gedanken spielen, selbst einmal in dieses einmalige land zu reisen.
vielleicht lest ihr "nur" aus reiner neugierde mit, um mit mir gemeinsam nochmals einige der schönsten wochen in meinem leben mitzuerleben.
ja, aber vielleicht kann ich auch dem ein oder anderen die angst vor solch einer reise nehmen und ihn mit meinem erlebten "inspirieren".
ich habe viel gewagt, aber auch viel gewonnen!!
viele liebe grüße,
nami
ps: da es viel kraft und zeit benötigt, um die täglichen aufzeichnungen abzutippen, werde ich meinen reisebericht "häppchenweise" on-stellen.
ich hoffe das ist ok für euch. außerdem findet ihr auf meiner homepage unter aktuellem auch noch einige fotos dazu. _________________ viele liebe grüße,
nami
Trotz, dass die Nacht recht kurz war, ging das Aufstehen recht einfach von Statten. Um 02:45 Uhr klingelte der Wecker. Nun war der große Tag gekommen! Um 03:45 Uhr stand dann das Taxi vor der Tür. Nun gab es keinen Zweifel mehr: Heute würden wir die langersehnte USA-Reise antreten.
So standen wir dann um 05:00 Uhr mit Sack und Pack am Frankfurter Flughafen. Wir reihten uns in die schon wartende Schlange vor dem British Airways Schalter ein. Hier standen wir nun, während die Reihe der Wartenden immer länger wurde. Endlich lief die Abfertigung an – zwar schleppend, aber um 06:00 Uhr standen wir dann am Check-in. In der vergangenen Stunde wuchs meine Vorfreude deutlich und ich wurde immer gespannter, wie der heutige Tag wohl ablaufen würde. Fast volle 30 min belagerten wir den Schalter. War das mit dem Atemgerät abgeklärt? Wohin muss der Rollstuhl – in die Kabine, oder zum Gepäck? Hatten wir alles flüssige aus unserem Handgepäck? Wo würden wir abgeholt werden? Als das alles abgeklärt war, wurden wir zu dem Treffpunkt geschickt.
Auf dem Weg dorthin mussten wir unsere erste Sicherheitskontrolle passieren. Da die vereitelten Terroranschläge erst eine Woche hinter uns lagen, waren wir sehr gespannt. Die Taschen und Schuhe wurden durchleuchtet, während an meinem Beatmungsgerät danach noch, in einem abgesonderten Raum, ein Abstrich genommen wurde.
Nach kurzer Verwirrung durften wir dann in einem Raum, nahe der Gates, warten. Währenddessen, es war inzwischen 07:00 Uhr, kamen drei Sicherheitskontrolleure, die uns nochmals durchsuchten. Diesmal wurde auch unser Handgepäck geöffnet und genaustens überprüft.
Kurz darauf wurden wir dann von zwei netten Herren abgeholt und begleitet. Auf dem Weg zum Flugzeug wurden wir dann noch ein drittes Mal kontrolliert. Eigentlich hätte die vorangegangene „Einzelkontrolle“ diese ersetzen sollen, aber da lief wohl irgendetwas schief. Naja, was soll´s dachten wir und trugen es mit Humor.
Ich wurde mit meinem Rollstuhl bis ans Flugzeug gefahren, wo ich dann auf diesen Spezialsitz umgesetzt wurde.
Kurz nach 07:00 Uhr saßen wir dann auf unseren Plätzen. Als es Punkt 07:30 Uhr losging wurde mir dann doch ein bisschen anders zu mute. All die Freuden und Sorgen der letzten Tage gingen mir durch den Kopf. Ich konnte noch immer nicht begreifen, was dieser Schritt für mich bedeutete.
Im Moment haben wir 08:50 Uhr und vor mir steht mein Orangensaft. So wie es aussieht fliegen wir Schleifen und ich muss gestehen, warm bin ich mit dem Fliegen noch nicht ganz geworden. Allerdings entschädigt der Blick vieles. Wir sind nun im Landeanflug und in 10 min werden wir in London sein. Leider gab die fast völlig geschlossene Wolkendecke nur selten den Blick aufs Land frei.
Kurz bevor wir landeten, sah ich dann doch die Themse mit ihrem berühmten Riesenrad. Auch einen Blick auf die Tower Bridge konnte ich erhaschen. Einfach nur klasse! Aber leider empfing uns hier das so oft besagte Schmuddelwetter.
Zwischen Deutschland und England liegt – 1 Std Zeitunterschied. So waren wir also 08:10 Uhr Ortszeit gelandet. Als alle Passagiere ausgestiegen waren, wurde ich mit einem Mini-Rollstuhl zur Gateway gebracht. Dort wurde ich schon von einem Mann erwartet, denn von dort aus ging es mit einem Leihrollstuhl durch endlos lange Gänge. Es war wie ausgestorben auf Europas größtem Flughafen. Hier sah ich zum ersten Mal diese „Fließbänder“. Ich war total aufgeregt, denn ich hatte schon so viel von ihnen gehört, aber bei meinem bisher einzigsten Flug nach Mallorca hatte ich nicht die Chance gehabt, sie zu erleben. Schneller als ich mich versah, standen wir auch schon auf einem und so wurden wir also durch das Gebäude geführt. Auch hier durfte die Sicherheitskontrolle natürlich nicht fehlen. Ein, zwei Handgriffe und Grüße von unserem Begleiter und wir waren an der enormen Warteschlange vorbei. Hier gab es eine extra Kontrollstation für Rollsthlfahrer und dessen Begleiter. Als wir alle unsere Taschen, Jacken und Schuhe wiederhatten, wurden wir in einem Warteraum für kurze Zeit „abgestellt“. Von dort aus ging es mit einem Mann weiter zum Gate. Während dieser mit mir schnellen Schrittes davon ging, durften Steffen, Monika und Armin auf einem Buggy Platz nehmen. Dieser folgte kurze Zeit später, sodass wir uns am Gate wiedertrafen. Hier angekommen warteten wir darauf, wie bald sie uns an Bord der Boing 747 ließen.
Kurz vor 09:30 Uhr hieß es dann „Kinder und Kranke zuerst“. Nachdem nochmals schnell in die Taschen geschaut wurde, ging es dann wieder mit einem Spezialsitz ins Flugzeug. Wir waren völlig überrascht, denn wir hätten in London mit viel strengeren Kontrollen gerechnet.
Im Gegensatz zu vorhin, waren hier mindestens noch 4-5 andere Personen, die mit dem Rollstuhl gebracht wurden. Allerdings konnten diese alle noch laufen. Am Platz angekommen stellte sich heraus, dass beim Einchecken in Frankfurt ein Fehler gemacht wurde. Wir hatten zwar eine Reihe mit mehr Beinfreiheit, aber sie war ungefähr 10 Reihen vom WC entfernt. Nach kurzer Absprache mit dem Personal wurden wir acht Reihen weiter hinten plaziert.
