Verfasst am: 25.09.2006, 14:56 Titel: Warum hat eine Sonderschule einen so negativen Beigeschmack?
Aus einigen Beiträgen kommt doch sehr stark heraus, dass die Kinder eine Regelschule besuchen und trotz Einzelbetreuung/Helfer große Schwierigkeiten haben, dort klarzukommen. Aber ein Schulwechsel kommt nicht infrage.
Ich frag jetzt einfach mal: Warum hat eine Sonderschule, insbesondere Förderschule für Lernbehinderte, für Euch so einen negativen Beigeschmack?
Muß ja zugeben, dass ich mich bei der Einschulung von Volker auch sehr schwer getan habe mit dem Gedanken, dass es mit dem integrativen Unterricht nicht geklappt hat. Aber mittlerweile, er ist in der 5. Klasse, sehe ich jeden Tag, dass er super gerne in die Schule geht, dort auch gute Leistungen bringt und dass diese Erfolgserlebnisse ihn täglich beflügeln und weiterbringen.
Auf einer Regelschule wäre er wahrscheinlich derjenige, der immer auffallen würde, immer der Schlechteste wäre. Und ich glaube rückblickend nicht, dass er dort auch nur halbwegs glücklich geworden wäre. Übrigens: Volker hat auch einen fast normalen IQ, überspringt in Mathe sogar Lernstufen, wäre aber mit einer größeren Klassenstärke völlig überfordert.
Verratet mir doch bitte mal, was bei Euch so negative Gefühle auslöst?
Ich kann wirklich nur für uns sprechen, ganz individuell: Ich habe gar nichts gegen Schulen für Lernbehinderte. Ich finde es, im Gegenteil, ganz prima, wenn Kinder gemäß Ihrer Probleme gefördert werden können und nicht gezwungen sind, zum Außenseiter in einem Klassenverband zu werden wie bei uns an der Schule im Nachbarort, einem Sammelbecken für alles und alle, wo sich der durchsetzt, der am lautesten brüllt und am stärksten zuhaut.
Gleichzeitig habe ich mich dagegen verwehrt, dass unser Junge als lernbehindert eingestuft wird, weil es einfach nicht ist. Er ist hörbehindert, das hat auch seine Probleme, aber seine Intelligenz ist normal. Das Schlimmste, was dem kleinen Kerlchen passieren konnte, waren die Erzieherinnen im Kindergarten, die ihn nicht gefordert haben, weil sie dachten, er bekommt das eh nicht auf die Reihe (dass er hörbehindert ist, haben sie nicht geglaubt! Ich weiß, das ist nicht zu fassen, es ist aber trotzdem wahr). Es musste immer an der Hand gehen und auf dem Schoß sitzen und so weiter, war völlig eingeschränkt.
Wenn Jonathan lernbehindert WÄRE, hätte ich damit kein Problem. Da er es aber nicht IST, verwehre ich mich dagegen. Falls er sprachlich nicht aufholt, kommt er beizeiten in ein Sprachheilinternat, die können ihm wenigstens helfen, und da ist er mit anderen mit den selben Problemen "unter sich" und hat einen Schonraum.
Ich glaube, es geht noch mehreren Leute hier so, dass die Kinder als lernbehindert "wegsortiert" werden, weil die Diagnosen nicht korrekt sind oder die Förderung nicht greift. Ich kann verstehen, dass man dagegen angeht und auch bitter wird.
Ich kenne das auch. Ich bin an einer Körperbehindertenschule und mache dort Abitur.
Trotzdem ist es eine Sonderschule, da es ja keine Regelschule ist.
Wenn ich aber sage, dass ich an einer KB-Schule bin, kommt des öfteren:
Oh, das tut mir leid, da kannst du ja dann gar nichts richtiges lernen (also danach)!"
Weil viele KB-Schule mit LB-Schule gleich setzen und denken, dass da nur ein LB-Abschluss möglich ist.
Gut, dass eine KB-Schule Abitur anbietet ist schon sehr selten (kenne außer unserer keine),
aber Mittlere Reife und Hauptschulabschluss gibt es dort doch wesentlich öfter als angenommen!
Und ich habe auch absolut nichts gegen eine LB-Schule, wenn jemand wirklich eine Lernschwäche hat und besonderer Förderung bedarf.
Ich denke, dass auch viele in der LB-Schule eine Art "Endstation" sehen, weil man dort nicht immer einen Hauptschulabschluss machen kann,
sondern nur einen LB-Abschluss.
