bitte entschuldigt, aber ich habe schon ewig nicht mehr ins Netz geschaut. Seit ca. 1/2 Jahr haben wir ein Resonanzbrett und es ist echt super. Felix ist total begeistert und es ist fast der einzige Ort, wo er ganz allein ruhig und zufrieden liegt. Deshalb hier eine kurze Hintergrundinformation und eine Bauanleitung von unserer Blindenschule:
Möglichkeit zur Förderung mehrfachbehinderter sehgeschädigter Kinder
Lilli Nielsen: Ein Konzept zur Förderung von blinden Kindern mit geistiger Behinderung
Kinder mit einer geistigen Behinderung lernen dann besonders erfolgreich, wenn sie über die verschiedenen Sinne angesprochen werden. In jeder Unterrichtsstunde für geistigbehinderte Kinder wird in der Regel ausreichend Anschauungsmaterial eingesetzt. Diese Praxis ist zu überdenken, wenn es um Förderung blinder geistig behinderte Kinder geht. Mit dieser Therapie hat sich besonders intensiv die Dänin Lilli Nielsen beschäftigt. L. Nielsen geht es darum, bei den blinden Kindern mt schweren Behinderungen nicht beim fehlenden Können anzusetzen. Das Kind soll nicht theapiert und trainiert werden. Es wird vielmehr versucht, eine Umgebung zu schaffen, in der das Kind stimuliert wird. Dabei soll das Kind selbst weitgehend Tempo und Richtung der Förderung bestimmen. Die Kinder sollen aus der Passivität herausgeführt werden. Sie sollen lernen, ihre Umwelt aktiv zu erobern und zu erkunden. Ein weiterer Punkt ist die Anbahnung von Kommunikation über die Entwicklung motorischer Funktionen. Zum dritten soll eine Umgebung geschaffen werden, in der sich das Kind weitgehend selbständig entwickeln kann.
Um das blinde Kind über aktustische Reize zu stimulieren, muss eine Umgebung geschaffen werden, die Geräusche verstärkt und nicht dämpft. L. Nielsen legt die Kinder deshalb auf eine sogenannte RESONANZPLATTE/-BRETT.
Die Klänge/Geräusche, die das Kind auf dem Soundbrett erzeugt, werden durch die Holzfasern übertragen und treffen auf Teile des Körpers. So erhlät der Klang einen anhaltenden und verstärkenden Effekt (wirkt motivierend und aktivitätssteigernd).
Durch das Gewicht des Kindes kommt es zu einer leichten Biegung des Brettes nach unten. Auf diese Weise rollen Kugeln wieder zurück, die durch die Körperbewegung des Kindesan den Rand des Brettes bewegt wurden (auch hier also eine anhaltenden Reaktion auf die kindliche Aktivität). Das Brett soll helfen, ein Raumverständnis zu entwickeln. Das Sich-Bewegen auf dem Brett ist ein wichtiger Ausgangspunkt für die Motivation, den Raum außerhalb des Brettes erschließen zu wollen.
ZU BEGINN SOLLTE EIN ERWACHSENER ZUSAMMEN MIT DEM KIND AUF DEM BRETT SITZEN - Kind auf Schoß (Das haben wir nicht gemacht, Felix hat es direkt alleine ausprobiert.)
Das Kind sollte langsam mit dem Brett vertraut gemacht werden (erst leise - dann lautere Geräusche erzeugen), dann langsam direkte Konfrontation.
Das Resonanzbrett / Bauanleitung:
- besteht aus 4 mm starken Sperrholz
Maße: 150 x 150 cm (bei den kleinen Kindern: 120 x 120 cm)
- auf der Unterseite wird entlang der Kante eine Holzstreifen (Latte), mind. 3 x 3 cm,
angebracht
(laut unserer Blindenschule die Latten leimen und nicht mit Nägeln befestigen. Die Nägel nehmen angeblich die Akkustik)
Und zum Schluß noch ein paar persönliche Anmerkungen:
Wie gesagt, Felix macht es richtig Spaß. Es gibt zig Spiel-/Lernvarianten:
- viele Bälle auf das Brett. Durch Felix Bewegung rollen die Bälle und erzeugen Geräusche
- Bürsten !!! Felix liebt es, wenn man mit Bürsten auf dem Brett entlang geht. Man kann kreisenden Bewegungen machen oder aber auch ganz dicht am Körper des Kindes lang gehen, so dass es genau weis, so groß bin ich.
- Strümpfe mit Perlen: Wir haben auf Strümpfen Perlen geklebt (man kann sie auch annähen, hält besser). Felix bekommt die Strümpfe an die Füße oder Arme, so entstehen ebenfalls Geräusche.
- Säckchen voller Steine. Im Dekoladen gibt es Säckchen mit ganz vielen kleinen Steinen, die machen herrliche Geräusche, wenn man dagegen tritt.
- alle möglichen Klopfgeräusche mit den Händen oder Schüsseln, etc.
- Und jetzt unser neues HIGHLIGHT: Seit fast 2 Wochen hat Felix einen Vibrator für das Resonanzbrett. Es hört sich vielleicht komisch an, aber er liebt es und ich glaube, seine Bewegungen sind dadurch mehr geworden. Der Vibrator wird mit einen Gummiband an der Hand befestigt. Ich hatte in dem Buch "Schritt für Schritt" gelesen, dass man einen Damenrasierer verwenden soll. Das haben wir ausprobiert, aber die heutigen Damenrasierer geben keine Vibrationen mehr ab. Ein Massagegerät war auch nicht, deshalb hat Felix einen Vibrator bekommen.