Es war 10:00 Uhr als wir auf das Rollfeld rollten. Das Starten in diesem weitaus größeren Flugzeug war um Welten angenehmer und so war meine Angst bald vorbei.
Meine Uhr zeigt nun 12:00 Uhr und das Mittagessen wird verteilt. Wir befinden uns in 10.058 m (33.000 Fuß) Höhe und hier scheint die Sonne! Im Moment genau zwischen Großbritannien und Island, doch das Meer ist unter einer strahlend weißen Wolkendecke verborgen.
Jeder Sitz hat in der Rückseite der Kopflehne einen Monitor mit Screentouch. Schon die ganze Zeit schaue ich mir die Map mit unserer Route und den Flugdaten an.
Es war um kurz nach 13:00 Uhr, als ich mir den Film „Ab durch die Hecke“ mit Steffen ansah, als ich plötzlich schrecklichen Durchfall bekam. Mein Magen war zwar zuvor recht nervös gewesen, aber mit sowas konnte wirklich niemand rechnen. Nachdem ich immer wieder das „stille Örtchen“ für längere Zeit belagert hatte, nahm sich um ca. 15:00 Uhr ein netter Flugbegleiter meiner an. Nach einem kurzen Gespräch telefonierte er mit einem Arzt und brachte mir einen Becher mit Flüssigkeit gegen Durchfall, sowie zwei riesige Tabletten gegen Bauchschmerzen. Ich entschied mich vorerst für die absolut schrecklich schmeckende Lösung. Nach weiteren Toilettengängen schlug das Medikament dann an und ich wickelte mich (ca. 16:30) völlig erschöpft in vier Wolldecken, wonach ich sofort in einen tiefen Schlaf fiel.
Dieser hielt zwar nicht allzu lange an, aber mein Körper hatte sich spürbar regeneriert. Noch immer saß ich völlig schwach in meinem Sitz und ärgerte mich über mich selbst. Mir war das alles so unangenehm und peinlich!
Der Steward schaute noch öfter nach mir und ich merkte, wie es mir zusehends wieder besser ging.
Seit wir die Küste von den USA erreichten, haben wir freie Sicht auf die Welt unter uns und Sonne pur!
Ich wurde immer ungeduldiger und aufgeregter. So beschäftigte ich mich fast ausschließlich mit der Map.
Um ca. 17:00 Uhr überflogen wir Hudson Bay und nun, einige viel zu langen Minuten später, sind es noch immer 3 Std 42 min. Zum Glück konnte ich eine gute Halbestunde schlafen.
Nun zeigt der Bildschirm 1.711 km und 2 Std 12 min bis nach Los Angeles.
Wir fliegen momentan über die Rocky Mountains und nur noch 1 Std 56 min. Ich kann es kaum erwarten, meine „Füße“ auf den Boden des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten zu setzen. So entschied ich mich „Ice Age 2“ anzuschauen, um mich abzulenken.
12:45 Uhr Ortszeit setzte unser Flugzeug auf der Landebahn auf – Hier waren wir nun und ich konnte es noch immer nicht fassen.
Wieder wurde mir aus dem Flugzeug geholfen und zusammen, mit all den anderen „Rollstuhlfahrern“ wurden wir durch das Gebäude geleitet.
Wir umgingen wieder einer dieser ewig langen Warteschlangen und wurden zu einem extra Schalter für Rollstuhlfahrer gebracht. Hier wurden die Reisepässe gecheckt, ein Foto von jedem einzelnen Gesicht gemacht und meine Begleiter mussten ihre Fingerabdrücke abgeben. Als mir Monika helfen wollte, sagte der Beamte, dass es schon in Ordnung sei und ließ uns gehen. Ob sie vielleicht denken „Die kann mit DEN Händen eh niemanden erschießen“??! Nunja, wir werden es nie erfahren.
Wir kamen direkt zur Gepäckausgabe und während ich im Leihrollstuhl und meinem Helfer, sowie unserem Handgepäck wartete, jagten Steffen, Armin und Monika unseren Koffern hinter her. Aber schon kurz danach war alles gefunden und auf einen Wagen gepackt. Nur noch meinen Rollstuhl abholen und dann nicht´s wie weg.
Monika ging zu einer Frau um sich zu erkundigen. Ich sah die beiden reden und wurde ein wenig nervös. Völlig aufgeregt wartete ich auf eine Nachricht und als die Frauen auf uns zu liefen war ich voller Freude. Gleich würde ich wieder in meinem geliebten, bequemen und treuen Rollstuhl sitzen um endlich den ersten Blick auf L.A. zu erhaschen!
Aber das Gesicht und die Körpersprache von Monika verhießen nichts gutes. Es war nach weiteren Minuten und einigen Funksprüchen auch Gewissheit – Mein Rollstuhl war nicht hier! Ich war geschockt!! Wie nicht hier? Wie konnte er denn weg sein?? Leider konnte uns auch niemand sagen, wo er sich befand. Allerdings wurde uns versprochen, dass man sich schnellstmöglich darum kümmere und dass ich spätestens morgen meinen Rollstuhl wieder hätte.
Es gab eigentlich nur zwei Möglichkeiten, entweder die in Frankfurt hatten ihn nicht eingeladen oder die in London haben ihn beim Umladen vergessen.
Zuerst musste ich diese Nachricht einmal verdauen, noch ganz ungläubig wurden wir von unserem Begleiter durch das Gebäude zu einem anderen Terminal gebracht.
Dort bekamen wir dann einen dieser globigen 0815-Flughafenrollstühle. Er war viel zu breit, ich versank in diesem riesen Schiff und rutsche dauernd hin und her. Außerdem konnte ich meine Beine nicht aufstellen, da die Fußbretter viel zu weit unten waren, natürlich gab es auch kein Werkzeug. Zum Glück hatte ich ein Spezialsitzkissen, welches mit Luft gefüllt ist (gegen Druckstellen), mit ins Flugzeug genommen. Ohne dieses hätte ich noch viel instabiler gesessen und die Schläge wegen den Hartgummireifen wurden wenigstens ein wenig gedämpft. So zogen wir, nicht sonderlich begeistert, von dannen.
Nach dem Flug dachte ich, dass es nichts schlimmeres geben könnte – Da hatte ich wohl getäuscht.
Alles inklusive mir wurde am Ausgang in ein völlig überfülltes und stickiges Shuttle geladen, mit dem es schließlich zu Alamo, unserer Autovermittlung, ging. Ich hatte mit Steffen vorne Platz gefunden und so fuhren wir durch die Staßen. Hier bekam ich den ersten Einblick in die Verkehrsregelung und kam nicht mehr aus dem Staunen raus, als die ersten Palmen vor mir auftauchten. Völlig begeistert schaute ich in die sonnige Stadt mit ihren vielen Autos und der buntesten und größten Reklameschilder die ich je gesehen habe hinaus.