An meiner Schule gibt es auch einen LB-Bereich und ich weiß, dass das keineswegs eine Endstation ist! Die, die es packen machen (meist über das BVJ) ihren Hauptschulabschluss nach (brauchen eben nur mehr Zeit) und beginnen dann eine Ausbildung. Manchen wechseln danach sogar (nach bestandener Aufnahmeprüfung) in die Wirtschaftsschule (führt zur Mittleren Reife) und beginnen ebenfalls eine Ausbildung. _________________ LG Jaqueline
ICP - spast. Tetraparese, Kyphose
Freund: GM-Epilepsie (VNS-Träger)
Hi Rita,
der Beigeschmack ist dann übel, wenn man das Gefühl hat, das Kind würde in eine Förderschule delegiert, die "irgendwie" passen soll,die aber häufig nicht passt. Die Idee der besonderen Schule finde ich sehr o.k. und es wäre wunderbar, wenn es z.Bsp. für Asperger-Autisten spezielle Schulen gäbe. Leider gibt es die aber nicht, und so werden unsere Kinder gewöhnlich auf "Schulen für Erziehungshilfe" geschickt, was nichts mit ihrer Besonderheit zu tun hat und sie oft ins völlige soziale Chaos stürzen lässt. LG Mariella
also aus Sicht eines Integrationsfachdienstes erlebe ich immer wieder, dass der Massstab der Arbeitgeber eben an starken, flexiblen und vielseitig einsetzbaren Mitarbeitern angelegt wird.
Ein Schulabgänger mit LB- Abschluss oder GB- Abschluss oder auch einer körperbehindertenschule hat meistens z.B. keinen Führerschein, kann also nicht mal eben zur Post geschickt werden oder was abholen.
Ein Schulabgänger mit LB- Abschluss oder GB- Abschluss weiss sich oft nicht in Ausnahmesituationen zu helfen, z.B. wenn er als Reinigungsdienst eingesetzt wird und plötzlich ist kein Toilettenpapier mehr da, das Putzmittel geht aus, das Fenster klemmt und er/ sie bekommt es nicht zu.
Man kann bei Erkrankung eines anderen Mitarbeiters ihn nicht mit dessen Aufgaben betrauen, weil er für neue Aufgaben eine längere Einarbeitungszeit benötigt.
Das stimmt wohl in der Regel, aber eben nicht immer.
Ich habe einen Schulabgänger von einer LB- Schule gehabt, der danach in die Abendschule gegangen ist und sein Abi mit 1,2 gemacht hat.
Ein anderer, der nicht lesen und schreiben konnte hat seinen Führerschein gemacht ohne dass es jemand gemerkt hat. Bei meinen irritierten Fragen, wie er das geschafft hat, hat er gesagt, dass er ALLE !!! Bögen auswendig gelernt hat.
Ich könnte Seitenweise über solche Fälle schreiben.
LG Angie Mo _________________ sorry, wenn ich alles klein schreibe, ich habe sowohl eine behinderung an den augen als auch an der hand und das schreiben ist sehr anstrengend-manchmal ist es besser, dann schreib ich auch groß und klein
die Frage wurde ja schon öfters mal aus verschiedenen Richtungen andiskutiert und oft kommt auch da arugment (und ich wundere mich, dass es noch nicht aufgetaucht ist): das auf LB-Schulen oft kinder sind, die aufgrund ihrer umwelt überdurchschnittlich aggressiv und unsozial sind. (kinder mit erziehungsschwirigkeiten heißt es wohl korrekt)
dann regen sich oft viele auf, wenn man das schreibt, aber es ist nun einmal fakt, dass viele dieser kinder keine andere unterbringungsmöglichkeit bekommen, obwohl ihre grundsätzlichen möglichkeiten sie zu ganz anderen schulformen befähigen würden.
wir hatten hier im kiga, bei einem schul-vorstellungs-abend einen leiter einer solchen schule, der suuper sympathisch war und hat dieses problem ganz offen und ehrlich angesprochen hat. und auch direkt auf meine frage, ob mein autistischer sohn, der keiner fliege etwas zuleide tun kann, empfehlen kann ganz klar verneint hat aus genau diesen gründen.