Hier der Auszug aus dem Buch von Lilli Nielsen:
"Ein achtjähriger völlig spastischer, blinder Junge war nicht in der Lage, seine Hände zu öffnen oder seine Arme zu bewegen. Er wurde auf ein Resonanzbrett gelegt. Mit einem Gummiband wurde ein vibrierendes Gerät (ein Damenrasierer, von dem die Messer entfernt wurden) in seine rechte Hand befestigt. Die Vibration stimulierte seine verkrampften Muskeln derart, dass er seinen Arm bewegen konnte. Das verhalf zu verschiedenen , unter anderem auditiven Feedbacks vom Resonanbrett. Der Junge begann, mit der Erzeugung dieser Geräusche zu experimentieren, wodurch er lernte, den Arm bewußt zu bewegen. Um sicher zu gehen, dass er weiterhin herausgefordert wurde, wurden einige Tage später mehrere Objekt in seiner Reichweite auf das Rensonzbrett gelegt, was ihm ermöglichte mehr Geräusche zu erzeugen, wenn er das vibrierende Gerät in ihre Nähe brachte. Nachdem er die Gelegenheit hatte, vier Wochen lang auf diese Weise zu spielen, brachte er das vibrierende Gerät zu seinem Kopf und genoss das seltsame Gefühl. Ein Plastikplatte wurde sodann an seinem Körper befestigt. Er entdeckt bald, dass er en neues Geräusch prodzieren konnte, wenn er das vibrierende Gerät an die Platte brachte und machte so die taktile Erfahrung der Vibration in seinem Bauch. Er hatte sehr großen Spaß...
So, dass war der Auszug aus dem Buch. Ich würde sagen, jetzt reicht es. Probiert es einfach aus.
Viele Grüße
Bianca _________________ Felix 25.10.2005 - mehrfach schwerstbehindert durch schweren Hebammen und Ärztefehler. Reanimation bei Geburt.Sehr schwerer Hirnschaden mit schwerster Spastik,PEG,Schwere psychomotorische Retardierung mit bulbärer Koordinationsstörung,Hirnrindenblindheit,zerebrales Anfallsleiden
Ganz lieben Dabnke für deine ausführliche Beschreibung und die PN
Ich habe wirklich versucht etwas mehr Infos zu diesem Brett zubekommen, aber irgendwie funktionierte es nicht. Doch nun habe ich, dank deiner Beschreibung und den Bilder ein klare Vorstellung des Brettes und kann es mit Stephan testen
Die Idee mit dem Vibrator finde ich super und wenn Felix drauf anspring hast du doch dein Ziel erreicht, nur das ist wichtig. Ich wünsche dir und Felix noch ganz viele Erfolge auf dem Brett _________________ Liebe Grüße Bianca und dicke Knuddelgrüße von Stephan und Lea Fabienne
ich habe mich vor kurzem bei REHAkids vorgestellt mit: carla milt lelia alma ...
daraufhin hat sich bei mir ellen (haase?) gemeldet, weil sie einen kontakt zwischen mir und dir herstellen möchte. die schwere mehrfachbehinderung meiner zweiten tochter ist nämlich ebenfalls durch einen hebammen- und ärztefehler verursacht worden. auch wir kämpfen - bisher haben wir erstmal die schlichtungsstelle der ärztekammer eingeschaltet. das gutachten soll in ca. 4 monaten da sein. dann sehen wir weiter ...
wie seid ihr genau vorgegangen?
ich würde mich sehr freuen, wenn du die zeit für eine antwort findest.
alles alles gute für euch.
carla _________________ Carla (74) mit Luca Amélie (02), Lelia Alma (Mai 06) - schwerer hypoxischer Hirnschaden aufgrund zu spät bemerkter Uterusruptur unter der Geburt, 2 Reanimationen. Schwere Mehrfachbehinderung (PEG, Epilepsie, schwere Sehbehinderung, Tetraparese, schwere Spastik...) und Muriel (2011) http://www.REHAkids.de/phpBB2/album.....ersonal.php?user_id=10750
Hallo bianca
ich denke dieses Brett wäre auch etwas für uns. Meine Fragen:
Kann man das Brett lackieren?
Kann man Polster/Decke o.ä. auflegen?
-oder wird davon die Akustik/Vibration beeinflusst?
Würde mich über eine Antwort sehr freuen!
Gruß Hilke
Hallo Hilke,
mit diesen Fragen haben wir uns noch gar nicht beschäftigt, aber ich kann gerne noch einmal unsere Sehtherapeutin fragen.
Ich würde das Brett nicht lackieren, weil ich mir unsicher mit den Schadstoffen der Farbe wäre. Schließlich liegt man direkt auf dem Brett.
Polster u. Decken würden die Akustik/Vibration beeinflussen. Wir legen Felix lediglich ein Spucktuch unter den Kopf und er findet es gar nicht schlimm so hart zu liegen. Aufgrund des Hohlraums unter dem Brett ist es auch nicht kalt. Deshalb würde ich ganz klar sagen, verzichtet auf diese Dinge. Die verschiedenen Spielzeuge (Bälle, etc.) werden ausserdem in Ihrem Klang u. Bewegung beeinflusst.
Viele Grüße
Bianca
PS: Ich werde es beim nächsten Termin noch einmal nachfragen. _________________ Felix 25.10.2005 - mehrfach schwerstbehindert durch schweren Hebammen und Ärztefehler. Reanimation bei Geburt.Sehr schwerer Hirnschaden mit schwerster Spastik,PEG,Schwere psychomotorische Retardierung mit bulbärer Koordinationsstörung,Hirnrindenblindheit,zerebrales Anfallsleiden
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