Bei Alamo angekommen durften wir erst ein mal wieder schlangestehen. Für diese Menge an Menschen ging es recht schnell und so konnten wir nur ca. 30 min später auf den Platz hinaus, um uns einen Minivan auszusuchen. Unsere Entscheidung fiel auf einen dunkelblauen Minivan von Dodge. Wir stiegen ein, klemmten unser Navigationssystem an die Scheibe und dann nicht´s wie los!
Wir fuhren auf die I-405 Richtung San Diego und Huntington Beach, denn wir hatten gute 50 km zurückzulegen. Ich konnte es nicht fassen – die Straße war fünfspurig und so voll mit Autos, wie bei uns eine zweispurige Autobahn bei Stoßzeiten.
Hier bekam ich so viele Eindrücke, die mich immer wieder überraschten. Ich sah jede Menge Autos, welche die blitzten und welche die bei uns schon längst auf dem Schrott gelandet wären. Ich sah Trucks, die ich doch schon so lange mal in echt sehen wollte. Ich sah einiger Hummer, die ich immer eher in den Militär- bzw. Offroadbereich gesteckt hatte. Ich sah zum ersten Mal eine so große Straße. Ich staunte über die überdimensionalen Werbetafeln am Straßenrand, wo doch bei uns alles abgedichtet oder abmontiert werden muss. Ich sah zum ersten Mal ein amerkanisches Polizeiauto. Ich betrachtete die Häuser an denen wir vorbeifuhren und ich erfuhr erstmals von dieser Car Pool Lane.
Diese Car Pool Lane ist mit zwei durchgezogenen gelben Linien von den anderen Spuren abgegrenzt und hat meist vor und nach Ausfahrten spezielle Ein- bzw. Ausgänge. Ebenso gibt es aber auch an besonderen Abfahrten, eigene Abfahrten nur für diese Lane. Gekennzeichnet ist sie mit einem Diamanten, wodurch sie oft auch „Diamond Lane genannt wird. Es gibt sie nicht überall und umfasst zwischen ein und zwei Spuren. Auf ihr dürfen ausschließlich Fahrzeuge fahren, in denen mindestens zwei Personen sitzen. Ein missachten dieses Gesetzes oder das Überfahren der Doppelinie kostet 341 $.
Nachdem wir im Hotel „Huntington Beach“ eingecheckt und sie über meinen Rollstuhl informiert hatten, bezogen wir unsere Zimmer. Erstmals durfte ich ein amerikanisches Hotelzimmer betreten und erleben. So bewunderte ich zum Beispiel diese riesigen Betten und dann gleich zwei davon. Leider war das Bad nicht Rollstuhlgerecht, aber die Badewanne war zumindest sehr nieder.
Um 20:00 Uhr legten wir uns schlafen – in ein Bett. _________________ viele liebe grüße,
nami
Heute mussten wir schon um 05:30 Uhr aufstehen. Ich hatte gut geschlafen und nach einem kurzen Frühstück ging es auch schon los nach L.A.. Dort sollten wir am Hotel „Four Points“ um 09:00 Uhr zur Stadtrundfahrt abgeholt werden.
Ein kleiner Bus fuhr vor und sammelte uns auf. Wir durften in der ersten Reihe sitzen und hatten so einen spitzen Blick. Unser Fahrer war vor acht Jahren von Deutschland ausgewandert und so genossen wir eine atemberaubende Führung in deutsch. Die sieben Stunden vergingen wie im Flug und ich war völlig begeistert!
Während wir über die Autobahnen fuhren, erfuhren wir viel über L.A. und seine Menschen. So leben zum Beispiel direkt in L.A. 3,8 Mio, wohingegen es im Großraum schon 10 Mio sind. Die Metropolregion um L.A. glänzt mit seinen 17 Mio Menschen und wenn man dann noch erfährt, dass alle ein eigenes Auto haben, um die großen Strecken zu überwinden, dann weiß man warum der Verkehr hier so ist wie er ist.
Öffentliche Verkehrsmittel gibt es nahezu keine und wenn, dann ist das Netz längst nicht so, wie wir es aus Europa kennen. Deshalb hat sich L.A. wahrscheinlich den Straßen verschrieben und so inzwischen das größte Straßennetz der Welt.
Außerdem versteht man nun den Sinn und Zweck der Car Pool Lanes auch besser – Der Staat belohnt die, die eine Fahrgemeinschaft bilden und somit Verkehr und Natur entlasten, denn auf diesen Spuren läuft der Verkehr oft besser.
Unser erstes Ziel war Down Town mit seiner „Walt Disney Concert Hall“, ein riesiges Gebäude mit Edelstahl verkleidet. Außerdem befanden sich hier fast ausschließlich staatliche Gebäude, wie zum Beispiel der Country Court (das Landesgericht von Californien), sowie weitere Gerichts- und Verwaltungsgebäude. Zu den Hochhäusern der Stadt gehörte unter anderem auch das 27-stöckige Rathaus, welches 30 Jahre das höchste Gebäude der Westküste war und an dessen Spitze selbst King Kong schon baumelte. Denn durch die Erdbebenbestimmungen waren nur 13 Stockwerke erlaubt. In diesem Bezirk wurden Unmengen an Szenen für Hollywoodfilmen gedreht.
Unseren 1. Stopp hatten wir an der Stelle, wo vor 225 Jahren L.A. von Spaniern gegründet wurden. Hier befanden sich die ältesten Gebäude – unter anderem das Hotel „Pico“, die Kathedrale „Cathedrale of our Lady of the Angels“ und ein Feuerwehrhaus. Außerdem hatte man von hier aus eine tolle Sicht auf das Rathaus.
Wir fuhren den „Walk of Fame“ entlang, wo wir den 2. Stopp hatten und ich konnte nur noch staunen. Ich dachte immer, dass es ein kleiner, beschränkter Bereich sei, aber die Sterne bedecken hier mehrere Kilometer der Gehwege – links und rechts. Wir liefen über sie hinweg und sahen für uns überwiegend unbekannte Namen. Die Menschen drückten sich nur noch gegenseitig und so richtig konnte man gar nichts sehen, da die Zeit sehr knapp war. Einen kurzen Blick konnte ich noch auf einige der Hand- und Fußabdrücke vor dem „Chinese Theater“ werfen, welches wegen einer Fimlprimiere leider abgesperrt war.