Demgegenüber wird die förderschule für geistig behinderte eher wieder als "schonraum" bezeichnet, da da die Betreuung intensiver ist. Wobei das natürlich auch kein Garant seni muss.... aber alle, die ich gefragt hatte, bestätigen dass.
nun hat man ein probelm, wenn das kind für die geistig-behinderten schule geistig zu fit ist, aber für die lernbehinderten-schule "emotional zu lieb/schüchtern" .... .
ich wünschte, es gäbe viel mehr integration in "normalen" schulen (und auch anderen kigas), dann wäre man im alltag auch nciht immer so ein begaffter sonderfall, weil alle das gewohnt wären... . das gilt natürlich auch für die "Sozieal benachteiligten kinder", eine gute "durchmischung" sämtlicher menschlicher "varianten" ist die beste lösung gegen "Gettoriesierung/Stigmatisierung" ....tja, wunschträume....
gruß, judith (ich hoffe, es hat sich keiner auf die füsse getreten gefühlt. falls ja, war nicht absicht, sorry. ich habe nur versucht, was sich mir bisher beim thema schulsuche offenbar wurde, niederzuschreiben. sicher gibt es hier auch eltern, die ihre kinder auf LB-Schulen (mit diesem Schwerpunkt "Erziehung") haben, wo alles super läuft, aber ich wage mal zu behaupten, dass das eher Ausnahmen als Regelfälle sind)....
da es für uns klar war, das Isabelle in eine Sonderschule muss, konnten wir uns mit dem Thema auseinander setzen. In unserem Familienkreis hat man schon eine gewisse Enttäuschung / Abneigung gespürt. Ich glaube, es ist eine klare Bestätigung, dass mit dem Kind etwas nicht stimmt. Meine Eltern und auch Schwiegereltern haben immernoch die Hoffnung, das Isabelle, plötzlich "normal" wird und die vielen Jahre auf einen Schlag aufholt und sich regelrecht entwickelt. Diesen Traum wurde wiedereinmal durch die Einschulung in die Sonderschule zerstört. Desweiteren ist bei uns das Problem, dass Isabelle ein sehr freundlichen, aufgewecktes Kind ist, das fast immer nur lacht und auch andere zum lachen ansteckt. In ihrer Klasse sind solche Kinder aber nicht zu finden. Die Mehrheit ist, wie Judith auch schreibt, sozial auffällig. Da kommen einem doch die Zweifel, ob dann das eigene Kind, da ja so lieb und zurückhaltend ist, in einer solchen Klasse wirklich gut aufgehoben ist.
Mit dem Abschluss, den Isabelle machen kann, haben wir uns noch nicht auseinander gesetzt. Dafür haben wir noch viele Jahre Zeit.
Ich denke, es wird noch einige Zeit dauern, bis unsere Eltern und unser Umfeld es akzeptiert haben, dass Isabelle anders ist und deswegen auch andere Wege gehen muss.
Gruß Stefan _________________ Nicolette & Stefan und Kindern
Johanna (`98) partieller Dyslalie auditiven Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörung, visuo-motorischen Sequenzierungsschwäche,
Isabelle (`99) 24. SSW mehrfach Schwerbehindert, entwicklungsverzögert, ICP und
Jérôme (`03) gesund
Galerie ---> http://www.REHAkids.de/phpBB2/album.....personal.php?user_id=6293
ich bin noch nicht lange hier Mitglied habe aber schon viel gelesen und interessante Themen entdeckt. Dies ist so eins.
Also ich habe selbst Diplegie (Spatik in den Beinen) Zeitweise Rolli-Fahrer und bin selbst in einen Sonderkindergarten und eine KB-Schule gegangen, dort habe ich den höchstmöglichen Abschluß gemacht (qualifizieter Hauptschuleabschluß) danach auf eine 2jährige Handelschule, Regelschule, ich hab es geschafft. Soviel zu meiner Person/Werdegang, nun zum Thema:
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, es ist toll das es solche Schulen gibt, es ist aber nicht immer richtig, alle "Problemfälle" "wegzusortieren", weil es zu anstrengend ist sie in einer Regelschule zu intigieren!
In meinem Fall behaupte ich, hätte ich damals nur mal die Chance bekommen in eine "normale" Grundschule zu gehen, ich hätte (wahrscheinlich mit viel Anstregung) geschafft.
In meiner Klasse, wir waren damals 8 Schüler, gab es 4, die später die Handelsschule (Regelschule= geschafft haben, die anderen 4 haben ihre Ausbildung in Beruftbildungswerken gemacht.
Ich denke man sollte von Jahr zu Jahr testen und schauen ob es noch die richtige Schule ist, es ist nämlich wirklich schwer später im Berufsleben Fuß zu fassen, da man meiner Meinung nach "oft in Watte gepackt wird" und nur unter seinesgleichen ist, und das Leben "draußen" erst dann richtig kennenlernt, wenn man entlassen wird.
