Verfasst am: 30.09.2006, 23:21 Titel: An die Logopäden(innen) und alle die sich auskennen
Mein Sohn Jonas hat eine congenitale Myopathie. Er hatte am Anfang große Schluckprobleme und wurde etwa die ersten 3 Monate mit der Sonde ernährt. Habe ihn dann selbständig entwöhnt. Anfangs lautierte er gar nicht, nach Entwöhnung und Essen mit dem Löffel kam immer mehr. Mittlerweile ist er 16 Monate. Er macht Doppelsilben und sämtliche Laute die Kinder in dem Alter machen. Ér sagt Mama (noch nicht unbedingt Personenbezogen, Papa aber nur ganz ganz selten) Er spricht bisher eigentlich noch nicht, seit ein paar Tagen sagt er Tschüß. Allerdings ist das mehr so melodiös als wirkliches Reden. Der KiA hat gesagt, ein Kind, das geistig fit ist, wird irgendwann reden und ein Kind, vorallem Junge muß es jetzt noch nicht können. Ich mache mir aber Gedanken, weil seine Zunge ja auch etwas betroffen ist. Ist es sinnvoll jetzt schon mit Logopädie anzufangen oder soll ich noch etwas warten? _________________ LG Katja
Ok, ich habe mich blöd ausgedrückt. Ich weiß nicht genau ob die Sprache momentan altersgemäß ist, ich weiß nur, mein großer Sohn hat auch diese Laute von sich gegeben. Allerdings hat er mit 16 Monaten schon einige Wörter gesprochen. Das muß ja aber wohl nicht unbedingt was zu bedeuten haben, soweit mir bekannt ist. Nun zu meinem eigentlichen Problem, kann es sein, dass er vielleicht aufgrund seiner Hypotonie bestimmte Laute nicht formen kann? Und wenn ja wann ist es dann sinnvoll mit einer Therapie zu beginnen? Reicht es aus wenn ich noch einige Monate abwarte ob etwas kommt oder ist es sinnvoll so früh wie möglich zu beginngen? Gedanken mache ich mir wegen dem seltenen p, auch das au kommt nicht eindeutig, und wie oben geschrieben, ist es manchmal mehr eine Nachahmung des Tonfalls _________________ LG Katja
Hm. Normalerweise rate ich Eltern immer, ihren Gefühlen zu vertrauen. In diesem Fall nicht: Ich finde Deine Ängste überzogen; die Lautbildung des "p" ist unmöglich (!) bei einem 16 Monate alten Kind bereits abgeschlossen. In Deinem Fall halte ich es für sinnvoll, dass Du das Kind in einer logopädischen Praxis oder in einem SPZ vorstellst, damit sie dort einen Status über die Sprachentwicklung erheben. Dann weißt Du zumindest, ob eine Verzögerung vorliegt oder nicht.
Es gibt unterschiedliche Meinungen zur logopädischen Behandlung: viele Logopäden halten Spieltherapie auch für Kleinkinder für unbedingt notwendig, und Ärzte sind oft der Meinung, dass es vor dem Kindergartenalter nichts bringt. Meine persönliche Meinung: Echte Therapie ist erst mit etwa vier Jahren möglich und nützlich, Elternberatung ist sinnvoll so früh wie möglich, damit man Übungen für die Mundmotorik beispielsweise spielerisch in den Alltag einbinden kann und Verhaltenssicherheit im Umgang mit der Sprachverzögerung bekommt. Dies alles natürlich nur, wenn Dein Kind tatsächlich Probleme hat, was allerdings (Ferndiagnose!) nicht so klingt. Als mein Sohn drei Jahre alt war, sprach er vier, fünf Worte und wurde damals sprachlich als Eineinhalbjähriger eingestuft. Das deckt sich mit dem, was Dein Sohn kann.
Allein aufgrund einer Hypotonie ist das Bilden der Laute übrigens nicht eingeschränkt (das weiß ich aus Erfahrung, denn mein Sohn ist hypoton, allerdings durch starkes Überstrecken maskiert, und Jonathan kann alle Laute der deutschen Sprache bestens).
Ich habe Ende Oktober Termin im SPZ und werde es abklären lassen. Danke für deine Einschätzung, das hilft mir schon mal weiter. Diese Bedenken kommen nciht "nur" von mir, sondern ich bin darauf angesprochen worden und versuche jetzt zu klären, ob ich mir wirklich Gedanken machen muß oder nicht. Bei meinem Sohn ist sowohl die Gesichtsmuskulatur wie auch die Zunge sehr schlapp. Auch hat er einen erhöhten Gaumen. Spielt die Zunge keine Rolle bei der Lautbildung? _________________ LG Katja
Na klar tut sie das. Da ich Dein Kind aber nicht kenne, kann ich nicht beurteilen, ob dies bei ihm eine Rolle spielt. Was Du schreibst, klingt völlig im Rahmen. Sicher ist, dass wenig Körperspannung die Sprache negativ beeinflusst. Ein Mangel bei der Mundmotorik kann zu einer eingeschränkten Sprache führen, muss aber nicht. Was ich sagen will: Mache Dir erst ein Mal keine Sorgen, höchstwahrscheinlich ist bei Jonas alles i.O., nur weil er einen schweren Start hatte, muss er nicht Probleme im sprachlichen Bereich haben. Ich muss mich allerdings entschuldigen, mir ist die Krankheit Deines Sohnes nicht bekannt, vielleicht gehe ich zu allgemein an Deine Fragestellung heran? Trotzdem: Wenn ICH auf vermeintliche oder tatsächliche "Probleme" meines Sohnes angesprochen werde, klappe ich inzwischen die Ohren zu. Die Sache ist die, Katja, das ist zumindest meine Erfahrung, wichtiger als der Zeitpunkt einer neuen Therapie - und wenn er tatsächlich ein Problem haben sollte, dann werden Therapien auf Therapien auf Therapien folgen, glaube mir - ist das Vertrauen in die Fähigkeiten Deines Kindes. Gehe mit ihm zum SPZ, lasse Dich beraten. Du musst keine Angst haben, dass Du bei Deinem Kind die Förderung "versäumst", Du bist sehr früh dran. Okay? Barbara
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