Als wir wieder weiterfuhren, hielten wir kurze Zeit später nochmal an einer Tankstelle an. Hier hatten sich Bred Pitt und Jennifer Aniston kennengelernt. Offiziell war dieser Halt für Fotos, inoffiziell hatte der Fahrer gehalten um mit Armin mein Sitzkissen mit einem Kompressor wieder aufzupumpen. Dieses hatte nämlich Luft verloren und war nun platt gewesen. Danach ging es weiter nach Beverly Hills und über den Rodeo Drive mit seinen Palmen, seinen Edelboutiquen und seinen Edelkarossen wie Bentley, Rolls Royce und Co Richtung Mittagessen. Dies nahmen wir in dem einzig ganzjährigen Farmers Market zu uns.
An dem künstlich angelegten Hafen Marina del Ray entlang, ging es dann zum Fisherman´s Village. Hier war es um ganze 7°C kühler und eine steife Brise wehte, weshalb Steffen und ich es vorzogen, im Bus zu bleiben, während die anderen beim 4. Stopp zum Hafen mit seinen Jachten und Restaurants liefen.
Unseren 5. und letzten Stopp hatten wir dann in Venice. Wir liefen an den bekannten Venice Beach und hier sah ich zum ersten Mal den Ozean! Ich liebe das Wasser und den sonnigen Strand so zu sehen freute mich sehr. Am Strand entlang verlief sogar eine Straße im Miniformat, auf der wir ein Stückchen liefen. Danach überquerten wir wieder den Sportbereich und schlenderten an der Promenade mit seinen unzähligen kleinen Geschäften, Tatoo- und Piercingstudios, sowie an all den anderen bunten Künstlern vorbei.
Auf der Rückfahrt erfuhren wir dann, dass der Gründer von Venice ein großer Fan von Venedig war und deshalb auch um und in dem Wohnviertel künstlich Kanäle angelegt hat.
Um ca. 16:00 Uhr waren wir zurück am Ausgangspunkt.
Auf dem Heimweg besorgten wir uns in einem Supermarkt noch die ein oder andere Kleinigkeit zu essen und zu trinken, so dass wir uns im Hotel gleich in unsere Zimmer zurückziehen und uns erholen konnten.
Mein Rollstuhl sollte heute Abend kommen, aber die an der Rezeption wussten keine Neuigkeiten und so machte ich mir schon einwenig Sorgen.
Um ca. 19:30 Uhr machten wir uns in der Nähe auf die Suche nach einer Möglichkeit zum Essen. Wir sagten wiederum an der Rezeption bescheid und wurden prompt beruhigt, dass es auch oftmals nachts wird, bis die Leute vom Flughafen wegen verlorenem Gepäck anrufen.
Gleich in der Nachbarschaft gab es ein großes Kino und eine wunderschön angelegte Fußgängerzone.
Zwei Dinge waren mir heute noch aufgefallen – solange kein Hinweisschild an einer Ampel steht, darf man auch bei rot rechts abbiegen und ich habe das Gefühl, dass eine Straße, die weniger als fünf Spuren hat, keine richtige Straße für die Amerikaner ist.
Nun ist es 21:00 Uhr und gleich werde ich mich in meine Kissen fallen lassen. _________________ viele liebe grüße,
nami
Als wir um kurz nach 07:00 Uhr aufwachten, rief sogleich Monika an. Sie hatte nun endlich jemanden erreicht und wurde nicht, wie all die anderen Male, abgewimmelt. So hatte sie nun in Erfahrung gebracht, dass mein Rollstuhl sich in L.A. befindet und heute Abend zu uns gebracht wird. Allerdings hatte sie auch herausgefunden, dass anscheinend der Flughafen schon gestern angerufen hatte. Da die Zimmer aber auf Jäger liefen, hatte die Rezeption sie abgewiesen.
Anscheinend wusste da unten die Hand nicht, was der Fuß tut. Da wurde ich schon ein wenig ärgerlich, denn Monika hatte seit unserer Ankunft regelmäßig persönlich sowie telefonisch an der Rezeption nachgefragt und immer wieder von neuem erklärt. Nunja, schließlich war mein Rollstuhl ja gefunden und keine fünf Minuten später überwiegte die Erleichterung und Freude.
Und ich hatte bisher die Männer, die so sehr an ihren Autos hängen nur belächelt, nun kann ich sie sogar verstehen.
Da wir sicher sein wollten, dass diesmal nichts mehr schief läuft, nahmen wir für den heutigen Tag einen Rollstuhl vom Hotel mit und hinterließen dieses Monstrum, für den Fall, dass wir nicht da wären, an der Rezeption. Ich konnte es kaum noch erwarten endlich wieder in meinem Rollstuhl zu sitzen!!
Um 09:45 Uhr machten wir uns dann auf die Fahrt zu den Universal Studios. Am Parkplatzeingang erhielten wir ein Ticket sowie Anweisungen, wo wir die Behindertenparkplätze finden würden. Diese befanden sich gleich neben dem Parkeingang, was uns einen langen Weg ersparte. Wir überschritten den roten Teppich und betraten die Universal Studios. Ich hatte so etwas wie die Bavaria Filmstudios erwartet, doch was mich hier empfing stieß an meine Vorstellungsgrenzen. Es war laut, bunt und ein heiden Durcheinander. Dieser Park erinnerte stark an einen Freizeitpark – überall gab es Fahrgeschäfte, Spielbuden und Verkaufsstände. Er besteht aus zwei riesigen Flächen, die durch mehrere steile Rolltreppen miteinander verbunden sind. Für Rollstuhlfahrer gibt es deswegen einen speziellen Shuttlebus, welcher die Besucher nach oben bzw. unten transportiert. Lange fünf Minuten wird man hierbei über das Studiogelände geschaukelt, vorbei an all den großen Hallen. Es machte Spaß sich das ganze Treiben ein mal anzusehen, besonders die Tiershow hat mich sehr begeistert. Hier trat eine vielzahl von Tieren auf, die ihr Können zeigten. Ich war vollends begeistert und zu meinem Bedauern war sie viel zu schnell vorbei.
Während ich mit Steffen das Gelände wenig später erkundete, schwärmte ich noch immer von all den süßen Akteuren. Als wir aber in Shrek-4D sowie den Shows für die Spezialeffekte gegangen waren, bemerkte ich im Nachhinein, dass ich mit zu großen Erwartungen hineingegangen war.
Die Leute waren leicht zu begeistern und gingen bei jeder Gelegenheit voll mit. Leider fror ich jedes Mal schrecklich in den Räumen, sodass ich mich immer wieder komplett anziehen musste. Dies war sehr nervenaufreibend, weswegen ich lieber die Sonne unter freiem Himmel genoß. Es war wunderschön die warme Luft mit ihren Sonnenstrahlen in mich aufzusaugen!
Während immer mehr Besucher begannen, die Fahrgeschäfte zu stürmen, beschlossen wir um 17:10 Uhr, den Rückweg anzutreten.