Viele in meinen Freudes- uznd Bekanntenkreis denken ähnlich.
Nun habe ich auch ein besonderes Kind (sprachentwicklungsverzögert) er geht seit Sommer 06 in einen Sprachheilkindergarten, vorher in einen Heilpädagogischen Kiga, ich hoffe für meinen Sohn das er einen Regelschule schafft und werde mit Sicherheit bis zum Letzten kämpfen, das er es versuchen darf
LG Melanie _________________ Melanie Jg 73 Deplegie beinbetont, Justin 12/01 ehemaliger Schüler einer Sprachheilschule seit 08/10 Regelschule und natürlich Papa Uwe Jg 73
Ich glaube, dass ich mal ganz dringend was über Volkers Schule schreiben muß, da ich auch bei Euch ein gewisses Vorurteil rauszulesen meine.
Der Kurze geht auf eine LB-Schule, obwohl er von der Behinderung her eigentlich KB ist. Die Auswirkungen auf den Alltag sind aber mehr im LB-Bereich und wir haben uns deswegen auch dafür entschieden.
Überrascht bin ich, wenn ich lese, dass die landläufige Meinung immer noch ist, dass auf LB-Schulen hauptsächlich sozial vernachlässigte, aggressive Kinder sind und dass aus diesem Grund die Schule schon mal rausfällt.
Ich gebe Euch Recht, viele Kinder sind sozial vernachlässigt und tragen deswegen im Tiefschnee noch Sandalen oder billige Turnschuhe und manches Mal auch 2 Wochen hintereinander die gleiche dreckige Hose. Ein sehr guter Freund von Volker ist so ein Kind. Aber dennoch ist der Freund ein super nettes, freundliches Kerlchen, was wunderbar spielen kann und viele zum Lachen bringt. Kein Einzelfall! Und vor allem, Volker wird akzeptiert, auch mit seinen Marotten.
Es gibt natürlich immer wieder Kinder, die auffällig sind. Aber m.E. (und ich bin jeden Tag an der Schule!) nicht mehr oder weniger als an normalen Schulen mit pubertierenden Jugendlichen auch. Selbst an dem Gymnasium in einem recht wohlhabenden Stadtteil, welches meine Tochter besucht, wird gelegentlich gerauft oder gestritten. Dort sind die Streiereien oft noch unangenehmer, da Konflikte nicht direkt ausgetragen werden, sondern eher in der Mobbing-Richtung gehandelt wird. Damit umzugehen ist oft schwerer als ein direkter Zoff.
Die Lehrer an der LB-Schule sind zum großen Teil super engagiert und machen vieles möglich. Unser Rektor ist Gold wert, dem kann man wirklich mit jeder Kleinigkeit kommen. Und dadurch, dass die Schule mit rund 200 Schülern recht klein ist, kennt noch jeder jeden, was ich sehr positiv empfinde.
Okay, manche Behinderungen sind ganz klar der KB- oder GB-Richtung zuzuordnen, da gibt es keine Diskussionen. Ich hoffe aber, dass ich ein ganz kleines Bisserl aufklären kann, dass so viele LB-Kinder zu Auffälligkeiten und Brutalitäten neigen.
Hallo,
mein Asperger Autist ist auch an einer Sonderschule, Sprachheilschule.
An einer Regelschule würde er derzeit noch untergehen. Warum soll ich ihm und den Lehrern das zumuten?
Gottseidank, gibt es Sonderschulen.
Wobei Erziehungshilfeschulen nicht unbedingt das richtige für einen Autisten sind.
Denn dort sind tatsächlich viele verhaltensauffällige Kinder, die bspw. vernachlässigt wurden und durch entsprechendes Aggressionspotential auffallen. Da Asperger Autisten ohnehin gern als Kandidaten für Mobbing herhalten müssen, ist die Gefahr dort ungleich größer.
Ansonsten bin ich der Meinung, jedes Kind sollte seinen Möglichkeiten und Fähigkeiten entsprechend beschult werden!
Mein Sohn fühlt sich in seiner Klasse, mit seinen beiden Lehrern (insges. 12 Schüler in der Klasse) + Zivi sehr wohl. Auch Mobbing ist dort kein Thema. Er macht prima Fortschritte und wird nach Regelschulniveau unterrichtet. Natürlich gibts auch LB-Niveau. _________________ LG Gaby. (*8/64) ADS
mit Daniel (*1/99) Asperger Syndrom
und Alexander (*2/02) ADHS
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