Als wir an diesem späten Nachmittag durch die Lobby ins Hotel traten, kam meine ganze Nervosität auf einen Schlag wieder zurück. Heute Nachmittag, wenn alles gut gegangen war, sollte der „Rollstuhltausch“ stattgefunden haben. Völlig angespannt warteten wir zusammen, während Monika zur Rezeption lief. Wir würden morgen früh abreisen, was wenn mein Rollstuhl noch nicht da war?? Ich wurde immer ungeduldiger und erst als die nette Mitarbeiterin von heute früh mit einem Lächeln und dem Schlüssel für die Rollstuhlkammer auf uns zu kam, begriff ich, dass ich in wenigen Minuten endlich wieder in meinem heißgeliebten Begleiter sitzen würde! Als er aus dem dunklen Raum geschoben wurde, glitten meine Blicke über ihn – Er war es!! Und er war ganz, keine Kratzer oder sonstige Beschädigungen! Ich strahlte über das ganze Gesicht und mein Herz sprang, als mich Steffen endlich umsetzte. Hallo mein guter, alter Freund!
Die letzten Tage waren schrecklich gewesen. Ich weiß nicht, ob das jemals jemand nachvollziehen kann, aber als ich vor zwei Tagen am Flughafen saß und mir mitgeteilt wurde, dass mein Rollstuhl verschwunden sei, da fühlte es sich an, als hätte man mir die Füße weggenommen.
Ein ganz komisches Gefühl durchflutete damals mein Körper und obwohl wir die Ausflüge trotzdem machen konnten, war es nicht das Selbe gewesen.
Aber jetzt hatte ich meinen Rollstuhl wieder - Nun konnte die Reise richtig losgehen!
Abends, in einem kleinen No-Name Burgerhaus, ließ ich den Tag nochmals revue passieren und da kam ich zu dem Schluss, dass ich zwar sehr gerne viel eher etwas über die Universal Studios und ihre Arbeit erfahren hätte, als in einen Freizeitpark im Miniformat herumzulaufen. Dennoch war der Tag schön und interessant gewesen.
Langsam gewöhnten wir uns auch an die Zeitumstellung – denn an diesem Tag wurden die Lichter bei uns erst um 22:00 Uhr gelöscht. _________________ viele liebe grüße,
nami
Nachdem alles gepackt war und wir gefrühstückt hatten, ging es um 09:05 Uhr los nach San Diego. Nun also begann unsere große Rundreise und ich war sehr gespannt, was uns in diesem riesigen Land alles erwarten würde. Unsere Tour führte uns zuerst auf eine Toll Road, welche Gebührenpflichtig ist und deswegen wie ausgestorben wirkte. Nach den drei Tagen L.A.-Verkehr, war das hier ganz schön komisch und ungewohnt. Danach ging es auf die I-5, die uns an das süd-westliche Ende Kaliforniens führen würde.
Wir fuhren immer Richtung Süden und nach 45 min tauchte der Pazifik neben uns auf. Mein Herz schlug kräftig, dieses wunderbare Blau, welches bis zum Horizont reichte und so ruhig und weich dazuliegen schien. Es war eine herrliche Landschaft mit Buchten, kleinen Schluchten und Felsen. An einem Aussichtspunkt beschlossen wir dann anzuhalten und was ich dort sah, raubte mir den Atem. Wasser soweit das Auge reichte und während ich die Aussicht genoss und von der Sonne gewärmt wurde, blies ein kräftiger, aber warmer Wind durch meine Haare. Plötzlich lenkten einige Menschen meine Aufmerksamkeit auf den vor uns liegenden Abhang. Dort tummelten sich Erdhörnchen, die nur darauf warteten, etwas von dem Pausenbrot der Rastenden abzubekommen. Diese putzigen Dinger ähnelten ihren Verwandten, den Eichhörnchen, deutlich, doch die Körpergröße, die Fellfarbe und die Löcher in der Erde sprachen für sich.
Um kurz vor 11:00 Uhr erreichten wir San Diego und hier und da konnte man den Strand mit seinen Menschen sehen, wie sie sich sonnten, amüsierten und das Wasser genossen. Wie gern hätte ich mich zu ihnen gesellt, doch unser Ziel war Sea World. Ich hatte schon so viel davon gehört und freute mich sehr darauf, diesen Park mit seinen Tieren nun live zu erleben.
Die Autoschlangen waren endlos und trotzdem gesellten wir uns dazu. An der Kasse bekamen wir gesagt, dass wir bis zum Parkabschnitt C1 fahren sollten, denn dort befänden sich die Rollstuhlstellplätze. Als wir dem ersten Einweiser unseren Ausweis zeigten, winkte er uns aus der Schlange heraus, aber hier konnten wir weder Parkplätze finden, noch waren wir im Bereich C. Nach langem Suchen lief uns eine Mitarbeiterin über den Weg, welche wir dann über unsere Situation aufklärten. Ein kurzes Telefonat später und wir erfuhren, dass wir weiterfahren sollten und im Fall der Fälle sagen sollten, dass Fred das gesagt hatte. Sie würden schon wissen wer Fred sei. Also drehten wir und reihten uns wieder ein. Glücklicherweise kamen wir dieses Mal ohne weitere Komplikationen zum Abschnitt C. Allerdings war hier weit und breit kein einziger freier Platz. Wir fuhren die Reihen ein paar Mal ab, doch es half nichts. So fragten wir dann einen anderen Einweiser, ob es noch weitere Parkplätze für Rollstuhlfahrer gäbe, doch als dieser verneinte, rangierten wir unseren Minivan genervt in eine dieser winzigen Parklücken.
Das fing ja wieder prima an! Zig Parkplätze für Rollstuhlfahrer und absolut alle besetzt. Dies unterstrich das Bild, das wir in den letzten Tagen schon bekommen hatten und sich noch oft genug auf unserer Reise zeigen sollte, dass in den USA viel mehr Menschen einen Parkausweis besitzen als in Deutschland. Deswegen wurden wir auch bis zum Ende täglich irgendwo gefragt, ob ich laufen kann. Als wir dann immer „Nein“ sagten, waren fast alle überrascht. In diesem Land ist es üblich, bei dem kleinsten Wehwehchen im Rollstuhl zu sitzen. Allerdings hat dies auch etwas sehr positives, denn so wurde es ein alltägliches Bild für die Menschen.
Aus diesem Grund fiel mir der positive Umgang sofort auf – Während man in Deutschland angegafft wird, wird man in den USA angelacht. Im Anfang war für mich dieses Verhalten sehr verwirrend, wenn nicht fast unangenehm, doch mit der Zeit lernte ich es sehr zu schätzen.
So, nun aber weiter mit der Geschichte. Es dauerte nicht lange, da waren wir durch all die Autos und Menschen hindurch, am Eingang. Als erstes schauten wir auf den Plan, wann welche Show beginnen wird. Ziemlich schnell entschieden wir uns für die Delphinshow. Wie überall gab es auch hier Rollstuhlplätze ganz vorn bzw. an einer Stelle wo man eine sehr gute Sicht hatte. Während ein Entertainer Liedchen schmetterte, füllten sich rasch die letzten freien Bänke. Dann kamen die Delphine mit ihren Pflegern und die Menge tobte. Die Delphine zeigten eine tolle Show – hohe Sprünge und weitere Kunststücke. Selten hatte ich diese tollen Lebewesen gesehen und sie faszinierten mich jedes Mal aufs Neue. Leider konnte ich es nicht so genießen, wie ich es wollte, denn jedes Mal, wenn ich von ihnen in den Bann gezogen wurde, schreckte ich auf und wurde traurig. Keine Frage, es war toll, diese Tiere live zu erleben, aber ich wusste, dass sie in der Freiheit besser aufgehoben wären.
Die Sonne schien heute unbarmherzig auf uns herunter, wenn dieser kühle Meereswind nicht gewesen wäre, hätte man es kaum unter freiem Himmel ausgehalten. So aber zogen wir weiter zur Seelöwen- und Seehundshow. Hinter dem Stadion konnte man die Seehunde in ihrem Gehege beobachten, aber obwohl auch eine kleine Rampe am Rand angebracht war, konnte ich nur mit großen Mühen über die Wand sehen. Bei dieser war die kleine Rollstuhltribühne ganz außen am Rand angebracht, so dass wir nur die ersten 5 min der Vorführung sehen konnten. Es gab zwar noch zwei freie Plätze, diese befanden sich allerdings in der Soak Zone. Dies heißt wörtlich „durchnässte Zone“ und die Schilder deuten darauf hin, dass man hier nass werden kann bzw. wird. Ich bin nach dem Tag fest der Meinung, dass die Amerikaner nur um nass zu werden in diesen Park kommen. Überall begegnete man völlig durchnässten Menschen und vor dem Beginn einer Vorführung schlugen sie sich beinahe um diese Plätze.
Danach bekamen wir allmählich Hunger, doch hier trat dann das nächste Problem auf. Es war nicht erlaubt gewesen, Essen mit in den Park hineinzunehmen, aber die wenigen Essensangebote waren selbst um 14:00 Uhr noch hoffnungslos überfüllt. Also liefen wir mit knurrendem Magen zu den Haien. Steffen hatte sich schon sehr darauf gefreut, aber als wir die wartende Menschenmasse sahen beschlossen wir, weiterzugehen und so kam es, dass es uns ins Cirque Stadium verschlug. Hier vollführten Artisten kuriose Nummern über, auf, neben und im Wasser. Die Menge rastete völlig aus und verfolgte diese Zirkusauftritte mit großer Begeisterung. Auch für einen so eingefleischten Zirkusfan wie mich, war dies eine tolle Erfahrung.
Als nächstes wollten wir die Orkashow besuchen. Wir waren noch über eine Stunde zu früh und so schauten wir diese umwerfenden und faszinierenden Tiere in den Becken dahinter an. Hier sah ich zum ersten Mal in meinem Leben die Stars von Free Willy ganz nah und in Farbe. Es hätte so schön sein können, wären nur nicht diese schrecklich kühlen Wände um sie herum gewesen. Kurz vor Beginn der Vorführungen begab ich mit Monika auf einen Platz und für kurze Zeit vergaß ich alles um mich herum. Es war wie in einem Traum.
Um 17:00 Uhr verließen wir mit großem Hunger und gemischten Gefühlen den Park. Zumindest ich war sehr hin und her gerissen von meinen Gefühlen. Einerseits war es sehr spannend und interessant diese Tiere zu erleben, andererseits war mein tierliebendes Herz fast zersprungen.
Nun haben wir 20:39 Uhr und ich bin todmüde. Wir waren vorhin etwas essen. Wir mussten einige Zeit laufen und fanden einige Fast Food Restaurants. Als Steffen Chuck E. Cheese´s entdeckte und erzählte, dass es das schon mal im Fernsehen gesehen hatte, beschlossen wir, dies einmal auszuprobieren. Kaum hatten wir das von außen ganz normal wirkende Haus betreten, traf uns der Schlag. War waren in eine kunterbunte Spielhölle geraten. Wir waren völlig schockiert, um uns herum waren jede Menge Menschen die sich in einem überdimensionalen Kinderzimmer amüsierten. Ja, es gab auch etwas zu essen, aber all die Fahrgeschäfte, die Spielautomaten, die Simulatoren und all das Spielzeug dominierte das Bild. Außerdem war es schrecklich laut und unruhig. Es muss lustig ausgesehen haben, wie wir vier da so verloren, mit offenen Mündern ungläubig herumgestanden haben. Als der erste Schock wich, machten wir uns schnell daran, diesen Ort zu verlassen.
Stattdessen gingen wir zu dem altbekannten Burger King.
Dieses Motel hier ist so, wie ich es nur aus dem Fernsehen kenne. Viereckige, mehrstöckige Häuserblocks, die in der Mitte des kleinen Innenhofs einen Pool besitzen. Außerdem laufen die Wege zu den Zimmern wie Terrassen innen am Haus entlang. Es ist recht laut und wirkt von außen nicht gerade einladend, doch die Zimmer sind hell und sehr schön.
Da wir morgen schon um 06:00 Uhr raus müssen, um uns schon früh auf die längste Fahrt der ganzen Reise zu machen, mache ich jetzt mal Schluss. _________________ viele liebe grüße,
nami
Nach einer recht unruhigen Nacht und einem sehr spärlichen, aber gutem Frühstück fuhren wir um 08:05 Uhr ab.
Um uns herum waren immer wieder viele Berge und die verschiedensten Felsformationen zu sehen. Wir fuhren Stunde um Stunde auf fast leeren Autobahnen und um uns herum nur die Berge, die weite Natur und vereinzelt typisch amerikanische Häuser. Nur selten sah man richtige Siedlungen, meist standen einzelne Häuser oder solche, die es einmal waren, allein auf weitem Feld.
Als wir um 09:00 Uhr einen Aussichtspunkt anfuhren, war es draußen schon richtig warm. In der Umgebung fand man nur noch seltenst Bäume, trockenes Gras und Büsche dominierten das Bild. Es sah sehr trocken aus und egal ob Felsen, Steine oder Sand, alles gab es in den verschiedensten Brauntönen. Trotzdem gab es zu unserer Überraschung auch immer mal wieder grüne Felder, die bewässert wurden.
Es war etwa eine Stunde später und es wurde immer trockener und karger. Nur noch ganz selten sah man so etwas wie grün, dagegen mischte sich zunehmendst rot zu dem braun. Auch die Häuser waren vereinzelten Wohnwagen oder einer Range gewichen.
Zum ersten Mal fuhren wir durch ein Gebirge. Es war der absolute Wahnsinn!! Diese Riesen der Natur überall um uns herum und dann geht plötzlich vor uns ein Tal auf. Diese Aussicht! So kamen wir also dann kurze Zeit später auf ein weites, flaches, total karges Land. Aber selbst hier gab es das ein oder andere bewässerte Feld. Was muss das für eine Arbeit sein.
Wir legten eine Rast ein, kurz nachdem die Wagentüren geöffnet wurden durchströmte heiße Luft unser Auto. Es war ein sehr sonderbares Gefühl, aber trotzdem sehr angenehm. Daran hätte ich mich gewöhnen können. Die Sonne und die Wärme, ja, das ist das, was ich so sehr liebe! Wenn es für manch anderen schon zur Qual wird, fange ich es erst richtig zu genießen an.
Nicht sehr lange nach 11:00 Uhr tauchten dann plötzlich richtige Sanddünen neben der Strecke auf. Ich traute meinen Augen nicht und war hin und weg. Das konnte doch nicht sein, oder!? Meine Blicke klebten an diesen riesigen Sandformationen und ich versuchte all das Gesehene zu verarbeiten.
Unsere Route hatte uns bisher von San Diego über die I-8 nach El Centro und Yuma geführt. Gerade haben wir die Grenze zu Arizona passiert und es ist 12:00 Uhr. Der Grenzkontrolleur hatte uns freundlich durchgewunken und so waren wir weiter durch das nächste Gebirge gefahren. Als sich danach wieder ein Tal eröffnete, hatten wir eine tolle Aussicht auf Dome Valley. Auch hier hatten wir kurz angehalten um die Umgebung zu bestaunen. Bestimmt hatten wir inzwischen die 40°C-Marke geknackt. Da wir recht gut in der Zeit waren, hatten wir beschlossen die Hot Springs zu besuchen. Sie sollten sich nicht weit von unserer Route, bei Aqua Caliente befinden. So fuhren wir also ca. 15 Milen landeinwärts. Die zweispurige Straße wurde wellig und kurvig und je weiter wir fuhren, desto karger wurde es. Uns wurde es ziemlich komisch, denn die wenigen Wohnmobile sahen verlassen und heruntergekommen aus und nirgends waren Wegweiser zu finden. Aqua Caliente stellte sich als ein kleines Wüstendorf heraus, wenn man das so bezeichnen darf, mit einem eigenen kleinen, recht süßen Friedhof. Aber von den heißen Quellen hatten wir nichts gesehen. Also fuhren wir die einsame Strecke wieder zurück und weiter nach Gila Bend, von wo aus wir von der 85 nördlich auf die I-10 Richtung Phoenix wechseln wollten. Auf dieser Strecke sah ich meinen ersten, in der Wildnis stehenden Kaktus. Außerdem begegneten wir in dieser Wüste einem Golfplatz. Während wir stundenlang geradeaus fuhren rief ich meine Eltern an, um ihnen mitzuteilen, dass es uns alles gut gehe und dass wir inzwischen schon in der Wüste unterwegs seien. Sie waren hörbar erleichtert und freuten sich, von mir zu hören.
Um ca. 15:30 Uhr kamen wir in die Nähe von Phoenix – die Straße wurde wieder 10-spurig und die Straßenführung teilweise 5- oder 6-stöckig. Das war wirklich der Hammer! So was war mir nicht mal in L.A. aufgefallen.
Riesige rote Felsen hießen uns in der Wüstenmetropole willkommen.
Die Skyline war einer der beeindruckendsten, denn sie wirkte so sauber und hatte sein ganz eigenen Flair mit all den Palmen und dem Sand rundherum.
Kurz nach 16:00 Uhr erreichten wir unser Hotel in Scottsdale. Es lag in einer sehr sauberen und gepflegten Gegend und genau so waren auch unsere Zimmer. Wir hatten eine rollstuhlgerechte Suite, einfach klasse! Selbst das Bad war dieses Mal rollstuhlgerecht.
Eine befahrbare Dusche mit einer ganz „normalen“ Duschbrause und einem großen Klappsitz an der Wand. Einfach perfekt!
Auf den letzten Milen hatte unser Auto plötzlich angefangen, beim Bremsen komische Schleifgeräusche zu machen. Deshalb rief Monika gleich nach unserer Ankunft bei Alamo an. Es dauerte keine zwei Stunden und auf dem Parkplatz stand ein neues Auto. Auch ein Minivan von Dodge, eigentlich das gleiche Modell wie der Vorgänger, allerdings in weiß und in der Luxusausführung. Elektrische Türen und Fenster, Kompas, Thermometer, Tempomat, Getränkehalter – all diese Spielereien sollten uns nicht selten erheitern. Außerdem konnte ich durch diese moderne Technik zum ersten Mal seit sehr langer Zeit wieder einmal allein eine Autotüre öffnen bzw. schließen.
Als wir um 21:00 Uhr um etwas zu essen wegfuhren, hatte es noch immer 37°C. Eine warme Luft begleitete uns und machte so diesen schönen Tag perfekt. _________________ viele liebe grüße,
nami
Als wir etwa um 09:55 Uhr aus der Stadt herausfuhren, sahen wir wieder diese wunderschön angelegten Stellen, welche uns die Stadt wirklich in sehr schöner Erinnerung behalten lassen werden.
Scottsdale war wirklich ein Besuch Wert und wir waren alle sehr enttäuscht, dass wir nicht mehr Zeit für diese tolle Stadt hatten. Mit einem lachenden und einem wehmütigen Blick sah ich auf die letzten Ausläufer von Phoenix zurück.
Es waren wirklich schöne Stunden, hier, mitten in der Wüste, allein das Erlebnis mit dieser heißen Luft, die selbst am Morgen schon wieder 37°C mit sich trug, werde ich nie vergessen.
Unsere heutige Strecke sollte uns von Phoenix aus über die 101 und die I-17 nach Flagstaff bringen.
Wir verabschiedeten uns also von der Wüstenstadt und machten uns auf. Um 10:40 Uhr machten wir etwa eine Dreiviertelstunde Pause in einem Supercenter. Hier versorgten wir uns unter anderem mit Nahrungsmitteln und Getränken. Natürlich konnte ich den Laden nicht ohne eine tolle Postkarte verlassen.
Während wir dann über den Interstate fuhren, lag vor uns Meilen weit nur karges Land. Das Thermometer zeigte 41°C und fast schlagartig tauchten tausende Kakteen neben uns auf. Diese majestätischen Pflanzen ragten nicht selten bis über drei Meter in den Himmel und überzogen das ganze weite Land.
Um 12:00 Uhr hatten wir erneut einen Aussichtspunkt angefahren und waren völlig begeistert. Schon wenige Meilen nach diesem Stopp wurde die Umgebung zunehmendst grüner. Die Temperatur fiel auf 34°C und inzwischen tauchten immer mehr Bäume auf. Diese überzogen flache Bergketten und reichten bis zum Horizont.
Heute war ich besonders aufgeregt, denn wir wollten einen kleinen Abstecher machen und so, die hochgelobte Strecke bei Sedona befahren. Viele Menschen hatten mir davon vorgeschwärmt und ich konnte es kaum erwarten, es mit meinen eigenen Augen zu sehen. Deshalb bogen wir von der I-17 auf die 260 ab, um bei Cornville auf die 89A nach Sedona zu wechseln. Wir fuhren wieder einmal auf einer dieser meilenlangen, geraden Straßen, als vor uns plötzlich ein Bergmassiv auftauchte. An seinem unteren Ende leuchtete uns das rote Gestein entgegen. Das musste es sein!
Eindrucksvoll lagen die Berge vor uns, während wir weit vor der Stadt auf einen Parkplatz fuhren, um einfach nur den Anblick zu genießen.
Es war der helle Wahnsinn, was wir hier, auf dieser einmaligen Strecke, zu Gesicht bekamen. Alles was ich bisher gesehen hatte, geriet nun ins Hintertreffen. Diese unfassbaren Felsformationen, die allein von Wind und Wetter so göttlich geformt wurden. Wie wir so an diesen Riesen vorbeifuhren, konnte es schon mal passieren, dass ich mir wie auf einem anderen Planeten vorkam. Nun wusste ich, weshalb einige Menschen dieses Fleckchen Erde als eines der schönsten der Welt bezeichnen!
Wir fuhren durch die Stadt und waren völlig überrascht. Absolut alle Häuser waren in Erdtönen gehalten und nirgends waren die so typisch amerikanischen riesig bunten Werbetafeln zu sehen. Selbst dieses Städtchen hatte sich diesem atemberaubenden Naturspektakel gebeugt.
Wir ließen Sedona hinter uns und um uns herum wurde es immer grüner. Wir kamen in einen Wald und schlängelten uns neben einem Fluss durch ein Tal. Ich war hin und weg, diese Lichtspiele die das Licht und die Bäume hinterließen, ließen mich erneut nach Luft schnappen. Innerhalb weniger Stunden waren wir von einem Naturschauspiel zum nächsten gefahren. Hier unten im Schatten waren es nur noch 28°C warm, aber der Blick auf weiße Felsen, die Fahrt durch den tiefgrünen Wald entschädigte alles. Nun ging es Unmengen von Serpentinen hinauf bis zu einem Pass.
Hier legten wir eine Rast ein und liefen gemeinsam zum Aussichtspunkt. Von diesem Platz aus hatte man eine fantastische Sicht über das gesamte Tal. Kaum zu glauben, dass wir vor wenigen Minuten ganz unten gefahren waren. Dieser Oak Creek National Park war wirklich sehr schön und dieser einmalige Geruch, wenn man durch all die Bäume fährt lässt einen fast glauben, dass es auf der Welt nur vollkommene Natur gibt.
In einer kleinen Hütte hatte Monika uns noch einen Pass für alle Nationalparke gekauft. Leider hatten wir zuvor nicht gewusst, dass man so etwas benötigt.
Wenigstens waren wir nun abgesichert und konnten unsere Fahrt vortsetzen.
Wir stießen wieder auf die I-17 und fuhren über die I-40 nach Flagstaff hinein. Weil wir in Phoenix so begeistert von unserem Hotel waren, hatten wir heute Morgen gleich zwei Zimmer im Holiday Inn Express in Flagstaff gebucht. Leider hatten wir hier keine Suite, aber es war völlig ok.
Wir waren etwa um 15:33 Uhr angekommen und gleich zum Pool gegangen. Ich sonnte mich und genoss das heiße Wasser des Whirlpools. Während ich auf dem Sonnenstuhl saß, las ich meine Abiturlektüre „Effi Briest“ von Theodor Fontane erfolgreich zu Ende.
Am Abend machten wir uns dann nochmals auf den Weg, um ein Stückchen auf der historischen Route 66 zu fahren. Armin und Monika fahren Motorrad und daher war ein Besuch der Strecke quasi ein Muss.
Auf dem Rückweg hatte es uns dann doch erwischt – um zum Hotel zurückfahren zu können, mussten wir einen Bahnübergang überqueren. Da standen wir dann und warteten. Schon einige Male hatten wir diese unglaublich langen Güterzüge in der Wüste gesehen und nun wollte einer von ihnen unseren Weg kreuzen. Mit lautem, dumpfen Gehupe kündigte er sich an und es dauerte eine Ewigkeit, bis der letzte Wagon verschwand.
Als wir um 21:50 Uhr von McDonald´s zurückkamen, fiel ich todmüde ins Bett. _________________ viele liebe grüße,
nami
du schilderst so wunderschön *schwärm* Ich hätte wahnsinnig gern auch mal die chance auf eine solche reise. Als ich noch besser laufen konnte hab ich einmal eine woche mit einer freundin in England verbracht. Mein Dad hatte wahnsinnig Angst um mich und wollte es nicht. Ich bin auch ohne rolli gefahrn, bzw geflogen damals, und das erwies sich im nachhinein als nicht so klasse. Aber trotzdem war die reise alles in allem das tollste was ich jemals gemacht hab. und am flughafen wurde ich super betreut. besonders die zeit in london war wahnsinn. Die Menschen warn toll und es gab so viele nationalitäten und der tolle hydepark. die stadt hat viele gesichter und jedes noch so kleine cafe hatte ne behinderten toilette und so. es war einfach traumhaft gewesen... und ich würde gern noch öfter reisen. , logisch jetzt geht es nicht mehr ohne den rolli. Aber deine Berichte machen mir auf jedenfall Mut ! Sie sind toll ! Ich denke auch es kommt sehr darauf an, wer einen begleitet.
sei ganz herzlich gegrüßt
ich freue mich auf fortsetzung ( hatte nämlich noch nich alles auf deiner HP gelesen , nur bis nach san Diego
alles liebe
Kate _________________ 24 J. ICP (spastische Tetraparese), Hüftdysplasie, M. Scheuermann, angeborener Herzfehler, neuropatischer Schmerz, N. Ischiadicusläsion (z.N. OP 2004)
das mit deinem dad kann ich vollkommen nachvollziehen besonders meine mum wäre schon fast 3 monate davor gestorben und auch alle anderen familienmitglieder u freunde hatten angst um mich.
es war sehr schwer währenddessen nicht den mut zu verlieren.
ich kannte die gefahren u diese reise war bestimmt nicht ohne, aber ich war mir sicher, dass es vielleicht meine einzige u letzte chance war.
so genoss ich einfach diese wochen mit meinem freund und seinen eltern
liebe grüße,
nami _________________ viele liebe grüße,
nami
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